Je nach Projekt und Bereichsleiter ein sehr unterschiedliches Arbeitserlebnis.
Gut am Arbeitgeber finde ich
Umgang unter den Mitarbeitern ist sehr freundlich und hilfsbereit. Freiheit viel im Homeoffice zu arbeiten je nach Projekt. Ein sicherer Arbeitsplatz bis zur Rente, vermutlich. Man kann den Betriebsrat mit ins Jahresgespräch nehmen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Perfekte Bedingungen für Burnout, wenn man nicht bereits Profi ist seine Grenzen zu verteidigen und nein zu sagen trotz Gruppendruck der gesamten Abteilung. Weiterbildungen fehlen immens. Zeit für Weiterbildung ebenfalls. Permanenter Zeitdruck und Leistungsdruck. Keine Zeit auch nur für 10 Minuten Flurgespräch, ohne dass man zur Arbeit zurück geschickt wird. Zeittracking in 6 Minutenschritten. Aktive Manipulation im Jahresgespräch mit Bereichsleiter. Extrem hohe Erwartungen verknüpft mit unterdurchschnittlicher Entlohnung. Kein vernünftiges Onboarding. Keine Karriereplanung. Keine Entwicklungsmöglichkeiten außer Projektwechseln. Keine aktive Mitbestimmung beim Karrierepfad außer "Frontend oder Backend". Kein Ausgleich von dauerhaft stressiger Arbeit durch ruhigere Arbeitszeiten. Makromanagement.
Verbesserungsvorschläge
Bereitschaft in Menschen zu investieren, nicht nur Menschen zur Profitoptimierung zu nutzen. Es scheint eine große Kluft zwischen den Plänen der Führungsebene, dem mittleren Management und dem was bei Mitarbeitern ankommt zu geben. Weiterbildungen sollten regelmäßig für Mitarbeiter Pflicht sein in der Softwareentwicklung. Es sollte generell viel mehr Zeit zur Verfügung gestellt werden für eine gute Einarbeitung. Es sollte eine Einarbeitung in Programmierung geben, die über "Das ist eine Variable" hinaus geht. Die Mitarbeiter sollten geschult werden, statt zu sagen "aber wenn die Mitarbeiter schneller arbeiten zahlen die Kunden uns weniger, da wir pro Arbeitsstunde bezahlt werden" (Aussage besagten Bereichsleiters). Wertschätzung im Alltag und ruhigere Phasen nach stressigen Phasen sollten normal und selbstverständlich sein.
Arbeitsatmosphäre
Die Kollegen an sich waren immer sehr freundlich und hilfsbereit. Leider war die Atmosphäre auch sehr von Stress und Leistungsdruck geprägt, da Projekte selten so gut wie geplant liefen aufgrund von zu wenig Mitarbeitern und Expertise für die Projekte.
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"Die Firma nimmt von dir was sie kriegen kann also solltest du versuchen so viel wie möglich auch von ihr auszunutzen" ist eine Aussage, die ich von Kollegen gehört habe und sie beschreibt es sehr gut. Einige Mitarbeiter haben die Arbeit durchgehalten, weil man ja Geld verdienen muss. Einige haben resigniert und zur Kenntniss genommen, das Arbeit eben sein muss. Ich habe von niemandem gehört, dass sie begeistert von der Firma wären.
Work-Life-Balance
Während es zwar flexible Arbeitszeiten gab, so gab es auch (zu dem Zeitpunkt) nicht extra vergütete Nachtarbeit oder Wochenendarbeit. Weiterbildungsmöglichkeiten gab es, die man dann ja in der Freizeit nutzen konnte, da während der Arbeitszeit keine Zeit hierfür zur Verfügung stand(Bereichsleiter abhängig). Mittagspausen sind je nach Projekt eingehalten worden oder eben auch nicht.
Karriere/Weiterbildung
Es gibt Junior, Professional und Senior Entwickler. Dann kommen Projektleiter und dann die Geschäftsleitung. Es gibt keinen Tech Lead, keine Softwarearchitekten, keine UI/UX Spezialisten. Keine Karrieremöglichkeiten. Der Marktwert der Mitarbeiter sinkt mit länger werdender Betriebszugehörigkeit aufgrund fehlender Weiterbildungsmöglichkeiten, bis auf einzelne Projekte. Für eine Weiterbildung von 2.5h Dauer habe ich 1.5h diskutieren müssen. Es wurden dann genau 2.5h bewilligt. Toilettenpausen oder Nachbearbeitung sind nicht eingeplant. Die Tätigkeiten mussten aufgrund des Projektgeschäftes in 6 Minuten Schritten im Zeiterfassungssystem dokumentiert wurden. Bei vielen Projekten jedoch auch nur grob in Stunden Schritten.
