Wenn Druck und Chaos Normalität werden - Meine ehrliche Bilanz nach vielen Jahren im Unternehmen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich habe mir diese Rückmeldung nicht leicht gemacht. Es arbeiten dort nach wie vor viele engagierte und tolle Menschen, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe und heute noch persönliche Freundschaften pflege. Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass zentrale Werte und Prinzipien, die mich ursprünglich zu diesem Unternehmen geführt haben, mit dem zunehmenden Erfolg nach und nach verloren gegangen sind.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe häufig erlebt, dass personelle Veränderungen intern vorbereitet wurden, ohne die betroffenen Mitarbeitenden rechtzeitig einzubinden. In einzelnen Fällen kam es vor, dass Mitarbeitende ohne Kenntnis über die Hintergründe ihre eigenen Nachfolger einarbeiteten. Aus meiner Sicht war diese Vorgehensweise nicht immer nachvollziehbar. Langfristig blieben solche Prozesse selten unbemerkt – und gelegentlich konnten sie auch nicht umgesetzt werden.
Verbesserungsvorschläge
Aus meiner Sicht sollten Ehrlichkeit, Transparenz und Wertschätzung aktiv gelebt und als zentrale Werte im Unternehmen verankert sein. Gerade in Zeiten des Wandels sind diese Faktoren entscheidend für Motivation, Vertrauen und langfristige Mitarbeiterbindung. Meine Bewertung wurde von Kununu offline gestellt, da expert Gröblinghoff über einen Anwalt angezweifelt hat, dass ich dort tätig war. Den Nachweis habe ich gerne zur Verfügung gestellt. Ich empfehle nicht negative Bewertungen zu löschen, sondern daraus zu lernen um Talente in Zukunft zu halten.
Arbeitsatmosphäre
Es wurde oft stundenlang nicht gesprochen um seine Kollegen im Großraumbüro nicht zu stören. Auf Wünsche der Kollegen seitens Trennwände wurde nicht eingegangen. Ich hatte immer das Gefühl, dass man kontrolliert wird. Kollegen die sich super verstanden wurden im neuen Büro auseinander gesetzt.
Image
Ich wurde ebenfalls gefragt ob ich nicht mal eine positive Kununu Bewertung schreiben möchte, genau wie viele meiner ehemaligen Kollegen. Das liest man auch schnell hier raus.
Ich habe den Eindruck, dass einige kritische Stimmen hier nicht mehr sichtbar sind – schade, denn auch konstruktive Kritik gehört zur Weiterentwicklung dazu.
Work-Life-Balance
Ich habe mindestens 45-50 Stunden und in der Regel ohne Pause gearbeitet. Bis spät abends noch auf E-Mails reagiert und war auch im Urlaub immer erreichbar.
Diese hohe Einsatzbereitschaft wurde meiner Wahrnehmung nach nicht besonders gewürdigt, sondern als selbstverständlich angesehen. Die Möglichkeit zum Homeoffice bestand nur in Ausnahmefällen, etwa bei Krankheit oder familiären Notfällen.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungsangebote wurden mir während meiner Beschäftigungszeit nicht aktiv unterbreitet. Verantwortung wurde mir regelmäßig übertragen und auch entsprechend vergütet. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass zusätzliches Engagement in erster Linie zu einer höheren Arbeitsbelastung führte – nicht zwingend zu einer nachhaltigen Entwicklungsperspektive.
Gehalt/Benefits
Die Gehaltsverhandlungen lagen vollständig in der Verantwortung jedes Einzelnen. Der hohe variable Prämienanteil wurde meiner Einschätzung nach teilweise als Druckmittel eingesetzt, was ich persönlich als kritisch empfand. Viele der Zielvorgaben waren – insbesondere unter den damaligen Marktbedingungen – schwer realistisch zu erreichen. Verglichen mit ähnlichen Positionen in der Branche hätte ich mir ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Grundgehalt und variabler Vergütung gewünscht.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die gesetzlichen Vorgaben im Bereich Umwelt- und Sozialstandards werden eingehalten. Darüber hinausgehende freiwillige Maßnahmen oder eine klar erkennbare Nachhaltigkeitsstrategie waren jedoch aus meiner Sicht nicht erkennbar
Kollegenzusammenhalt
Sehr stark und unterschätzt. Egal ob auf der Marktleiter oder Einkäufer Ebene halten die Kollegen doch schon gut zusammen. Hier arbeitet in allen Ebenen tolles Personal!
