Gut am Arbeitgeber finde ich
Was ich an meinem Job besonders schätze, ist die Möglichkeit zu piercen und mich dabei kreativ auszuleben. Der direkte Austausch mit unterschiedlichsten Menschen macht die Arbeit für mich spannend – kein Tag ist exakt wie der andere. Durch meine Zeit bei Glorious habe ich viele tolle Menschen kennengelernt und bin froh, einige von ihnen heute zu meinem engeren Freundeskreis zählen zu können.
Besonders positiv hervorzuheben ist zudem der starke Kollegenzusammenhalt. Der Umgang untereinander ist geprägt von Respekt, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung, wodurch auch anspruchsvolle Arbeitstage deutlich besser zu bewältigen sind.
Die Aufgaben sind abwechslungsreich und bieten neben dem Piercen durch Kundenkontakt sowie Tattoo-Beratungen ein spannendes Arbeitsumfeld mit Verantwortung. Vielfalt wird im Unternehmen sichtbar gelebt – unabhängig von Herkunft, Erscheinungsbild oder Identität erfährt man ein offenes und akzeptierendes Miteinander.
Auch Quer- und Wiedereinsteiger*innen erhalten faire Chancen. Besonders positiv erlebe ich die Store-Leitungen, die sich engagiert für ihre Teams einsetzen, ein offenes Ohr für Anliegen haben und häufig einen Großteil des Drucks abfangen. Darüber hinaus ist eine strukturierte fachliche Einarbeitung grundsätzlich vorgesehen und wird durch verpflichtende Schulungen ergänzt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Was ich im Arbeitsalltag als belastend empfinde, ist vor allem der dauerhaft hohe Druck sowie eine häufig unzureichende Kommunikation. Entscheidungen werden nicht immer transparent vermittelt, wodurch man sich wichtige Informationen teilweise selbst zusammensuchen muss.
Durch eine oft sehr knappe Personalplanung und wiederkehrende Ausfälle entsteht zusätzlich eine hohe Arbeitsbelastung. Kurzfristiges Einspringen gehört häufig dazu, und auch außerhalb der Arbeitszeit bleibt man gedanklich nicht selten im Job. Eine verlässliche Work-Life-Balance habe ich unter diesen Rahmenbedingungen bislang nur eingeschränkt erlebt.
Zudem habe ich den Eindruck, dass wirtschaftliche Kennzahlen einen sehr hohen Stellenwert einnehmen, wodurch für strukturierte Abläufe oder ausreichende Einarbeitungszeiten nicht immer genügend Raum bleibt. Auch Entwicklungsperspektiven wirken begrenzt und Karrierewege nicht immer ausreichend transparent.
Die anhaltende Belastung habe ich phasenweise als emotional fordernd erlebt. Gerade in einer Zeit, in der mentale Gesundheit eine immer größere Rolle spielt, hätte ich mir stellenweise mehr Sensibilität für diese Thematik gewünscht.
Verbesserungsvorschläge
Ich würde mir wünschen, dass transparente Kommunikation im Arbeitsalltag einen noch höheren Stellenwert erhält, sodass Entscheidungen und Veränderungen frühzeitiger und nachvollziehbarer vermittelt werden.
Ebenso könnte eine stabilere Personalplanung dazu beitragen, die Arbeitsbelastung langfristig besser zu verteilen und mehr Verlässlichkeit im Arbeitsalltag zu schaffen.
Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung mentaler Gesundheit könnten Gespräche über Belastungen sowie präventive Maßnahmen einen größeren Raum einnehmen, um Mitarbeitende nachhaltig zu unterstützen und Überlastung vorzubeugen.
Darüber hinaus könnten eine stärkere Digitalisierung und optimierte Arbeitssysteme dabei helfen, Abläufe effizienter zu gestalten und den Arbeitsalltag spürbar zu erleichtern.
Zusätzlich würde eine noch sichtbarere Form der persönlichen Wertschätzung – etwa durch regelmäßiges positives Feedback, leistungsbezogene Anreize oder ergänzende finanzielle Leistungen – die Mitarbeitermotivation stärken und aus meiner Sicht zur langfristigen Bindung qualifizierter Mitarbeitender beitragen.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist durch den hohen Arbeitsdruck sowie eine aus meiner Sicht unzureichende Kommunikation seitens der Geschäftsführung leider sehr angespannt. Wertschätzung in Form von persönlichem, ernst gemeintem Lob durch Vorgesetzte ist selten; stattdessen erfolgt Feedback überwiegend über allgemeine Rundmails mit standardisierten Formulierungen.
