Von Motivation zu Frust – wie ein starkes Team systematisch ausgebremst wird
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kolleg:innen sind engagiert, herzlich und immer füreinander da – sie sind der einzige Grund, warum man hier überhaupt noch durchhält. Doch auch im besten Team lässt die Motivation nach, wenn man ständig ausgebremst wird und keine Perspektive sieht. Immerhin bleibt noch der unbegrenzte Kaffee, um sich durch den Tag zu retten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Motivation, wirklich etwas zu bewegen, ist mittlerweile komplett verschwunden – vor allem, weil es an Wertschätzung, Feedback und echter Förderung fehlt. Ideen werden weder aufgenommen noch diskutiert, sondern von vornherein blockiert, oft mit dem Hinweis auf fehlende Kapazitäten. Auch teamübergreifende Zusammenarbeit findet kaum statt, und wenn doch, gibt es keinen einheitlichen Workflow. Im Grunde kocht jedes Team sein eigenes Süppchen. Das Ergebnis ist, dass dem Unternehmen ein roter Faden fehlt, die Einheitlichkeit in der Außenwirkung leidet und die Markenbekanntheit darunter spürbar sinkt. Schlechte Ergebnisse, schwache Zahlen und enttäuschende Performance werden dabei jedoch auf die Mitarbeitenden geschoben, anstatt einmal ehrlich zu analysieren, wo die Strukturen und Prozesse nicht funktionieren und wie man sie verbessern könnte.
Hinzu kommt, dass bereits jetzt ein enormer Druck im Büro herrscht. Wer nicht sehr früh da ist, bekommt keinen (guten) Arbeitsplatz mehr. Mit der ab November geplanten 100%-Office-Pflicht wird sich dieses Problem massiv verschärfen – in einem Großraumbüro mit ohnehin schon hoher Lautstärke und zu wenigen Plätzen ist konzentriertes Arbeiten schlicht unmöglich. Wir stehen aktuell komplett im Regen: Niemand teilt uns mit, wie es konkret weitergehen soll. Wird einfach erwartet, dass wir ab November alle im Büro erscheinen? Ist den Verantwortlichen bewusst, dass ein Großteil der Belegschaft in diesem Fall kündigen wird? Und wer soll die Arbeit dann auffangen – was bedeutet das für die tatsächliche Performance? Selbst wenn die deutsche Führungsebene aktuell mit UK verhandelt, wäre es zumindest ein Minimum an Wertschätzung, uns regelmäßig Updates zu geben und uns nicht völlig in der Luft hängen zu lassen.
Und selbst wenn tatsächlich alle Mitarbeitenden ab November ins Büro kommen sollten: Wo sollen wir arbeiten? Es gibt schlicht nicht genug Plätze und Meetingräume. Hier stellt sich nicht nur die Frage nach Effizienz, sondern auch nach der arbeitssicherheitsrechtlichen Zulässigkeit.
Verbesserungsvorschläge
Damit sich die Situation nachhaltig verbessert, müssten die Mitarbeiter:innen endlich ernst genommen werden. Dazu gehört, Feedback anzunehmen und Ideen nicht nur zu hören, sondern auch aktiv zu fördern. Ein zentrales Thema ist die fehlende Wertschätzung – gerade in Gehaltsgesprächen wäre es wichtig, nicht nur Defizite aufzuzeigen, sondern auch Leistungen anzuerkennen. Ebenso braucht es klare Strukturen: verbindliche Deadlines, klare Prioritäten und nachvollziehbare Prozesse, um das ständige Chaos zu vermeiden.
Ein weiterer Punkt ist Fairness. Gehalt, Homeoffice-Regelungen und Arbeitsbedingungen sollten transparent und UNBEDINGT GLEICHBEHANDELT gestaltet werden. Die Gehälter gehen teilweise in gleichen Positionen stark auseinander und die Homeoffice-Regelung erscheint für die einen so zu sein und für die anderen anders. Die Führung sollte insgesamt offener, unterstützender und respektvoller agieren. Zudem wäre es wichtig, den Teamgedanken wieder zu stärken, statt Silos aufzubauen, in denen jeder für sich arbeitet. Und nicht zuletzt muss die Überlastung durch die Expansion abgebaut werden – nur so können Projekte wieder in den Vordergrund rücken und erfolgreich umgesetzt werden.
Arbeitsatmosphäre
Von anfangs motiviert und kreativ zu demotiviert und frustriert. Ständige Überlastung, fehlende Anerkennung und chaotische Prozesse haben die Stimmung deutlich verschlechtert. Ich gehe nur noch wegen der tollen Kolleg:innen ins Büro.
