Zwischen Foodtruck und Führungsfrage
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleginnen und Kollegen, der Zusammenhalt in vielen Teams, das gute Gehalt und die teilweise wirklich interessanten Aufgaben. Es gibt unglaublich viele kompetente und engagierte Menschen im Unternehmen, die trotz der Rahmenbedingungen jeden Tag versuchen gute Arbeit zu leisten. Wer Eigeninitiative ergreift kann hier viel für sich persönlich lernen und sich entwickeln.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Das zwischen dem, was das Unternehmen suggeriert zu sein und dem was es tatsächlich ist, Welten liegen. Probleme werden unter den Tisch gekehrt und man schaut wie lange es gut geht. Kritik wird eher als Störung statt als Ressource verstanden und besonders frustrierend: Wissen, Erfahrung, Ideen und Engagement sind im Unternehmen vorhanden. Man müsste nur akzeptieren, dass eine Position allein noch keine Führungskompetenz ausmacht.
Verbesserungsvorschläge
Führungspositionen nach Kompetenz, Erfahrung und tatsächlicher Führungsfähigkeit besetzen. Gute Führung braucht Mut auch, den eigenen Vorgesetzten zu sagen „so funktioniert es nicht.“ Und manchmal braucht sie auch die Fähigkeit sich einzugestehen, dass man selbst nicht alles kann oder weiß. Die Kompetenz und Erfahrung ist im Unternehmen und Führung könnte davon profitieren, wenn sie bereit wäre zuzuhören, andere Perspektiven ernst zu nehmen und von sich von der Idee zu distanzieren, dass man alles selbst können muss. Man muss nur wissen, wen man fragen kann.
Arbeitsatmosphäre
Innerhalb des Teams ist die Arbeitsatmosphäre meist gut. Man versucht sich gegenseitig zu motivieren, indem man sich immer wieder sagt, dass es auf keinen Fall mehr schlimmer werden kann und sich mit Sarkasmus bei Laune zu halten. Die Arbeitsatmosphäre insgesamt ist geprägt von einer gewissen kollektiven Ratlosigkeit. Probleme sind durchaus bekannt, teilweise sogar seit Jahren, nur scheint niemand so genau zu wissen, wer dafür zuständig ist, was man dagegen tun könnte oder ob es sogar irgendwo schon eine Arbeitsgruppe gibt, die das herausfinden soll. So entsteht auch Resilienz. Man löst Probleme nicht, man lernt mit ihrer dauerhaften Anwesenheit zu leben. Die Teams halten den Laden schon irgendwie am Laufen. Das schafft definitiv Verbindung, weil man sitzt ja im selben Boot.
Image
Das Image hat höchste Priorität. Entscheidend scheint weniger zu sein, wie es tatsächlich läuft, als viel mehr wie es nach außen aussieht. Sehr viel Schein, sehr wenig Sein.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance ist schwierig, wenn man auch nach Feierabend noch damit beschäftigt ist, sich zu fragen, ob das, was man tagsüber erlebt hat, tatsächlich so passiert sein kann, oder ob es ein Fiebertraum war. Abschalten erfordert hier auf jeden Fall besondere Fähigkeiten.
Karriere/Weiterbildung
Karrierechancen sind top. Qualifikation und Erfahrung stellen dabei erfreulicherweise keine unnötige Hürde dar. Die Kriterien, die darüber entscheiden, wer in eine Führungsposition gelangt oder eine Weiterbildung finanziert bekommt ist dabei nicht immer vollständig nachvollziehbar.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Benefits sind überdurchschnittlich. Dazu gibt es Foodtrucks, Burger, große Feste und andere großzügige Extras. An Brot und Spielen mangelt es wirklich nicht. Und bei guter Verpflegung lassen sich manche strukturellen Probleme offenbar leichter verdauen.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nachhaltigkeit ist eher Berichtspflicht als Bewusstsein, wie die Dienstwagen der Führungsriege verdeutlichen. Beim Sozialbewusstsein entsteht ein ähnlicher Eindruck. Personal reduzieren, Belastung erhöhen und Kapazitäten ausweiten passt für mich nur schwer zum sozialen Grundgedanken des Gesundheitswesens. Wirtschaftlichkeit ist wichtig. Hier hat man allerdings den Eindruck sie sei nicht Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter Kollegen ist meist gut. Man unterstützt sich, hält zusammen und versucht gemeinsam das Beste aus den Gegebenheiten zu machen. Frei nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Umgang mit älteren Kollegen
„Jeder ist ersetzbar“ beschreibt die Haltung gegenüber langjährigen und erfahrenen Mitarbeitenden ganz treffend. Erfahrung wird weniger als Ressource verstanden, sondern eher als etwas, das bei Bedarf problemlos ausgetauscht werden kann. Manchmal stellt man allerdings erst nach dem Weggang fest, dass der Arbeitsmarkt diese Einstellung nicht teilt.
Vorgesetztenverhalten
Man fragt sich gelegentlich, ob man tatsächlich das Verhalten ausgebildeter Führungskräfte erlebt oder versehentlich in ein „Jugend-forscht“-Projekt geraten ist, bei dem eine besonders gemeine Aufgabe ohne Anleitung gelöst werden soll. Viel Ausprobieren, wenig Plan und alle warten gespannt auf das Ergebnis.
Arbeitsbedingungen
Seit Jahren wird gebaut, renoviert und verschönert. Büros und Privatstationen können sich wirklich sehen lassen. Bei grundlegenden Dingen wie funktionierenden Aufzügen oder Materialversorgung bekommen „Arbeitsbedingungen“ eine gewisse Dynamik. Aber immerhin sieht es dabei gut aus.
Kommunikation
Kommunikation findet durchaus statt. Bevorzugt über mitarbeitende statt mit ihnen. Wer auf Mails, Rückfragen, Stellungnahmen oder Entscheidungen wartet sollte dagegen Geduld mitbringen. Viel Geduld. Manchmal auch bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses.
Gleichberechtigung
Barrierefreiheit und Inklusion werden sichtbar berücksichtigt, zumindest dort, wo man sie ausschildern kann. Im tatsächlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung habe ich allerdings Situationen erlebt, die mein Verständnis von Gleichberechtigung und Inklusion auf die Probe gestellt haben. Zwischen Anspruch und gelebter Realitlt besteht aus meiner Sicht noch reichlich Entwicklungspotenzial.
Interessante Aufgaben
Davon gibt es tatsächlich einige. Dazu gibt es ein beeindruckendes Maß an Gestaltungsfreiheit: ob, wann und wie man sie erledigt, interessiert praktisch niemanden. Hier lernt man eigenverantwortliches Arbeiten.