Positiv ist dafür der starke Zusammenhalt der Teams im den Shops. Kolleg*innen unterstützen sich gegenseitig und versuchen, auch in besonders stressigen Schichten gemeinsam das Beste aus der Situation zu machen.
Image
Aus meiner Sicht hat Glorious aktuell mit seinem Image zu kämpfen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Unzufriedenheit unter Mitarbeitenden vergleichsweise hoch ist, was sich unter anderem in einer spürbaren Fluktuation widerspiegelt.
Auch in öffentlich einsehbaren Bewertungen wird vereinzelt häufig wechselndes Personal thematisiert. Dies führt im Arbeitsalltag dazu, dass neue Kolleg*innen regelmäßig eingearbeitet werden müssen, was zusätzliche Ressourcen bindet.
In sozialen Medien bin ich zudem wiederholt auf kritische Stimmen gestoßen, die die Erfahrung oder Ausbildung der Piercer hinterfragen.
Da ich in unserem Store die praktische Schulung neuer Piercer*innen übernommen habe, kann ich die Ausbildungsqualität aus eigener Erfahrung einordnen. Neue Mitarbeitende werden sowohl theoretisch als auch praktisch auf ihre Aufgaben vorbereitet. Eine fundierte Einarbeitung benötigt jedoch Zeit, die im Arbeitsalltag nicht immer in ausreichendem Maß zur Verfügung steht.
Nach meiner Wahrnehmung liegt ein starker Fokus auf wirtschaftlichen Kennzahlen, wodurch strukturierte Ausbildungsphasen teilweise verkürzt werden. Dies kann dazu führen, dass neue Kolleg*innen früher eigenständig arbeit
Work-Life-Balance
Eine gesunde Work-Life-Balance habe ich in diesem Unternehmen nicht erlebt. Seit Beginn meiner Tätigkeit leidet mein Privatleben intensiv unter den Arbeitsbedingungen.
Durch chronische Unterbesetzung der Stores und häufige Ausfälle entsteht ein ständiger Druck, zusätzliche Schichten zu übernehmen. Überstunden fallen regelmäßig an und lassen sich nach meiner Erfahrung nur schwer oder gar nicht zeitnah ausgleichen.
Auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit bleibt man oft eingebunden – etwa durch Anrufe von weniger erfahrenen Kolleg*innen oder durch zahlreiche arbeitsbezogene WhatsApp-Gruppen.
Ich habe wiederholt Schichten gearbeitet, die ich persönlich als äußerst grenzwertig empfunden habe und die aus meiner Sicht nicht zu einer gesunden oder nachhaltigen Arbeitsbelastung beitragen.
Karriere/Weiterbildung
Die Aufstiegschancen bei Glorious wirken insgesamt eher begrenzt. Als Store-Mitarbeiter*in besteht im Wesentlichen die Möglichkeit, zur stellvertretenden Store-Leitung oder zur Store-Leitung aufzusteigen. Darüber hinaus können einzelne Store-Leitungen nach meiner Wahrnehmung Positionen wie Junior-Operations-Manager oder Operations-Manager erreichen. Diese Stellen sind jedoch nur in geringer Anzahl vorhanden und entsprechend selten verfügbar.
Zudem sind die konkreten Anforderungen und Kriterien für eine Beförderung für mich nicht ausreichend transparent, wodurch Karriereentscheidungen teilweise schwer nachvollziehbar erscheinen.
Auch im Bereich Fort- und Weiterbildung habe ich bislang nur wenige Angebote wahrgenommen. Neben verpflichtenden Schulungen wie der Piercing-Schulung sowie Unterweisungen zu Hygiene und Arbeitssicherheit sind mir aktuell keine weiteren strukturierten Entwicklungsmöglichkeiten bekannt.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt bewegt sich nach meiner Erfahrung auf einem sehr niedrigen Niveau und orientiert sich im Wesentlichen an den gesetzlichen Mindestvorgaben. In Anbetracht der Verantwortung und der täglichen Anforderungen in den Stores empfinde ich dies als nicht angemessen.
