Zwischen Innovationskraft und Führungsdefiziten
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Team ist für mich einer der größten Pluspunkte im Unternehmen. Hinzu kommt die Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort. Das Modell mit drei Tagen im Büro und zwei Tagen im Homeoffice ermöglicht sowohl den wichtigen persönlichen Austausch als auch fokussiertes Arbeiten und schafft insgesamt eine gute Work-Life-Balance.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Viele Entscheidungen laufen bei der Geschäftsführung zusammen, was in der Praxis häufig zu einem Engpass bei Prioritäten, Deadlines und Entwicklungsentscheidungen führt. Für die Fachbereiche bedeutet das oft zusätzlichen Druck und eingeschränkte Handlungsfähigkeit.
Zudem fällt es schwer, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufzubauen, wenn Vertrauen als Voraussetzung statt als Grundlage gegenseitiger Zusammenarbeit verstanden wird. Gerade auf strategischer Ebene ist ein gewisses Grundvertrauen notwendig, damit Verantwortung wirksam übernommen werden kann.
Einzelne Bemerkungen über Mitarbeitende werden zudem als wenig wertschätzend wahrgenommen. Moderne Führung lebt von Respekt, Vertrauen und einem professionellen Umgang miteinander. Diese Haltung sollte im Unternehmen auf allen Ebenen sichtbar sein.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Wertschätzung, mehr Transparenz und mehr Vertrauen in die Führungsebenen unterhalb der Geschäftsführung. Das Unternehmen sollte die Rolle der Führungskräfte stärken, Verantwortung konsequenter delegieren und die Professionalisierung von Prozessen vorantreiben, anstatt strukturelle Herausforderungen weiterhin mit dem Status eines „jungen Unternehmens“ zu erklären.
Arbeitsatmosphäre
Auf Geschäftsführungsebene fehlt aus meiner Sicht häufig die nötige Wertschätzung für Mitarbeitende und deren Leistung. Gleichzeitig sorgen die hohe Fluktuation und die regelmäßigen Trennungen bereits in der Probezeit für Verunsicherung im Unternehmen.
Dadurch entsteht ein spürbarer Leistungsdruck, der in vielen Teams präsent ist. Eine Kultur mit mehr Anerkennung, Vertrauen und langfristiger Mitarbeiterentwicklung würde vermutlich nicht nur die Motivation stärken, sondern auch die Bindung von Mitarbeitenden verbessern.
Kommunikation
Innerhalb des Teams erlebe ich die Zusammenarbeit als sehr positiv, offen und unterstützend. Der Austausch funktioniert gut und es besteht eine hohe Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen.
Der Kontakt zur Geschäftsführung findet hingegen überwiegend in Form von Arbeitsaufträgen oder Abstimmungen über Teams statt. Aufgrund der hohen Reisetätigkeit ist die Geschäftsführung zwar grundsätzlich erreichbar, persönliche Austausch- und Abstimmungstermine werden jedoch häufiger kurzfristig verschoben oder abgesagt.
Zudem wünsche ich mir eine transparentere Kommunikation zur Unternehmensstrategie sowie zu wichtigen Entscheidungen und Prioritäten. Häufig fehlt dem Team der Kontext, warum bestimmte Themen vorangetrieben werden oder welche übergeordneten Ziele verfolgt werden. Mehr Transparenz könnte Identifikation, Verständnis und Zusammenarbeit deutlich stärken.
Kollegenzusammenhalt
Mein absolutes Highlight sind die Teams. Die Kolleg*innen sind fachlich stark, offen, hilfsbereit und gehen respektvoll miteinander um. Gerade als Person ohne tiefen technischen Hintergrund habe ich mich jederzeit ernst genommen, eingebunden und unterstützt gefühlt.
Work-Life-Balance
Wenn es kritisch wird, wird in den Fachabteilungen ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft erwartet, einschließlich freiwilliger Überstunden. Gleichzeitig erfolgt die Kommunikation über Herausforderungen, Prioritäten und Entscheidungen nicht immer transparent. Dadurch entsteht mitunter der Eindruck, dass zusätzlicher Einsatz vorausgesetzt wird, ohne die Mitarbeitenden ausreichend mitzunehmen.
Vorgesetztenverhalten
Die Erwartungen an die Rolle sind nicht immer klar, was Verantwortlichkeiten und Prioritäten teilweise schwer greifbar macht.
Gleichzeitig wird vieles auf Geschäftsführungsebene entschieden oder freigegeben. Dadurch entstehen Engpässe, Prozessverbesserungen kommen nur langsam voran und Führungskräfte können ihre Rolle nicht vollständig ausfüllen.
Zudem werden Kommunikation und Entscheidungen teilweise als wenig transparent wahrgenommen. Einzelne Verhaltensweisen wirken steuernd oder manipulativ, und der Umgangston wird nicht immer als wertschätzend empfunden. Das erschwert eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Interessante Aufgaben
Die Rolle hat sich anders entwickelt als im Bewerbungsprozess beschrieben. Der Fokus lag deutlich stärker auf operativen Aufgaben als auf strategischen Projekten. Positiv war jedoch die steile Lernkurve durch die Arbeit an vielen neuen und unterschiedlichen Themen.
Gleichberechtigung
Mit rund 85 % männlichen Mitarbeitenden ist das Unternehmen sehr einseitig aufgestellt. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass die aktuelle Führungskultur nicht aktiv dazu beiträgt, weibliche Talente langfristig zu halten. Die geringe Präsenz von Frauen und die Fluktuation in diesem Bereich sollten als Anlass genutzt werden, die Rahmenbedingungen und die gelebte Kultur kritisch zu hinterfragen.
Umgang mit älteren Kollegen
Altersheterogenes Team mit viel Offenheit für unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Arbeitsweisen. Der Austausch zwischen erfahrenen und jüngeren Kolleg*innen wird als Bereicherung empfunden.
Arbeitsbedingungen
Das Berliner Büro liegt zwar etwas außerhalb und ist nicht unbedingt optimal erreichbar, dafür ist die Atmosphäre vor Ort umso angenehmer. Es wird sich sehr aufmerksam um die Mitarbeitenden gekümmert, und die gemeinsame Verpflegung bzw. das Kochen vor Ort schaffen eine wertschätzende und familiäre Umgebung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nachhaltigkeit spielt im Unternehmensalltag bislang eher eine untergeordnete Rolle. Die Mülltrennung funktioniert zwar, darüber hinaus ist das Thema jedoch wenig präsent.
Gehalt/Benefits
Die Gehaltsfindung erscheint wenig strukturiert und transparent. Gehaltsentscheidungen werden überwiegend durch die Geschäftsführung getroffen und scheinen stark von der subjektiven Einschätzung des jeweiligen Mitarbeitendenpotenzials abhängig zu sein. Klare Kriterien und ein verbindlicher Prozess würden die Nachvollziehbarkeit erhöhen.
Image
Die größte Stärke nach außen ist das Produkt selbst: innovativ, spannend und mit einer klaren Zukunftsperspektive. Das Unternehmen versteht es sehr gut, diese Innovationskraft auch im eigenen Auftritt zu transportieren und ein attraktives Bild nach außen zu vermitteln.
Karriere/Weiterbildung
Erste Coachings und Entwicklungsmaßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Eine klare Karrierestruktur mit definierten Entwicklungspfaden, Erwartungen und Perspektiven ist bislang jedoch kaum vorhanden.

