Grapevine macht viel richtig - aber auch viel falsch. Wie in jedem Betrieb! :)
Gut am Arbeitgeber finde ich
1. Moderne und ansprechende Büroausstattung
Die Büros in Schwabing waren wirklich toll! Besonders hervorzuheben sind die große Dachterrasse, der Partykeller und der Sport-/Yogaraum, die das Arbeitsumfeld angenehmer gemacht haben. Auch die Teamräume waren gut gestaltet und förderten anfangs den Austausch untereinander.
2. Flexible Arbeitsmodelle
Die Möglichkeit zur 4-Tage-Woche, Homeoffice und sogar Workation innerhalb der EU fand ich grundsätzlich super. Auch wenn die 4-Tage-Woche in meinem Team eher stressig war, haben andere Teams das positiv aufgenommen. Das Modell bot auf jeden Fall mehr Flexibilität als in vielen anderen Unternehmen.
3. Sozialleistungen & Benefits
Jeden Monat gab es einen Essensgutschein, was eine nette Geste war – auch wenn er vom Gehalt abgezogen wurde. Zudem wurde über einen Social Day nachgedacht, um sich gesellschaftlich zu engagieren. Leider wurde dieser Vorschlag nicht umgesetzt, aber allein die Initiative fand ich gut.
4. Nachhaltigkeit & Umweltbewusstsein
Mülltrennung wurde aktiv umgesetzt, und es gab zumindest Überlegungen zu sozialen und nachhaltigen Initiativen. Wie nachhaltig die Werbemittel tatsächlich waren, kann ich nicht beurteilen, da mein Bereich rein digital gearbeitet hat.
5. Guter Teamzusammenhalt (zumindest anfangs)
Mein Team war klasse, und die Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen hat Spaß gemacht. Es gab viele hilfsbereite Menschen, mit denen das Arbeiten angenehm war. Besonders am Anfang war die Stimmung locker, kollegial und motivierend.
6. Entwicklungsmöglichkeiten (wenn auch SEHR begrenzt)
Ich durfte am Ende meiner Zeit zusätzliche Aufgaben übernehmen, z. B. bei einem Tool-Onboarding oder der Neuerstellung von Texten – dafür bin ich dankbar. Allerdings hätte ich mir langfristig mehr echte Weiterentwicklungsmöglichkeiten gewünscht.
Und last but not least: Der einfache, unkomplizierte und nette Ausstieg. Danke, dass das alles so einfach geklappt hat, denn ja: Ich war gar nicht mehr happy bei euch und mit der Aufgabe. Vielen Dank an die GF hierfür!
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Kaum echte Entwicklungsmöglichkeiten
Trotz häufiger Nachfrage gab es wenig bis keine Chancen, sich weiterzuentwickeln oder in eine andere Abteilung zu wechseln. Die Antwort der Leitung war sinngemäß: „Du wurdest für diesen Job eingestellt, also mach ihn.“ Das ist in Ordnung, aber dann sollte es nicht überraschen, wenn hochqualifizierte Mitarbeitende schnell das Interesse verlieren.
2. Kommunikation & Feedback-Kultur
Es wurde viel geredet, aber wenig wirklich verändert. Nach Gesprächen wurde oft erwartet, dass danach „alles wieder in Ordnung“ sei – auch wenn keinerlei Maßnahmen folgten. Kritik wurde nicht immer ernst genommen, sondern eher „wegmoderiert“.
3. Veränderung der Unternehmenskultur
Anfangs war die Stimmung in der Agentur großartig, aber durch personelle und strukturelle Veränderungen kippte sie merklich. Der Flurfunk wurde immer negativer, und viele Kolleg:innen waren zunehmend unzufrieden. Das blieb nicht nur auf einzelne Teams beschränkt, sondern betraf das gesamte Unternehmen.
4. Führung & Umgang mit Konflikten
Führungskräfte hatten teilweise fragwürdiges Verhalten – von fehlender Konfliktlösung bis hin zu unangebrachter Flirtyness. Ein Betriebsrat oder eine Gleichstellungsbeauftragte gab es nicht, sodass es keine offizielle Anlaufstelle für solche Themen gab.
5. 4-Tage-Woche als Stressfaktor
In meinem Team führte die 4-Tage-Woche eher zu Chaos als zu Entlastung: häufige Wechsel, unklare Übergaben, Unterbesetzung an manchen Tagen. Während es in anderen Abteilungen gut funktioniert hat, war es bei uns eher ein zusätzlicher Stressfaktor.
