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getpress
Bewertung

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getpressure, getstressed, getburned, getout - Vorsicht vor toxischem Arbeitsumfeld

2,5
Nicht empfohlen
Ex-Angestellte/r oder Arbeiter/inHat bis 2025 im Bereich PR / Kommunikation bei getpress GmbH in Berlin gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

- grundsätzliche Möglichkeit, remote und flexibel zu arbeiten
- Zusammenhalt unter den Kolleg:innen
- getpress hat es bis zu einem bestimmten Punkt geschafft, tolle, engagierte, lustige, smarte Leute zusammenzubringen; das verwässert zusehends, weil immer schnell für Nachschub gesorgt werden muss/te und die cultural fits allmählich weniger werden

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

- zu hoher Workload
- zu schnell zu viel Verantwortung - ob für Trainees oder Kolleg:innen ohne Führungserfahrung oder dahingehende Ausbildung
- absurde Feedbackschleifen und Workflows
- mangelnde Kritikfähigkeit
- sehr hohe Fluktuation
- geringes Gehalt

Verbesserungsvorschläge

- Workload gleichmäßiger/realistischer verteilen > max. 3-4 Accounts p. P., davon max. 2 im Lead (je nach Umfang/Scope of Work)
- Anforderungen in den Scorecards anpassen/herunterschrauben
- weniger Micromanagement, Kontrolle & Druckausübung
- weniger Reportings bzw. Ausdünnen von Reportings, die aktuell noch an diversen Stellen parallel stattfinden (Check-in-Agenda, Airtable, Kommunikationsplan, Kunden-Jour Fixe, Weekly, ...)
- mehr Raum für fokussiertes, kreatives Arbeiten schaffen
- Meetings ausdünnen
- Kritik ernst nehmen und umsetzen
- mentale Gesundheit der Mitarbeitenden in den Vordergrund stellen

Arbeitsatmosphäre

Bei getpress arbeiten - oder sollte man besser sagen "arbeiteten"?, denn die Fluktuation ist wahnsinnig hoch - viele tolle, junge, fähige, kreative und kluge Menschen. Menschen, die allerdings auch unglaublich gestresst sind. Selten so oft die Sätze "Habe es nicht geschafft oder vergessen zu essen und zu trinken", "Bin super müde, hab total schlecht geschlafen", "Ich hab nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe und sollte endlich lernen, mir zwischen den To Dos auch mal Blocker zum Durchatmen zu setzen", "Ich bin eigentlich den ganzen Tag nur in Terminen, da passt nichts mehr rein", "Ich freu mich SO sehr aufs Wochenende! Werde einfach mal nichts machen und nur schlafen" gehört. Und täglich jeden Morgen in so müde, leere Gesichter geschaut. Das ist sehr schade, denn grundsätzlich will oder viel mehr wollte man das Richtige: echte PR-Arbeit mit Mehrwert, Impact. Gebaut hat man sich eine PR-Maschine, wie es intern so schön heißt, die immer weiter auf Effizienz und KPIs getrimmt wird, bis auch noch der:die letzte einst euphorische "getpressi" den Kahn verlässt, weil der Seegang zu stark geworden ist. Permanenter Performance-Druck, Reportings und Kontrolle am laufenden Band.

Image

Das Bild, das getpress nach außen hin bzw. auf Social Media präsentiert, entspricht längst nicht mehr der Realität, auch wenn das sicherlich mal anders war. AI first, New work und ein enger Kolleg:innenzusammenhalt treffen auf Erschöpfung, Frust und zunehmendes Unverständnis über die Geschäftspraktiken der Agentur. Zunehmend mehr Kolleg:innen fallen krankheitsbedingt wochen- und monatelang aus oder sind bereits im Burnout, bevor sie sich dann endlich zur Kündigung entschließen. Nach innen hinein werden dahingehende Warnungen zwar angehört, ein entsprechendes Handeln erfolgt allerdings nicht. Auch Kunden sind zunehmend irritiert über die hohen Fluktuation, stellen Nachfragen und verlangen nach Erklärungen.

