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GELSENWASSER 
AG
Bewertung

Ihr Unternehmen?

Stabiler Arbeitgeber mit strukturellen Defiziten in Führung und Kommunikation.

3,0
Nicht empfohlen
FührungskraftHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Geschäftsführung bei GELSENWASSER AG in Haltern in Westfalen gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Der Arbeitgeber bietet hohe Stabilität und Sicherheit durch den Betrieb kritischer Infrastruktur. Die Aufgaben sind technisch anspruchsvoll, sinnvoll und gesellschaftlich relevant. Die tarifliche Vergütung ist verlässlich, transparent und sozial ausgewogen. Der kollegiale Zusammenhalt auf operativer Ebene ist stark und trägt den Arbeitsalltag auch in belastenden Phasen. Der Umgang mit älteren Kollegen ist respektvoll, Erfahrung wird geschätzt. Umwelt- und Sozialverantwortung sind glaubwürdig verankert und nicht nur Marketing.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Führung ist überwiegend hierarchisch, kontrollierend und fachlich zu wenig angebunden. Entscheidungen sind langsam, intransparent und oft nicht nachvollziehbar. Kommunikation erfolgt von oben nach unten und verliert unterwegs Substanz. Leistung und Engagement werden als selbstverständlich betrachtet und kaum differenziert honoriert. Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sind begrenzt, insbesondere für fachliche Spezialisten. Organisation und Prozesse sind träge, Dokumentation lückenhaft, wodurch Mehrarbeit und Reibung entstehen.

Verbesserungsvorschläge

Die Probleme sind organisatorisch, nicht technisch. Führung muss überprüfbar werden, statt folgenlos zu bleiben. Entscheidungen gehören dorthin, wo Fachkompetenz sitzt, nicht dorthin, wo Hierarchie endet. Kommunikation muss transparent sein, sonst entstehen Misstrauen und Parallelstrukturen. Leistung braucht klare Anerkennung, sonst bleibt nur Mittelmaß. Fachliche Entwicklung darf kein Zufall sein, und Wissen darf nicht an einzelne Personen gebunden bleiben. Überlast muss aktiv begrenzt werden, statt sie stillschweigend auf engagierte Mitarbeiter abzuwälzen.

Arbeitsatmosphäre

Die Arbeitsatmosphäre ist funktional, aber angespannt. Der operative Betrieb lebt vom hohen Engagement einzelner Fachkräfte und vom guten Zusammenhalt unter Kollegen. Gleichzeitig prägen Misstrauen, Kontrolle und eine ausgeprägte Hierarchie den Alltag. Offene Kritik ist unerwünscht oder folgenlos, Eigeninitiative wird geduldet, solange sie bestehende Macht- und Entscheidungsstrukturen nicht infrage stellt. Das führt zu Anpassung statt Offenheit und zu einer spürbaren inneren Distanz bei leistungsstarken Mitarbeitern.

Kommunikation

Die Kommunikation ist überwiegend top-down, reaktiv und stark gefiltert. Relevante Informationen erreichen die operative Ebene oft spät oder unvollständig, Entscheidungen werden selten transparent begründet. Rückmeldungen aus dem Betrieb versanden oder haben keine erkennbare Wirkung. Das fördert informelle Kanäle, Gerüchte und Parallelabstimmungen und untergräbt Vertrauen sowie Verbindlichkeit.

Kollegenzusammenhalt

Der Kollegenzusammenhalt ist insgesamt gut ausgeprägt. Auf der operativen Ebene unterstützen sich die Mitarbeitenden gegenseitig, Wissen wird pragmatisch geteilt und Probleme werden gemeinsam gelöst. Der Zusammenhalt entsteht dabei weniger durch das Unternehmen als durch den gemeinsamen Umgang mit strukturellen Defiziten von oben. Loyalität gilt primär dem Team, nicht der Organisation.

Work-Life-Balance

Die Work-Life-Balance ist formal geregelt, in der Praxis jedoch uneinheitlich. Arbeitszeiten, Ausgleichsregelungen und tarifliche Rahmenbedingungen bieten grundsätzlich Stabilität. Gleichzeitig führen operative Störungen, Personalknappheit und kurzfristige Anforderungen regelmäßig zu Mehrbelastung – insbesondere bei engagierten Fachkräften und Schlüsselrollen. Entlastung erfolgt situativ, nicht systematisch.

Vorgesetztenverhalten

Das Vorgesetztenverhalten ist der zentrale Schwachpunkt. Führung erfolgt überwiegend hierarchisch und kontrollorientiert, nicht kompetenz- oder ergebnisbasiert. Fachliche Expertise wird häufig übergangen, Verantwortung nach unten delegiert, Entscheidungsspielräume jedoch nicht mitgegeben. Kritik wird als Infragestellung der Autorität wahrgenommen und entsprechend abgewehrt oder ausgesessen. Anerkennung erfolgt selten, Vertrauen wird eingefordert, ohne es vorzuleben.

