Ich kam weil mir interessante Aufgaben versprochen wurden, ich bleibe momentan leider nur wegen dem Geld
Gut am Arbeitgeber finde ich
Meine Kollegen in der Entwicklung, den starken Betriebsrat und die spannende Zusammenarbeit mit High-Tech-Unternehmen aus aller Welt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Sehr wenig echte Innovation, da fast jede Lösungsfindung unter Zeitdruck und möglichst ohne Risiko erfolgen muss. Alles Andere wird regelmäßig höher prorisiert als die wenigen Innovationsprojekte, die vor sich hindümpeln. Aus diesen und anderen Gründen tritt man bei IDE technologisch auf der Stelle und die jungen Entwickler, die hier angefangen haben, um etwas zu bewegen, werden zunehmend frustriert. Für effektive Forschung und Vorentwicklung fehlt in der Führungsetage das entsprechende Mindset und/oder der Wille.
Verbesserungsvorschläge
Zwei Punkte:
1. Es braucht einen echten Shift in der Arbeitskultur. In der momentan etablierten Struktur werden motivierte, innovative Ingenieure zu Konzernbeamten umerzogen. Kritik verhallt bei IDE, wir fühlen uns nicht gehört und nicht ernstgenommen und wir stehen nicht hinter den Entscheidungen, die von oben durchgedrückt werden. Ihr habt euch qualifizierte Leute ins Haus geholt, fragt uns doch mal!
2. Es braucht eine echte Roadmap (und Ressourcen!) für die technologische Innovation. Es gibt fast nur Kundenprojekte und nebenbei einige interne Entwicklungsprojekte, die keine klare Richtung erkennen lassen. Man will natürlich in jedem Aspekt besser und gleichzeitig günstiger werden, aber für mich ist nicht erkennbar, dass man die Ziele auf Faktenbasis bewertet, priorisiert und geordnet abarbeitet.
Besser wäre: Die Entwicklungsleitung gibt auf Basis der Markttrends die Richtung vor und sammelt und bewertet gemeinsam mit den Gruppenleitern die Ideen, die die Leute haben, aber für die sich bisher niemand interessiert hat. Auch hier gilt also: fragt uns doch mal!
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist ziemlich schlecht. Der Druck ist permanent hoch durch unrealistische Zielvorgaben in den Projekten. Es fehlt der Filter zwischen Kunde und Ingenieur.
Lob ist die absolute Ausnahme, stattdessen wird man zunehmend häufig auf Kleinigkeiten hingewiesen, die man besser machen soll - Mikromanagement statt Fördern von intrinsischer Motivation.
Image
Das Image ist intern nicht so toll. Ich denke das große Problem ist hier die bereits angesprochene steile Hierarchie und das fehlende Gefühl, als Mitarbeiter mitgestalten zu können. Dadurch sieht man die Probleme nicht als Aufgaben, die man bewältigen kann, sondern eben nur als Probleme. Bei mir persönlich ist momentan leider das Gefühl, dass sich mehr Dinge zum Schlechten wandeln als umgekehrt - die Stichworte sind Arbeitsklima und Aufgabenbereich.
Work-Life-Balance
Da man zunächst seine Arbeitswoche kleinteilig von oben herab vollgeplant bekommt und dann in der laufenden Woche doch immer noch Arbeit dazukommt muss man oft Überstunden machen (leider nicht nur durch unvorhergesehene Dinge, sondern einfach durch Fehlplanung/-Kommunikation!).
Da Überstunden momentan wegen der Kurzarbeit untersagt sind bleibt einem noch Zaubern, Pfuschen oder Arbeit liegenlassen zur Auswahl.
Die Gleitzeitregelung mit Kernarbeitszeit ist ok. Mobiles Arbeiten wird von manchen Vorgesetzen immer noch als negativ gesehen, ist mir momentan dennoch 1x pro Woche erlaubt. Eine allgemeine Regelung dazu gibt es nicht.
Eine Abschaffung der Kernarbeitszeit in den Abteilungen, in denen es die Arbeitsabläufe zulassen, könnte natürlich Bürokratie einsparen, aber man hält hier noch an altmodischer Kontrolle fest.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man versucht sich hier zu verbessern. Positiv zu erwähnen ist die PV-Anlage.
Das vorhandene Sozialbewusstsein ist meinem Gefühl nach primär durch den Betriebsrat erzwungen. Ich habe das Gefühl die GF würde ohne diese Kontrollinstanz teilweise gegen die eigenen Leute arbeiten.
Karriere/Weiterbildung
Aufsteigen kann man an anderer Stelle bei IDE, das zeigen einige Beispiele und so will ich es fairerweise erwähnen.
Für innerhalb der Entwicklung gilt tatsächlich leider: momentan sehe ich keine Aufstiegschancen, was auch einfach an der begrenzten Größe der Abteilung liegt.
