Guter erster Eindruck, langfristig leider ernüchternd
Arbeitsatmosphäre
Zu Beginn habe ich die Atmosphäre als modern, jung und familiär wahrgenommen. Mit der Zeit hat sich dieser Eindruck für mich allerdings deutlich verändert. Ich hatte zunehmend das Gefühl, mir sehr genau überlegen zu müssen, was ich anspreche und wie ich etwas formuliere. Besonders schwierig fand ich, dass ich mich teilweise nicht getraut habe, konstruktive Kritik oder Probleme offen anzusprechen, weil ich Angst vor negativen Konsequenzen hatte. Für mich ist das ein wesentlicher Punkt, wenn gleichzeitig nach außen eine offene und familiäre Unternehmenskultur vermittelt wird.
Image
Die Außenwirkung habe ich anfangs als sehr modern und professionell wahrgenommen. Social Media und die Darstellung nach außen spielen aus meiner persönlichen Wahrnehmung eine sehr große Rolle. Es gab regelmäßig Austausch über Konzepte, Reichweite, Follower und entsprechende Buzzwords. Gleichzeitig empfand ich die Diskrepanz zwischen dieser Außendarstellung und meiner persönlichen Erfahrung im Arbeitsalltag mit der Zeit als zunehmend groß.
Work-Life-Balance
Am Anfang wurde gesagt es gibt flexible Arbeitszeiten ohne klar definierte Kernarbeitszeit. Ich hatte allerdings im Arbeitsalltag den Eindruck, dass die tatsächliche Nutzung dieser Flexibilität teilweise negativ aufgenommen wurde.
Karriere/Weiterbildung
Aufgrund der Unternehmensgröße kann ich die grundsätzlichen Aufstiegsmöglichkeiten schwer beurteilen. Mir fehlte allerdings ein transparenter Entwicklungsplan, der für alle Mitarbeitenden nachvollziehbar macht, was die nächsten Entwicklungsschritte sind und wie man diese erreicht.
Gerade im Maklerbereich könnten aus meiner Sicht klare Stufen definiert werden. beispielsweise von der Unterstützung bei Exposés und Kundenanfragen über eigenständige Besichtigungen bis hin zur Betreuung eigener Objekte und Verkaufsprozesse, jeweils mit konkreten Zielen und regelmäßiger Rückmeldung.
Stattdessen hatte ich teilweise den Eindruck, dass Entwicklung stärker davon abhing, wie gut man in die Vorstellungen der Führungsebene passte. Mehr Struktur, Transparenz und individuelle Förderung hätte ich mir hier gewünscht.
Vorgesetztenverhalten
Das Vorgesetztenverhalten habe ich persönlich teilweise als schwierig und wenig reflektiert erlebt. Ich hatte wiederholt den Eindruck, dass es schwerfiel, eigene Fehler oder Entscheidungen kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig hatte ich nicht immer das Gefühl, dass unterschiedliche fachliche Einschätzungen wirklich offen diskutiert werden konnten.
Teilweise wurden aus meiner Sicht sehr hohe Einsatzbereitschaft und Verfügbarkeit als selbstverständlich dargestellt. Beispielsweise wurde mir vermittelt, dass man beruflich vorankommen wolle und dafür auch eine sehr hohe zeitliche Verfügbarkeit bzw. Erreichbarkeit am Wochenende dazugehören könne. Für mich persönlich ist das keine Vorstellung von guter Führung. Ich finde, außergewöhnliches Engagement einzelner Mitarbeitender sollte nicht automatisch zu einer Erwartungshaltung gegenüber allen anderen werden.
Kommunikation
Ich habe die Kommunikation teilweise als indirekt erlebt. Dinge wurden aus meiner Sicht nicht immer offen angesprochen, sondern teilweise über Spitzen oder Bemerkungen vermittelt. Dadurch entstand bei mir häufig Unsicherheit darüber, was tatsächlich erwartet wird.
Auch bei Mitarbeitergesprächen hatte ich persönlich nicht immer das Gefühl, dass es um konkrete Entwicklung, Leistung oder gemeinsame Ziele ging. Teilweise wirkten Fragen auf mich eher wie aus einem allgemeinen Gesprächsleitfaden übernommen. Gleichzeitig wurden aus meiner Sicht auch persönliche Themen angesprochen, die für mich nicht unbedingt in ein Mitarbeitergespräch gehörten.
Gehalt/Benefits
Beim Gehalt hatte ich den Eindruck, dass es keine transparente Gehaltsstruktur gibt und entsprechend viel vom individuellen Verhandlungsgeschick abhängt.
Irritierend fand ich persönlich, dass Werkstudent:innen nach meiner Kenntnis mit einem Stundenlohn vergütet wurden, der mit dem Einstiegsgehalt für ausgebildete Makler:innen auf Vollzeitbasis auf einem vergleichbaren Niveau lag. Für mich war dieses Verhältnis mit Blick auf Ausbildung und Verantwortung schwer nachvollziehbar.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben selbst fand ich grundsätzlich interessant. Positiv fand ich insbesondere, dass man eigene Ideen einbringen und verschiedene Themen übernehmen konnte. Gleichzeitig fehlte mir teilweise die notwendige Orientierung, welche Erwartungen konkret an die jeweilige Aufgabe gestellt wurden.