Interessante Aufgaben

Die Aufgaben sind fachlich anspruchsvoll und inhaltlich hochrelevant. Der Betrieb kritischer Infrastruktur, komplexe technische Anlagen und ein hoher Verantwortungsgrad sorgen grundsätzlich für ein interessantes und sinnstiftendes Arbeitsumfeld. Dieser Mehrwert wird jedoch durch eingeschränkte Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume relativiert. Viele Aufgaben bleiben operativ, obwohl fachlich deutlich mehr möglich wäre.

Gleichberechtigung

Gleichberechtigung ist formal gegeben und strukturell abgesichert. Offene Diskriminierung ist nicht erkennbar, Regelwerke und tarifliche Grundlagen werden eingehalten. In der gelebten Praxis wirkt die Organisation jedoch konservativ und hierarchisch geprägt. Aufstieg, Einfluss und Sichtbarkeit hängen stärker von Zugehörigkeit und Anpassung als von Leistung oder Perspektivenvielfalt ab.

Umgang mit älteren Kollegen

Ältere Kolleginnen und Kollegen werden respektvoll behandelt und genießen eine hohe Arbeitsplatzsicherheit. Erfahrung und Betriebszugehörigkeit werden geschätzt, Loyalität wird honoriert. Gleichzeitig erfolgt der Wissenstransfer nur unzureichend strukturiert; Erfahrungswissen bleibt häufig personengebunden. Die Organisation verlässt sich zu stark auf individuelle Verantwortung statt auf systematische Übergaben.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen sind insgesamt solide, aber nicht modern. Ausstattung, Arbeitssicherheit und tarifliche Rahmenbedingungen entsprechen dem Standard eines großen Versorgungsunternehmens. Gleichzeitig sind Prozesse träge, Zuständigkeiten nicht immer klar definiert und die Dokumentationsqualität uneinheitlich. Technische Leistungsfähigkeit und organisatorische Abläufe sind nicht ausreichend aufeinander abgestimmt.

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Das Umwelt- und Sozialbewusstsein ist strategisch verankert und glaubwürdig, insbesondere durch den Auftrag der Daseinsvorsorge und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Umweltziele, Sicherheitsstandards und soziale Verantwortung sind Teil der offiziellen Ausrichtung. In der operativen Umsetzung bleibt das Engagement jedoch häufig auf Pflichtniveau; Eigeninitiativen und innovative Ansätze werden nicht konsequent gefördert oder sichtbar gemacht.

Gehalt/Benefits

Die Vergütung ist tariflich geregelt, verlässlich und insgesamt überdurchschnittlich stabil. Gehaltssicherheit, Zusatzleistungen und soziale Absicherung sind klare Pluspunkte. Gleichzeitig fehlt eine echte Leistungsdifferenzierung: Mehrverantwortung, besondere Expertise oder überdurchschnittliches Engagement spiegeln sich kaum im Gehalt wider. Karrierewege sind formal vorhanden, praktisch jedoch begrenzt und stark von Hierarchie, Verweildauer und persönlicher Nähe abhängig. Fachliche Entwicklung ohne Führungsverantwortung ist nur eingeschränkt möglich.

Image

Das Image nach außen ist solide und überwiegend positiv: zuverlässig, sicher, gesellschaftlich relevant. Als Betreiber kritischer Infrastruktur genießt das Unternehmen Vertrauen und Anerkennung. Intern weicht dieses Bild jedoch spürbar von der Realität ab. Mitarbeitende erleben eine Diskrepanz zwischen modernem Außenauftritt und konservativer, hierarchischer Innenwelt. Diese Lücke schwächt die Glaubwürdigkeit der Arbeitgebermarke – insbesondere gegenüber qualifizierten Fachkräften.

Karriere/Weiterbildung

Karriere- und Weiterbildungsangebote sind formal vorhanden, jedoch nicht strategisch gesteuert. Schulungen und Qualifizierungen erfolgen überwiegend anlassbezogen oder pflichtgetrieben, weniger entlang klarer Entwicklungsziele. Transparente Karrierepfade fehlen, insbesondere für fachliche Experten ohne Führungsverantwortung. Entwicklung hängt stärker von Eigeninitiative und Akzeptanz durch Vorgesetzte ab als von systematischer Talentförderung.

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Arbeitgeber-Kommentar

Julia MüllerAbteilungsleitung Personalwirtschaft

Es freut uns, dass du die anspruchsvollen Aufgaben und den kollegialen Zusammenhalt im Team positiv erlebst sowie unser Image als Umweltunternehmen mit sozialer Verantwortung als glaubwürdig beschreibst.
Leider können wir deine weiteren Einschätzungen nicht nachvollziehen. In unserem Kodex blau-grün und den Führungsleitlinien sind die zentralen Werte zur Zusammenarbeit, Kommunikation und Führung verankert; wir leben sie jeden Tag. Über zahlreiche Entwicklungsprogramme wie dem Gelsenwasser-Nachwuchsprogramm, dem Führungskolleg und für den Weg der Fachkarriere dem Austausch Gelsenwasser Professionals verleihen wir ihnen nachhaltig Ausdruck.
Gerne möchten wir uns zu deinen Erfahrungen weiter austauschen, um die Bewertung hier besser verstehen zu können. In diesem Sinne komm gerne auf mich oder Anika König zu und lass uns persönlich über die Themen, die dich bewegen, sprechen.

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.