Gehalt/Benefits
Unterdurchschnittlich gemessen am Marktdurchschnitt. Verhandlungsmöglichkeiten im Jahresgespräch werden unterdrückt. Es gibt ein Gehalt von dem man akzeptabel leben kann und auch einen Unternehmenserfolg abhängigen Jahresbonus.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Kommuniziert wurde ein starker Fokus auf Umwelt und Soziales. Erlebt habe ich es aufgrund des Bereichsleiters und der unrealistischen Erwartungen leider nicht als sehr sozial. Mir ist im Alltag kein besonderer Fokus auf Umweltschutz aufgefallen.
Kollegenzusammenhalt
Leider zu gut. Man hat oft um Frieden in der Gruppe zu behalten und einander zu unterstützen Probleme gelöst, die durch schlechtes Management entstanden sind und das Management hat sich dann gemerkt, dass es ja alles klappt. Leider auf Kosten der Mitarbeiter.
Umgang mit älteren Kollegen
Keinerlei Beanstandung. Verhalten und Behandlung waren unabhängig vom Alter.
Vorgesetztenverhalten
Von Projektleitern generell eher positiv und unterstützend, wobei diese oft unrealistische Erwartungen lösen mussten. Der Spagat war zwischen den realistisch verfügbaren Mitarbeitern und der Zeit auf der einen Seite und den Unternehmswünschen mit maximalem Fokus auf Profit statt Menschen auf der anderen Seite. Von meinem Bereichsleiter das Verhalten war anfangs verständnisvoll und aufbauend, hinterher aktiv manipulativ. Mitarbeiter klein reden, damit sie sich mit einem Gehalt zufrieden gaben, was nach Erhöhung unter dem Einstiegsgehalt gleichqualifizierter Arbeitskräfte lag. Zudem wurde vermittelt, dass man wenn man Probleme hat mit der Arbeit man sich nur in mehr Probleme stürzen müsse, weil man dann ja lernt damit umzugehen und alles besser wird. Gewünscht hätte ich mir echte Unterstützung und Einhaltung von Zusagen aus dem Bewerbungsgespräch.
Arbeitsbedingungen
Technik funktionierte zum Großteil. Höhenverstellbare Schreibtische waren vorhanden. Wasser, Tee und Kaffe gratis vorhanden. Möglichkeiten Essen zu kaufen waren eingeschränkt aber vorhanden.
Kommunikation
Sehr Projektabhängig. Es gab viele hilfreiche Infoveranstaltungen, leider sind manche Bereichsleiter gar nicht verfügbar gewesen und man erfuhr dann während der Arbeitszeit spontan, dass man in einem neuen Projekt ist durch Auszubildende im neuen Projekt, statt auf dem korrekten Weg. Im genannten Fall war der "aktuelle" Projektleiter ebenfalls nicht informiert, sondern sagte nur man solle sich beim Bereichsleiter melden, da er keine Aufgaben hätte für einen.
Gleichberechtigung
Im Umgang wurden Frauen und Männer gleich behandelt. Beim Gehalt muss ich dies jedoch in Frage stellen, wobei mir nur vereinzelte Zahlen vorliegen.
Interessante Aufgaben
Ich habe mich als Softwareentwickler*in beworben und in den meisten Projekten kaum programmiert. Eine Einarbeitung zur Verbesserung der Programmierkenntnisse war nicht vorhanden. Somit ging es nicht darum spannende Programmieraufgaben zu lösen. Teils war es mentale Fließbandarbeit unter Zeitdruck und Teils pure Verzweiflung bei Aufgaben, die weit über den Fähigkeiten lagen. Für Unterstützung durch andere Mitarbeiter war nur sehr begrenzt Zeit. Es fehlten grundlegend sowohl Dokumentation, als auch Ansprechpartner mit Zeit, als auch die nötigen Kenntnisse um Aufgaben vernünftig zu erledigen.

