Menschlich top, technisch im Gestern – Fassade glänzt mehr als der Alltag
Gut am Arbeitgeber finde ich
Hervorragendes Vorgesetztenverhalten in meiner Abteilung: Ein Chef auf Augenhöhe, der immer ein offenes Ohr hat und bei Problemen unterstützt. Zudem ist die Work-Life-Balance überdurchschnittlich gut: Hohe Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung und eine sehr unkomplizierte Urlaubsplanung, auch bei kurzfristigen Anliegen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die veraltete Technik (extrem langsame PCs und instabile Scanner) sowie die hohe körperliche Belastung im Lager durch fehlende Hilfsmittel. Zudem herrscht eine ausgeprägte Silo-Mentalität zwischen den Abteilungen und eine Gehaltspolitik, die loyale Bestandsmitarbeiter gegenüber Neueinstellungen benachteiligt. Das Image nach außen ('Greenwashing') passt leider überhaupt nicht zur internen Realität der Verschwendung.
Arbeitsatmosphäre
Es ist in Ordnung, kommt aber auch auf die Abteilung an
Image
Nach außen gibt sich das Unternehmen als Vorzeige-Arbeitgeber: Azubi-Projekte, politisches Engagement und ein scheinbar modernes Arbeitsumfeld wirken sehr attraktiv. Schaut man jedoch hinter die Kulissen, bröckelt die Fassade. Vieles wird massiv verherrlicht und bis ins Absurde hochgelobt, um einen perfekten Eindruck zu hinterlassen. In der Realität herrscht jedoch ein Klima wie in der Politik: Viel Selbstdarstellung und Schein, aber die eigentlichen Probleme (Technik, interne Zusammenarbeit, Gehalt) werden kaschiert statt gelöst.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance ist einer der größten Pluspunkte. Geplanter Urlaub wird fast immer problemlos genehmigt, und auch kurzfristige Anfragen sind meist kein Thema. Die Gleitzeitregelung erlaubt einen flexiblen Start in den Tag, solange die Soll-Stunden erreicht werden. Auch wenn man mal spontan früher weg muss, ist das nach kurzer Rücksprache mit dem Vorgesetzten möglich. Überstunden sind keine Pflicht und werden nur nach Absprache und Verfügbarkeit angefragt.
Karriere/Weiterbildung
In der Logistik gibt es absolut null Aufstiegschancen. Wer sich weiterbilden möchte, etwa zum Meister, muss dies komplett selbst finanzieren. Doch selbst mit dem Abschluss in der Tasche gibt es keine passenden Stellen im Unternehmen. Man hört aus anderen Abteilungen Ähnliches: Weiterbildung wird zwar vielleicht geduldet, führt aber nicht zu beruflichem Aufstieg. Wer sich entwickeln will, muss das Unternehmen verlassen.
Gehalt/Benefits
Das Gehaltsniveau ist eher im unteren Bereich angesiedelt. Besonders frustrierend: Wer mehr kann und mehr Verantwortung übernimmt, bekommt das gleiche Gehalt wie Kollegen, die nur das Minimum leisten. Neueinsteiger steigen oft mit höheren Gehältern ein als langjährige Mitarbeiter. Lohnanpassungen werden meist abgeblockt oder sind minimal – und wenn es doch mal eine kleine Erhöhung gibt, wird im Gegenzug eine massive Leistungssteigerung erwartet. Es wirkt so, als wolle man den maximalen Gewinn auf Kosten einer minimalen Vergütung erzielen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen präsentiert sich die Firma als umweltbewusst, die Realität sieht jedoch anders aus. Es herrscht eine enorme Papierverschwendung und beim Wareneinkauf zählt nur der billigste Preis – auch wenn die Ware über 2.500 km transportiert werden muss. Der CO2-Fußabdruck scheint völlig egal zu sein. Zudem wird die Ware mit Bergen an unnötigem Karton, Holz und Folie geliefert. Von echtem Umweltschutz ist im Alltag leider nichts zu spüren.
Kollegenzusammenhalt
Zusammenhalt findet nur in der eigenen Bubble statt. Die Kommunikation zwischen den Bereichen ist schlecht; Hilfe wird weder angeboten noch auf Nachfrage gewährt. Man hat das Gefühl, dass es anderen Abteilungen egal ist, ob man untergeht, solange das eigene Pensum erledigt ist.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kollegen werden aktiv eingestellt, sofern sie ins Team passen und einen Beitrag leisten. Langjährige Mitarbeiter genießen eine hohe Wertschätzung im Unternehmen. Ein kleiner Wermutstropfen: Einzelne nutzen ihren Status leider aus, lehnen sich zurück und zeigen wenig Kompromissbereitschaft bei Neuerungen. Das betrifft aber wirklich nur eine kleine Minderheit; das Gros bringt sich gut ein.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten in meiner Abteilung ist vorbildlich. Man findet jederzeit Gehör für berufliche, aber auch private Anliegen. Vorschläge und Kritik können offen geäußert werden, ohne dass man eine respektlose Reaktion befürchten muss. Mein Vorgesetzter bemüht sich aktiv um Gleichbehandlung und vermeidet Bevorzugungen. Wichtig zu erwähnen: Das scheint stark abteilungsabhängig zu sein, aber in meinem Bereich funktioniert es hervorragend.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind schwierig. Investiert wird nur im absoluten Notfall, ansonsten wird extrem gespart. Die körperliche Belastung ist hoch, da schwere Ware im Wareneingang und in der Kommissionierung oft mühselig per Hand bewegt werden muss. Die Arbeitsmittel (Flurförderzeuge) sind in schlechtem Zustand, was man schon an der enormen Lautstärke der abgenutzten Räder hört. Auch die IT bremst den Workflow massiv aus: Rechner sind so langsam, dass einfache Belegdrucke Minuten dauern. Moderne Scanner sind zwar vorhanden, aber aufgrund technischer Probleme oder mangelnder Serververbindung kaum nutzbar. Das Potenzial der Software (Navision) wird durch fehlende Module oder Programmierung nicht ausgeschöpft.
Kommunikation
Die Kommunikation ist leider sehr einseitig und oft manipulativ. Informationen werden vor allem dann weitergegeben, wenn man sich dadurch profilieren kann. Transparenz fehlt völlig; stattdessen wird vieles so zurechtgebogen, dass man selbst gut dasteht, während wichtige Details für andere untergehen.
Gleichberechtigung
In der Theorie und von der Firmenstruktur her spielt das Geschlecht keine Rolle – es zählt, wie man sich einbringt und welche Leistung man zeigt. Leider gibt es im Alltag aber immer noch vereinzelte Personen, die an alten Rollenbildern festhalten und das Gefühl vermitteln, man sei aufgrund des Geschlechts benachteiligt. Die Basis stimmt, aber am Mindset einiger Kollegen muss noch gearbeitet werden.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben an sich sind abwechslungsreich und bieten Raum für eigene Optimierungen, um die Effizienz zu steigern. Das ist sehr positiv. Problematisch ist jedoch die Verantwortungsverteilung: Oft ist man für zu viele Bereiche alleine zuständig. Wenn Probleme auftreten, wird man als einfacher Mitarbeiter als Hauptverantwortlicher gesehen, während sich die stellvertretende Führungskraft bei Schwierigkeiten oft nicht zuständig fühlt oder die Dringlichkeit nicht erkennt. Die Last liegt hier oft auf den falschen Schultern.