Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann ich den kritischen Vorrednern hier nur ausdrücklich zustimmen. Insbesondere die Bewertungen, die das Führungsverhalten, den Umgang mit Mitarbeitenden und die Unternehmenskultur hinterfragen, treffen genau die Punkte, die auch ich als äußerst problematisch empfunden habe.
Interflex präsentiert sich nach außen als moderner, offener und mitarbeiterorientierter Arbeitgeber. Zwischen diesem Selbstverständnis und meinen tatsächlichen Erfahrungen liegt allerdings eine erhebliche Diskrepanz.
Besonders irritierend finde ich die offenbar vorherrschende Vorstellung davon, wie ein Mitarbeiter sich sozial zu verhalten hat.
Wir befinden uns in der Corporate-Welt und nicht auf einer Klassenfahrt.
Es kann doch nicht ernsthaft der Anspruch eines professionellen Unternehmens sein, dass sämtliche Mitarbeitenden miteinander befreundet sein müssen.
Wenn ich an einer Schulung teilnehme, bin ich dort, um fachliche Inhalte zu lernen, mich weiterzuentwickeln und meine zukünftigen Aufgaben kompetent erfüllen zu können. Ich bin nicht dort, um zwangsläufig Freundschaften zu schließen, mich nach Schulungsende mit sämtlichen Kollegen privat zu beschäftigen oder an jeder gesellschaftlichen Aktivität teilnehmen zu müssen.
Wer Lust auf gemeinsames Abendessen, Freizeitaktivitäten und Teambuilding hat, soll das selbstverständlich tun. Wer nach einem langen Schulungstag lieber seine Ruhe haben möchte, sollte diese Entscheidung genauso selbstverständlich treffen dürfen.
Professionelle Zusammenarbeit setzt keine privaten Freundschaften voraus.
Noch problematischer wird es, wenn persönliche Zurückhaltung, ein eigenständiger Charakter oder eine geringere Begeisterung für soziale Veranstaltungen offenbar als mangelndes Engagement oder fehlende Integration interpretiert werden.
Genau an diesem Punkt stellt sich für mich die Frage, ob bei Interflex tatsächlich individuelle Persönlichkeiten erwünscht sind oder lediglich Mitarbeitende, die sich möglichst geräuschlos in eine vorgegebene Unternehmenskultur einfügen.
Verbesserungsvorschläge
Schafft eine Unternehmenskultur für Erwachsene. Mitarbeitende sind eigenständige Menschen und keine Schulklasse, die permanent gemeinsam beschäftigt werden muss.
Macht soziale Aktivitäten tatsächlich freiwillig. Niemand sollte das Gefühl bekommen, aufgrund seiner privaten Freizeitgestaltung oder seiner Zurückhaltung berufliche Nachteile befürchten zu müssen.
Bewertet Leistung statt Sympathie. Fachliche Kompetenz, Zuverlässigkeit und Arbeitsergebnisse müssen wichtiger sein als die Frage, wer am besten in die gesellschaftliche Runde passt.
Schult Führungskräfte im Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Introvertierte, direkte, ruhige oder unabhängig denkende Menschen können genauso wertvolle Mitarbeitende sein wie besonders extrovertierte Kollegen.
Nehmt Kritik ernst, statt sie zu personalisieren. Wer öffentlich mit einer offenen Feedbackkultur wirbt, sollte negative Rückmeldungen professionell behandeln.
Lebt eure Unternehmenswerte auch im Alltag. Freiheit und Individualität dürfen nicht dort enden, wo ein Mitarbeiter andere soziale Bedürfnisse hat als seine Vorgesetzten.
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre habe ich als deutlich weniger offen empfunden, als es die Außendarstellung vermuten lässt.
Es entsteht aus meiner Sicht schnell der Eindruck, dass nicht nur die Arbeitsleistung zählt, sondern auch, wie gut man persönlich in die gewünschte Unternehmenskultur passt.
Wer gerne bei jeder gesellschaftlichen Veranstaltung dabei ist, mit allen Small Talk führt und sich möglichst geräuschlos anpasst, dürfte es entsprechend leichter haben.
Wer hingegen eigenständig denkt, eine direkte Art hat und Berufliches konsequent von Privatem trennt, könnte auf Schwierigkeiten stoßen.
Eine moderne Unternehmenskultur zeichnet sich für mich nicht dadurch aus, dass alle Menschen möglichst ähnlich sind.
Sie zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche Charaktere respektiert werden.
Erzwungene Harmonie ist keine gute Arbeitsatmosphäre. Sie ist lediglich sozialer Anpassungsdruck mit freundlicher Verpackung.
Karriere/Weiterbildung
Die fachlichen Weiterbildungsmöglichkeiten und die umfangreiche Einarbeitung können durchaus positiv sein.
Allerdings sollte bei Schulungen meiner Meinung nach der fachliche Fortschritt im Vordergrund stehen.
Es sollte darum gehen, ob ein Mitarbeiter die Inhalte versteht, anwenden kann und sich fachlich weiterentwickelt.
Ob derselbe Mitarbeiter anschließend mit seinen Kollegen ein Bier trinken oder lieber alleine sein möchte, hat mit seiner beruflichen Qualifikation nichts zu tun.
Persönlich würde ich mir eine deutlich konsequentere Trennung zwischen fachlicher Leistungsbeurteilung und sozialen Erwartungen wünschen.
