Seriöser Traditionsverlag mit großem Remote-Plus, aber dringendem Modernisierungsbedarf
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist insgesamt gut und angenehm. Man arbeitet hier in einem Großraumbüro, was man natürlich mögen muss, aber der kollegiale Umgang passt. Ein riesiger Pluspunkt ist die Flexibilität bei den Arbeitszeiten und der Mobilarbeit: Die Möglichkeit, immer im Remote-Office arbeiten zu können, wird hier super umgesetzt und steigert die Lebensqualität enorm. Bei den zusätzlichen Benefits gibt es allerdings noch Luft nach oben. Es werden lediglich Wasser und Kaffee kostenlos zur Verfügung gestellt. Kleine Aufmerksamkeiten wie frisches Obst oder zusätzliche Snacks fehlen leider komplett.
Image
Das Unternehmen genießt in der Öffentlichkeit und der Branche das Image eines traditionsreichen und seriösen Verlags. Dieser gute Ruf basiert vor allem auf der Historie und der Beständigkeit. Allerdings wirkt das Image intern wie extern zunehmend veraltet. Es wird versäumt, die Marke modern aufzustellen und an die heutigen, digitalen Standards anzupassen. Der gute Name trägt das Unternehmen zwar noch, aber ohne einen zeitgemäßen Wandel droht dieses positive Image schrittweise zu verblassen.
Work-Life-Balance
Die Flexibilität im Alltag ist wirklich super. Dank der großzügigen Remote- und Homeoffice-Regelungen sowie dem Verzicht auf starre Kernarbeitszeiten lässt sich das Privatleben hervorragend organisieren. Es gibt jedoch eine große Schwachstelle: Das Thema Urlaubsvertretung ist kaum geregelt. Da es so gut wie keine Vertretungen gibt, bleibt die Arbeit im Urlaub oft liegen oder man muss im Urlaub erreichbar sein. Wirklich entspannt in den Urlaub zu fahren, ohne gedanklich oder digital mit der Firma verbunden zu sein, ist dadurch kaum möglich.
Karriere/Weiterbildung
Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung oder Karriereentwicklung sind praktisch nicht vorhanden. Beförderungen und Stellenbesetzungen wirken intransparent und scheinen eher nach persönlichem Befinden als nach messbarer Leistung zu erfolgen. Zudem werden Führungspositionen fast ausschließlich von extern besetzt. Das ist besonders bedauerlich, da im Unternehmen durchaus junge, kompetente und motivierte Angestellte vorhanden wären, die man gezielt in Führungspositionen entwickeln und heben könnte. Diese internen Potenziale werden jedoch komplett ignoriert.
Gehalt/Benefits
Das Gehaltsgefüge ist insgesamt unbefriedigend. Das Unternehmen zahlt nicht nach Tarif, und die Vergütung liegt spürbar unter dem branchenüblichen Tarifniveau. Ein großes Manko ist die fehlende Gehaltsentwicklung: Gehaltserhöhungen finden praktisch nicht statt. Das Einstiegsgehalt bleibt dauerhaft statisch. Zudem gibt es keinerlei nennenswerte Zusatzleistungen, Benefits oder Bonuszahlungen, die dieses unterdurchschnittliche Gehaltsniveau in irgendeiner Form ausgleichen könnten.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Bewusstsein für Umweltthemen ist im Unternehmen theoretisch vorhanden, und es gibt durchaus den Willen, nachhaltiger zu agieren. In der praktischen Umsetzung im Büroalltag scheitert es jedoch oft an den einfachsten Grundlagen. So fehlt es beispielsweise an einer konsequenten und flächendeckenden Mülltrennung in den Räumlichkeiten. Hier klafft eine Lücke zwischen dem kommunizierten Anspruch und dem tatsächlichen Handeln im Alltag, die leicht geschlossen werden könnte.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist absolut top und das klare Highlight im Unternehmen. Man unterstützt sich gegenseitig im Alltag, zieht an einem Strang und der Umgang ist sehr herzlich und kollegial. Auch abseits der typischen Aufgaben funktioniert das Miteinander hervorragend. Dieses starke Teamgefüge fängt viele der anderen Defizite im Unternehmen spürbar auf.