Traumjob mit Ablaufdatum
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die allermeisten Mitarbeiter werden nur befristet angestellt, die Befristung wird meist wiederholt verlängert. Aus einer befristeten in eine unbefristete Anstellung übernommen zu werden ist zumindest derzeit praktisch unmöglich, unabhängig von der persönlichen Leistung. Lieber trennt man sich von wichtigen Mitarbeitern als jemanden dauerhaft anzustellen.
Es gibt gute Gründe, neuen, jungen wissenschaftlichen Mitarbeitern die Chance auf eine Anstellung zu geben, aber aus Sicht als Arbeitnehmer ist das negativ.
Arbeitsatmosphäre
Sehr positive, konstruktive Arbeitsatmosphäre. Genauso freundschaftlicher Umgang unter gleichgestellten Kollegen wie mit Linienvorgesetzten und Projektleitern. Selbst Abteilungsleitung, Bereichsleitung und Institutsleitung geben sich nahbar. Ich hatte das Gefühl, mit meinen Eigenheiten akzeptiert zu sein und habe gerne dort gearbeitet.
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Fraunhofer ist weltweit als wichtige Forschungsinstitution mit relevanten Beiträgen bekannt und respektiert. Jeder kennt MP3, auch wissenschaftliche und technologische Beiträge in anderen Bereichen sind in Industrie, Politik und Bevölkerung positiv anerkannt. Allerdings gibt es bei einigen Großkonzernen auch Vorbehalte gegenüber Fraunhofer-Mitarbeitern, da die Unternehmenskultur sich unterscheidet.
Work-Life-Balance
Der Führungsebene ist bewußt, daß es sehr anspruchsvolle und fordernde Projekte gibt. Ich habe jedoch auch Projekte erlebt, bei denen man sich problemlos auf die faule Haut hätte legen können, und es gab wenig engagierte Mitarbeiter, die sich anscheinend ein schönes Leben gemacht haben.
Tatsächlich ist der Zeit- und Leistungsdruck in den anspruchsvollen Projekten mit internationaler Standardisierung und hochkarätigen Kundenkontakten hoch. Insbesondere das Führungspersonal steht oft unter hohem Druck. Die personelle Ausstattung ist der Fülle an Aufgaben nicht immer angemessen. Man muß dann für seine persönliche Work-Life-Balance kämpfen.
Positiv sind die sehr flexiblen Arbeitszeitregelungen. Es hat mir nie jemand gesagt, Du muß das heute noch fertig bekommen, aber wenn man merkt, daß andere von den eigenen Arbeitsergebnissen abhängen, hängt man sich halt doch oft rein so gut man kann. Das Verhalten habe ich nicht nur bei mir sondern auch bei Kollegen beobachtet. Umgekehrt hat nie jemand etwas gesagt, wenn ich Zeit für mich privat verwendet habe, beispielsweise im Home-Office fast einen ganzen Tag lang nicht erreichbar war. Druck kam nie von Vorgesetzten, sondern aus den Projekten.
Karriere/Weiterbildung
Jeder Wissenschaftler hat die Möglichkeit zu promovieren, das wird sehr unterstützt, und auch die weitere Forschung nach der Promotion. Enge Zusammenarbeit mit Universitäten und der Industrie ermöglicht Kontaktanknüpfung auch für den Einzelnen. Förderung von Firmen-Ausgründungen und Selbständigkeit.
Bei ausreichend Engagement und Begabung ist es realistisch, Gruppen- oder Projektleitungsaufgaben übertragen zu bekommen.
Viele Weiterbildungsmöglichkeiten, Präsenz- und Online-Seminare, kostenpflichtige Prüfungen, Uni-Vorlesungen, Konferenzen, alles in der Arbeitszeit und vom Arbeitgeber bezahlt. Teilnahme wird von Vorgesetzten meist großzügig genehmigt.
Eine langfristige Karriere innerhalb des Instituts ist mittlerweile praktisch nahezu ausgeschlossen. Es werden ausschließlich befristete Arbeitsverträge abgeschlossen (oberes Management vielleicht ausgenommen). Egal wie die interne Karriere läuft, alles ist darauf ausgerichtet, daß man nach einigen Jahren keine Vertragsverlängerung mehr bekommt und wieder geht.
Gehalt/Benefits
Bezahlung nach Tarifvertrag (TVöD Bund), Eingruppierung nach Ausbildung und relevanter Berufserfahrung, keine individuellen Boni. Erfolgszulage nicht nach persönlicher Leistung, sondern nach unternehmerischem Erfolg des Bereichs und nach Position in der Hierarchie. Zuverdienstmöglichkeit durch Patentierung von Erfindungen. Anteilige Förderung von Deutschlandticket-Job.
