Gute Mitarbeiter gehen, weil Kritik nicht gehört wird
Gut am Arbeitgeber finde ich
Innerhalb der Teams versucht man, sich zu helfen, obwohl ja letztlich jeder für sich und seine Zahlen arbeitet
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Kritik scheint letztlich nicht wirklich erwünscht zu sein. Nach außen wird zwar regelmäßig das Gegenteil betont, in der Praxis entsteht jedoch ein anderes Bild. Mehrere Mitarbeiter, die sich in Calls sachlich und durchaus fundiert mit Einwänden oder kritischen Anmerkungen zu bestimmten Themen geäußert haben, wurden anschließend ins Chefbüro zitiert. Das vermittelt den Eindruck, dass kritische Rückmeldungen zwar offiziell eingefordert, tatsächlich aber nur begrenzt toleriert werden.
Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass sich innerhalb des Unternehmens zwei Lager herausgebildet haben. Auf der einen Seite stehen vor allem langjährige, teilweise seit 15 Jahren oder länger beschäftigte Mitarbeiter, die viele Entwicklungen hinnehmen und nach außen wenig hinterfragen. Dabei ist allerdings auffällig, dass dieselben Personen unter vier Augen durchaus zahlreiche Punkte kritisch sehen. Da es ihnen wirtschaftlich gut geht und sie mit ihrer Situation zufrieden sind, besteht für sie offenbar wenig Anlass, diese Kritik auch offen zu äußern. Dazu gesellen sich noch teilweise extrem inkompetente Mitarbeiter, die von der Masse mitgezogen werden, ggf. auch unzufrieden sind, aber letztlich auch in einer im Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit extrem exponierten Stellung sind.
Auf der anderen Seite stehen Mitarbeiter, die mit dieser Entwicklung zunehmend unzufrieden sind und bestimmte Dinge nicht mehr einfach hinnehmen wollen. Dazu gehören inzwischen auch einige langjährige Mitarbeiter aus der ersten Gruppe, die sich letztlich dazu entschieden haben, das Unternehmen auf eigenen Wunsch zu verlassen.
Aus meiner Sicht ist das ein deutliches Signal dafür, dass zwischen der offiziell kommunizierten Offenheit für Kritik und dem tatsächlichen Umgang mit kritischen Stimmen eine erhebliche Diskrepanz besteht.
Verbesserungsvorschläge
Man sollte den Mitarbeitern tatsächlich zuhören und nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass man selbst alles besser weiß. Gerade bei Mitarbeitern, die von extern ins Unternehmen kommen, scheint hier viel Potenzial verschenkt zu werden.
Es ist aus meiner Sicht kein Zufall, dass gerade viele dieser Mitarbeiter unzufrieden sind – ausdrücklich ausgenommen sind dabei die neu eingestellten Führungskräfte auf höheren Ebenen - die zum Teil natürlich auch für die Situation verantwortlich sind und ja letztlich auch machen können, wie Sie möchten. Normale Mitarbeiter, die von extern kommen, bringen häufig wertvolles Know-how, neue Perspektiven und konkrete Erfahrungen aus anderen Unternehmen und teilweise auch von Wettbewerbern mit. Sie wissen, wie bestimmte Prozesse oder Strukturen dort funktionieren und könnten dadurch wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Unternehmens geben.
Statt dieses Wissen ernsthaft aufzunehmen und zu hinterfragen, entsteht jedoch häufig der Eindruck, dass Abläufe grundsätzlich verteidigt werden und externe Erfahrungen eher als Kritik am Status quo verstanden werden. Das führt zwangsläufig zu Frustration. Wer mit viel Erfahrung und neuen Ideen in ein Unternehmen kommt, diese einbringen möchte und dann wiederholt das Gefühl bekommt, dass seine Meinung ohnehin nicht gefragt ist, wird sich irgendwann fragen, warum er überhaupt noch versucht, etwas zu verändern.
Gerade von externen Mitarbeitern könnte ein Unternehmen enorm profitieren. Dafür müsste man ihnen allerdings auch wirklich zuhören und die Bereitschaft haben, bestehende Strukturen gelegentlich aus ihrer Perspektive zu hinterfragen.

