Wertvolle Einblicke in ein Unternehmen mit Potenzial und Herausforderungen im Bereich Diversität & Transparenz
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ich konnte meine Fähigkeit zur schnellen Einarbeitung und eigenständigen Problemlösung unter Beweis stellen – auch in einem Umfeld mit wenig Struktur.
Besonders geschätzt habe ich die Möglichkeit, Ideen einzubringen und aktiv mitzugestalten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die Diskrepanz zwischen versprochener Unternehmenskultur und tatsächlichem Verhalten war erheblich. Es fehlte an Klarheit, Verbindlichkeit und professionellem Umgang mit Konflikten und Personalentscheidungen.
Verbesserungsvorschläge
Eine gute Arbeitskultur entsteht nicht durch moderne Tools oder Haustiere im Büro – sondern durch Klarheit, Verlässlichkeit und Fairness. Hier ist noch Luft nach oben.
Arbeitsatmosphäre
Die Zusammenarbeit mit der direkten Führungskraft war professionell und respektvoll. Im Kollegium zeigten sich deutliche Qualitätsunterschiede, was die Arbeitsdynamik belastete. Ein systematisches Onboarding fand nicht statt: Nach einer Hospitationswoche wurden mir weder Informationen noch Zugänge für den regulären Arbeitsalltag bereitgestellt. Die technische Ausstattung war funktional und angemessen. Schnittstellen mit anderen Abteilungen wie dem Marketing existierten de facto nicht.
Image
Das Unternehmen präsentiert sich nach außen modern, digital und mitarbeiterorientiert. Intern zeigte sich jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen Außendarstellung und gelebter Realität. Strukturelle Intransparenz, selektive Kommunikation und persönlicher Einfluss einzelner Akteure wirkten sich negativ auf das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit aus.
Work-Life-Balance
Das Unternehmen wirbt mit einer 36-Stunden-Woche, auch für die ausgeschriebene Stelle. Im Arbeitsvertrag wurden zunächst 40 Stunden festgelegt – ohne vorherige Kommunikation. Eine Korrektur erfolgte erst nach meinem expliziten Hinweis. Unabhängig vom Stundenmodell wurde eine hohe Einsatzbereitschaft vorausgesetzt, inklusive der Erwartung, regelmäßig die „Extrameile“ zu gehen. Pausenzeiten sind nicht strukturell verankert und müssen selbst eingeplant werden – was je nach Arbeitsdichte sowohl Flexibilität als auch Belastung bedeuten kann. Die tatsächliche Arbeitsrealität steht somit in Teilen im Widerspruch zur Außendarstellung.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Unternehmen arbeitet weitgehend papierlos und setzt auf digitale Prozesse, was positiv zum Umweltbewusstsein beiträgt. Auch Haustiere sind im Büro erlaubt, was zu einem tierfreundlichen Umgang beiträgt. Konkrete Maßnahmen oder Programme im Bereich gesellschaftlicher Verantwortung (Sozialbewusstsein) waren nicht erkennbar oder wurden nicht aktiv kommuniziert.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung wird offiziell unterstützt und ist Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Eine mehrtägige Schulung war im Team fest eingeplant – inklusive gemeinsamer Anreise und Hotelübernachtung. Am Vortag wurde ich von meinem Vorgesetzten ausdrücklich gebeten, Gepäck mitzubringen. Am Morgen der geplanten Abreise wurde mir jedoch – ohne Angabe von Gründen und mit Verweis auf rechtliche Einschränkungen – überraschend gekündigt. Die Situation wirkte intransparent und widersprach dem zuvor vermittelten Eindruck von Verlässlichkeit und Entwicklungsoffenheit.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt war stark abhängig von den jeweiligen Personen. Während einzelne Kolleg:innen respektvoll und unterstützend agierten, zeigte sich im direkten Umfeld teils mangelnde fachliche Verlässlichkeit und begrenzte Teamorientierung. Dies wirkte sich spürbar auf die Arbeitsqualität und das Vertrauen im täglichen Miteinander aus. Eine gelebte Feedbackkultur war nicht erkennbar.