Zusätzliche finanzielle Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Fahrtkostenzuschüsse oder relevante Bonusmodelle werden nicht angeboten. Auch die Urlaubstage entsprechen lediglich dem gesetzlichen Minimum. Durch die sechsmonatige Probezeit sowie die Tatsache, dass Samstage nahezu immer zur regulären Arbeitszeit gehören, bleibt zudem wenig finanzieller oder zeitlicher Ausgleich.
Positiv hervorzuheben sind Vergünstigungen bei Piercings und Schmuck sowie eine Materialpauschale für private Tattoos. Zudem besteht Zugriff auf Corporate Benefits, wobei die angebotenen Vorteile aus meiner Sicht nur begrenzt attraktiv sind.
Insgesamt trägt das Verhältnis zwischen Vergütung, Zusatzleistungen und Arbeitsbelastung nach meiner Wahrnehmung spürbar zur Unzufriedenheit im Team bei.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Thema Umwelt ist in dieser Branche insgesamt schwer einzuordnen. Beim Piercen und Tätowieren hat Hygiene oberste Priorität, weshalb viele Einwegprodukte verwendet werden müssen. Auch wenn die meisten Mitarbeitenden versuchen, mit Verbrauchsmaterialien möglichst sparsam umzugehen, entsteht dabei zwangsläufig eine erhebliche Menge an Müll.
Zusätzlich wird sehr viel Papier verbraucht, da zahlreiche Dokumente leider weiterhin ausgedruckt werden. Hier sehe ich deutliches Verbesserungspotenzial durch eine stärkere Digitalisierung von Prozessen – beispielsweise durch elektronische Einverständniserklärungen für Piercing- und Tattoo-Kund*innen, Terminbestätigungen per Mail, E-Bons oder digitale Hygiene- und Reinigungslisten.
Kollegenzusammenhalt
Auch wenn die Stimmung im Team in Bezug auf die Geschäftsführung nicht immer die beste ist, ist der Zusammenhalt unter den Kolleg*innen top. Ich habe durch meine Arbeit viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, und im täglichen Miteinander begegnet man sich mit Respekt, Offenheit und gegenseitiger Unterstützung.
Natürlich gibt es auch hier und da mal Reibungspunkte, doch insgesamt zeichnet sich das Team durch einen starken Zusammenhalt aus, welcher auch solche Situationen gut übersteht.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleginnen ist nur schwer zu beurteilen, da es insgesamt kaum ältere Mitarbeitende in den Stores gibt. Selten findet man Kolleg*innen über 30, wodurch altersgemischte Teams kaum entstehen.
Neueinstellungen älterer Kolleg*innen kommen nur vereinzelt vor und bleiben nach meiner Erfahrung häufig nicht lange im Unternehmen, da der sehr hohe Arbeitsdruck, die schnelle Taktung und die allgemeine Arbeitsweise in den Stores stark auf jüngere Mitarbeitende ausgelegt zu sein scheint.
Die Tattoo-Artists sind da etwas vielfältiger im Alter, von Anfang 20 bis Ende 40 ist alles dabei. Diese beziehe ich in diese Bewertung jedoch bewusst nicht mit ein, da es sich hierbei um externe Mitarbeitende handelt.
Vorgesetztenverhalten
Das Verhalten der Vorgesetzten wirkt auf mich wenig authentisch. Transparente Ziel- oder Entwicklungsgespräche finden nach meiner Erfahrung nicht statt; zumindest habe ich in meiner bisherigen Zeit kein solches Gespräch erlebt. Erst nach mehrfachen Nachfragen sind zuständige Vorgesetzte zu einem kurzen telefonischen Austausch bereit.
In diesen Gesprächen muss man häufig selbst Entscheidungen ansprechen, die bereits getroffen wurden, ohne dass man zuvor ausreichend darüber informiert war. Informationen erhält man oft nur indirekt oder über andere Kolleg*innen, was die Situation zusätzlich erschwert.
Auf Rückfragen wird nach meiner Wahrnehmung selten verständnisvoll eingegangen. Stattdessen entsteht häufig zusätzlicher Druck, wodurch man sich eher entmutigt als unterstützt fühlt.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch ausdrücklich die Store-Leitungen, die ich bisher kennengelernt habe. Sie kümmern sich engagiert um ihre Teams, fangen einen Großteil des Drucks von oben ab und haben stets ein offenes Ohr für Sorgen im Team. Wertschätzung wird hier spürbar gelebt – sei es durch persönliche Worte oder kleine Gesten wie Snacks.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen in den Stores empfinde ich insgesamt als in Ordnung, wobei es hier stark auf den jeweiligen Standort ankommt.
