Dringender Erneuerungsbedarf: weniger Steuerungskreise, mehr wirksame Führung und nachhaltige Mitarbeiterentwicklung
Verbesserungsvorschläge
Als ehemalige Führungskraft im mittleren Management bei Hermes Germany in Hamburg habe ich die zunehmenden Umstrukturierungsmaßnahmen der letzten Jahre aus nächster Nähe erlebt. Angesichts eines herausfordernden Marktes und rückläufiger Geschäftsergebnisse sind Veränderungen grundsätzlich notwendig. Entscheidend ist jedoch, wie sie vorbereitet, kommuniziert und umgesetzt werden.
Aus meiner Sicht fehlte es in mehreren Bereichen an einer nachhaltigen Strategie. Viele Maßnahmen wirkten eher reaktiv und aktionistisch als langfristig geplant. Gleichzeitig entstanden zusätzliche Steuerungs- und Priorisierungsgremien. Diese führten aus meiner Sicht nicht zu spürbar mehr Effizienz oder klareren Entscheidungen, sondern zu mehr Formalismus und längeren Abstimmungswegen. Starke Organisationen brauchen meiner Erfahrung nach vor allem klare Verantwortlichkeiten, verbindliche Entscheidungen und sichtbare Führung – nicht weitere Koordinationsrunden.
Besonders bedauerlich ist der Verlust erfahrener Mitarbeitender mit wertvollem Unternehmens- und Prozesswissen. Dieses Know-how war über viele Jahre ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Ich würde mir wünschen, dass Potenziale frühzeitig erkannt, gezielt entwickelt und langfristig gehalten werden – statt erst dann zu reagieren, wenn Kompetenzen bereits verloren gegangen sind.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Geschäftsbereichen hat in der Vergangenheit vielfach konkreten Mehrwert geschaffen. Dass etablierte, ergebnisorientierte Zusammenarbeiten im Zuge der Neuausstellung reduziert oder aufgegeben wurden, halte ich rückblickend für einen vermeidbaren Nachteil. Eine Orientierung an Wettbewerbsstrukturen kann Impulse geben, sollte aber nicht unkritisch kopiert werden. Wichtiger sind eine klare eigene Strategie, gelebte Querschnittszusammenarbeit und Entscheidungen, die tatsächlich zur wirtschaftlichen Stabilisierung beitragen.
Mein zentraler Verbesserungsvorschlag: Der Erneuerungsprozess muss konsequent auch bei Führung und Verantwortungsstrukturen ansetzen. Es braucht eine ehrliche Analyse, welche Entscheidungen der vergangenen Jahre funktioniert haben und welche nicht – sowie die Bereitschaft, daraus Konsequenzen zu ziehen. Neue Ideen sind vorhanden; entscheidend ist, sie strukturiert umzusetzen und Führungskräfte stärker für Ergebnisse, Teamentwicklung und nachhaltige Entscheidungen verantwortlich zu machen.
Der Markt ist anspruchsvoll, aber bewältigbar. Mit klarerer Führung, weniger Bürokratie, verlässlicher Mitarbeiterentwicklung und einem strategisch statt reaktiv geprägten Change-Prozess könnte Hermes sich meiner Einschätzung nach deutlich besser im Wettbewerb aufstellen
Arbeitsatmosphäre
....habe ich früher als gut erlebt. In den letzten Jahren meiner Tätigkeit hat sie sich aus meiner Sicht spürbar verschlechtert.
Kommunikation
...die interne Kommunikation habe ich in den letzten Jahren meiner Tätigkeit als zunehmend unzureichend erlebt.
Kollegenzusammenhalt
ein wirkliches Asset für die Firma
Work-Life-Balance
Homeoffice und flexible Arbeitszeiten waren in meinem Tätigkeitsbereich grundsätzlich möglich, soweit die Aufgaben dies zuließen.
Vorgesetztenverhalten
Das Führungsverhalten habe ich nicht immer als "ehrlich" erlebt. Bei Führungsqualität und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen sehe ich deutlichen Verbesserungsbedarf.
Interessante Aufgaben
Gegen Ende meiner Tätigkeit habe ich die Aufgaben als weniger interessant erlebt als in den Jahren zuvor.
Gleichberechtigung
...ist unter Berücksichtigung des Leistungsprinzips aus meiner Sicht voll und ganz gegegeben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
...hatten in meinem Arbeitsumfeld immer einen hohen Stellenwert.
Image
.... das öffentliche Image wird den vorhandenen Stärken des Unternehmens aus meiner Sicht nicht vollständig gerecht.
Karriere/Weiterbildung
....in den letzten Jahren habe ich die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und Weiterbildung in meinem Bereich als stark eingeschränkt erlebt.