6. Schein statt Sein – das 5-Sterne-Image
Nach außen hat die Agentur ein sehr gutes Image, intern sah es aber oft anders aus. Statt sich wirklich mit Problemen auseinanderzusetzen, wurde eher daran gearbeitet, die Wahrnehmung positiv zu halten.
So jetzt ist aber genug! Ich möchte nochmal betonen, dass Grapevine viel richtig macht, aber halt nicht alles und das ist auch völlig realistisch!
Verbesserungsvorschläge
1. Echte Entwicklungsmöglichkeiten schaffen
Klare Karrierepfade aufzeigen und realistische Aufstiegschancen bieten.
Interne Wechsel zwischen Abteilungen erleichtern, wenn jemand sich weiterentwickeln möchte. (Meine erste Teamleitung hatte mir das versprochen, als der Wechsel kam...war leider nichts mehr davon zu hören)
2. Konstruktive Feedback-Kultur etablieren
Kritik nicht nur „anhören“, sondern auch ernst nehmen und umsetzen.
Nach Feedback-Gesprächen konkrete Maßnahmen ableiten und regelmäßig nachhaken, ob sich etwas verbessert hat.
3. Transparente Kommunikation
Entscheidungen und Veränderungen im Unternehmen klarer und ehrlicher kommunizieren. Mitarbeiter:innen nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern in Prozesse einbinden.
4. Nachhaltige Entlastung bei hoher Arbeitslast
Statt nur über Work-Life-Balance zu reden, realistische Maßnahmen zur Entlastung umsetzen (bessere Planung, klare Zuständigkeiten, ausreichend Personal und das nicht nur ÜBERGANGSWEISE, denn ständig Personen einzuarbeiten ist anstrengender als alles andere!!!).
Überprüfung, ob die 4-Tage-Woche für alle Teams wirklich sinnvoll ist oder ob es flexiblere Lösungen braucht.
5. Vertrauensvolle Unternehmenskultur fördern
Schutzmechanismen gegen „Flurfunk“ und das Weitertragen vertraulicher Gespräche schaffen.
Eine Anlaufstelle für Konflikte oder unangemessenes Verhalten etablieren (z. B. Gleichstellungsbeauftragte, Betriebsrat).
Arbeitsatmosphäre
Als ich angefangen habe, war das Team großartig und die Stimmung in der Agentur einfach top! Ich bin immer gerne zur Arbeit gekommen – es hat Spaß gemacht, und der Spirit hat gestimmt. Die Teamleitung hat sich abends mit uns zamgehockt, ein Bier getrunken und während der Arbeit eine lockere Atmosphäre geschaffen. Alles fühlte sich locker und lebendig an (typisches Agenturleben), sodass man gerne auch mal mehr gemacht hat.
Leider hat sich das im Laufe der Zeit geändert. Strukturelle und personelle Veränderungen haben dem gesamten Team aus meiner Sicht geschadet. Die Stimmung wurde von Monat zu Monat schlechter, und dann habe ich wahrgenommen, dass sich nicht nur das Teamklima, sondern die gesamte Agentur verändert hat. Der Flurfunk war fast ausschließlich negativ, und die meisten, mit denen ich gesprochen habe, waren unzufrieden.
Grundsätzlich bin ich mit der GF im Guten auseinandergegangen. Es war spürbar, dass auf beiden Seiten die Lust auf eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr wirklich da war – aber ohne Streit oder böses Blut. Das ist völlig fair verlaufen. Meine Absicht ist hier nicht nachzutreten, sondern lediglich meine ehrliche Erfahrung zu teilen. :)
Kommunikation
Was erstmal als ehrliches Plus erscheint - entpuppt sich am Ende leider nicht wirklich als solches. Vorweg: Das ist meine persönliche Meinung und Erfahrung – und die kann man mir nicht absprechen (was bei anderen nicht-5-Sterne-Bewertungen leider passiert ist).
Es wird viel kommuniziert und versucht, negative Dinge aufzuarbeiten. Doch aus meiner Sicht gibt es einige Punkte, die diese Bemühungen wieder zunichtemachen:
1. Nach Gesprächen muss sofort wieder alles in Ordnung sein. O-Ton der Leitung: „Ich dachte, wenn wir im Team gesprochen haben, ist wieder alles gut.“ – Aber wenn sich nach dem Gespräch nichts ändert, wie soll dann plötzlich alles geklärt sein?