Image
Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als einzigartig und familiär. Ein Beispiel ist der aufwendig gestaltete CSD-Wagen, der jedes Jahr enorme Summen verschlingt und vor allem dazu dient, das Image als offenes und modernes Unternehmen zu pflegen. Hinter den Kulissen zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild: Intern fehlt es an echter Offenheit, Wertschätzung und Transparenz – das, was nach außen so stark kommuniziert wird, spüren die Mitarbeitenden im Alltag kaum.
Work-Life-Balance
Bisher wirklich gut aufgrund flexibler Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten. Das wird sich ab November komplett ändern, wenn wir jeden Tag im Büro sein müssen. Lange Anfahrtswege, hohe Lärmbelastung in einem Großraumbüro, kaum Rückzugsmöglichkeiten, begrenzte Anzahl an Meetingräumen, usw.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Jeden Tag ins Büro fahren ist wohl kaum als umweltbewusst zu bezeichnen.
Karriere/Weiterbildung
Zwar gibt es grundsätzlich ein Budget für Weiterbildungen und Konferenzen, doch wirklich sinnvoll nutzen lässt es sich nicht. Denn selbst wenn man an einer Veranstaltung teilnimmt und konkrete Handlungsempfehlungen oder Ideen daraus mitbringt, stößt man intern kaum auf ein offenes Ohr – oder es fehlt, wie so oft, schlicht an Kapazitäten, diese umzusetzen. Dadurch ist auch hier die Motivation, Weiterbildungen oder Konferenzen zu besuchen, stark gesunken.
Karrieremöglichkeiten sind ebenfalls kaum vorhanden. Wer in Gehaltsverhandlungen ein höheres Gehalt anstrebt, bekommt häufig zu hören, man sei bereits „am Ende seiner Möglichkeiten“ – selbst dann, wenn das eigene Gehalt im Vergleich zur Verantwortung oder zur Branche eher als unangemessen niedrig empfunden wird.
Kollegenzusammenhalt
Das Team hält noch zusammen, obwohl die Rahmenbedingungen zunehmend demotivierend sind.
Vorgesetztenverhalten
Teilweise mangelnde Unterstützung, fehlendes Feedback. Entscheidungen sind nicht transparent, Gespräche wirken abwertend statt wertschätzend.
Arbeitsbedingungen
Ich denke ein Großraumbüro ohne ernstzunehmende Rückzugsmöglichkeiten und zu wenig Meetingräume spricht für sich. Im Homeoffice sieht das komplett anders aus - aber das wird ab November abgeschafft.
Kommunikation
Man hat häufig das Gefühl, dass Wertschätzung stark davon abhängt, ob man ausschließlich Positives äußert. Wer Kritik anspricht oder Missstände offen benennt, gilt schnell als schwierig oder wird ignoriert. Feedback wird in der Regel nur dann angenommen, wenn es positiv ausfällt und die bestehende Sichtweise bestätigt. Konstruktive Anmerkungen oder Vorschläge zur Verbesserung finden dagegen kaum Gehör. Das führt dazu, dass viele lieber gar nichts mehr sagen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen – eine offene und ehrliche Feedbackkultur existiert so nicht.
Gehalt/Benefits
Die Gehälter liegen spürbar unter dem Branchendurchschnitt, insbesondere im Vergleich zu anderen Tourismusunternehmen in München. Offiziell wird zwar von einem Benchmark-Verfahren zur regelmäßigen Anpassung gesprochen, in der Realität wirkt das jedoch eher wie ein Märchen. Der Austausch unter Kolleg:innen zeigt deutlich: Die Vergütung ist willkürlich und ungerecht verteilt. So erhält eine Person mit 20 Jahren Berufserfahrung dasselbe Gehalt wie ein deutlich jüngerer Kollege mit nur wenigen Jahren Erfahrung. Die Gehaltsstruktur bleibt intransparent und ist für Mitarbeitende nicht nachvollziehbar.
Gleichberechtigung
Einerseits wird betont, dass man „sein darf, wie man ist“. Andererseits fühlt es sich im Alltag oft ganz anders an: Wer nicht in dasselbe Muster passt oder einfach anders tickt als die Mehrheit, wird schnell ausgeschlossen oder fühlt sich zumindest nicht willkommen. Zudem entsteht der Eindruck, dass manche Mitarbeiter:innen beliebter sind als andere und dadurch Vorteile genießen – sei es in der Wahrnehmung, in Entscheidungen oder bei kleinen Alltagsprivilegien.
Interessante Aufgaben
Früher vielseitig, heute kaum noch. Projekte bleiben liegen wegen Baustellen in anderen Bereichen. Prozesse sind unüberschaubar, Systeme veraltet und technische Probleme an der Tagesordnung.

