Mein Fazit nach drei Jahren Ausbildung mit Jungheinrich
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Den Austausch und Zusammenhalt mit Arbeitskollegen
- Das ehemalige gratis Essen für Dualis , welches es noch bis 2025 gab
- Die Weihnachtsfeier im Vertriebszentrum
- Tarifliche Bezahlung und Übernahme diverser Kosten
- Gratis Getränke (für Kunden)
- Eine Hausmesse vor Ort in Bensheim für Kunden
- Das Image nach Außen ist sehr gut - auch wenn es langsam etwas bröckelt
- Das Ideenmanagement. Eine Idee von mir wurde umgesetzt und entlohnt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- ineffiziente Prozesse mit viel Bürokratie -> Alles erfordert Genehmigungen und keiner möchte entscheiden
- Feedback als junge Person kann kaum bis gar nicht mit eingebracht werden
- seit/ durch die Strategie 2030+ (Mehr Umsatz und mehr Gewinn) geht vieles auf Kosten der Mitarbeiter, was zu Unsicherheit und Demotivation der Mitarbeiter führen könnte
Verbesserungsvorschläge
- Prozesse verbessern -> Automatisieren
- Mehr Feedback einholen
- Führungskräfte schulen
- Kritik ernst nehmen, statt sie unter den Tisch zu kehren und sich rauszureden
- sich für Mitarbeiter einsetzen
- Homeoffice - auch wenn nur einen Tag - für Duale Studenten wäre wünschenswert (mittlerweile eigentlich Standard)
Arbeitsatmosphäre
Der Austausch zwischen den Mitarbeitern ist positiv, wenn auch anfangs recht anonym und teils verschlossen. Dies könnte auch aufgrund meines jungen Alters sein.
Seit/ durch die Strategie 2030+ (Mehr Umsatz und mehr Gewinn als Ziel) geht vieles auf Kosten der Mitarbeiter (Degradierungen, Kündigungen, Versetzungen etc.), was zu Unsicherheit und Demotivation der Mitarbeiter führt.
Sprüche von einer hohen Führungskraft gingen im Dialog Richtung: "Naja jeder Mitarbeiter entscheidet ja selbst, ob er motiviert ist. Was soll ich ihn da motivieren?!"
Karrierechancen
Intern geht vieles über Vitamin B, zumindest das, was ich mitbekommen habe.
Am Ende muss man sich selbst gut verkaufen und mit seinen Arbeitszeiten und Leistungen prahlen. Dies können manche gut und manche weniger gut.
Leistung durch viele Verkäufe werden z.B. durch ein nobles Essen mit der Geschäftsführung entlohnt.
Azubis/ Dualis im kaufmännischen Bereich werden deutschlandweit aktuell kaum, bis maximal befristet übernommen.
Das JIG Programm in Hamburg ist sehr angesehen, allerdings ist die Übernahme lt. Kollegen dort auch schwierig.
Stellen werden aktuell kaum nachbesetzt, da ein genereller Stellenabbau geplant ist und teils schon umgesetzt wurde.
Degradierungen, Versetzungen und Aufhebungsverträge sind seit der Strategie 2030+ im Kollegen-Umfeld Standard.
Mein Abteilungsleiter wurde versetzt, mein "Mentor" wurde degradiert und andere aus meiner Abteilung haben einen Aufhebungsvertrag erhalten.
Arbeitszeiten
35h-Woche und Gleitzeit von 8:45 bis 15:30 Uhr. Arbeit ist zwischen 7 und 17:30 Uhr möglich.
Als Azubi maximal 10h Überstunden am Monatsende, sonst kommt es zu einer Kappung.
Als Azubi/ Duali kein Homeoffice möglich.
Bei Kollegen habe ich eine Erreichbarkeit im Urlaub als Erwartung der Führungskraft mehrmals miterlebt.
Ausbildungsvergütung
Das Gehalt für duale Studenten liegt im oberen Mittelfeld.
Es wird außerdem eine betriebliche Altersvorsorge angeboten.
T-Zug, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld wird gezahlt.
Meine Literatur (Büchergeld) sowie meine Uni-Exkursion und mein Auslandsprogramm wurde gemäß der Vereinbarungen übernommen.
Das kostenlose Essen wurde aufgrund von Kosteneinsparmaßnahmen eingestellt - verständlich, wenn man auf eine EBIT-Rendite von 10% (aktuell 4,2%) abzielt, um Aktionäre zu gewinnen.
Die Ausbilder
Mein duales Studium fing 2023 an.
Mein Abteilungsleiter bat aus Gründen von Kapazitätsengpässen den Teamleiter ("Mentor") die Verantwortung über meine Einarbeitung etc. zu übernehmen. Zusätzlich hatte ich eine disziplinarische Führungskraft - klassische Matrixorganisation.