Vorgesetztenverhalten
Die Zusammenarbeit mit meinem direkten Vorgesetzten war von gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen und professionellem Austausch geprägt. Die Arbeitsbeziehung war konstruktiv und lösungsorientiert. Einflussnahmen aus dem Umfeld der Unternehmensführung wirkten sich jedoch spürbar auf den Verlauf meines Arbeitsverhältnisses aus. Entscheidungen erschienen nicht immer auf Leistung oder Verhalten gestützt. Mitarbeitende, die sich nicht an Vorgaben hielten, wurden trotz wiederholter Hinweise geduldet, während eigenverantwortliches Mitdenken und qualitativ hochwertige Arbeit mit Nachteilen verbunden sein konnten.
Arbeitsbedingungen
Die technische Grundausstattung war solide. Dennoch fehlten essentielle Arbeitsmittel: Trotz mehrfacher Hinweise erhielt ich über einen längeren Zeitraum hinweg keinen Zugriff auf meine regulären Accounts oder Materialien. Bereits zum Arbeitsbeginn gab es keine klare Zuweisung oder Vorbereitung. Selbst grundlegende Dinge wie ein Papierkorb am Arbeitsplatz waren nicht vorhanden. Organisatorische Standards und eine verlässliche Grundausstattung wurden offensichtlich nicht konsequent umgesetzt.
Kommunikation
Im Bewerbungsprozess wurde ein sehr offener und individueller Umgang vermittelt. Auf persönliche Wünsche wurde zunächst eingegangen, entsprechende Zusagen jedoch später nicht eingehalten oder bedingt eingehalten. Die interne Kommunikation zeigte erhebliche Defizite: Wesentliche Informationen wurden nicht an die zuständigen Stellen weitergegeben, was wiederholt zu Unklarheiten und Verzögerungen führte. Beobachtbar war zudem, dass persönliche Dynamiken zwischen einzelnen Personen Einfluss auf den Informationsfluss und das Miteinander nahmen.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war fair und wurde im Bewerbungsverfahren schnell und unkompliziert vereinbart. Zusatzleistungen wurden für die Zeit nach der Probephase in Aussicht gestellt, waren bis dahin jedoch nicht Bestandteil des Vergütungspakets.
Gleichberechtigung
Das Team war in Teilen divers zusammengesetzt – unter anderem mit Frauen, neurodivergenten Kolleg:innen sowie Mitarbeitenden mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Gleichzeitig fehlte es an strukturellem Bewusstsein und Bereitschaft, sich mit Themen wie Inklusion oder Neurodiversität aktiv auseinanderzusetzen. Vorschläge für entsprechende Schulungen oder Sensibilisierungsmaßnahmen wurden grundsätzlich abgelehnt. Persönliche Werte, die über den gesellschaftlichen Mainstream hinausgehen, fanden wenig Akzeptanz und führten eher zu Irritation als zu Offenheit. Gleichberechtigung wurde somit nicht als fortlaufender Prozess verstanden, sondern als formal erfüllte Rahmenbedingung.
Interessante Aufgaben
Das Unternehmen befindet sich in einer spannenden Aufbauphase mit viel Raum für Eigeninitiative. Es wurde ausdrücklich gewünscht, Ideen einzubringen – viele davon fanden tatsächlich Gehör und wurden umgesetzt. Gleichzeitig fehlten klare Strukturen: Eine Vielzahl an Tools und Plattformen musste eigenständig erschlossen werden, ohne dass deren konkrete Relevanz oder Einsatzbereich im Vertrieb vermittelt wurde. Der Erfolg von Initiativen war stark davon abhängig, inwieweit bestimmte Personen im Vorfeld einbezogen wurden – unabhängig vom fachlichen Gehalt. Dadurch war der Handlungsspielraum teils weniger von Kompetenz als von interner Diplomatie geprägt.