New Work? Bei uns heißt das: alter Stuhl, neues Buzzword.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen verfügt über eine starke Basis: motivierte Teams, geschätzte Erfahrung, ein anerkanntes Image. Gleichzeitig wirken mangelnde Transparenz, eingeschränkte Freiräume und unzuverlässige Rahmenbedingungen dem Potenzial entgegen.
Mehr Offenheit, faire Strukturen, verlässliche Kommunikation und die Rückkehr zu echter Flexibilität würden die Motivation, Bindung und Produktivität der Mitarbeitenden erheblich steigern.
Arbeitsatmosphäre
Innerhalb der Abteilungen und Teams herrscht überwiegend eine sehr harmonische und kollegiale Atmosphäre.
Allerdings belasten die Entscheidungen des Managements zunehmend die Souveränität der Mitarbeitenden und wirken sich spürbar auf das allgemeine Wohlbefinden aus.
Image
Das Unternehmen genießt ohne Zweifel Prestige und hat einen gewissen Status. Doch auch wenn der Käfig golden glänzt – am Ende bleibt er dennoch ein Käfig.
Work-Life-Balance
Nach fünf Jahren, in denen wir uns eine neue Alltagsstruktur im Einklang mit mobilem Arbeiten aufgebaut haben, ist es unverständlich, dass diese Option nun ohne Vorwarnung entzogen werden soll.
Viele Kolleginnen und Kollegen haben durch die Regelung des mobilen Arbeitens überhaupt erst hier begonnen oder wichtige private Entscheidungen darauf abgestimmt. Zudem ist die Infrastruktur am Standort für eine vollständige Rückkehr ins Büro gar nicht ausgelegt. Besonders belastend ist auch, dass Mitarbeitende, die pünktlich Feierabend machen, von Vorgesetzten häufig mit schiefen Blicken bedacht werden. Eine gesunde Work-Life-Balance wird so massiv untergraben.
Karriere/Weiterbildung
Im Hinblick auf Karrierewege ist Vorsicht geboten: Nicht alle Vorgesetzten halten ihre Zusagen ein, und nicht selten wird auf Ausflüchte zurückgegriffen. Selbst wenn Ziele erreicht werden, erleben viele Mitarbeitende, dass sie mit leeren Floskeln hingehalten werden, statt echte Perspektiven zu erhalten.
Gehalt/Benefits
Im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das Gehaltsniveau eher moderat.
Gespräche über Gehaltserhöhungen werden jedoch häufig wie ein Kavaliersdelikt behandelt - ernsthaft Gehör finden sie meist nur dort, wo man in der Gunst der Vorgesetzten steht und die ohnehin undurchsichtigen Regeln zu den eigenen Gunsten ausgelegt werden.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Hier wird viel bewegt, gerade weil wir eine eigene Abteilung haben die sich um solche Themen kümmert. Allerdings muss man sich klar sein, das wir Alkohol produzieren.
Kollegenzusammenhalt
Wie bereits beschrieben, funktioniert der Zusammenhalt innerhalb der einzelnen Teams und Abteilungen sehr gut. Allerdings gibt es vereinzelt Mitarbeitende, aus einem bestimmten Bereich, die sich über andere stellen und Kolleginnen und Kollegen für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren.
Dies führt zu Unruhen und Konflikten und schwächt den übergreifenden Zusammenhalt zwischen den Gruppen.
Umgang mit älteren Kollegen
Ältere Kolleginnen und Kollegen werden im Unternehmen grundsätzlich geschätzt und genießen einen besonderen Schutz. Ihre Erfahrung wird anerkannt und ihre Stellung im Team respektiert.
Vorgesetztenverhalten
Das mittlere Management ist in seinem Handeln häufig davon abhängig, wie sehr die jeweilige Abteilungsleitung in der Gunst des gehobenen Managements steht. Oft scheint zu gelten: Wer am lautesten klagt, erhält die meiste Aufmerksamkeit. Ich persönlich habe Glück mit meiner Abteilungsleitung, doch viele andere berichten, dass für personelle Themen oder echte Führungsarbeit kaum Zeit bleibt. Das gehobene Management wirkt hingegen noch deutlich weiter entfernt - ihre Anwesenheit sorgt bei vielen eher für ein Gefühl der Anspannung.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind gemischt: während höhenverstellbare Schreibtische
und moderne Meetingräume einen zeitgemäßen Eindruck vermitteln, hakt es bei der technischen Ausstattung gewaltig.
Teams-Meetings ruckeln, Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen laden ewig, und die Laptops klingen dabei wie startende Helikopter. Mit einer stabilen Internetverbindung ließe sich im Büro immerhin einigermaßen produktiv arbeiten.
Kommunikation
In der internen Kommunikation wird häufig versucht, Informationen zu beschönigen oder zurückzuhalten. Dennoch gelangen die wesentlichen Inhalte über den Flurfunk meist sehr schnell an die Mitarbeitenden - oftmals lange bevor die offizielle Kommunikation sie in eine für das Management günstige Richtung lenken kann.
Gleichberechtigung
Weniger als eine klassische Gender-Gap erlebe ich in unserem Unternehmen eher eine individuelle Gap: Entscheidend ist oft nicht die Leistung oder die Rolle, sondern vielmehr die persönliche Gunst bei den Vorgesetzten. Diese beeinflusst spürbar, in welchem Maß Regeln flexibel ausgelegt oder zugunsten einzelner gebogen werden.
Interessante Aufgaben
Ich mag meine Arbeit und finde die Aufgaben grundsätzlich interessant.
Allerdings sind unsere Gestaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt, sodass viele Ideen und Potenziale ungenutzt bleiben. Wir würden gerne mehr bewegen, stoßen dabei jedoch immer wieder an unsichtbare Grenzen.