Work-Life-Balance

Mit New-Work-Floskeln wie "remote first", "unbegrenztem Urlaub ab dem zweiten Jahr Betriebszugehörigkeit" und "arbeiten von überall" lockte getpress lange neue Mitarbeitende. Klingt ja auch erstmal verlockend. In der Realität sieht die Sache deutlich anders aus: Durch fest gesetzte Team-Meetings jeden Morgen und jeden Nachmittag, fünf Tage die Woche, Kundencalls und tägliche interne Projekt-Abstimmungen bleibt wenig Raum für echte Flexibilität. Mal ein wenig später anfangen oder etwas früher aufhören? In diesem starren Gefüge nahezu unmöglich. Überstunden sind bei den meisten Kolleg:innen und auch bei den Teamleads an der Tagesordnung - auch am Wochenende wird häufig gearbeitet, im Urlaub in die Mails geschaut, "weil man nichts verpassen will." Toxische Arbeitsweisen werden bei getpress vorgelebt und auch nicht hinterfragt. "Muss jeder selbst wissen, sind alle alt genug", heißt es, wenn man Kritik äußert. Sporteinheiten werden in die Mittagspause gequetscht, um sich zumindest vorzumachen, flexibel zu arbeiten; die verpassten Stunden werden am Abend hinten drangehängt. Das Mittagessen, also die Nahrungsaufnahme, wird von vielen oft ausgelassen oder eingeschoben, weil die Zeit fehlt.

Karriere/Weiterbildung

Wer bereit ist, zu jeder Zeit alles zu geben und die sogenannte "Extrameile" zu gehen, kann schnell aufsteigen. Auch vertikale Veränderungen in andere Berufsfelder, zum Beispiel von der PR in den Sales-Bereich oder ins Marketing-Team, sind grundsätzlich möglich.

Meistens und allen voran geht es jedoch darum, die teilweise vollkommen utopischen Anforderungen der sogenannten "Scorecard" möglichst schnell und innerhalb weniger Monate zu erfüllen, einer Art Stellenprofil für die jeweiligen Levels. Notwendige Einarbeitungsphasen, die in anderen Unternehmen durchschnittlich 3-9 Monate betragen, werden bei getpress nicht als Bewertungsmaßstab angesetzt. Man hat von Tag 1 an zu performen; sind die Ziele beim ersten Feedbackgespräch, das in der Regel nach drei Monaten erfolgt, nicht vollständig erreicht, die angepeilten Clippings, die man im Quartal liefern muss, nicht erfüllt, spürt man schnell Gegenwind und der Druck wächst. Für anvisierte externe Weiterbildungen, den Besuch von Messen oder Veranstaltungen oder die Verinnerlichung bestimmter Prozesse bleibt inmitten des hohen Workloads oft schlichtweg keine Zeit.

Gehalt/Benefits

In Anbetracht des hohen Workloads und im Vergleich zu anderen Agenturen ist das Gehalt eher durchschnittlich/an der unteren Grenze. Insbesondere Junioren und Trainees wird deutlich zu wenig gezahlt. Die versprochene allgemeine Anpassung dieser Gehälter um ein paar Prozentpunkte war schlussendlich wieder nur an Bedingungen und Performance gebunden ("Wenn Du xy bis dahin erreichst, passen wir Dein Gehalt auch ohne Beförderung an").

Umwelt-/Sozialbewusstsein

Ist mir während meiner Zeit bei getpress nicht aufgefallen, dass darauf gesteigerter Wert gelegt wird. Nach außen hin vermittelt man zwar das Bild, eine sogenannte "Impact Company" zu sein und vor allem für und mit Unternehmen zu arbeiten, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten; dieser USP ist inzwischen allerdings stark verwässert und es werden z. T. riesige, weltweit agierende, umsatzstarke Neukunden mit teilweise abstrusen Geschäftspraktiken unter Vertrag genommen.

Während der Büro- oder Teamtage wird regelmäßig bei diversen Lieferdiensten bestellt und der Verpackungsmüll stapelt sich in der Küche.