2. Die GF nimmt sich Zeit für Gespräche – erstmal positiv. In meinem Fall, nachdem die Teamleitung hinter meinem Rücken nicht so nette Dinge zu meinem Kollegen über mich gesagt hat. Doch anstatt die Situation ernsthaft aufzuarbeiten, hieß es nur: „Ihr redet wohl aneinander vorbei, meint es aber beide nicht böse.“ Klar, man will schlichten – aber wenn es nicht der erste Vorfall ist, sollte man dann nicht hinterfragen, ob wirklich alle anderen das Problem sind?
Das sind nur zwei Beispiele von mehreren – Platzproblem! :)
Kollegenzusammenhalt
Ich persönlich hatte nie Probleme mit meinen Kolleginnen und Kollegen – ganz im Gegenteil, ich mochte alle wirklich gerne! Shoutout an mein Ex-Team!
Allerdings kenne ich Vorfälle, in denen Mitarbeitende vertrauliche Dinge mit Kolleginnen und Kollegen geteilt haben, nur um später festzustellen, dass diese Infos bei den Vorgesetzten gelandet sind. Da kann sich jetzt jede:r selbst eine Meinung zu bilden.
Work-Life-Balance
Hier muss man Grapevine wirklich ein Lob aussprechen – in vielen Bereichen wurde einiges richtig gemacht! Ob das heute noch so ist, müsste man in den aktuellen Stellenausschreibungen nachsehen.
Zu meiner Zeit gab es:
- 4-Tage-Woche
> In meinem Team eher schwierig – mehr Stress als Erleichterung, da ständig jemand ausfiel (- auch ich, natürlich), Übergaben nötig waren und alle Kund:innen perfekt gekannt werden mussten. Unterbesetzung war oft ein Problem.
> In der restlichen Agentur habe ich dazu allerdings fast nur Positives gehört!
> Nachteil: 4 Tage à 9 Stunden + Pause (für mich persönlich aber völlig in Ordnung)
- Workation
> Habe ich selbst mal für eine Woche genutzt – innerhalb der EU möglich.
- Home Office
> Zwei Tage die Woche im Büro, zwei Tage remote – eine gute Balance.
- Sabbatical
> Habe ich nicht selbst genutzt, daher kann ich dazu nichts sagen.
Also wirklich top - ihr seid sehr zukunftsorientiert!! :)
Vorgesetztenverhalten
Hier wird’s jetzt wirklich kritisch, denn für mich steht und fällt alles mit den Vorgesetzten.
Wie schon unter Arbeitsatmosphäre erwähnt, war meine erste Teamleitung typisch Agentur: Man hat gerne mehr gemacht, Fehler wurden verziehen, und ich habe oft über Dinge hinweggesehen, die eigentlich zu flirty waren... Übrigens gibt es weder eine:n Gleichstellungs- oder Frauenbeauftragte:n noch einen Betriebs- oder Personalrat – das habe ich mal bei meiner neuen Teamleitung nachgefragt, als mir alles zu viel wurde.
Dann kam der Wechsel. Ich denke, die neue Teamleitung bemüht sich wirklich und ist im Grunde auch nett, aber es sind einfach zu viele Dinge passiert, die mich irgendwann dazu gebracht haben, mir ernsthaft zu überlegen, ob ich bleiben will. Der härteste Moment für mich: Mein direkter Kollege sprach in einem 1:1-Gespräch über fehlende Schulungen und Probleme im Ablauf – und die Antwort der Teamleitung? Ich hätte ihm das alles nur eingeredet! - Als ob er nicht selbst denken könnte?! Es gäbe noch viele Beispiele, aber ich beschränke mich auf die, die mich direkt betroffen haben. Kleinigkeiten spare ich mir. Mein Tipp: Hört mehr auf eure Mitarbeiter:innen!
Interessante Aufgaben
Kurz gesagt: Ich verstehe wirklich nicht, warum für diesen Job Personen mit Hochschulabschluss eingestellt werden. Es handelt sich um eine klassische Sachbearbeitung – stressig nur wegen der Auslastung, in unserem Fall noch zeitweise Unterbesetzung, immer wieder neue Einarbeitung und der 4-Tage-Woche (Übergaben, fehlende Kommunikation etc.).
