Starker Start, schwieriges Ende – schade um das gute Fundament
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen bietet ein modernes Umfeld, spannende Aufgabenfelder und viele engagierte Kolleg:innen, die mit Herz bei der Sache sind. Besonders positiv finde ich die sozialen Initiativen wie den Einsatz beim CSD oder die Spendenaktionen in der Weihnachtszeit. Auch die Zusatzleistungen wie betriebliche Altersvorsorge und private Krankenzusatzversicherung sind ein Pluspunkt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
In den letzten Monaten meiner Anstellung war eine deutliche Verschlechterung der Kommunikation und Arbeitskultur spürbar. Entscheidungen wirkten zunehmend willkürlich, Home-Office-Regelungen und Verantwortlichkeiten wurden unklar oder kurzfristig geändert. Das Vertrauen in die Teams ging verloren, und persönliche Beziehungen schienen wichtiger als Leistung oder Fachwissen.
Verbesserungsvorschläge
Mehr Transparenz und Vertrauen in die Mitarbeiter würden vieles verbessern. Entscheidungen sollten nachvollziehbar kommuniziert und auf Basis von Kompetenz statt persönlicher Sympathien getroffen werden. Es wäre wünschenswert, wenn das Münchner Büro wieder mehr Eigenständigkeit bekäme und Feedback aus den Teams ernst genommen würde. Auch flexiblere Arbeitsmodelle würden helfen, Motivation und Zufriedenheit zu stärken.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre war früher sehr angenehm, und ich habe mich wohlgefühlt. Es gab Wertschätzung durch die Vorgesetzten, und Kritik wurde offen angenommen und umgesetzt. Meiner Wahrnehmung nach hat sich das mit der Umstrukturierung deutlich verändert. Seit UK mehr Kontrolle übernommen hat, entstand oft der Eindruck, dass wir uns dortigen Vorgaben unterordnen mussten und das Münchner Büro bei Entscheidungen stiefmütterlich behandelt wurde.
Image
Innerhalb der Reisebranche genießt das Unternehmen einen soliden Ruf, außerhalb ist es weniger bekannt. In den Monaten vor meinem Ausscheiden nahm ich eine zunehmende Unzufriedenheit unter Mitarbeitenden wahr. Während nach außen hin weiterhin gute Stimmung betont wurde, wuchs intern der Unmut – oft aus ähnlichen Gründen, die auch mich letztlich zum Austritt bewegt haben.
Work-Life-Balance
Es gab zwar keine festen Arbeitszeiten, aber eine verbindliche Kernarbeitszeit. Eine Anwesenheit von zwei bis drei Tagen pro Woche war erwünscht, was für mich grundsätzlich in Ordnung war. Herausfordernd waren die häufig sehr kurzfristigen Anweisungen zur spontanen Anwesenheit im Büro, die oft eine komplette Umplanung der Woche erforderlich machten. Nach meinem Ausscheiden wurde offenbar beschlossen, das Home Office vollständig zu streichen. Das empfinde ich persönlich – insbesondere nach den positiven Erfahrungen mit hybrider Arbeit – als großen Rückschritt in Sachen Work-Life-Balance.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt ein gutes Angebot an Schulungen und Weiterbildungen, die allen Mitarbeitern offenstehen. Zusätzlich wird Eigeninitiative positiv gesehen – wer Interesse zeigt oder Vorschläge einbringt, wird in der Regel unterstützt, wenn z. B. Interesse an Konferenzen besteht. Bei Aufstiegsmöglichkeiten hatte ich allerdings den Eindruck, dass Entscheidungen teilweise weniger auf Leistung oder Kompetenzen basierten, sondern stärker auf persönlichen Sympathien. Die Kriterien dafür waren für mich nicht immer nachvollziehbar.
Gehalt/Benefits
Mit meinem Gehalt war ich grundsätzlich zufrieden, auch wenn es im Branchenvergleich eher durchschnittlich war. Die ausbleibenden Bonuszahlungen aufgrund von ambitionierten und wenig transparenten Jahreszielen waren enttäuschend. Positiv sind die Benefits wie eine private Krankenzusatzversicherung und eine betriebliche Altersvorsorge hervorzuheben.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Die Produkte des Unternehmens sind naturgemäß nicht besonders umweltfreundlich, da sie sich auf Reisen mit Flugzeug und Auto beziehen. Ein stärkeres Engagement im Büroalltag für den Klimaschutz wäre wünschenswert. Positiv hervorzuheben ist das klare Bekenntnis zur LGBTQ+-Community, etwa durch die jährliche Teilnahme am CSD. Ebenso lobenswert sind die Spendenaktionen zur Adventszeit für die Tafel und Obdachlose.