Kostenlose Sportkurse, Fitneßräume, Ferien-Kinderbetreuung, Mutter-Kind-Räume, (freiwillige) Impfungen, Hautkrebsscreening, Gesundheitsveranstaltungen, Betriebsarzt regelmäßig vor Ort.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wird auf die Umwelt geachtet (z.B. Deutschlandticket-Job, Ladestationen für E-Autos), und auch ein guter Umgang mit den Mitarbeitern ist dem Institut erkennbar wichtig. Es ginge aber noch mehr.
Es gibt zum Beispiel keine Fair-Trade- oder Bio-Produkte in der Kantine, auf der Weihnachtsfeier oder dem Sommerfest (aber in einzelnen Küchen Bio-Milch für den Kaffee). Einführung von drei Tage Büropflicht, obwohl das zu mehr Verkehr mit negativen Umweltfolgen führt. Leuchstoffröhren anstatt sparsamer LED-Beleuchtung. Auch beim Lüften und Heizen ließe sich sicherlich noch mehr herausholen. Es gibt zwar Zuständigkeiten und Verbesserungen, es scheint aber, als wenn die Verantwortlichen von der Fülle an Aufgaben überfordert seien und daher nicht alles ausarbeiten und umsetzen können, was wünschenswert wäre.
Kollegenzusammenhalt
Wenn man Hilfe braucht, kann man jeden jederzeit fragen, auch abteilungsübergreifend. Man braucht eine spezielle Hardware oder Expertise zu einem Problem: Einfach in der Küche ansprechen, ins Büro kommen, anchatten oder Rundmail schreiben, wenn man nicht weiß, wer helfen kann. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Umgang mit älteren Kollegen
Alle Kollegen werden unabhängig vom Alter gleichermaßen geschätzt.
Vorgesetztenverhalten
Alle meine Vorgesetzen waren stets freundlich zugewandt, fair und haben mich in allen beruflichen Angelegenheiten bestmöglich unterstützt. Ich habe erlebt und erzählt bekommen, daß auch andere Kollegen Hilfe und Förderung von Linienvorgesetzten erfahren haben.
Arbeitsbedingungen
Überwiegend Zwei-Personen-Büros. Schreibtisch, Bürostuhl, Raumakustik, Büromaterial entsprechen den Standards. Aktueller Laptop und Desktop-Computer (Windows, Linux oder Macintosh nach persönlichen Vorlieben), große, hochwertige Büromonitore. Modern ausgestattete Konferenzräume. Labors und Tonstudios teilweise angemessen ausgestattet und teilweise mit Spitzenausstattung. Alles an Ausstattung, was ich für die Arbeit brauchte, habe ich stets unkompliziert bekommen.
Großes Minus: Große Fensterfronten mit Südausrichtung und keine Klimatisierung. Im Hochsommer als Büro eigentlich unzumutbar und vermutlich an heißen Tagen gesetzlich nicht als Arbeitsplatz erlaubt. Bester Work-Around: Schon mittags gehen und dann Home-Office.
Kommunikation
Mehrmals jährlich ausführliche Vortrage der Institutsleitung und der Bereichsleitungen zu allen relevanten Themen mit der Möglichkeit Fragen offen oder anonym zu stellen, die auch rege genutzt wird. Welche Projekte gibt es, wie läuft es aktuell, was ist geplant, wer ist befördert worden, welche besonderen Erfolge oder Mißerfolge gab es? Innerhalb der Projekte ausreichend Besprechungen und die Möglichkeit, auch außerhalb jederzeit jeden anzusprechen und zu fragen. Wer möchte, ist informiert.
Jährliche Mitarbeitergespräche dienen nicht primär der Beurteilung von Arbeitsleistung, sondern bieten die Möglichkeit zu konstruktivem Feedback in beide Richtungen.
Alle paar Jahre anonyme Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit und zu möglichen Problemen werden von der Institutsleitung sorgfältig und professionell vorbereiten und ausgewerten lassen. Die Umfrageergebnisse werden offen kommuniziert. Im Nachgang wird ernsthaft an Verbesserungen gearbeitet, wo Probleme erkannt werden, und die Änderungen werden während der Planung und Umsetzung proaktiv der Belegschaft mitgeteilt.
Gleichberechtigung
Geschlechtsidentität hat in meinem Arbeitsalltag nie eine Rolle gespielt. Toleranz und Diversität wird durch Aktionstage und Kurse gefördert. Der Arbeitgeber ist bemüht, mehr Frauen als Arbeitnehmerinnen zu gewinnen (z.B. "Girls-Day") und für Führungspositionen zu berücksichtigen. Die meisten Leitungsverantwortlichen, Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker sind Männer.
Interessante Aufgaben
In vielen Aufgabenfeldern steht das Institut an der Weltspitze (zum Beispiel Audiokodierung). Wenn man begabt ist und Initiative zeigt, hat man auf alle Fälle die Möglichkeit, mit den begabtesten Wissenschaftlern und Ingenieuren zusammenzuarbeiten und selbst wesentliche Beiträge zu leisten.