Kollegenzusammenhalt

Der Zusammenhalt unter den PR-Kolleg:innen ist wahnsinnig groß, denn Leidensgenossen halten nun einmal zusammen. Alle vier PR-Teams kämpfen mit denselben Problemen, Sorgen und Stressoren und tauschen sich dazu ehrlich und auf Augenhöhe untereinander aus: Einem dauerhaft viel zu hohen Workload, zu vielen Kunden (teilweise sind es 5-6, die man parallel betreut, oftmals 3-4 davon im sgn. Lead), wahnsinnig vielen Meetings, die vor- und nachbereitet sowie moderiert werden wollen - in manchen Wochen bis zu 20 oder mehr -, teilweise zu hoher Verantwortung auf den niedrigeren Leveln (Trainee, Junior), einer hohen Fluktuation unter den Mitarbeitenden, die dazu führt, dass keine Kontinuität eintritt und einem viel zu geringen Gehalt. Man versucht, sich gegenseitig so gut es geht zu (unter)stützen, die Last gleichmäßig auf mehrere Schultern zu verteilen und ein offenes Ohr zu haben, um den andren das Gefühl zu vermitteln: Du bist nicht allein, mir geht es genau so. Demgegenüber stehen die Teamleads, von denen man oft das Gefühl hat, dass sie einfach nur ausführen, was die Management-Ebene vorgibt und selbst kaum einen Hebel haben, Dinge zum Positiven zu verändern und den Kurs mitzubestimmen.

Umgang mit älteren Kollegen

Man versucht immer wieder, ältere und erfahrene Kolleg:innen einzustellen - hat es dann mal erfolgreich geklappt, sind diese meist allerdings auch sehr schnell wieder weg. Entweder, weil sie mangels Performance ruckzuck aussortiert werden oder weil sie selbst die Flucht ergreifen.

Vorgesetztenverhalten

Äußerst man Kritik an Workflows, den teilweise viel zu hochgesteckten KPIs, der Kundenauswahl, die so gar nicht zu einer vermeintlichen Impact-Company passt oder sagt ehrlich und offen, dass man den Workload kaum mehr bewältigen kann oder sich ernsthaft Sorgen um Kolleg:innen macht, stößt man oft auf Unverständnis und bekommt im Gegenzug die immer gleichen Allgemeinplätze zu hören: Das liege an der falschen Priorisierung, die eigene Auslastung sei nur gefühlt so hoch, real sähe das ganz anders aus, was anhand einer willkürlich zusammengestellten Excel-Tabelle (der sogenannten "Kappa-Planung") "belegt" wird - die man jedoch als Mitarbeitende:r nie zu Gesicht bekommt. Bekennt man sich zum Unwohlsein ob der hohen Fluktuation innerhalb der Firma, wird man fast mitleidig angeguckt, bevor das halbherzige Angebot "Möchtest Du darüber sprechen?" kommt, das jedoch keinerlei Antworten auf die Frage liefert, warum immer wieder Leute urplötzlich gehen. Manchmal hat man das Gefühl, die Teamleads würden hier und da gern selbst etwas verändern, ihnen sind aber die Hände gebunden, weil der Kurs ganz klar von oben vorgegeben wird. Leute ohne Führungserfahrung wurden in leitende Positionen gehoben.

Arbeitsbedingungen

Dadurch, dass getpress eine remote-first-Company ist und die meisten Mitarbeitenden im Home Office arbeiten, sind die Arbeitsbedingungen an sich gut, was die Ausstattung mit Technik & Co. anbelangt. Man kriegt ein neues MacBook sowie ein iPhone gestellt. Tastatur & Maus werden auf Nachfrage zur Verfügung gestellt. Alles andere - ob Laptoperhöhung, externer Bildschirm o. ä. - muss auf eigene Kosten angeschafft werden. Ist man gemeinsam im Büro, zum Beispiel anlässlich eines Team-Events mit dem Kernteam oder den firmenweiten halbjährlichen Summer-/Winter Days, wird es mit dem konzentrierten Arbeiten schon schwieriger. Zu wenig und schlecht isolierte Meeting-Räume machen das Abhalten von Google-Meetings oder internen Brainstormings in ruhiger Atmosphäre schwierig. Ein großer, offener Open Space, der nicht durch Trennwände o. ä. abgegrenzt ist, sorgt für einen ständigen Lautstärkepegel und dauerhafte Ablenkung. Es wird parallel Tischtennis gespielt, die Siebträgermaschine läuft, in der Sitzecke wird sich lautstark unterhalten oder am Arbeitsplatz gegenüber ein Meeting mit Kopfhörern abgehalten. Regelmäßige digitale oder persönliche Team-Events sind in der Ausgestaltung oft infantil.

