Private Equity Skalierung mit mangelhafter Ausführung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ambitionierte Ziele und eine klare Richtung. Wunsch zum Wachstum und zur Weiterentwicklung. Ein Produkt, welches noch viel Potential bietet und ein hohes Niveau & Einsatzbereitschaft bei den Kollegen (obwohl es leider immer mehr schwindet, wenn nicht aktiv etwas unternommen wird).
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Allergrößter Showstopper ist die Büropflicht.
Human Ressources - bei der Ressources im Mittelpunkt steht -> Einführung und Kommunikation von Regeln, welche nicht von Vertrauen zeugen. Prioritäten die schwer nachvollziehbar sind: Performance Review muss innerhalb einer Woche ausgefüllt werden. “Den perfekten Zeitpunkt gibt es eh nicht”. “Bis übermorgen gib bitte deine Shirt-Größe im HR-Tool ein, damit wir Pullover in der richtigen Größe bestellen können.” “Macht bitte diese Börsen-Schulung in den nächsten Monaten” -> es gibt schon kaum Zeit für die regulären Arbeitstätigkeiten. Es scheint, als würde HR nur die eigene Agenda verfolgen.
Die Lücke zwischen Visionen der Geschäftsführung und der Realität.
Die Kommunikation: CEO: “Eine Trading-App kann jeder bauen” -> sorgt nicht für Sympathie in der Entwicklung und wirkt auf mich weltfremd.
Bei “schlechten Nachrichten” wird das Middle-Management vorgeschickt.
Das man die mühevollen Ansätze zu agiler Produktarbeit wegwirft und klassisches Projektmanagement mit Gant-Diagrammen und Milestones einführt. Große Releases nach vielen Monaten, statt häufige kleinere Schritte. Projektpläne mit Schätzungen, ohne klare Anforderungen oder Pflichtenheft.
Verbesserungsvorschläge
Vertrauen, Flexibilität und Home-Office - das hat Zero in der Vergangenheit als Arbeitgeber ausgezeichnet. Das hat dazu geführt, dass die Mitarbeiter sich enorm engagiert haben, so dass ein Private Equity Unternehmen bereit war, mehrere 100Mio € zu investieren. Das wurde jetzt komplett zerstört. Das sollte dringend wieder korrigiert werden, ansonsten verliert Zero das, was es als Arbeitgeber interessant macht. Barista und Yoga in Co-Working Hubs bieten sehr viele an.
Skalieren bedeutet mehr, als viele Mitarbeiter (intern und extern) einzustellen. Prozesse, Arbeitsweisen und die Kommunikation müssen aktiv gesteuert und weiter entwickelt werden und dürfen nicht dem Zufall überlassen werden. Veränderung braucht Führung und Zeit - beides wird gar nicht gegeben. Es braucht eine Management, welches in die Lage gebracht wird, die abstrakten Visionen der Geschäftsführung realisierbar zu machen. Mehr Druck und Kontrolle sorgen eher für Spaltung, als für ein “Gemeinsam an einem Strang ziehen”.
Arbeitsatmosphäre
Das neue Mantra ist skalieren und exekutieren. Eingeführte Metriken und Tracking-Systeme unterstützen genau das. Das führt immer mehr dazu, dass man sich mehr Gedanken um die Kontrolle macht, als darum, wie man gut miteinander ein Ziel erreicht und dieses Ziel gut und optimiert für die Kunden ist. Die Unzufriedenheit der Mitarbeiter ist inzwischen so groß, dass die eigentliche Arbeit dadurch deutlich behindert wird.
Image
Niemand kennt Finanzen.net Zero als Arbeitgeber. Wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Unter den Kollegen gab es bisher eine große Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber. Seit der Übernahme und der neuen Geschäftsführung ist die Stimmung jedoch sehr schlecht. Meine Wahrnehmung ist, dass das Vertrauen und die Überzeugung in die Firma stark angeschlagen ist. Das merkt man daran, dass Aussagen vom Management wenig Wirkung zeigen und viele von den Entwicklungen enttäuscht sind.
Work-Life-Balance
Bisher: komplett flexible Arbeitszeiten, Urlaube konnten spontan und mit kurzer Abstimmung im Team unkompliziert genommen werden, 100% Homeoffice => großes Vertrauen in die Angestellten. Welches meiner Meinung nach auch nicht ausgenutzt wurde, sondern eher mit zusätzlichem Einsatz belohnt wurde.
Seit kurzem: Kernarbeitszeit 10-16 Uhr, gleichzeitig ist es aber üblich schon früher anzufangen (Meetings finden schon früher statt). Im Gegensatz zu der Arbeit im Büro, dürfen Mitarbeiter die noch im Home Office arbeiten, nicht mehr als 30 Minuten Überstunden pro Tag machen ohne das sie es schriftlich begründen und der Vorgesetzte und HR es genehmigen.