Es wird allerdings versucht uns möglichst viel Verantwortung zuzuschieben, ohne dass wir einen neuen Titel oder auch nur eine höhere Eingruppierung bekommen. Man kenn es ja von Arbeitgebern nicht anders.
Es war bisher nie das Budget da, um mir eine Weiterbildung zu ermöglichen. Investition in die Mitarbeiter? Aus meiner Perspektive Fehlanzeige!
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Arbeitsgruppen ist der Zusammenhalt gut, aber es gibt hier in der Firma häufig das Phänomen, dass Kollegen Arbeit liegenlassen oder von sich wegschieben. Meine Erfahrung ist, dass das von den Vorgesetzen teilweise noch gefördert wird, weil zu viel Arbeit für die Anzahl der MA da ist. Die Abteilungen lähmen sich dadurch gegenseitig, während jeder versucht für sich allein gesehen gut dazustehen.
Vorgesetztenverhalten
Ich würde meinen direkten Vorgesetzen besser bewerten, wähle diese Bewertung allerdings im Hinblick auf das ganze Unternehmen.
Was ich wirklich keinem Empfehlen kann, ist bei IDE ins mittlere Management zu gehen. Mein Eindruck ist, diese Leute bekommen von oben den Druck und müssen die Entscheidungen Anderer anschließend ihren Leuten erklären. Verantwortung wird hier nicht an Entscheidungsspielräume gekoppelt.
Verantwortung wird in dieser Firma stattdessen gerne von oben nach unten durchgereicht. Das äußert sich z.B. in unrealistischen Projektplänen und wilden Zielvorgaben für die Entwicklung, die man einfach vom Kunden übernimmt und ungefiltert nach unten weiterkommuniziert. Geschätzte Aufwände werden gerne mal mit Korrekturfaktoren <1 an das gesteckte Budget angepasst. Im Nachhinein erwartet man dann Erklärungen dafür, warum das ursprünglich Erwartete eintraf.
Arbeitsbedingungen
Der Büroarbeitsplatz ist kein Highlight aber erstmal ok. Wenn man es mit Mitarbeitergesundheit ernst meinen würde, würde man allen einen höhenverstellbaren Schreibtisch anbieten. Die neuen Vorgaben der IT wurden wie alles bei IDE top down entschieden und bremsen uns gelegentlich aus.
Deutlich schlechter werden die Arbeitsbedingungen, wenn man mal mehr machen möchte, als Power-Point-Engineering. IDE möchte einerseits auf einem High-Tech-Markt weiterbestehen, andererseits wird bei Anschaffungen für Entwicklungszwecke extrem aufs Geld geschaut. Wir könnten unsere Zeit effektiver nutzen wenn wir nicht immer erst einen halben Tag lang Material zusammensuchen müssten oder das erste Experiment immer erstmal mit Teilen aus der Schrottkiste machen würden. Dass man für High-Tech Entwicklung auch High-Tech Sensorik braucht scheint nicht offensichtlich zu sein.
Kommunikation
Auf Betriebsebene gibt es mittlerweile das Intranet und die HR ist bemüht uns zu informieren, könnte jedoch noch etwas darauf achten, dass die Infos eindeutig und gesammelt verteilt werden. In letzter Zeit war es manchmal häppchenweise und widersprüchlich. Trotzdem danke für das spürbar gestiegene Engagement!
Wenn es um Kommunikation bezüglich der Projektarbeit geht, erlebt man hier jedoch Unterirdisches. Man bekommt Aufgaben hingeworfen indem Stichpunkte in eine Exceltabelle getippt werden. Nichts wird erklärt, wenn man nicht nachbohrt. Das größere Bild bleibt oft unklar. Ziele, Prioritäten und sogar ganze Prozesse ändern sich plötzlich, ohne dass es ausreichend kommuniziert wird. Auch wird vorher kein Feedback von der Basis eingeholt - Entscheidungen kommen rein von oben. Die Konsequenzen der Entscheidungen will man anschließend nicht wahrhaben.
Auch dem Kunden gegenüber wird oft nicht ehrlich kommuniziert, z.B. wenn es zu Verzögerungen im Projekt kommt. Das baden dann die Leute an der Basis aus, von denen man erwartet alles noch irgendwie hinzubiegen.
Gehalt/Benefits
Eigentlich ist das Gehalt mittlerweile auf einem sehr guten Niveau, weil man sich neuerlich am Tarif orientiert. Deutlich mehr verdient man wohl nur noch bei Google oder Amazon.
Allerdings wird die Situation direkt wieder eingetrübt, indem alle MA in Kurzarbeit geschickt werden. Das Problematische dabei ist, dass nicht alle Abteilungen/MA wenig zu tun haben und so kommt es punktuell zu paradoxen Situationen. Dafür 1 Stern Abzug.
Interessante Aufgaben
Teilweise gibt es sie. Die meiste Zeit arbeitet man aber stur Prozesse ab damit irgendwelche Checkboxen abgehakt werden können. Diese Checkboxen vermehren sich bei IDE in den letzten Jahren recht stark...