Nachhaltigkeit endet leider oft an der Bürotür
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ganz klar das Team. Der kollegiale Zusammenhalt ist außergewöhnlich gut. Die Mitarbeitenden unterstützen sich gegenseitig, ziehen an einem Strang und teilen ein echtes Interesse an den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Viele Freundschaften entstehen auch über die Arbeit hinaus. Ohne dieses Team wären viele Herausforderungen des Arbeitsalltags deutlich schwieriger zu bewältigen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die größten Schwächen liegen eindeutig in der Führungskultur. Entscheidungen werden nahezu ausschließlich von der Geschäftsführung getroffen, wodurch Führungskräfte kaum Handlungsspielraum haben und Verantwortung oft nur auf dem Papier existiert. Kritik oder Verbesserungsvorschläge werden selten als Chance verstanden und führen stattdessen häufig zu Rechtfertigungen oder Ablehnung. Transparenz bei Entscheidungen fehlt oftmals, wodurch Unsicherheit und Frustration entstehen. Hinzu kommen unterdurchschnittliche Gehälter, geringe Investitionen in Arbeitsmittel, kaum geförderte Weiterbildungen sowie eine hohe Arbeitsbelastung. Besonders enttäuschend ist, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderliegen: Nach außen wird ein modernes, nachhaltiges und mitarbeiterorientiertes Bild vermittelt, intern werden diese Werte aus meiner Sicht jedoch nicht konsequent gelebt. Viele engagierte Mitarbeitende verlassen das Unternehmen nach vergleichsweise kurzer Zeit – nicht wegen der spannenden Themen oder des Teams, sondern aufgrund der Unternehmenskultur und der Art der Führung.
Verbesserungsvorschläge
Die Geschäftsführung sollte eine offene Feedback- und Fehlerkultur etablieren und Kritik als Chance statt als Angriff verstehen. Führungskräfte sollten echte Entscheidungsbefugnisse erhalten und Verantwortung übernehmen dürfen. Zudem wären transparente Gehaltsstrukturen, mehr Investitionen in Arbeitsmittel und die konsequente Förderung von Weiterbildungen wichtige Schritte. Auch bei Kommunikation, Personalführung und nachhaltigem Handeln sollte das Unternehmen die Standards leben, die es gegenüber anderen einfordert. Nur so kann das eigene Leitbild glaubwürdig vertreten werden.
Arbeitsatmosphäre
Das Team arbeitet sehr gut zusammen und der kollegiale Zusammenhalt ist sehr gut. Leider lässt die Geschäftsführung kaum konstruktive Kritik zu. Sachliche Hinweise oder das Hinterfragen von Arbeitsweisen führen teilweise dazu, dass Mitarbeitende vor anderen öffentlich zurechtgewiesen werden.
Eine echte Feedbackkultur ist aus meiner Sicht nicht vorhanden. Zwar gibt es Führungskräfte für die einzelnen Bereiche, diese verfügen jedoch kaum über eigene Entscheidungsbefugnisse. Themen wie Gehaltsverhandlungen, Budgetverantwortung oder die eigenständige Steuerung von Prozessen liegen letztlich ausschließlich bei der Geschäftsleitung. Dadurch wirken Führungsrollen eher formal als tatsächlich mit Verantwortung ausgestattet.
Image
Aus meiner Sicht hat sich das Image des Unternehmens in den letzten Jahren verschlechtert. Auch bei Mitgliedern und Kunden werden zunehmend kritische Fragen zum System und zur Arbeitsweise gestellt. Besonders widersprüchlich wirkt, dass ein Unternehmen bzw. Verband, der Nachhaltigkeitsstandards für andere entwickelt und überprüft, selbst keine vergleichbare externe Zertifizierung für die eigene Organisation vorweisen kann. Gerade im Hinblick auf die Vorbildfunktion hinterlässt das einen fragwürdigen Eindruck.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich bietet das Unternehmen flexible Arbeitszeitmodelle, darunter Teilzeit, einen Homeoffice-Tag pro Woche sowie flexible Arbeitszeiten mit einem Arbeitsbeginn zwischen 07:00 und 09:00 Uhr. Das funktioniert im Arbeitsalltag in der Regel unkompliziert. Homeoffice ist jedoch regelmäßig ein kontroverses Thema. Die Geschäftsführung äußert sich hierzu häufig ablehnend und kommentiert die Nutzung teilweise mit kritischen oder scherzhaft abwertenden Bemerkungen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass dieses Angebot zwar offiziell besteht, aber nicht uneingeschränkt akzeptiert wird.
Schade ist, dass viele Behörden, Unternehmen und Verbände heute modernere Arbeitsstandards leben als ausgerechnet ein Verein/Unternehmen, der/das Nachhaltigkeit als Leitbild vertritt. Gerade bei Themen wie Vertrauen, Führung und flexiblen Arbeitsmodellen besteht aus meiner Sicht deutlicher Verbesserungsbedarf.
Karriere/Weiterbildung
Karriereperspektiven sind kaum vorhanden. Aufgrund der hohen Fluktuation bleiben viele Mitarbeitende ohnehin nicht lange genug im Unternehmen, um sich realistische Entwicklungsmöglichkeiten aufzubauen. Besonders enttäuschend ist die Situation bei Weiterbildungen. Diese werden nur selten genehmigt und müssen häufig langwierig begründet werden. Dadurch haben viele Mitarbeitende den Eindruck gewonnen, dass ihre fachliche Weiterentwicklung keinen hohen Stellenwert hat und verzichten mit der Zeit sogar darauf, entsprechende Anfragen zu stellen.