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit langjährigen und älteren Mitarbeitern ist grundsätzlich von großem Respekt geprägt, und es wird sehr viel Rücksicht auf sie genommen. Dies führt auf der anderen Seite jedoch zu einer spürbaren Ungleichbehandlung im Alltag. Ältere Kollegen genießen oft Sonderrechte und Freiheiten, die anderen Teams oder jüngeren Angestellten so nicht zugestanden werden. Zudem wird stark akzeptiert, dass diese Mitarbeiter starr an ihren seit jeher gewohnten Arbeitsweisen festhalten, selbst wenn diese nicht mehr zeitgemäß sind. Eine gleichmäßigere Verteilung von Pflichten und eine einheitliche Erwartungshaltung an alle Generationen wären hier für die Fairness im Team wichtig.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten und die Kompetenz der Abteilungsleitungen lassen leider stark zu wünschen übrig. Viele Führungskräfte wirken fachlich und strategisch nicht mehr zeitgemäß. Es fehlt an einem tieferen Verständnis für die tatsächliche Zielgruppe und die operativen Abläufe. Zudem ist die Gesprächsbereitschaft sehr gering: Konstruktive Einwände oder Feedback vonseiten der Mitarbeiter werden ignoriert, und die Vorgesetzten lassen beim Austausch kaum mit sich reden. Bei modernen Medien und neuen Technologien zeigt sich zudem eine riskante Fehleinschätzung: Künstliche Intelligenz wird unkritisch als die absolute Universallösung betrachtet und soll künftig scheinbar ganze Arbeitsbereiche unüberlegt ersetzen. Während KI als Werkzeug sinnvoll ist, führt dieser unreflektierte Ansatz gepaart mit mangelndem Fachwissen zu gravierenden Fehlentscheidungen, die langfristig die Zukunft des Unternehmens gefährden.
Arbeitsbedingungen
Die Rahmenbedingungen sind dank der flexiblen Remote-Optionen und der Homeoffice-Regelungen grundsätzlich gut. Bei der technischen Ausstattung gibt es allerdings erheblichen Nachholbedarf. Die zur Verfügung gestellten Arbeitsgeräte, insbesondere die Laptops, sind veraltet und reagieren oft zu langsam. Zudem wird in vielen Bereichen mit veralteten Programmen und Softwarelösungen gearbeitet, was die tägliche Arbeit unnötig verlangsamt und ineffizient macht. Für ein modernes Arbeiten wäre eine zeitgemäße Investition in die IT-Infrastruktur dringend erforderlich.
Kommunikation
Beim Verhalten der Führungskräfte gibt es deutlichen Optimierungsbedarf. Es entsteht leider häufiger der Eindruck, dass es in den Führungsebenen an der notwendigen Kompetenz mangelt, um Teams modern und zielgerichtet zu leiten. Besonders beim Thema Mitarbeiterkommunikation gibt es spürbare Defizite. Es wäre dringend ratsam, hier in gezielte Fort- und Weiterbildungen für die Vorgesetzten zu investieren. Davon würden nicht nur die Angestellten durch mehr Klarheit profitieren, sondern letztlich das gesamte Arbeitsklima im Unternehmen.
Gleichberechtigung
Vielfalt wird im Unternehmen grundsätzlich akzeptiert und respektiert. Es ist sehr positiv hervorzuheben, dass sich die Firma öffentlich klar gegen Rechts positioniert und damit gesellschaftliche Verantwortung zeigt. Wenn man jedoch auf die tatsächliche Belegschaft blickt, ist in puncto gelebter Diversität noch deutlicher Nachholbedarf vorhanden. Es gibt im Arbeitsalltag so gut wie keine Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Die Teams wirken in dieser Hinsicht sehr homogen. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Offenheit, die nach außen hin kommuniziert wird, künftig auch aktiver im Recruiting und bei der Personalauswahl umgesetzt wird.
Interessante Aufgaben
Die täglichen Aufgaben sind insgesamt in Ordnung, entwickeln sich jedoch schnell zur Routine. Im Kern wiederholen sich die Abläufe stark, wodurch die Arbeit auf Dauer etwas eintönig wird. Der persönliche Gestaltungsspielraum ist durch starre Vorgaben sehr eng begrenzt. Neue Ideen oder innovative Ansätze abseits der bekannten Pfade werden kaum gefördert. Es dominiert leider eine sehr traditionelle Mentalität, bei der stark an etablierten Prozessen festgehalten wird („Das haben wir schon immer so gemacht“), anstatt zukunftsorientiert über den Tellerrand hinauszuschauen.