Gehalt/Benefits
Hier muss ich Interflex tatsächlich ein großes Lob aussprechen wenn auch aus einem etwas anderen Grund, als das Unternehmen vermutlich erwarten würde.
Die finanziellen Konditionen waren nach meiner Erfahrung hervorragend, insbesondere im Verhältnis zu der Arbeit, die ich während meiner Beschäftigung tatsächlich leisten musste.
Ein gutes Gehalt, ein Firmenwagen und vergleichsweise wenig produktive Verantwortung.
Aus rein wirtschaftlicher Perspektive habe ich mich mehrfach gefragt, wie sich dieses Verhältnis für das Unternehmen eigentlich rechnen soll.
Bemerkenswert finde ich insbesondere den Widerspruch zwischen dieser Großzügigkeit und der aus meiner Sicht teilweise übertriebenen Bewertung des persönlichen Sozialverhaltens.
Auf der einen Seite scheint man bereit zu sein, erhebliche finanzielle Mittel für Mitarbeitende aufzuwenden.
Auf der anderen Seite entsteht bei mir der Eindruck, dass die persönliche Integration in den Kollegenkreis stellenweise wichtiger genommen wird, als sie es sein sollte.
Viel Geld für wenig Arbeit ist angenehm. Eine professionelle Unternehmenskultur wäre mir trotzdem lieber.
Kollegenzusammenhalt
Hier scheint aus meiner Sicht eine grundlegende Verwechslung zwischen Kollegialität und Freundschaft vorzuliegen.
Natürlich muss man mit seinen Kollegen zusammenarbeiten können. Natürlich gehören gegenseitiger Respekt, Hilfsbereitschaft und eine vernünftige Kommunikation dazu.
Aber weshalb sollte daraus automatisch die Verpflichtung entstehen, miteinander befreundet sein zu müssen?
Wenn ich nach einer Schulung lieber alleine etwas unternehme, im Hotel entspanne oder mich privaten Dingen widme, dann ist das mein gutes Recht.
Wer Lust auf Teambuilding, gemeinsame Abendessen oder Freizeitaktivitäten hat, soll diese Möglichkeiten selbstverständlich nutzen.
Aber dann bitte tatsächlich freiwillig und ohne das Gefühl, dass eine Nichtteilnahme negative Auswirkungen auf die persönliche Wahrnehmung im Unternehmen haben könnte.
Wir sind erwachsene Menschen mit einem Arbeitsvertrag und keine Schulklasse auf Abschlussfahrt.
Ein gutes Team erkennt man daran, wie professionell es zusammenarbeitet, nicht daran, wie viele gemeinsame Abende es verbringt.
Vorgesetztenverhalten
Eine Führungskraft sollte in der Lage sein, fachliche Leistung, persönliches Auftreten und private Sympathien voneinander zu unterscheiden.
Nicht jeder Mitarbeiter ist extrovertiert. Nicht jeder möchte permanent Small Talk führen. Nicht jeder hat das Bedürfnis, nach einem achtstündigen Schulungstag noch mehrere Stunden mit seinen Kollegen zu verbringen.
Und vor allem: Nicht jeder Kollege muss mein Freund sein.
Besonders problematisch empfand ich allerdings den zwischenmenschlichen Umgang und das daraus resultierende mangelnde Vertrauen.
Bei Interflex fiel es mir zeitweise extrem schwer, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.
Nach meiner Erfahrung musste man ausgesprochen vorsichtig damit sein, wem gegenüber man welche Aussagen tätigte. Ich hatte wiederholt das Gefühl, dass einem jedes vermeintlich falsche Wort bei nächster Gelegenheit sprichwörtlich in den Rücken gerammt werden könnte.
Statt einer offenen und vertrauensvollen Kommunikation entstand bei mir der Eindruck, dass selbst beiläufige Bemerkungen, kritische Nachfragen oder persönliche Einschätzungen später gegen einen verwendet werden könnten.
Kommunikation
Mitarbeiter sollte man offenbar vor allem eines beherzigen: Während der Probezeit möglichst die Schnauz halten.
Denn wer es wagt, Dinge kritisch zu hinterfragen, Verbesserungspotenziale anzusprechen oder schlicht seine eigene Meinung zu äußern, läuft meiner Erfahrung nach Gefahr, dass ihm genau das später negativ ausgelegt wird.
Besonders bezeichnend fand ich die Aussage in einem Gespräch während der Probezeit, sinngemäß: „XY meckert nur rum.“
Da stellt sich mir ernsthaft die Frage, welches Verständnis von Kommunikation und Feedback in einem Unternehmen vorherrscht, wenn kritische Rückmeldungen offenbar nicht als mögliche Verbesserungsvorschläge, sondern als persönliches Fehlverhalten interpretiert werden.
Soll ein neuer Mitarbeiter mitdenken, hinterfragen und seine Erfahrungen einbringen? Oder soll er während seiner Probezeit einfach nur freundlich nicken, alles absegnen und möglichst keine unbequemen Fragen stellen?
Wer kritisches Denken fordert, aber kritische Meinungen als Meckern abstempelt, hat keine offene Feedbackkultur, sondern ein Problem mit Widerspruch.
Noch bemerkenswerter finde ich einige der öffentlichen Antworten auf negative Kununu-Bewertungen.