Kollegenzusammenhalt
Die wundervollen Kolleg:innen sind das Einzige, was ich seit meinem Ausscheiden wirklich vermisse – einige von ihnen sind zu Freunden geworden. Man musste allerdings, wie in vielen Unternehmen, gut abwägen, wem man tatsächlich vertrauen konnte.
Umgang mit älteren Kollegen
Das Team ist überwiegend jung, ältere Kolleg:innen gibt es kaum – vermutlich ohne Absicht. Positiv ist die hohe Loyalität vieler Mitarbeitender: Einige sind bereits seit über zehn Jahren im Unternehmen, und manche sind nach einem Wechsel sogar zurückgekehrt. Langjährige Betriebszugehörigkeit wird mit zusätzlichen Urlaubstagen in bestimmten Jubiläumsjahren belohnt.
Vorgesetztenverhalten
Besonders seit der Umstrukturierung hatte ich den Eindruck, dass die Vorgesetzten in München den Druck aus UK an die Teams weitergegeben haben. Die Strategie wirkte oft undurchsichtig und wenig durchdacht. Anstatt Probleme an der Wurzel zu lösen, wurden häufig oberflächliche Maßnahmen getroffen. Verbesserungsvorschläge oder Kritik wurden zwar angehört, aber selten umgesetzt. Auch bei der Besetzung von Führungspositionen schien mir Beliebtheit gelegentlich wichtiger als tatsächliche Führungskompetenz.
Arbeitsbedingungen
Das Büro ist modern gestaltet, mit vielen Pflanzen und einer gut ausgestatteten Küche. Der Lärmpegel ist jedoch hoch, besonders an Tagen mit viel Anwesenheit. Rückzugsmöglichkeiten und Meetingräume sind knapp. Aufgrund der Clean-Desk-Policy gilt: Wer spät kommt, hat Pech – selbst funktionierende Bürostühle sind dann knapp. Bei Besuchen aus UK mussten wir teilweise Arbeitsplätze freihalten oder teilen. Positiv sind die großen Monitore an allen Plätzen.
Kommunikation
Nach außen hin stellt sich das Unternehmen als offen und kommunikativ dar. Hinter den Kulissen war die Kommunikation jedoch häufig intransparent. Manche Entscheidungen waren für mich nicht nachvollziehbar und wurden auch auf Nachfrage nicht erläutert. Ich fühlte mich in Entscheidungsprozesse, die mich direkt betrafen, nicht ausreichend einbezogen. Da wichtige Neuigkeiten oft über Chat-Kanäle geteilt wurden, gingen relevante Informationen gelegentlich unter.
Gleichberechtigung
Ich hatte nicht den Eindruck, dass bestimmte Personengruppen benachteiligt wurden. Allerdings war eine Ungleichbehandlung auf anderer Ebene spürbar. Nach außen präsentiert sich das Unternehmen als „große Familie, in der jeder willkommen ist“. Hinter den Kulissen nahm ich jedoch von Anfang an eine gewisse Cliquen-Dynamik wahr. Wer sich anpasst und beliebt macht, erhält bestimmte Vorteile – etwa Chancen auf Führungsrollen oder die Möglichkeit, remote zu arbeiten. Welche Mitarbeitenden solche Privilegien bekamen, war intransparent und schien nicht auf klaren Kriterien zu beruhen.
Interessante Aufgaben
Zu Beginn meiner Anstellung haben mir die Aufgaben sehr viel Spaß gemacht – sie waren abwechslungsreich, sinnvoll und fordernd, ohne zu überlasten. Leider hat sich das im Laufe der Zeit verändert, vor allem durch den zunehmenden Einsatz von KI, der aktiv vom Unternehmen gefordert wurde. Immer mehr Aufgaben stützten sich fast ausschließlich auf KI, wodurch die Arbeit eintöniger und unpersönlicher wurde, während der Workload wuchs. Diese Entwicklung empfand ich als fatal, da sie meine ursprüngliche Begeisterung für den Beruf zunehmend dämpfte.

