Führung im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt noch (!) Home-Office Möglichkeiten.
Obstkorb, kostenloses Wasser und Kaffee! ;)
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
– Das Führungsverhalten von einem Geschäftsführer wird von vielen als belastend und wenig unterstützend empfunden. Die anderen beiden stehen ihm allerdings in wenig nach.
– Empathie gegenüber Mitarbeitenden fehlt häufig.
– Performance-Gespräche wirken größtenteils unfair.
– Große Angst vor der Gründung eines Betriebsrats (was mit der vergangenen und vermutlich kommenden Kündigungswelle ohnehin immer utopischer wird).
– Kaum Aufstiegsmöglichkeiten – außer man ist Projektmanager und teilt die gleiche Philosophie.
– Fünf Führungskräfte bei unter 30 Personen erscheint sehr viel (noch weniger, wenn man befristete und Werkstudierende abzieht).
– KI ist aktuell die Lösung für alles – davor war es ein anderes Schlüsselthema, etc. Jedes Jahr versucht man sich neu zu definieren und ein „Expertenfeld“ auszurufen.
– Mental Health wirkt wie ein Fremdwort und in meinem Erleben wird krankheitsbedingte Abwesenheit eher kritisch gesehen.
Auf mich wirkt es so, als würde die Geschäftsführung, Kununu-Bewertungen keine wesentliche Aussagekraft zuschreiben, da Herausforderungen intern adressiert werden sollten, weswegen mir persönlich eine Rückmeldung seitens der Geschäftsführung in diesem Fall nicht erforderlich erscheint.
Frohe Weihnachten!
Verbesserungsvorschläge
Es wäre wünschenswert, wenn sich alle Führungskräfte kritisch mit bestehenden Herausforderungen auseinandersetzen und sichtbare Probleme aktiv adressieren würden. Im Team entsteht aktuell der Eindruck, dass Prioritäten nicht immer klar gesetzt sind und die Präsenz sowie das Engagement für zentrale Unternehmensbelange variieren. Dies führt intern mitunter zu Unsicherheiten und dem Gefühl, dass die Unternehmensführung nicht geschlossen agiert.
Auch auf Teamleiterebene zeigt sich leider wenig Stabilität. Die aktuelle Führung wirkt im Alltag nicht immer belastbar, was den Arbeitsfluss unnötig erschwert. Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege sind häufig unklar, wodurch Probleme eher kaschiert als konsequent aufgearbeitet werden.
In kritischen Situationen fehlt oft die nötige Führungskompetenz und Stärke, um Herausforderungen klar zu benennen und souverän zu lösen. Insgesamt vermittelt die Teamleitung damit weniger die Rolle einer tragenden Stütze, sondern eher die eines Systems, das sich selbst zu sehr schont, während wichtige Themen liegenbleiben.
Grundsätzlich wäre es sinnvoll zu prüfen, ob Führungspositionen stärker nach fachlicher und persönlicher Eignung statt hauptsächlich nach interner Betriebszugehörigkeit vergeben werden sollten. Externe Expertise könnte eine wertvolle Ergänzung darstellen und dazu beitragen, Rollen klarer zu definieren sowie Führung breiter und kompetenzorientierter aufzustellen.
Darüber hinaus fällt auf, dass manche unternehmenspolitischen Entscheidungen oder Haltungen als wenig arbeitnehmerorientiert wahrgenommen werden. Gerade im deutschen Arbeitsumfeld sind faire, transparente und mitarbeiterfreundliche Rahmenbedingungen essenziell und sollten konsequent berücksichtigt werden.
Auch der Umgang mit externen Plattformen und Trends – beispielsweise LinkedIn – sollte reflektiert werden. Der Einfluss solcher Quellen auf Weiterbildungsentscheidungen oder die interne Kommunikation wirkt teilweise überproportional, was nicht immer zu einer sachlichen oder ausgewogenen Perspektive beiträgt. Besonders da eine Führungsperson diese Plattform sehr präsent nutzt.
Über seine Art ließe sich vieles sagen, doch intern besteht ohnehin ein gemeinsames Verständnis darüber, wie sein Führungsstil wahrgenommen wird und warum er bei vielen eine gewisse Anspannung auslöst. Deshalb lasse ich an dieser Stelle bewusst etwas Raum für eigene Interpretationen – das bietet Stoff genug für den Deutschunterricht.
Arbeitsatmosphäre
Das Betriebsklima verhält sich wie der Klimawandel: Jeder weiß, dass es seit Jahren schlechter wird. Man könnte etwas dagegen tun, aber da das Ego weniger Personen größer und wichtiger ist, fokussiert man sich darauf, maximalen Gewinn zu erwirtschaften. Das Verhalten gegenüber Mitarbeitenden ist dabei meines Empfindens nach oft toxisch und empathielos. Wertschätzung ist seltener als ein Lottogewinn.