Jeder Store verfügt über separate, vollständig eingerichtete Piercingräume, einen vom Kundenbereich abgegrenzten Tattoo-Bereich, einen eigenen Sterilisationsbereich sowie ein kleines Lager. Einige Standorte besitzen zudem einen separaten Pausenraum. Ist dieser nicht vorhanden, gibt es meist eine kleine Ecke im Lager als Rückzugsort, was jedoch deutlich weniger angenehm ist.
Da sich viele Stores in Einkaufszentren befinden, fehlt es häufig an Tageslicht und frischer Luft. Zudem kommt es vereinzelt zu Problemen mit der Heizung, wodurch es insbesondere in den kälteren Monaten unangenehm werden kann. Nach meiner Erfahrung hat der Arbeitgeber hier jedoch zeitnah reagiert und den Kontakt zu den zuständigen Stellen gesucht, auch wenn die Einflussmöglichkeiten aufgrund der Centertechnik begrenzt sind.
Verbesserungsbedarf sehe ich vor allem bei der technischen Ausstattung, die in manchen Stores etwas veraltet oder nur teilweise funktionstüchtig ist. Digitale Arbeitsprozesse werden durch die Nutzung mehrerer paralleler Systeme und Anwendungen unnötig komplizier
Kommunikation
Wie bereits zuvor erwähnt, ist die interne Kommunikation aus meiner Sicht nur sehr eingeschränkt vorhanden. Nur die Store-Leitung hat einmal pro Woche ein Meeting; das restliche Team wird anschließend entweder durch die Store-Leitung selbst oder über eine allgemeine zusammenfassende Rundmail informiert.
Diese Informationen beschränken sich meist auf allgemeine Zielvorgaben wie höhere Verkaufszahlen, mehr Umsatz und gesteigerte Leistung, ergänzt durch kurze, standardisierte Motivationssätze wie „Ihr rockt das!“.
Darüber hinaus werden Mitarbeitende nur selten transparent über Entscheidungen oder Veränderungen informiert. Kündigungen während der Probezeit erfolgen teilweise kurzfristig und ohne vorherige persönliche Rückmeldung. Auch eingebrachtes Feedback sowie Ideen oder Sorgen von Mitarbeitenden stoßen nach meiner Wahrnehmung auf taube Ohren.
Gleichberechtigung
Positiv hervorzuheben ist, dass Quer- und Wiedereinsteiger*innen die gleichen Chancen erhalten wie alle anderen. Ebenso wird nach meiner Erfahrung kein Unterschied aufgrund von Hautfarbe, äußerem Erscheinungsbild, alternativer Selbstdarstellung oder Zugehörigkeit zur LGBTQIA+ Community gemacht.
In meiner Zeit bei Glorious bin ich mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt gekommen, was ich in dieser Form aus früheren Arbeitsverhältnissen nicht kannte und daher umso mehr schätze. Auch der Großteil der Mitarbeitenden in den Stores ist weiblich gelesen.
Auffällig ist jedoch, dass Führungspositionen überwiegend von männlich gelesenen Personen besetzt sind. Ob dies strukturelle Gründe hat oder andere Ursachen, kann ich nicht beurteilen und möchte ich auch nicht unterstellen, es hinterlässt jedoch einen ambivalenten Eindruck im Hinblick auf Gleichberechtigung.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben und die eigentliche Arbeit empfinde ich als sehr interessant. Sowohl das Piercen als auch die Arbeit mit Kund*innen bereiten mir viel Freude. Auch die Tattoo-Beratungen sowie die Organisation und Koordination von Tattoo-Terminen für die Artists sind abwechslungsreich und machen Spaß.
Reinigungs- und Hygienearbeiten gehören selbstverständlich dazu, wenn man in einem hygienischen Bereich arbeitet, und sind für mich kein negativer Aspekt - da ich tatsächlich auch ganz gerne putze.
Was die Tätigkeit jedoch deutlich anstrengender macht, ist das ständige Nachhalten und Dokumentieren nahezu jedes einzelnen Arbeitsschritts, etwa durch Fotos in Gruppen oder das tägliche Ausfüllen zahlreicher Listen. Dadurch fühlt man sich dauerhaft kontrolliert, was den positiven Eindruck der Aufgaben teilweise trübt.