Gut am Arbeitgeber finde ich
Ehrlich gesagt nichts. Ich hab wirklich überlegt, aber mir fällt kein einziger Punkt ein, den ich hier guten Gewissens loben könnte.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Jetzt geht es aber erst richtig los. Fangen wir mit dem an, was sich für mich wie „Arbeitszeitbetrug" anfühlt. Ich erklär das mal Schritt für Schritt, weil man es sonst gar nicht glaubt.
Du bekommst einen Vertrag über 35 Stunden die Woche auf 6 Tage verteilt, also Montag bis Samstag. Klingt erstmal normal. 35 Stunden geteilt durch 6 Tage sind 5 Stunden 50 Minuten pro Tag, die dir als Soll angerechnet werden.
Eingeplant wirst du in der Praxis aber nur an 5 Tagen mit jeweils 7 Stunden. Auch das klingt erstmal okay, macht ja ebenfalls 35 Stunden.
Jetzt kommt der Trick: Angerechnet werden dir pro Tag trotzdem nur 5:50. Das heißt, du machst von Montag bis Freitag jeden Tag 1:10 Überstunden, also 5 Stunden 50 Minuten Plus über die Woche. Und weil der Vertrag 6 Tage hat, wird dir am Samstag – an dem du gar nicht arbeitest – nochmal 5:50 als Soll abgezogen. Unterm Strich also plus minus null. Du arbeitest an 5 Tagen, was eigentlich für 6 Tage gilt.
Und jetzt wird es richtig unangenehm: Sobald du auch nur einen einzigen Tag krank bist oder Urlaub nimmst, gehst du ins Minus. Denn für diesen Tag werden dir nur 5:50 gutgeschrieben statt der 7 Stunden, die du gearbeitet hättest. Damit fehlen dir genau die 1:10, mit denen der Samstag ausgeglichen wird. Ergebnis: 1 Tag krank = 1:10 Minusstunden. Ein Tag, an dem du eine ärztliche Krankmeldung hast, kostet dich also Arbeitszeit.
Deswegen sagt man dir dann auch, du sollst dich gleich für die ganze Woche krankmelden, Montag bis Samstag – denn nur dann werden dir 6 × 5:50 = die vollen 35 Stunden angerechnet und du landest nicht im Minus. Du wirst also praktisch dazu gedrängt, dich länger krankzumelden als nötig. Und am Ende heißt es dann, du wärst zu oft und zu lange krank. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. :D
Dann kommen wir zum „Abbau". Es ist gerade wenig los in der Leitung? Kein Problem, Fonetix denkt mit und schickt dich einfach nach Hause. Nur bekommst du für diese Zeit dann Minusstunden, die du später wieder abarbeiten darfst. Das heißt: Die Firma hat zu wenig Arbeit da, aber du trägst dafür das Risiko und nicht der Arbeitgeber. Du sitzt zuhause, hast nichts davon, und musst die Stunden trotzdem irgendwann nachholen. Nach meinem Verständnis ist das Betriebsrisiko eigentlich Sache der Firma und nicht des Mitarbeiters – hier wird es aber einfach nach unten durchgereicht.
Und das ist am Ende das Muster hinter allem: Egal ob Zeiterfassung, Krankheit oder zu wenig Arbeit – ausbaden darf es immer der Mitarbeiter.
Verbesserungsvorschläge
Bessere Teamleiter einstellen, also Leute die fachlich wirklich was können und nicht nur Zahlen einfordern. Und den Mitarbeitern früher Bescheid sagen, wenn ein befristeter Vertrag nicht verlängert wird – und nicht erst eine Woche vor Ende. Das ist einfach respektlos, weil man in der Zeit weder was Neues suchen noch irgendwas planen kann. Ein bis zwei Monate Vorlauf wären das Mindeste. Dazu die Zielvorgaben mal realistisch machen: unter 360 Sekunden bleiben und gleichzeitig 3 Verkäufe pro Tag schaffen geht nicht, das weiß auch jeder da oben. Und wenn die ServiceLine wirklich Service sein soll, dann muss auch die Qualität gemessen werden und nicht nur der Umsatz.
