Mitarbeiter kommen und gehen. Leistungsdruck? Weitermachen.
Gut am Arbeitgeber finde ich
- Die Kollegen im Sales-Team, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Ein starkes und vor allem soziales Team, wie ich es von Vertrieblern mir vorgestellt habe (sofern diese noch im Team geblieben sind, siehe andere Bewertungen).
- Das Produkt adressiert einen realen Bedarf und der Legal Tech Markt bietet grundsätzlich viel Potenzial.
- Das Vergütungsmodell kann finanziell attraktiv sein, insbesondere für Mitarbeiter, die ihre Ziele deutlich übertreffen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
- Den sehr starken Fokus auf quantitative Aktivitätskennzahlen und das daraus entstehende Micromanagement
- Die aus meiner Sicht teilweise unrealistischen beziehungsweise sehr aggressiven Aktivitätsziele
- Den hohen Leistungsdruck und die dadurch für mich schlechte Work Life Balance
- Die fehlende Konstanz hinsichtlich meiner ursprünglichen Rolle und meiner tatsächlichen Aufgaben
- Außerdem empfand ich die hohe Fluktuation innerhalb des Sales Teams als deutliches Warnsignal
Verbesserungsvorschläge
Weniger Micromanagement und weniger Führung über reine Aktivitätskennzahlen!
Sales Mitarbeiter sollten stärker anhand sinnvoller Ergebnisse und qualitativer Entwicklung geführt werden, statt immer neue Call und Meetingziele in den Mittelpunkt zu stellen.
Außerdem würde ich empfehlen, stärker auf Mitarbeiterbindung zu achten. Eine hohe Fluktuation ist irgendwann kein individuelles Mitarbeiterproblem mehr, sondern sollte Anlass sein, Prozesse, Zielsetzungen und Führungsstil grundsätzlich zu hinterfragen.
Rollen und Erwartungen sollten bereits vor beziehungsweise zu Beginn einer Einstellung klar definiert sein und nicht innerhalb kurzer Zeit grundlegend verändert werden. (Wie am Anfang eines Monats, was schon DEUTLICH zu spät ist)
Auch administrative Prozesse wie Gehaltsunterlagen und Mitarbeiterzugänge sollten zuverlässig funktionieren.
Arbeitsatmosphäre
Stark leistungs-und kennzahlengetrieben. Hohe Callanzahl und permanenter Fokus darauf haben bei mir auf Dauer eher Druck als Motivation erzeugt. Gerade gegen Monatsende wurde dieser Druck deutlich spürbar.
Kommunikation
Kommunikation fand regelmäßig zwar statt, allerdings lag der Schwerpunkt aus meiner Wahrnehmung sehr stark auf KPIs, Zielerreichung und kurzfristiger Performance. Bei grundlegenderen Themen wie Rollenentwicklung, Erwartungen und langfristiger Perspektive hätte ich mir mehr Klarheit und Verbindlichkeit gewünscht.
Innerhalb des Offices war aufgrund der Arbeitsauslastung der Führungskräfte ein kurzfristiger Austausch auch kaum möglich.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegen waren nicht das Kernproblem, die waren super. Gleichzeitig habe ich während meiner Zeit eine hohe Unruhe und Fluktuation innerhalb des Sales Teams wahrgenommen, was verständlich ist. Das wirkt sich zwangsläufig irgendwann auch auf ein Team aus.
Work-Life-Balance
Für mich: größter Kritikpunkt.
Sehr hohe Aktivitätsziele, Monatsenddruck und die starke Orientierung an täglichen Kennzahlen haben dazu geführt, dass man dauerhaft das Gefühl hatte, überlastet zu sein.
Urlaubssperren wurden für mehrere Monate verhängt, Urlaub aufgrund von nicht erreichten Zahlen (obwohl man kaum welches über das Jahr genommen hatte) wurde gestrichen. Überhaupt nicht nachhaltig.
Vorgesetztenverhalten
Micromanagement wird gern als "Motivationskanal" umfirmiert. Statt primär Ergebnisse zu betrachten, wurde teilweise sehr stark auf einzelne Aktivitätskennzahlen wie Anrufzahlen, Termine und die Geschwindigkeit der Aktivitäten geschaut.
Vorgaben wie eine sehr hohe Zahl täglicher Calls oder Meetings erzeugen Aktivität, sind aus meiner Sicht aber kein Ersatz für nachhaltiges Sales Management, Coaching und individuelle Entwicklung.
Interessante Aufgaben
Das Produkt und der Markt, den es anspricht, können grundsätzlich spannend sein. Gerade die Digitalisierung von Kanzleien bietet viele interessante Gesprächsthemen.
Meine Tätigkeit war allerdings FAST NUR in Richtung Neukundenakquise per Telefon. Dadurch wurde die Arbeit für mich mit der Zeit deutlich repetitiver.
Arbeitsbedingungen
Die eigentlichen Voraussetzungen zum Arbeiten waren vorhanden. Problematisch waren für mich weniger die technischen Bedingungen als die Arbeitsorganisation innerhalb des Sales Teams und der starke Fokus auf Aktivitätskennzahlen. Auch administrative Prozesse könnten professioneller laufen.
Gehalt/Benefits
- Die Vergütungsstruktur lässt aus meiner Sicht deutlich zu wünschen übrig. Zwischen den unterschiedlichen Vertriebspositionen und den damit verbundenen Verantwortlichkeiten waren für mich teilweise kaum nachvollziehbare Gehaltsunterschiede erkennbar.
- Besonders kritisch sehe ich, dass Mitarbeiter mit deutlich unterschiedlichen Aufgabenbereichen und Verantwortlichkeiten teilweise auf einem vergleichbaren Gehaltsniveau lagen.
Image
JUPUS tritt als junges, schnell wachsendes Legal Tech Unternehmen auf und das Produkt adressiert ein reales Problem im Kanzleimarkt. Intern und externes Image können allerdings auseinandergehen. Besonders hohe Fluktuation und permanenter Performance Druck im Vertrieb können langfristig auch das Markenimage beschädigen.
Karriere/Weiterbildung
Gewünschtes (bzw. versprochenes) Coaching in Verbindung zum Onboarding hat hier meiner Meinung nach gefehlt. Es gab vereinzelt Workshops, die viel zu schnell durchgerungen wurden, wo Wissensaufnahme sehr relativ war und man sich nicht auf die Tätigkeit gut vorbereiten konnte.
