Plötzliches Probezeit-Ende ohne Dialog: So geht man nicht mit seinen Mitarbeitern um
Gut am Arbeitgeber finde ich
Flexible Remote-Arbeit und regelmäßige Workations fördern den Teamzusammenhalt und stärken eine positive Unternehmenskultur.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich empfand den Offboarding-Prozess als sehr unprofessionell und unkollegial. Meine Probezeit wurde kurz vor dem geplanten Ende ohne vorherige Warnung oder Gespräche plötzlich und ohne klare Begründung beendet.
Es fanden keine Gespräche zur Klärung von Erwartungen, zur Identifikation von Problemen oder zur Festlegung individueller Ziele statt. Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass die Gründe für die Beendigung nicht offengelegt werden. Fragen blieben unbeantwortet.
Es wurde weder konstruktives Feedback gegeben, noch um Rückmeldung zur Verbesserung interner Abläufe gebeten.
Während meiner Tätigkeit wurde erwartet, dass die Arbeit in einem starren, vorgegebenen Ablauf erfolgt, mit begrenztem Handlungsspielraum. Dieser Ansatz in Verbindung mit strikten Vorgaben erschwerte eine effiziente und eigenständige Aufgabenerledigung.
Arbeitsatmosphäre
Unter Kollegen (Vorgesetzte ausgenommen) herrschte eine positive Arbeitsatmosphäre. Der Fokus liegt größtenteils auf das Unternehmen, das Team und die Arbeit. Mehrere Workations im Jahr stärken die Stimmung zusätzlich. Das Arbeitsverhalten der Vorgesetzten empfand ich jedoch teilweise als unangemessen, was ich an anderer Stelle dieser Bewertung bereits angesprochen habe.
Image
Aufgrund seines jungen Reifegrads und der geringen Unternehmensgröße ist das Unternehmen am Markt bisher nur wenig bekannt.
Work-Life-Balance
Das Unternehmen arbeitet vollständig remote, wodurch der Arbeitstag flexibel gestaltet werden kann. Aufgrund der Unternehmensgröße wird jedoch erwartet, mehrere Rollen gleichzeitig zu übernehmen, was zu Stress führen kann. Diese Erwartung wird im Bewerbungsverfahren nicht explizit kommuniziert.
Karriere/Weiterbildung
Das Unternehmen bietet Weiterbildungskurse über renommierte Plattformen an. Aufgrund meiner kurzen Zugehörigkeit kann ich die langfristigen Karrierechancen schwer einschätzen. Die Hierarchien sind flach, weshalb Beförderungen im Titel eher selten vorkommen.
Gehalt/Benefits
Es besteht Verhandlungsspielraum beim Gehalt, und mit guter Vorbereitung sind auch Vergütungen am oberen Ende der Bandbreite erreichbar.
Kollegenzusammenhalt
Der Umgang mit Kollegen außerhalb meines Teams erfolgte auf Augenhöhe; eine Ellbogenmentalität gab es nicht – das ist sehr positiv. Die Kollegen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, waren authentisch und offen im Austausch.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Durchschnittsalter im Unternehmen ist relativ jung; ältere Kollegen (50+) sind kaum vertreten.
Vorgesetztenverhalten
Kurz vor Ende der Probezeit erhielt ich eine Einladung für einen Call von meinem Vorgesetzten. Ohne jegliche Vorwarnung oder Möglichkeit in den Dialog zu gehen, wurde ich darüber informiert, dass die Firma das Arbeitverhältnis mit mir beendet hat.
Auf Nachfrage erhielt ich keine klare Erklärung und kein konstruktives Feedback für meine persönliche Weiterentwicklung. Stattdessen folgten formale Hinweise zu Urlaubsanspruch und Geräte-Rückgabe. Die Firma hat sich nicht Feedback zur Verbesserung der Prozesse einholen wollen. Direkt nach dem Call wurde ich abrupt aus allen internen Systemen entfernt, ohne mich von meinen Kollegen verabschieden oder eine Übergabe meiner Aufgaben durchführen zu können. Kurz darauf entfolgte mich mein Vorgesetzter auf LinkedIn. Das gesamte Offboarding wirkte auf mich kalt und unprofessionell.
Während meiner Probezeit nahm ich meinen Vorgesetzten als passiv und wenig proaktiv wahr. Es gab zwar fachliche Check-ins, aber keine Gespräche über Erwartungen, individuelle Ziele oder Entwicklungsmöglichkeiten, die man gemeinsam diskutieren und erarbeiten konnte.
Arbeitsbedingungen
Die Firma arbeitet vollständig remote und unterstützt bei der Bereitstellung von Home-Office-Ausstattung wie Monitoren etc. Das mir zur Verfügung gestellte Arbeitsgerät gehörte zu den besten und neuesten, die ich je nutzen durfte.
Kommunikation
Da das Team sehr verteilt ist und verschiedene Zeitzonen vorherrschen, kommt es häufig zu Verzögerungen bei Abstimmungen, die die Bearbeitung und Finalisierung von Aufgaben erschweren. Diese fehlende zeitnahe Kommunikation behindert effizientes Arbeiten und deutet auf Defizite in den internen Prozessen des Unternehmens hin.
Gleichberechtigung
Trotz Hauptsitz in Deutschland beschäftigt das Unternehmen eine vielfältige Belegschaft mit unterschiedlichen Nationalitäten und ethnischen Hintergründen. Diese Diversität fand ich persönlich bereichernd, da jeder Mitarbeiter seine eigene, einzigartige Geschichte mitbringt.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben sind sehr positionsabhängig. In meinem Fall wurde Eigeninitiative erwartet, doch strikte Vorgaben und umfassende Qualitätssicherungen schränkten den Handlungsspielraum erheblich ein. Intern wurde dies als hoher Qualitätsstandard bezeichnet – tatsächlich wirkte es jedoch wie Mikromanagement. Viele Aufgaben mussten auf eine genau definierte Weise erledigt werden, obwohl die Rolle eigentlich Freiraum für kreative Problemlösungen bot.
Meist arbeitete ich an bestehenden Systemen oder entwickelte bereits etablierte Lösungen weiter; größere, innovative Projekte mit Raum für neue Ansätze fehlten.
Eigenständiges Arbeiten war theoretisch gewünscht, ließ sich in der Praxis jedoch kaum realisieren.
