Misstrauen statt Vertrauen
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war meiner Meinung nach sehr schlecht. Die Geschäftsführung bringt dem Großteil der Mitarbeitenden leider nur Misstrauen entgegen und leitet durch Kontrolle und starke Reglementierungen. Dabei ist auch die Umgangsform der Geschäftsführung und des Schulleitungsteams nicht immer angemessen, meines Empfindens nach teilweise sogar despektierlich. Man hat das Gefühl, als Arbeitnehmer*in stark unterdrückt zu werden und die Arbeitsatmosphäre wirkt fast schon diktatorisch.
Work-Life-Balance
Diesen Punkt habe ich als besonders belastend empfunden. Im Gegensatz zu staatlichen oder anderen freien Schulen, musste man seine 40h - Arbeitszeit vollständig vor Ort verbringen, obwohl ursprünglich mit Homeoffice - Möglichkeiten geworben wurde. Dazu kam die Reglementierung, dass jede Lehrkraft erst 8:30 Uhr den Arbeitstag starten durfte - wodurch die Tage natürlich dementsprechend lang wurden. Auch in den Ferien herrschte, sobald man seine 35 Tage Urlaub aufgebraucht hatte, Anwesenheitspflicht, selbst wenn keine Schüler*innen vor Ort waren. Es gab eine wöchentliche Konferenz von 15:45 Uhr bis 17:45 Uhr sowie ebenfalls wöchentliche Onlinemeetings von 20 bis 21 Uhr. Dazu kamen alle drei Monate zusätzliche Konferenzen von 17 bis 20 Uhr. Die längste Zeit, welche ich am Stück in der Schule verbringen musste, waren abzüglich Pausenzeiten 11h und 42min, was völlig unzumutbar ist. Es wurde immer wieder betont, dass keine Überstunden anfallen würden, die Realität sah hier jedoch anders aus. Absetzen ließen sich diese Überstunden jedoch auch nicht, da das Gehalt wohl sämtlichen Mehraufwand abdecken sollte.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildungs - und Ausbildungschancen waren gegeben und wurden bezahlt. Allerdings musste man sich beispielsweise während der Ausbildung zum Waldorflehrer für die drei Jahre der Ausbildungszeit und weitere fünf Jahre danach an die Schule binden, ansonsten hätte man die Kosten zurückerstatten müssen.
Kollegenzusammenhalt
Mit einigen Kollegen und Kolleginnen war theoretisch ein gutes Miteinander möglich. Erschwert wurde dies leider durch die hohe Mitarbeiterfluktuation, da man neue Leute häufig kaum kennenlernen konnte, bevor diese bereits wieder kündigten oder gekündigt wurden.
Vorgesetztenverhalten
Für mich war dies der ausschlaggebende Punkt, weswegen ich mich entschieden habe, die Schule zu verlassen. Zu Beginn habe ich das Verhalten der Schulleitung noch positiv wahrgenommen, was sich leider im Laufe der Zeit stark ins Negative gewandelt hat. Die Kommunikation war nicht nur sehr schlecht, sondern teilweise auch grenzüberschreitend. Man musste sich permanent rechtfertigen und ein konstruktiver Austausch war kaum möglich. Dazu kamen über den Kopf hinweg getroffene Entscheidungen der Geschäftsführung, wie beispielsweise das Anpassen und öffentliche Teilen der Arbeitszeiten jeder Lehrkraft ohne vorherige Absprachen. Man durfte Arzttermine nur in den Ferien wahrnehmen und selbst wenn diese dringlich waren, musste man dies erst mit der Geschäftsführung ausdiskutieren. Auch für das Nicht - Teilnehmen an freiwilligen Terminen, wie der Weihnachtsfeier, wurde man im Nachhinein gemaßregelt und musste sich rechtfertigen. Zusammen gefasst veranlasst das Vorgesetztenverhalten wohl die meisten Mitarbeitenden zum Verlassen des Unternehmens - was schade ist, denn mit einer besseren Geschäftsführung könnte man wirklich eine gute Schule aufbauen.
Kommunikation
Es wurde Transparenz versprochen, welche jedoch scheinbar nur in eine Richtung funktionierte - die von Arbeitnehmer*in zu Arbeitgeber*in. Während man als Arbeitnehmer*in permanent über das Kommunikationsportal „Slack“ informieren sollte, wurden Entscheidungen der Schulleitung kaum bis gar nicht weitergegeben. Ein Mitspracherecht war ebenfalls nur ausgewählten Mitarbeiter*innen vorbehalten, die Meinungen des restlichen Teams wurden leider häufig ignoriert oder abgetan.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war recht fair. Man verdient nicht so viel wie an staatlichen Schulen, wurde aber trotzdem angemessen entlohnt. Weitere Benefits gab es aber nicht.
Gleichberechtigung
Leider gibt es auch hier Kritikpunkte. Es war deutlich zu spüren, dass einige Mitarbeitende bevorzugt wurden. Dem Rest des Teams wurde vor allem Misstrauen und Kontrolle entgegengebracht und mangelnde Wertschätzung und Kommunikation vorgeworfen. Man hatte das Gefühl, dass ein kleiner „Fehler“ ausreicht, um bei der Geschäftsführung in Ungnade zu fallen. Dies hat man dann leider im Schulalltag immer wieder zu spüren bekommen.