Als Ärztin/Arzt eine absolute Katastrophe! (Arbeitsbedingungen, med. Qualität und Weiterbildung sind einfach schlecht)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Faszinierend fand ich die Selbstwahrnehmung des Klinikums: Auch wenn Qualität und Moral scheinbar am Tiefpunkt sind, zeigten uns regelmäßige Hochglanz-Bildchen, was wir doch für einen tollen Arbeitgeber haben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nichts. Solange man ausreichend Fresenius-Aktien im Depot hat und nicht mehr selbst dort arbeiten muss, kann man eigentlich zufrieden sein.
Verbesserungsvorschläge
Der Fachkräftemangel ist unaufhaltsam, das Image der Klinik auch (also im Sinkflug).
Ein schlauer Mann sagte einmal:
„Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren!“
Arbeitsatmosphäre
Ich hatte das Gefühl, dass alle Abteilungen und scheinbar alle Berufsgruppen demotiviert und frustriert sind. Dies merkt man auch deutlich im klinischen Alltag.
Image
Das Image von Helios ist mittlerweile republikweit bekannt.
Ich hatte das Gefühl, dass die Bevölkerung hier versucht das Klinikum zu vermeiden und das Personal sich in der Regel auswärtig behandeln lässt.
Work-Life-Balance
Sehr schlecht durch viele Überstunden und kurzfristige Dienstplanänderungen. Eine Mitgestaltung der Dienstplanung wurde meiner Meinung nach versucht zu verhindern.
Karriere/Weiterbildung
Ich hatte das Gefühl, dass es zu wenig Personal gibt und dadurch in der Regel auch niemand Zeit für Weiterbildung hatte. Außerdem wird die Arbeitskraft prozessoptimiert auf den Stationen und in der ZNA benötigt. Für Weiterbildung gibt es schließlich keine eigene DRG.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist mittlerweile annähernd vergleichbar mit anderen Tarifverträgen. In Anbetracht der Arbeitsbedingungen und Überstunden dann schon wieder im Vergleich unterdurchschnittlich.
Ich hatte das Gefühl, dass es häufig zu Fehlern in den Lohnabrechnungen kam (natürlich nur zum Nachteil der Arbeitnehmer). Dafür fühlte sich nach meinem Empfinden die Personalabteilung regelhaft nicht zuständig.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ich hatte das Gefühl, dass Umweltschutz nur gelebt wird, wenn er betriebswirtschaftlich Sinn macht. Also man die Mitarbeiter moralisch damit zum Sparen motivieren kann.
Ansonsten wird gerne das umweltschonende SUV-Modell als Dienstwagen ausgegeben (so war zumindest mein Eindruck).
Kollegenzusammenhalt
Ich hatte das Gefühl, dass sehr darauf geachtet wird, die einzelnen Abteilungen und Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen. Dies merkte ich leider auch am Umgang miteinander. Es wurde viel gegeneinander gearbeitet. Durch Einsparungen wurde diese Dynamik weiter verschärft.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich hatte das Gefühl, dass die wenigen ärztlichen älteren Kollegen entweder zum Großteil in den oberen Etagen sitzen oder zeitnah das Klinikum verlassen haben. Damit ist ein guter Umgang mit den Boomer sichergestellt.
Vorgesetztenverhalten
Ich hatte das Gefühl, dass die Chefärzte an ihren Posten hängen und dementsprechend die „notwendigen Änderungen“ (in der Regel Kürzungen) an die Mitarbeiter durchgeben. Diese werden durch die typischen Helios-Floskeln eingebettet und an den großen Zusammenhalt in schwierigen Zeiten appelliert.
Arbeitsbedingungen
Nach meinem Empfinden zeigte die Sparpolitik Wirkung: Ich empfand einen deutlicher Investitionsstau. Es wirkte alles abgewirtschaftet und nichts mehr adäquat ersetzt, nur noch improvisiert versucht zu reparieren.
Einzelne Leuchtturmprojekte wie Herzkatheterlabor oder DaVinci (für die das Geld dann rausgehauen wird) werden medienwirksam in Szene gesetzt.
Kommunikation
Ich hatte das Gefühl, dass die täglichen Besprechungen dazu dienten, die Anweisungen der Geschäftsführung „nach unten“ durchzusetzen. Kritik oder Diskurs waren an dieser Stelle nach meinem Empfinden explizit unerwünscht.
Gleichberechtigung
Schaut man sich die Geschlechterverteilung in der Chefarztebene an, sieht man die gelebte Gleichberechtigung deutlich.
Interessante Aufgaben
Insgesamt wenig.