Urlaube sollen nun auch länger im Voraus geplant werden. Die Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeiten ist damit komplett Geschichte. Die Änderungen wirken auf mich sehr stark als Vertrauensbruch und Kontrollzwang.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt ein festes Budget (im Vergleich eher niedrig) für Weiterbildungen, welches verwendet werden kann. Es wird nicht aktiv darauf geachtet, dass Zeit und Motivation für Weiterbildungen vorhanden ist. Man muss es selber in die Hand nehmen und sich darum kümmern. Aufgrund der hohen Arbeitslast nutzen Kollegen das Budget jedoch kaum. Möglichkeiten sich in anderen Bereichen einzuarbeiten, in einem anderen Team tätig zu werden oder sich auf etwas neues zu fokussieren, soll theoretisch möglich sein, wird in der Praxis aber eher erschwert.
Gehalt/Benefits
Gehalt beim Einstieg war ok, seit dem tut sich aber kaum etwas. Gehaltsverhandlungen spiegeln für mich wenig Wertschätzung wieder. Für mehr Transparenz wurde ein neues Tool mit "klaren" Karrierewegen eingeführt. Dieses ist allerdings sehr allgemein gehalten, was die Zuordnung schwierig macht. Das Management hat auch keine klare Erwartungshaltung an die Mitarbeiter beziehungsweise passt diese nicht zu den "transparenten" Einstufungen im HR-Tool.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es soll eher die Bahn statt dem Fahrzeug genutzt werden. Es gibt glaube ich einige Initiativen mehr darauf zu achten.
Kollegenzusammenhalt
Bisher: Jeder hat geholfen, wo es notwendig war. Es herrschte ein sehr freundliches und hilfsbereites Umfeld, in dem man sehr gut und effektiv Ziele erreichen konnte - auch in turbulenten Zeiten.
Inzwischen gehen Kollegen mehr und mehr in defensivere Haltungen über und versuchen sich zu schützen bzw. können aufgrund der neuen Regeln nicht mehr die selbe Flexibilität haben.
Umgang mit älteren Kollegen
Meine Wahrnehmung ist, dass Kollegen unabhängig vom Alter gleich behandelt werden.
Vorgesetztenverhalten
Top-Down Entscheidungen ohne die Einbeziehung der Mitarbeiter. Selbst das Feedback im Nachgang wird größtenteils ignorieret. Die ambitionierten Ziele passen nicht mit den eingeführten Arbeitsregeln zusammen und erschweren die Zielerreichung nicht nur, sondern machen sie unmöglich.
Die direkten Vorgesetzten sind ehemalige Entwickler-Kollegen, die leider auch gar nicht geschult wurden, um ihrer Aufgabe als Engineering Managern richtig nachzukommen. Das gute Verhältnis aus der Zeit zuvor hilft aber dabei, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Allerdings passieren dadurch auch viele Management/Kommunikationsfehler, die es dem Team und den Vorgesetzten immer schwerer machen, konstruktiv zusammen zu arbeiten.
Arbeitsbedingungen
Sehr gutes Notebook bekommen, mit dem alle Arbeiten erfüllt werden können. Monitor und Tastatur und Maus sind nur Standard. Dank Homeoffice konnte man aber bisher auch seine privaten, besseren Geräte verwenden. Im Büro gibt es nur den Standard, teilweise auch höhenverstellbare Tische. Aber nicht für alle. Man muss seinen Platz immer über ein Tool buchen und jedes Mal neu einrichten. Großraumbüros mit entsprechendem Lärm. Bereitgestellten Büro- und Konferenzflächen reichen auch gar nicht für alle aus. Wenn die Geschäftsführung den großen Meetingraum benötigt, muss Platz gemacht werden. Aktuellen Büroflächen unterstützen die aktuellen Office-Regeln überhaupt nicht.
Kommunikation
Erfolge, Fortschritte werden regelmäßig von der Geschäftsführung und vom C-Level hervorgehoben. Veränderungen und neue Regeln, die zu Einschränkungen für die Mitarbeiter führen, werden beiläufig, teilweise schon zufällig über den Flurfunk gestreut. Manche Neuigkeit erfährt man sogar von Externen eher, als über die offizielle Unternehmenskommunikation. Die Engineering Manager müssen oft als Botschaftsübermittler herhalten und können dann aber auch keine weiteren Informationen oder Hintergründe erklären.
In manchen Terminen wirkt es auf mich eher so, als würde man sich gegenseitig sagen wie toll man ist, statt ehrlich und transparent Arbeitsstände zu kommunizieren. Diese Art der Kommunikation führt bei mir zu einem sehr großen Vertrauensverlust in das was gesagt wird.
Es kommt auch immer öfter vor, dass Aussagen sich später als falsch herausstellen oder nicht eingehalten werden.
Gleichberechtigung
Sehr geringe Frauenquote (selbst für IT), so gut wie keine Junioren. Aufstiegschancen wirken jedoch unabhängig von Alter/Geschlecht & Co.
Interessante Aufgaben
Schnell und viel - dabei bleibt wenig Raum, Einfluß auf die Ausgestaltung des eigenen Arbeitsgebietes zu nehmen.