Gehalt/Benefits
Nach meinem Eindruck liegen die Gehälter – auch im Vergleich mit gängigen Gehaltsportalen und Statistiken – unter dem Branchendurchschnitt. Gespräche über Gehälter werden von der Geschäftsführung nicht gern gesehen, obwohl sich Mitarbeitende darüber selbstverständlich dennoch austauschen. Gerade dadurch wird deutlich, dass vergleichbare Tätigkeiten häufig unterdurchschnittlich vergütet werden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Gemessen am eigenen Leitbild besteht aus meiner Sicht deutlicher Verbesserungsbedarf. Es wird nach wie vor sehr viel gedruckt, Bestellungen erfolgen häufig über Amazon und Dienstreisen führen zu einer hohen Zahl an gefahrenen Kilometern. Auch bei Beschaffungsentscheidungen scheint der Preis häufig wichtiger zu sein als die nachhaltigere Alternative. Für ein Unternehmen, das Nachhaltigkeit als Kern seiner Identität versteht, hätte ich hier deutlich höhere Standards erwartet.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist eine der größten Stärken des Vereins. Das Team ist jung, engagiert und teilt ein echtes Interesse an Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Dadurch entstehen viele Freundschaften und ein starkes Miteinander. Umso deutlicher fällt der Kontrast zur Geschäftsführung auf, die sich aus meiner Sicht kaum als Teil dieses Miteinanders versteht, deutlich spürbar andere Themen bevorzugt und eher als Luxusliebend auftritt.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen ist respektvoll. Hier sind mir keine negativen Erfahrungen aufgefallen.
Vorgesetztenverhalten
In einem Wort: ungenügend. Verbesserungsvorschläge aus der Belegschaft verlaufen häufig im Sande, da Entscheidungen nahezu ausschließlich von der Geschäftsführung getroffen werden. Die vorhandenen Führungskräfte verfügen kaum über die Möglichkeit, Veränderungen eigenständig umzusetzen. Zudem entsteht der Eindruck, dass Alter bei Themen wie Gehalt oder Urlaub eine größere Rolle spielt als Leistung oder Verantwortung. Aussagen wie „Dafür sind Sie noch nicht alt genug“ sind in einem professionellen Arbeitsumfeld aus meiner Sicht unangebracht. Die Geschäftsführung sollte ihre Führungs- und Kommunikationskompetenzen weiterentwickeln und offener für Feedback sowie neue Impulse sein. Leider hatte ich nicht den Eindruck, dass hierfür ausreichend Bereitschaft besteht.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen entsprechen insgesamt eher dem Minimum. Über notwendige Arbeitsmittel muss häufig diskutiert werden. Diensthandys werden den meisten Mitarbeitenden nicht zur Verfügung gestellt, sodass auf Dienstreisen häufig private Geräte genutzt werden müssen oder eine Erreichbarkeit nicht möglich ist. Ein Teil der Laptops ist deutlich veraltet und beeinträchtigt die tägliche Arbeit. Auch bei hohen Außentemperaturen wird aus meiner Sicht nicht ausreichend in Maßnahmen zur Verbesserung des Raumklimas investiert. Hinzu kommt eine dauerhaft hohe Arbeitsbelastung vieler Mitarbeitender. Statt zusätzlicher Ressourcen werden Aufgaben häufig lediglich neu priorisiert – mit dem Ergebnis, dass am Ende trotzdem nahezu alles als dringend gilt. Auch die sanitären Einrichtungen sind für die Größe der Belegschaft knapp bemessen und stoßen insbesondere an heißen Tagen an ihre Grenzen.
Kommunikation
Die Kommunikation ist aus meiner Sicht eine der größten Schwächen des Vereins/Unternehmens. Informationen werden häufig nur unvollständig oder sehr spät weitergegeben. Personalveränderungen werden teilweise bis zum letzten Arbeitstag geheim gehalten und Mitarbeitende werden aufgefordert, darüber nicht zu sprechen. Entscheidungen mit Auswirkungen auf Beschäftigte werden oft erst kommuniziert, wenn sie bereits umgesetzt sind – teilweise sogar erst mit der Gehaltsabrechnung. Das führt zu großem Vertrauensverlust gegenüber der Geschäftsführung. Viele Mitarbeitende versuchen deshalb, den Kontakt zur Geschäftsführung möglichst zu vermeiden.
Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht besteht insbesondere im Verhalten der Geschäftsführung Verbesserungsbedarf. Weibliche Mitarbeitende und Führungskräfte werden häufig weniger in Diskussionen einbezogen oder nicht in ihrer fachlichen Rolle wahrgenommen. Es kommt vor, dass sie unterbrochen werden, ihre Expertise wenig Beachtung findet oder auf ihre Beiträge kaum eingegangen wird.
Interessante Aufgaben
Durch die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, Umwelt- und Weinbauthemen bietet das Unternehmen eine große thematische Vielfalt. Dadurch gibt es regelmäßig interessante Projekte und abwechslungsreiche Aufgaben. Das Kerngeschäft – die Bearbeitung der Zertifizierungen – wird von vielen Mitarbeitenden hingegen eher als klassische Sachbearbeitung wahrgenommen und gilt als weniger attraktiv. Positiv ist, dass projektübergreifendes Arbeiten gefördert wird, sodass die meisten Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, sich auch in spannende und vielfältige Themen einzubringen.