Toxisch und respektlos: Kontrolle statt Vertrauen
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich habe sehr wertvolle Kolleg:innen kennengelernt – kompetent, hilfsbereit und menschlich. Mein direktes Umfeld hat oft versucht, trotz der Rahmenbedingungen konstruktiv zu bleiben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Vor der Führungsänderung war die Kultur nicht gut – nur weniger schlimm. Danach hatte ich den Eindruck, dass toxisches Verhalten zunehmend geduldet und normalisiert wurde. Ich habe Respektlosigkeit in Meetings erlebt (Unterbrechen, Dominanz), viel Politik und wenig echte Zusammenarbeit. Silos und Informationszurückhalten führten zu Rework und Qualitätsverlust. In der länderübergreifenden Zusammenarbeit habe ich wiederholt Ausgrenzung erlebt (Entscheidungen ohne Einbindung, Meetings „hinter dem Rücken“). Insgesamt fühlte sich das Umfeld zunehmend wie Kontrolle statt Vertrauen an.
Verbesserungsvorschläge
Führung muss wieder zuhören und echten Dialog ermöglichen. Sensible Fragen sollten respektvoll behandelt werden – ohne Abwehrhaltung oder „Dann geh halt“-Untertöne. Silos und Hinterzimmer-Entscheidungen stoppen: Ownership klären, Entscheidungen transparent machen und relevante Expert:innen (z. B. Design/Research) früh einbinden. Machtspiele aktiv adressieren: Verhaltensstandards durchsetzen, Feedback ernst nehmen und Konsequenzen bei Respektlosigkeit ziehen.
Arbeitsatmosphäre
Die Atmosphäre fühlte sich unsicher und auslaugend an. In Meetings habe ich wiederholt erlebt, dass Menschen unterbrochen werden oder nicht ausreden dürfen. Selbst wenn man nicht direkt Teil eines Konflikts ist, ist die Spannung ständig da – das raubt Energie, Motivation und Vertrauen.
Image
In meinem Umfeld haben nur wenige positiv über das Unternehmen gesprochen. Das Image passte für mich nicht zur Realität: statt Vertrauen und Zusammenarbeit habe ich oft Respektlosigkeit, Silos und Chaos erlebt. Deshalb würde ich das Unternehmen als Arbeitgeber nicht weiterempfehlen.
Work-Life-Balance
Work-Life-Balance war für mich dank meiner direkten Führung okay: keine Erwartung, regelmäßig länger zu arbeiten, und Kapazitäten wurden grundsätzlich respektiert. Der Stress kam weniger von Überstunden als von Chaos, Rework, Unsicherheit und der Atmosphäre.
Karriere/Weiterbildung
Karriereentwicklung wurde nicht unterstützt: Menschen, die helfen wollten, hatten wenig Entscheidungsspielraum. Entscheidungen wirkten von Machtstrukturen geprägt statt von Leistung und klaren Kriterien. Weiterbildung war nicht priorisiert und transparente Entwicklungspfade fehlten.
Gehalt/Benefits
Ich habe erst spät erfahren, dass mein Gehalt unter Markt-Niveau lag. Gleichzeitig führte die hohe Belastung bei mir zu mehr Arzt- und Therapieterminen (nahe am Burnout). Das war ein Hauptgrund für meine Kündigung – ich wechsle zu einer deutlich besser bezahlten Rolle.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Ich habe im Alltag sehr wenig Umwelt- oder Sozialbewusstsein erlebt. Es wirkte nicht priorisiert; außer dem Hinweis, Geräte nicht zu ersetzen, gab es kaum konkrete Maßnahmen (Ziele, Programme, Transparenz). Intern fehlten zudem sichtbare Standards für respektvolles Verhalten und soziale Verantwortung.
Kollegenzusammenhalt
Kollegialität habe ich kaum erlebt. Stattdessen dominierten Silos, Informationszurückhalten und „Credit“-Verhalten. Ich hatte wiederholt den Eindruck, dass andere Arbeit vereinnahmen, um sichtbarer zu sein. Das zerstört Vertrauen und macht echte Co-Creation fast unmöglich.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich hatte persönlich kein grundsätzliches Problem mit älteren Kolleg:innen; das Alter war für mich nicht entscheidend. Wichtiger waren Führungskultur und Umgangston: Respekt, Zuhören und Zusammenarbeit waren sehr uneinheitlich – unabhängig vom Alter.
Vorgesetztenverhalten
Mein Eindruck: zu viel Politik und Machtspiele. Ich habe erlebt, dass Führungskräfte in einem Setting freundlich waren, später Gesagtes aber relativierten oder abstreiten. Ich habe außerdem erlebt, wie Macht genutzt wurde, um persönliche Agenden durchzusetzen, andere auszuschließen und Diskussionen zu dominieren. Das wirkte unfair und entmutigend.
Arbeitsbedingungen
Ich fand die Arbeitsbedingungen im Büro schwierig: zu wenige Meetingräume, schlechte Belüftung und es war oft zu warm. Das grelle, kaltweiße Licht war für mich belastend (Augen-/Kopfstress). Außerdem war es häufig sehr laut durch viele Calls im offenen Bereich, was konzentriertes Arbeiten schwer machte. Es gibt Basis-Getränke (Kaffee/Tee/Softdrinks), aber das löst die Grundprobleme nicht.
Kommunikation
Kommunikation war regelmäßig – aber unter dem neuen Führungsstil oft herablassend. Sensible Fragen wurden defensiv und ego-getrieben behandelt, und teilweise war die Botschaft: „Wenn es dir nicht passt, geh.“ Das erzeugt Angst, nicht Klarheit.
Gleichberechtigung
Ich habe keine Gleichbehandlung erlebt. Ich habe wiederholt abwertende Bemerkungen und stereotype Kommentare erlebt. Netzwerke und Ally-Initiativen existieren, aber in der Praxis fehlten Konsequenzen, Schutz und echte Chancengleichheit – besonders wenn Macht und Ego im Spiel waren.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben hätten spannend sein können, aber ich konnte selten systemisch arbeiten. Informationen waren schwer zugänglich, Ownership unklar, Prozesse änderten sich ständig – und Expertise wurde umgangen. Viel Potenzial ging verloren und die Produktqualität litt.