Arbeitsatmosphäre
Sehr viel Druck, jeden Tag. Wir sind eigentlich die ServiceLine, also Kunden rufen an weil sie ein Problem haben und wir sollen ihnen helfen. In echt geht es aber nur ums Verkaufen. Die wichtigsten Metriken sind: wie viele Verkäufe hast du gemacht und wie schnell kriegst du den Kunden wieder aus der Leitung. AHT soll unter 360 Sekunden sein und 3 Verkäufe pro Tag sind Pflicht. Jetzt guck dir mal an was in diese 6 Minuten alles reinpassen soll: Begrüßung nach Vorgabe, der Kundenname muss 3x im Gespräch fallen, dann schildert der Kunde erstmal sein Problem, dann musst du den Fehler überhaupt finden, ihn dem Kunden erklären und beheben, danach sollst du die Angebote ansprechen und dann im besten Fall auch noch verkaufen. Das ist einfach nicht machbar, und das weiß da oben auch jeder. Also entweder du machst deine Zahlen oder du machst deinen Job richtig, beides geht nicht. Du sitzt die ganze Schicht mit einem Auge auf dem Kunden und mit dem anderen auf der Uhr, und genau das merkt man auch an der Stimmung im Team.
Image
Das sagen die anderen Bewertungen ja eigentlich schon alles. Wirklich schlecht, wenn nicht sogar noch schlechter als das was da steht. Intern wird das auch niemand ernsthaft bestreiten, unter Kollegen redet da keiner gut über die Firma. Nach außen wird trotzdem so getan als wäre alles super. Wenn man Leute fragt die hier mal gearbeitet haben, hört man eigentlich immer die gleichen Sachen. Und dass ständig neue Leute kommen und wieder gehen, sagt ja auch schon einiges.
Bitte fern bleiben.
Work-Life-Balance
Ganz okay, man kann ein Planmodell hinterlegen und hat damit wenigstens irgendwas womit man planen kann. Trotzdem werden sehr viele Überstunden verlangt, weil die Führung schlicht und einfach nicht planen kann. Statt vorher zu gucken wird dann kurzfristig gefragt ob du länger machst oder einspringst, oft ganz spontan. Wenn du regelmäßig ja sagst wirst du auch immer wieder gefragt, und wenn du nein sagst merkst du das direkt an der Stimmung. Mit vernünftiger Planung wären hier locker 4 Sterne drin, das Modell selbst ist nämlich gar nicht das Problem.
Karriere/Weiterbildung
Gibt es nicht. Weiterbildungen oder Schulungen, mit denen man wirklich weiterkommt, sucht man hier vergeblich. Wenn du aufsteigen willst, zum Beispiel Richtung Teamleitung, dann geht das nicht über Leistung oder Qualifikation, sondern darüber wie gut du dich bei den richtigen Leuten einschleimst. Wer sich anbiedert und alles mitmacht wird nach oben gezogen, wer seine Arbeit einfach gut macht wird übersehen. Deswegen sitzen da oben auch Leute die fachlich nichts können. Perspektive hat man hier also nur wenn man bereit ist mitzuspielen.
Gehalt/Benefits
Man bekommt Mindestlohn, mehr ist es nicht. Dazu kommt Provision für die Verkäufe, aber die wird auch immer weniger, weil die Firma selbst von ihrem Auftraggeber immer weniger bekommt – und das wird dann direkt an uns weitergereicht. Damit man sich das mal vorstellen kann: für eine Partnerkarte die du verkaufst, bekommst du 1,90 € Provision brutto, davon gehen dann auch noch Steuern weg. Und dafür sollst du 3 Verkäufe am Tag machen, also rechne dir selber aus was da am Ende übrig bleibt – keine 6 € brutto pro Tag. Für den Druck den du dir dafür den ganzen Tag gibst, ist das echt ein Witz. Benefits gibt es sonst auch keine, also bleibt unterm Strich einfach Mindestlohn.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Dazu kann ich ehrlich gesagt nicht viel sagen, weil das Thema im Alltag einfach überhaupt keine Rolle spielt. Es gibt keine Aktionen, keine Initiativen und auch sonst nichts wo man merken würde dass das jemanden interessiert. Papier und Strom laufen wie sie laufen, darüber wird nie geredet. Sozial gesehen kann ich es aber auch schlecht loben, wenn intern so mit den eigenen Leuten umgegangen wird. Insgesamt einfach ein Thema das es hier nicht gibt.
Kollegenzusammenhalt
Kollegen kommen und gehen wie Unterhosen. Es werden immer wieder Leute gekündigt weil sie für den Chef zu oft krank sind. Und das ist schon ein bisschen witzig, weil wenn du krank bist sollst du dich gleich für 6 Tage krankmelden, also Montag bis Samstag, damit du keine Minusstunden bekommst. Du wirst also quasi dahin gedrängt dich länger krank zu melden als nötig und am Ende steht dann in deiner Akte dass du zu oft und zu lange gefehlt hast. So baust du natürlich auch keine echte Bindung auf, du gewöhnst dich an jemanden und zwei Monate später sitzt da schon wieder ein Neuer. Freundschaften gibt es so gut wie keine. Dafür gibt es sehr viele Schoßhunde die alles direkt an die Führung weitertragen, also überlegst du dir dreimal was du sagst und vor wem. Nach außen wird immer von Team geredet aber in echt zählt nur wie du bei der Führung dastehst. Doppelmoral halt.