Die Standardaufgaben fand ich eher monoton, deshalb war ich froh, einen Kunden zu haben, der mehr wollte! Zum Schluss durfte ich auch zusätzliche Aufgaben übernehmen (Tool-Onboarding, Textneuerstellung …). Dafür ein herzliches Dankeschön!
Für mich als Quereinsteigerin war es trotzdem perfekt, um überhaupt den Fuß in die Tür zu bekommen. Also auch hier: Danke für die Chance!
Gleichberechtigung
Im Marketing ist die Frauenquote ja ohnehin recht hoch, ebenso wie der Anteil weiblicher Führungskräfte – was Frauenrechte betrifft, ist also alles super. Auch für LGBTQ+ Personen ein angenehmes Umfeld – zumindest gab es zu meiner Zeit und aus meiner Perspektive keine negativen Vorfälle.
Meine persönliche Erfahrung mit zu flirty Situationen habe ich bereits unter Vorgesetztenverhalten angedeutet. Ich gehe hier nicht weiter ins Detail, weil ich damals selbst oft den „Spaß“ (aus meiner damaligen Sicht) mitgemacht habe – einfach, um kein Fass aufzumachen. Aber genau das spricht ja für sich: der unterschwellige Druck auf Frauen, sich nicht gegen Vorgesetzte zu wehren und das alles "mitzumachen".
Umgang mit älteren Kollegen
Also "ältere Kollegen" sind hier 40-Mitte 50.
Ich zähle nicht zu den älteren Kolleginnen und kann daher keine Erfahrung schildern.
Arbeitsbedingungen
Die Büros in Schwabing waren zu meiner Zeit wirklich großartig! Eine große Dachterrasse, ein Partykeller, ein Sport-/Yogaraum – da konnte man sich echt wohlfühlen. Die Teams hatten ihre eigenen Bereiche, und die Schreibtische waren so ausgerichtet, dass man sich gegenseitig im Blick hatte.
Gegen Ende hat sich das geändert, was prinzipiell auch völlig in Ordnung war, da man einfach etwas zusammengerückt ist.
Was ich jedoch wieder umstellen würde: Die Tische nicht mehr zur Wand ausrichten. Für Menschen, die schreckhaft sind oder aus gesundheitlichen Gründen ihr Umfeld im Blick behalten müssen, kann das sehr unangenehm sein. Zudem ging dadurch auch die offene Teamdynamik etwas verloren. Vielleicht wurde das ja inzwischen wieder angepasst – das weiß ich aber nicht.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Mülltrennung gibt es auf jeden Fall!
Es gab sogar mal eine Abstimmung, ob ein Social Day eingeführt werden soll. Leider kamen nicht genug Stimmen zusammen, aber allein die Initiative von oben fand ich super!
Zur Nachhaltigkeit der Werbemittel kann ich nichts sagen, da in meinem Bereich ausschließlich online gearbeitet wurde.
Gehalt/Benefits
Beim Gehalt ist immer Luft nach oben – besonders in München! Für die Tätigkeit fand ich es aber insgesamt fair.
Jeden Monat gab es einen Gutschein für Lebensmittel oder Ähnliches. Allerdings wurde der Betrag dann vom Gehalt abgezogen, sodass man im Grunde nur die Steuerersparnis hatte. Ich kenne es eigentlich so, dass der Arbeitgeber das komplett übernimmt, ohne es später vom Gehaltszettel abzuziehen …
Image
Soweit ich es beurteilen kann, genießt die Firma in der Branche ein gutes Image nach außen.
Allerdings, wie schon erwähnt, hat sich die Stimmung aus meiner Sicht intern zum Negativen verändert – mehr Schein als Sein. Aber das ist, wie gesagt, nur meine subjektive Wahrnehmung …
Karriere/Weiterbildung
Ja, ich habe wirklich gefühlt jede Woche nach Möglichkeiten gefragt – ob ich aufsteigen, die Abteilung wechseln oder mehr Kreativaufgaben übernehmen kann. Letzteres wurde teilweise ermöglicht (danke nochmal dafür!).
O-Ton der Leitung: „Du wurdest für diesen Job eingestellt, also musst du diese Aufgaben machen.“ Völlig legitim, aber dann sollte es nicht überraschen, wenn hochqualifizierte, motivierte Leute irgendwann das Interesse verlieren, weil es keine Entwicklungschancen gibt. Falls die hohe Fluktuation in dieser Hinsicht einkalkuliert und kein Problem ist – fair.

