Vater vergib mir, denn ich habe gesündigt: der immergleiche Agenturenbrei
Gut am Arbeitgeber finde ich
Der zwischenmenschliche Umgang war lange Zeit ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Agentur. Leider ist dieser wertvolle Aspekt in letzter Zeit spürbar zurückgegangen. Es wäre wichtig, dass dieser Bereich wieder mehr Aufmerksamkeit erhält, um das gute Betriebsklima zu erhalten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Inkonsistente Entscheidungsprozesse , die für Mitarbeitende nur schwer nachvollziehbar sind. Der Umgang mit einzelnen Personen variiert dabei teils deutlich, was den Eindruck erweckt, dass nicht immer mit gleichem Maß gemessen wird.
In meinem konkreten Fall hat die Art und Weise der Entscheidungsfindung menschlich enttäuscht. Als jemand mit einem hohen Maß an persönlicher Verantwortung außerhalb des Berufs hätte ich mir mehr Weitsicht und Rücksichtnahme seitens der Führung gewünscht – besonders in einem Unternehmen, das sich nach außen hin als gesprächsoffen und progressiv versteht.
Verbesserungsvorschläge
1. Ehrlichkeit und Transparenz! Die Mitarbeitenden merken sehr schnell, wenn Dinge nicht offen kommuniziert werden.
2. Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn von den Teams erwartet wird, abends nicht mehr am Computer zu arbeiten, sollte dies auch für die Führungsebene gelten. Ein einheitliches Verhalten würde den Druck mindern, von dem viele aktuell betroffen sind.
Arbeitsatmosphäre
Insgesamt positiv, hängt jedoch stark von der jeweiligen Teamkonstellation ab. Wie in anderen Firmen auch, gibt es top-organisierte Projektmanagerinnen, die Briefings und sogar Timings liefern und dann gibt es eben solche, denen diese Qualitäten fehlen. Das führt zu großen Unterschieden in der täglichen Arbeitserfahrung. Im großen und ganzen funktioniert es aber, wenn man miteinander spricht.
Image
Wenn man sich in der Branche umhört, verbinden viele den Firmennamen zuerst mit der bekannten Limonade aus Österreich. Für viele Kreative ist die Agentur selbst eher weniger bekannt. Das muss nicht zwingend negativ sein, denn große Player genießen oft einen weniger guten Ruf.
Work-Life-Balance
Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird grundsätzlich unterstützt, und es wird Rücksicht auf familiäre Verpflichtungen genommen. Bei hoher Ausfallquote reagieren Führung und Teams verständnisvoll. Allerdings kommt es meiner Meinung zu häufig vor, dass Mitarbeitende aufgrund fehlender Planung abends oder an Wochenenden unter Druck nacharbeiten. Außerdem wird meiner Erfahrung nach oft übersehen, dass viele Mitarbeitende in ihrer Freizeit unentgeltlich Content produzieren, während gleichzeitig extern nach Creatoren gesucht wird. Das kann die Stimmung im Team durchaus belasten.
Meiner Meinung nach ist die Arbeitsform "New Work" auch hier in vielen Teilen nicht umsetzbar und dient nur der Außendarstellung.
Karriere/Weiterbildung
Beförderungen scheinen von der jeweiligen Person abzuhängen. Manche werden schneller befördert, andere deutlich langsamer. Diese uneinheitliche Handhabung führt bei vielen Mitarbeitenden zu Unverständnis. Zudem wurden Weiterbildungsmöglichkeiten während meiner Zeit kaum thematisiert oder aktiv angeboten, dazu kann ich also nichts beitragen
Gehalt/Benefits
Die Gehälter sind transparent, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Insbesondere wenn man erbrachte Leistungen unter Mitarbeitenden in den direkten Vergleich stellt. Unterhalb der Führungsebene sind Verdienstchancen also recht begrenzt. Aber große Gehälter sind in der Agenturbranche generell oft schwer erreichbar. Wer darauf setzt, sollte das im Hinterkopf behalten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt im Team ist insgesamt sehr gut. Der Großteil der Mitarbeitenden ist hilfsbereit, freundlich und verständnisvoll. Natürlich gibt es immer wieder einzelne Ellenbogen-Menschen, die sich nicht ganz so teamorientiert zeigen. Dennoch überwiegt eine positive Atmosphäre.
Umgang mit älteren Kollegen
Hierzu müsste man definieren, ab wann ein MA "älter" ist. Meines Erachtens haben alle auch vor 1990 geborene Mitarbeitende einen festen und respektierten Platz im Team.
Vorgesetztenverhalten
Hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt, hätte ich hier sicher sogar noch volle Punktzahl vergeben. Mittlerweile habe ich jedoch mehrfach erlebt, dass die hoch angepriesenen firmeneigenen „Gebote“ nicht konsequent eingehalten werden und die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden zu kurz kommt. Die Qualität im Führungsverhalten hat meiner Ansicht nach deutlich nachgelassen, was viele Mitarbeitende sehr persönlich nehmen.
Arbeitsbedingungen
Die Ausstattung ist grundsätzlich gut, und wenn etwas benötigt wird, wird meist schnell Abhilfe geschaffen. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass privates Equipment genutzt wird, was aus meiner Sicht besser geregelt werden könnte. Die Arbeitsplätze sind insgesamt in einem guten Zustand. Allerdings kann es im Winter in den Büroräumen recht kalt werden, und wenn viele Mitarbeitende gleichzeitig vor Ort sind, kann es zeitweise ziemlich laut werden. Deshalb ist es ein großer Vorteil, dass jederzeit die Möglichkeit besteht, im Homeoffice zu arbeiten.
Kommunikation
Dieser Punkt fällt mir persönlich schwer zu bewerten. Es wird sehr viel gesprochen, oft vielleicht mehr, als tatsächlich weiterhilft. Lange Monologe wirken manchmal eher wie eine inhaltliche Absicherung oder reine Routine, ohne echten Beitrag zum Projektfortschritt. In Teilen funktioniert die grundlegende Abstimmung mitunter sehr gut, aber in vielen Situationen fehlt es an klaren, strukturierten Informationen. Besonders unter Zeitdruck wird viel diskutiert, wo eigentlich schnelle Entscheidungen nötig wären.
Gleichberechtigung
1/4 weibliche Geschäftsführung, da ist noch Luft nach oben. In manchen Bereichen gibt es stark tonangebende Personen, die einem die Kommunikation manchmal erschweren können. Insgesamt ist die Firma aber bemüht, divers und offen zu sein.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind stark vom Kunden abhängig. Bei geringem Budget fällt auch der kreative Spielraum eher klein aus. Oft ist das Tempo bei Produktionen so hoch, dass die Qualität darunter leidet. Zusätzlich erschweren persönliche Befindlichkeiten im Produktionsteam den Ablauf – vieles würde einfacher laufen, wenn alle ihren Teil zuverlässig erledigen würden.