Vom modernen Remote-Arbeitgeber zur Kultur des Misstrauens
Gut am Arbeitgeber finde ich
Trotz der vielen negativen Entwicklungen gibt es weiterhin einige positive Aspekte. Die Kollegen sind fachlich stark und der Zusammenhalt im Team funktioniert nach wie vor gut. Außerdem bietet die Arbeit grundsätzlich interessante und anspruchsvolle Aufgaben, die fachlich herausfordernd sind und Entwicklungsmöglichkeiten im Tagesgeschäft bieten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Besonders negativ fallen die neu geschaffenen künstlichen Hierarchieebenen auf. Früher funktionierten die flachen Hierarchien gut und Entscheidungen konnten schnell getroffen werden. Heute gibt es mehrere zusätzliche Managementschichten, die hauptsächlich Prozesse verlangsamen und die Distanz zwischen Mitarbeitern und Entscheidern vergrößern.
Hinzu kommt ein CEO, der bei öffentlichen Auftritten ständig die gleichen Management-Schlagworte wiederholt. Viele Aussagen wirken wie ein endloses Vorlesen aus der Liste den aktuell populären Unternehmensbegriffe. Der Bezug zur tatsächlichen Arbeit der Mitarbeiter fehlt dabei meist vollständig.
Verbesserungsvorschläge
Wenn 95 % der Mitarbeiter weit entfernt vom Head Office wohnen und ausdrücklich für eine 100-Prozent-Remote-Tätigkeit eingestellt wurden, sollte das Unternehmen diese Realität akzeptieren. Die aktuelle Back-to-Office-Strategie wirkt realitätsfern und schlecht durchdacht.
Statt Kontrolle und Misstrauen sollten wieder Vertrauen, Eigenverantwortung und Ergebnisse im Mittelpunkt stehen. Weniger Hierarchie, bessere Kommunikation und eine familienfreundliche Personalpolitik würden dem Unternehmen deutlich mehr helfen als weitere Büroanwesenheitstage. Insgesamt wäre eine Rückkehr zu den früheren, flachen Strukturen und einer echten Remote-Kultur ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre leidet massiv unter der Back-to-Office-Vorgabe. Viele Mitarbeiter wurden als Remote-Kräfte eingestellt und wohnen weit entfernt vom Head Office. Statt Vertrauen herrscht inzwischen Misstrauen. Es entsteht der Eindruck, dass Mitarbeiter grundsätzlich unter Verdacht stehen, nicht ausreichend zu arbeiten. Teilweise müssen Kollegen ihre Tätigkeiten minutengenau dokumentieren.
Image
nicht vorhanden
Work-Life-Balance
Eine echte Work-Life-Balance ist praktisch nicht mehr vorhanden. Mitarbeiter werden gezwungen, wochenweise ins Head Office zu reisen und mehrere Tage am Stück im Hotel zu leben. Für Familien mit Kindern ist das kaum machbar. Vielleicht kann sich das obere Management leisten, Haushaltshilfen oder zusätzliche Kinderbetreuung zu bezahlen. Für normale Arbeitnehmer sieht die Realität anders aus. Viele müssen selbst sehen, wie sie Familie, Kinder und Beruf unter einen Hut bekommen. Familienfreundlich ist das nicht.
Karriere/Weiterbildung
Karriereentwicklung und Weiterbildung spielen praktisch keine Rolle. Es gibt kaum strukturierte Programme oder erkennbare Förderung. Wer sich weiterentwickeln möchte, ist weitgehend auf sich allein gestellt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war bei der Einstellung durchaus attraktiv. Danach passiert jedoch oft nichts mehr. Gehaltsanpassungen sind intransparent oder finden gar nicht statt. Anfragen werden ignoriert oder verschleppt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
nicht gegeben
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist nach wie vor gut. Die Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig und versuchen gemeinsam, die schwieriger werdenden Rahmenbedingungen auszugleichen. Ohne die Kollegen wäre die Situation deutlich schwieriger zu ertragen.
Umgang mit älteren Kollegen
Älteren Kollegen gibt es nicht
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten ist enttäuschend. Vor allem auf den unteren Managementebenen fehlt häufig jede Kompetenz in Mitarbeiterführung. Entscheidungen werden von oben nach unten durchgereicht und ohne Diskussion umgesetzt.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen haben sich durch die Back-to-Office-Regeln massiv verschlechtert. Wer mit einem 100-Prozent-Remote-Vertrag eingestellt wurde, erwartet nicht plötzlich regelmäßige Pflichtaufenthalte im Head Office. Für viele Mitarbeiter bedeutet dies lange Reisen, Hotelaufenthalte und zusätzliche Belastungen im Privatleben.
Kommunikation
Die Kommunikation ist sehr schlecht. Wichtige Entscheidungen werden oft einfach verkündet, ohne die Betroffenen einzubeziehen oder nachvollziehbar zu erklären. Rückfragen bleiben unbeantwortet oder werden mit allgemeinen Floskeln abgetan. Besonders bei den Themen Remote Work und Büropräsenz fehlt jede offene Diskussion.
Gleichberechtigung
Eine Belegschaft, die zu 95 % aus weißen, jungen Männern besteht
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind grundsätzlich interessant und waren lange Zeit ein Grund, im Unternehmen zu bleiben. Allerdings wird dieser positive Aspekt zunehmend von Bürokratie, zusätzlichen Prozessen und organisatorischen Vorgaben überlagert. Die Arbeit macht immer weniger Spaß.