Umgang mit älteren Kollegen
Hier wurde nie ein Unterschied gemacht solange die Arbeitsleistung erbracht wurde. Auch im Verkauf konnte hier bis ins hohe Alter gearbeitet werden.
Vorgesetztenverhalten
In diese Bewertung lasse ich meine gesamte langjährige berufliche Erfahrung bei expert Gröblinghoff einfließen. Über die ersten Jahre hinweg habe ich sehr gerne mit meinen Vorgesetzten zusammengearbeitet. Mit dem zunehmenden Wachstum und der Professionalisierung des Unternehmens hatte ich jedoch den Eindruck, dass der Fokus auf das Personal verloren ging – was sich aus meiner Sicht auch in einer hohen Fluktuation widerspiegelte.
Im Laufe meiner Tätigkeit kam es häufig vor, dass mein direkter Vorgesetzter vereinbarte Termine kurzfristig verschob, deutlich überzog, versäumte oder erst sehr spät absagte. Das erschwerte die Planbarkeit und Zusammenarbeit erheblich.
Gegen Ende meiner Tätigkeit kam es zu einer für mich sehr belastenden Situation: Ich empfand das Verhalten mir gegenüber als nicht fair und habe in dieser Phase erheblichen Druck wahrgenommen. Diese Erfahrung war letztlich auch der Auslöser für meine Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen – was viele Mitarbeitenden und Geschäftspartner*innen überrascht hat, da ich zuvor lange und engagiert hinter dem Unternehmen stand. Im Nachhinein betrachtet hätte ich diese Entscheidung bereits deutlich früher treffen sollen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsumgebung war geprägt von einem Großraumbüro ohne Rückzugs- oder Aufenthaltsmöglichkeiten. Es gab keine Homeoffice-Regelung, und die Küche befand sich direkt vor dem Büro der Geschäftsführung. Die allgemeine Stimmung empfand ich häufig als angespannt, und die Sauberkeit der Büroräume ließ aus meiner Sicht zu wünschen übrig.
Zusätzlich waren sämtliche Besprechungsräume vollständig aus Glas, was für mich das Gefühl von fehlender Vertraulichkeit und wenig Diskretion verstärkte.
Positiv hervorzuheben ist, dass auf funktionsfähiges Arbeitsmaterial geachtet wurde – insbesondere bei den Notebooks. Firmenhandys wurden nur auf Nachfrage zur Verfügung gestellt und waren häufig technisch veraltet.
Kommunikation
Sämtliche Ambitionen wurden nicht gewünscht. Stattdessen wurde einem seine Meinung vorgegeben.
Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht wurde nicht immer einheitlich und gleichberechtigt mit allen Mitarbeitenden umgegangen. Die Behandlung schien teils von der betreuten Warengruppe oder dem persönlichen Auftreten der Marktleitung nach außen abzuhängen. Den Umgang im Alltag empfand ich stellenweise als wenig professionell. Ein Betriebsrat, der aus meiner Sicht gerade in wachsenden Unternehmen eine wichtige Rolle für die Mitarbeitenden spielen kann, war leider nicht vorhanden.
Interessante Aufgaben
Die angebotenen Produkte waren interessant und der Austausch mit Industriepartnern erfolgte auf einem partnerschaftlich respektvollen Niveau. Die Aufgabenbereiche selbst waren inhaltlich gut strukturiert und leicht erlernbar. Allerdings hat das stetig steigende Arbeitsvolumen im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Belastung geführt, was sich spürbar auf den Arbeitsalltag ausgewirkt hat.