Kommunikation
Kommunikation wirkt – wie in vielen anderen Fällen auch – wie eine Einbahnstraße. Probleme werden nicht gelöst, sondern eher geschaffen. Notwendige Informationen werden kurzfristig übermittelt, selten Raum für Kompromisse.
Kollegenzusammenhalt
Ohne kollegialen Zusammenhalt wären vermutlich viele bereits auf dem Weg zum Psychologen.
Work-Life-Balance
War tatsächlich einmal in Ordnung, wird aber durch immer rigidere Strukturen zunehmend verschlechtert. Urlaubsplanung ist auch so eine Sache: Es wirkt so, als hätten Geschäftsführung und Teamleitung mehr Freiheiten als Mitarbeitende. Vertraglich festgelegte Arbeitszeiten stimmen manchmal nicht mit der Realität überein (8:00 vs. 7:30 Uhr).
Vorgesetztenverhalten
Hierüber könnte man vermutlich einen Roman schreiben. Die Vorgesetzten wirken auf mich meist überfordert und nicht ausreichend qualifiziert für ihre Positionen. Woran merkt man das?
– Kein Feingefühl in Mitarbeitergesprächen
– Kaum Kenntnisse über Mitarbeiterrechte
– Keine konstruktive Feedback-Kultur
Leistungen werden tendenziell kleingeredet, damit Beförderungen gar nicht erst in Betracht kommen. Eigene Fehler werden selten thematisiert; schuld sind meistens die anderen. Mitarbeitende werden eher als kostspielige Nummern denn als Menschen betrachtet. Konfliktbewältigung ist kaum vorhanden, teilweise ähnelt das Verhalten dem trotziger Kinder.
Interessante Aufgaben
Zu Beginn wirken viele Aufgaben interessant. Nach einer Weile merkt man jedoch, wie eingeschränkt die eigenen Möglichkeiten sind. Die Arbeitsaufteilung ist selten fair. Manche müssen deutlich mehr übernehmen als andere. Einfluss auf die eigenen Arbeitsgebiete hat man kaum; man wird dorthin geschickt, wo gerade Bedarf ist – allerdings fragt man sich häufig nach der Sinnhaftigkeit und Logik dieser Maßnahmen. Versprechen bezüglich neuer Aufgaben und Projekte geraten leider schnell in Vergessenheit.
Gleichberechtigung
Dazu nur eines: Ich bin gespannt auf das Entgelttransparenzgesetz 2026. Das sollte aussagekräftig genug sein.
Umgang mit älteren Kollegen
Kaum Wertschätzung gegenüber langjährigen Mitarbeitenden. Es wirkt, vor allem in letzter Zeit so, als ob jede Person ersetzbar wäre – idealerweise durch günstigere Alternativen?
Arbeitsbedingungen
Beide Standorte werden von der Geschäftsführung gelobt und man versucht, das Office-Leben wieder zu stärken. Als gutes Beispiel gehen die drei Geschäftsführer jedoch nicht wirklich voran. Die Flexibilität der Mitarbeitenden wird zunehmend eingeschränkt („…until morale improves“). Die Räumlichkeiten sind zwar in Ordnung, die technische Ausstattung ist jedoch verbesserungswürdig: Monitore funktionieren teilweise nicht, Laptops sind das absolute Minimum. Effizientes Arbeiten wird erwartet, ist mit den vorhandenen Möglichkeiten aber kaum realistisch. Insgesamt erinnert die Ausstattung eher an den öffentlichen Dienst. Wir reden nicht über die Serverstruktur.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Es wirkt so, als ob dieses Thema keine große Rolle spielen würde.
Gehalt/Benefits
Leider nicht zufriedenstellend und es gibt kaum Möglichkeiten, sich perspektivisch weiterzuentwickeln. Gehaltsanpassungen erfolgen meiner Erfahrung nach selten, weswegen es den Anschein erweckt, dass der Anstieg des Gehalts eher unterbunden wird. Vielleicht besteht die Agentur zum Großteil künftig nur noch aus Werkstudierenden – wer weiß? Unbefristete Mitarbeitende könnten ein Dorn im Auge sein?
Image
Die kürzlich erhaltene Auszeichnung als „Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz 2025“ führte zu einigen Irritationen innerhalb des Teams. Hier könnte eine Diskrepanz zwischen Außen- und Innenwirkung herrschen.
Karriere/Weiterbildung
Sagen wir es so: Ein kurzer Learning Lunch, ein paar YouTube-Tutorials oder ein bis zwei Onboarding-Sessions stellen zwar einen guten Einstieg dar, ersetzen aber leider keine fundierte Weiterbildung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass bezahlte Weiterbildungen kaum unterstützt werden und intern oft mit unvollständigem Wissen gearbeitet wird. Dadurch entsteht ein uneinheitliches Kompetenzniveau im Team, und einzelne Personen scheinen bevorzugt Zugang zu bestimmten Informationen oder Lernmöglichkeiten zu erhalten. Insgesamt scheint Wissen weder konsequent noch transparent verteilt zu werden.