Schwache Führung und ein Klima ohne Qualitätsanspruch — auch das starke Team gleicht das nicht mehr aus
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Kollegenzusammenhalt
- Echte Remote-Flexibilität
- Moderne Ausstattung und gute Tools
- Workation, Corporate Benefits, Teamevents
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Blaming-Kultur statt sachlicher Auseinandersetzung mit Kritik
- Entscheidungen aus Bauchgefühl und FOMO, fern der Umsetzungsebene
- Kaum Feedback- und Wertschätzungskultur, dafür Mikromanagement bei Problemen
- Klarer Fokus auf Sales, Qualität nachrangig
- Mitarbeiterumfragen ohne sichtbare Folgen
Verbesserungsvorschläge
Kommunikation faktenbasiert und transparent gestalten, besonders bei harten oder personellen Entscheidungen. Führungskräfte gezielt in Mitarbeiterführung, Change Management und konstruktivem Feedback weiterentwickeln — und die Führung wieder näher an die operativen Themen bringen. Eine Feedbackkultur etablieren, die nicht erst greift, wenn etwas schiefläuft. Mitarbeiterumfragen konsequent mit sichtbaren Maßnahmen beantworten, sonst lieber ganz weglassen. Und beim Thema KI einen deutlich reflektierteren Umgang entwickeln — qualitativ, sozial und ökologisch.
Arbeitsatmosphäre
Seit Anfang 2025 hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert. Der Druck war konstant hoch, Wertschätzung gab es selten. Unzufriedenheit, die mehrfach auch über Mitarbeiterumfragen klar signalisiert wurde, hatte keine sichtbaren Konsequenzen. Wer Kritik an Strategie oder Plänen geäußert hat, bekam schnell zu hören, das sei das "falsche Mindset" oder man habe nur Angst vor Veränderung — eine inhaltliche Auseinandersetzung fand kaum statt. Man hat sich irgendwann zweimal überlegt, ob man Themen überhaupt noch anspricht. Als Antwort auf Überlastung kam meist nur "mehr KI und Freelancer einsetzen" oder der Hinweis, dass die Qualität dann eben sinken könne.
Kommunikation
Widersprüchlich und wenig transparent. Zahlen und Botschaften wirkten oft so, als würden sie zur jeweiligen Erzählung passend gemacht — mal waren die Zahlen ein Grund zur Sorge, kurz darauf das beste Jahr überhaupt. Strategische Entscheidungen wirkten häufig weniger durchdacht als aus dem Bauch heraus oder aus FOMO getroffen, was es schwer machte, sie nachzuvollziehen oder mitzutragen. Lief etwas nicht wie gewünscht, lag die Ursache meist bei den Mitarbeitenden — fehlendes Mindset, zu wenig Offenheit für Veränderung. Insgesamt fehlte erkennbar die Nähe zu den Themen, die operativ tatsächlich umgesetzt werden mussten.
Kollegenzusammenhalt
Mit Abstand der größte Pluspunkt. Die Kolleginnen und Kollegen sind fachlich wie menschlich stark, helfen sich gegenseitig und halten auch in schwierigen Phasen zusammen. Bei der hohen Fluktuation der letzten Zeit bleibt allerdings abzuwarten, wie sich das mittelfristig entwickelt.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich gut. Die flexible Zeiteinteilung und das gut funktionierende Remote-Setup helfen dabei, den Alltag eigenständig zu gestalten und nach Feierabend abzuschalten. Die Belastung verläuft allerdings wellenförmig, und in Hochlastphasen fehlt es spürbar an Unterstützung von oben — wenn solche Phasen länger anhalten, wird das schnell zehrend.
Vorgesetztenverhalten
Es fehlt erkennbar an grundlegenden Führungskompetenzen — sowohl im Umgang mit Mitarbeitenden als auch beim Treffen fundierter, nachvollziehbarer Entscheidungen. Eine echte Feedbackkultur gibt es kaum: Feedback kommt fast ausschließlich dann, wenn etwas nicht läuft, und äußert sich dann eher als Mikromanagement statt als konstruktiver Austausch. Lob oder Wertschätzung blieben selten, bei Problemen gab es wenig Rückhalt.
Gleichberechtigung
Input von Kolleginnen wurde spürbar weniger ernst genommen als der gleiche Input von männlichen Kollegen, und Mansplaining war keine Seltenheit. Entsprechend kurz blieben etliche kompetente Frauen im Unternehmen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ein reflektierter Umgang mit KI — ökologisch wie sozial — fehlt komplett, Ausgleichsmaßnahmen gibt es nicht. Auch sonst war das Thema Nachhaltigkeit nur durch das Engagement einer Einzelperson sichtbar; seit deren Weggang ist davon kaum noch etwas übrig.
Gehalt/Benefits
Gemessen an Arbeitsmenge und Branchenniveau im Raum München eher unterdurchschnittlich. Anpassungen nach oben muss man aktiv selbst einfordern, und auch dann werden sie häufig mit eher fadenscheinigen Argumenten abgelehnt.
Image
Das ursprüngliche Startup-Feeling ist weitgehend weg, die Distanz zur Führungsebene wächst. Statt sich ernsthaft mit den Ursachen auseinanderzusetzen, werden neue Leute eingestellt und Besserung in leeren Worthülsen versprochen. Im Kern eine sales-getriebene Firma, in der Qualität bestenfalls an zweiter Stelle steht.
Karriere/Weiterbildung
Strukturierte Entwicklung findet faktisch nicht statt. Pläne existieren auf dem Papier, werden danach aber nicht gelebt. Aufstiegspfade sind unklar bis nicht vorhanden, Rollen werden breit und unscharf geschnitten — am Ende muss jede:r vieles parallel abdecken, mit auffällig viel Sales- und Steuerungsanteil für Freelancer. Bei dieser Arbeitslast bleibt für eigene Entwicklung ohnehin selten Raum.