Kommunikation

Nach außen hin gibt man sich als moderne Company, die New Work lebt; in der Mitarbeitende gehört werden und aktiv mitgestalten können. Dieses Bild, das via LinkedIn und Instagram nahezu idealistisch vermittelt wird, trügt gewaltig, schaut man einmal nach innen. Man wolle weg von der "Hire & Fire"-Mentalität früherer Jahre und stelle deshalb erfahrenere Leute ein, habe die Fluktuation erfolgreich eingrenzen können, heißt es vonseiten der Management-Ebene. Die Realität sieht allerdings anders aus: Urplötzlich werden quasi wöchentlich Leute kurz vor Ende oder sogar nach dem Bestehen ihrer Probezeit entlassen, teilweise mit den abstrusesten "Begründungen" ("passe kulturell nicht", "man brauche jetzt wirklich Leute, die mitziehen, die echte A-Player sind", "Kollege:in wolle sich nochmal neu orientieren" etc.). Fragwürdige Entscheidungen bei der Neukundenwahl und entsprechende Nachfragen, ob man Projekt xy wirklich annehmen wolle, obwohl es so gar nicht dem vermeintlichen USP entspricht, werden ignoriert und weggewischt. "Manchmal muss man auch mal Kunden betreuen, die vielleicht nicht den eigenen Interessen entsprechen. Wirtschaftlich ist das für uns wichtig."

Gleichberechtigung

Grundsätzlich werden alle Mitarbeitenden bei getpress gleichberechtigt behandelt - egal, welchem Geschlecht sie angehören. Je nach Dauer der Firmenzugehörigkeit und dem "Kurs", den die Kolleg*innen verfolgen, spürt man aber deutliche Unterschiede im Umgang miteinander. Diejenigen, die schon lange dabei sind und die "getpress-Methode" von der Pieke auf gelernt haben, weil sie mit einem Traineeship begonnen haben, hinterfragen Prozesse selten, äußern kaum Kritik und laufen "auf Spur". Oft sind sie dementsprechend auch die Lieblinge der Teamleads & Co. Erfahrene Kolleg:innen, für die es vielleicht nicht der erste Job ist, die andere Arbeitsumfelder kennengelernt haben, Anregungen zu Veränderungen liefern und auch mal offen Kritik äußern, werden zunächst vermeintlich gehört, landen aber mindestens so schnell auch auf der Abschussliste, werden schikaniert, zusehends kontrolliert und unter Druck gesetzt und irgendwann aussortiert oder in die Eigenkündigung getrieben, mit teils abstrusen Methoden: Einer verlängerten Probezeit von 6 auf 12 Monate, der Runterstufung auf ein niedriges Level, utopischen Entwicklungszielen, um die langersehnte Beförderung zu erreichen usw.

Interessante Aufgaben

Oftmals sehr eintönige Aufgaben und reine Produkt-PR, statt echtem Impact. Es wird äußerst viel Wert darauf gelegt, die akribisch ausgearbeitete und erprobte "getpress-Methode" beim Outreach an Journalist:innen anzuwenden. Wer das nicht tue, müsse sich auch nicht wundern, wenn Story-Angles und Pitches nicht funktionieren. Gewünscht ist, dass man möglichst sofort und jederzeit zuerst zum Hörer greift, um Journalist:innen von einem Thema zu überzeugen - obwohl zahlreiche Studien immer wieder belegen, dass dieses Cold Calling durch PR-Agenturen alles andere als erwünscht ist und vielerseits sogar als extrem nervig angesehen wird.

Permanentes Reporten und ein ständiges Aktualisieren von den unterschiedlichsten Listen und Agenden sowie spontane Abfragen oder Check-ins durch/mit den Teamleads erschweren ein fokussiertes, kreatives Arbeiten zusätzlich. Getpress steht inzwischen für Micromanagement und Kontrolle und weniger für Kreativität, Smartness und starke Stories.

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.