Trotz Degradierung meiner FK, war er immer noch mein "Mentor", obwohl wir uns in den letzten 4 Monaten ca. 2 Mal gesehen hatten.
Eine Unterstützung bei meiner Bachelorarbeit von meinem Fachbetreuer konnte ich entsprechend kaum bis gar nicht erhalten. Hamburg (Konzernzentrale) bat mir diese Unterstützung jedoch an.
Mein Abschlusszeugnis wurden meine Fachkenntnisse und andere Bereiche nur mit "gut" benotet. Ich frage mich, wer normalerweise für die Aneignung von Fachkompetenzen verantwortlich ist, wenn man selbst in der Ausbildung lernbereit ist und sich bereits in den ersten 3 Wochen ca. 15 Online-Schulungen im Campus anschaut?
Der versetzte Abteilungsleiter hat so stark gemicromanagt, dass er mit mir 2h zwei Mails formuliert hatte, wobei die CC-Reihenfolge ihm sehr am Herzen lag.
Spaßfaktor
Wenn man Spaß an ineffizienten Prozessen mit SAP hat ist man hier richtig. Es werden ständig die selben Klicks bei der Auftragseingabe in SAP geklickt - dies wird in spätestens zwei Jahren hoffentlich vollautomatisiert sein. In Konzernen dauert sowas erfahrungsgemäß etwas länger.
Durch Genehmigungs-Barrieren in Prozessen und Zahlen-Druck von oben (Schilderung vieler anderer Kollegen) wird der Spaßfaktor außerdem gemindert.
Arbeit muss aus meiner Sicht nicht spaßig sein, aber man sollte zumindest Feedback oder Optimierungsvorschläge zu Prozessen etc. mit einbringen können, um den Spaßfaktor zu erhöhen.
Das einzig positive aus meiner Sicht ist der Zusammenhalt zwischen Kollegen. Diese kann man sich glücklicherweise zusammensuchen, sofern man gut im Netzwerken ist.
Aufgaben/Tätigkeiten
Mein ursprünglicher Aufgabenbereich war ein Durchlauf im dualen Studium durch verschiedene Abteilungen im Vertriebszentrum Bensheim, um viele Einblicke zu erhalten.
In meiner zweiten Woche hieß es direkt "der Plan dient ja eigentlich nur zur groben Orientierung".
Gesagt getan: bis auf zwei Wochen Durchlauf durch alle Abteilungen (z.B. lediglich 2 Tage im Marketing.), hatte ich lediglich Aufgaben/ Tätigkeiten, die sich an einer Hand ablesen lassen:
1. Belastungsschilder drucken und Sicherungsstifte versenden
2. Angebote schreiben
3. Aufträge in SAP eingeben und fakturieren
4. Projektarbeiten und Bachelorarbeit schreiben.
5. Ich durfte außerdem beim Besuch einer Hausmesse mitwirken und die LogiMAT besuchen.
Variation
In meiner Ausbildung durfte ich zwei Wochen nach Hamburg die Konzernzentrale kennenlernen. Dies war das Highlight meiner Ausbildung.
Der Studienrahmenplan hätte für viel Variation gesorgt, aber bei meiner Bitte sich an diesen Plan zu halten hieß es: "Du bist noch nicht fit genug in SAP.", oder "Da sehe ich jetzt nicht den Mehrwert, wenn du XY machst/ kennenlernst."
Ich blieb also ca. 2,75 Jahre (inkl Studien-Blöcke) in einer einzigen Abteilung - trotz mehrmaliger Bitte mehr Bereiche kennenzulernen oder verschiedene Kundenprojekte auch live vor Ort zu sehen.
Mein Alltag bestand deshalb aus der Abwicklung von kleineren Aufträgen, sowie der Angebotserstellung. Für mich waren das keine Tätigkeiten mit Variation.
Respekt
Ich habe eine Liste an Zitaten von Kollegen auf meinem Handy, die ich aus rechtlichen Gründen hier nicht näher erläutern möchte. Diese Zitate beinhalten teils nicht besonders respektvolle Aussagen.
Beim Teilen mit vertrauensvollen ASP habe ich Unterstützung und Eskalation angeboten bekommen, habe diese jedoch aus Gründen der Vorsicht (ich hatte noch mein halbes Studium vor mir) abgelehnt.
Respekt unter den Kollegen herrscht definitiv. Hier gibt es ein positives Miteinander, auch wenn die aktuelle Stimmung sehr durchwachsen ist.
Feedback durch jüngere Kollegen wird allerdings nicht wirklich ernst genommen - ist wahrscheinlich Standard bei etwas konservativeren Konzernen.
Der Betriebsrat ermöglichte mir eine Freistellung für meine Bachelorarbeit, was mich sehr erfreute.