Umgang mit älteren Kollegen
Da kann ich ehrlich gesagt nicht viel Negatives sagen, das ist ganz okay. Ältere Kollegen werden im Alltag genauso behandelt wie alle anderen, da ist mir nichts aufgefallen was komisch war. Allerdings ist es auch so, dass es nicht besonders viele gibt, weil hier sowieso kaum jemand lange bleibt. Und die gleichen Zahlenvorgaben gelten natürlich für alle, egal wie alt oder wie lange man dabei ist – da wird keine Rücksicht genommen. Also weder besonders gut noch besonders schlecht.
Vorgesetztenverhalten
Keine Qualifikationen. Die Teamleitung wird von vielen Mitarbeitern nicht gemocht und auch nicht respektiert, weil einfach nur Quatsch verlangt wird, also Zahlen und Verkäufe. Fachlich kommt da nichts, wenn du bei einem schwierigen Kunden mal Unterstützung brauchst bist du auf dich allein gestellt. Rückendeckung gibt es keine, dafür aber jeden Tag die Frage wo deine 3 Verkäufe sind. Wenn du Kritik äußerst oder mal sagst dass was nicht läuft, wird das persönlich genommen und du bist auf einmal selber das Problem. Führung ist für mich mehr als nur Vorgaben von oben nach unten durchzureichen.
Arbeitsbedingungen
Die Technik ist veraltet und macht ständig Probleme. Die Oberfläche die uns bereitgestellt wird hängt sehr oft, teilweise wartest du mitten im Gespräch nur darauf dass sich endlich was lädt. Das ist besonders bitter wenn du gleichzeitig unter 360 Sekunden bleiben sollst – die Zeit die das System frisst zählt natürlich trotzdem gegen dich. Dazu kommen ungefähr 1 bis 2 Mal im Monat richtige Systemausfälle, manchmal auch öfter, und dann steht der Laden erstmal. Der Kunde sitzt in der Leitung, du kannst nichts machen und musst dich trotzdem irgendwie rausreden. Für ein Callcenter, wo das System das einzige Werkzeug ist das du hast, ist das echt zu wenig.
Kommunikation
Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Führungskräften ist mangelhaft. Jede Führungskraft sagt was anderes, du kannst drei Leute das gleiche fragen und kriegst drei verschiedene Antworten. Und wenn du dann nochmal nachfragst kommt nix Richtiges raus. Bei manchen Fragen wird einfach abgelenkt oder du wirst vertröstet und hörst nie wieder was davon. Vor allem bei Sachen die unangenehm sind, da kriegst du grundsätzlich keine klare Ansage. Infos über Änderungen erfährst du oft von Kollegen und nicht von oben. Man weiß am Ende einfach nie woran man ist.
Gleichberechtigung
Nein. Wenn du mit der Führung gut kannst, kannst du dir praktisch alles erlauben, und wenn nicht, wird dir jede Kleinigkeit vorgehalten. Es werden zwei komplett verschiedene Maßstäbe angelegt, je nachdem wer du bist. Bei den Lieblingen wird auch bei Sachen weggeschaut die eigentlich gar nicht gehen, also Datenschutzvergehen und auch Betrug am Kunden. Ich habe sogar selbst erlebt, dass so etwas von der Teamleitung angefordert wurde. Andere kriegen dagegen wegen viel kleinerer Sachen direkt ein Gespräch oder Konsequenzen. Von gleicher Behandlung kann man hier also wirklich nicht reden.
Interessante Aufgaben
Gibt es nicht. Du schrubbst einfach nur stumpf einen Call nach dem anderen durch, jeden Tag das Gleiche. Die Themen wiederholen sich nach zwei Wochen komplett, du weißt schon nach dem ersten Satz vom Kunden was jetzt kommt. Abwechslung gibt es keine, Projekte oder mal was anderes machen gibt es auch nicht. Weiterentwicklung oder dass man mal in was Neues reinschnuppern kann ist auch nicht wirklich vorgesehen. Am Ende bist du einfach nur eine Nummer die Calls abarbeitet und Verkäufe macht. Wer irgendwas Anspruchsvolles sucht ist hier komplett falsch.