Kaufland? Hier ist vieles nicht richtig.
Arbeitsatmosphäre
Es herrscht meiner Ansicht nach ein Klima der Angst, sobald die Hausleitung sich in näherer Umgebung befindet. Ich vermute aber stark, dass dies auch genau so von der Führungsebene gewollt ist. So ein angespanntes Arbeitsklima hatte ich bis jetzt wirklich noch nie irgendwo am Arbeitsplatz erlebt und fand es am Anfang meiner Beschäftigung absolut befremdlich.
Image
Außen hui, innen... naja. Ich war auch vor meinem Arbeitsantritt vom guten Image von Kaufland geblendet und habe mich gefreut mitzuarbeiten. Aber aus Arbeitnehmersicht finde ich: Jeden anderen Einzelhändler und Konkurrenten von Kaufland empfehle ich bevor ich jemandem zu einem Beschäftigungsverhältnis bei Kaufland rate.
Work-Life-Balance
Absolut katastrophal. In der Filiale wurden Dienstpläne nur 2 Wochen im Voraus erstellt (wenn die Bereichsleitung im Urlaub ist, kommen die Pläne dann manchmal auch erst eine Woche davor). Da lassen sich private Termine kaum für die Zukunft organisieren. Bei früheren Tätigkeiten im Einzelhandel mit ähnlicher Beschäftigtenzahl war eine Dienstplanung einen ganzen Monat (!) im Voraus möglich. Ich war darüber hinaus in Teilzeit (unter 20 Stunden) angestellt, weil ich noch andere private Verpflichtungen habe. Ab meinem Eintritt wurde ich jedoch permanent für über 20 Stunden, manchmal 25 Stunden die Woche eingeplant, ohne dass ich jemals gefragt wurde, ob das überhaupt zeitlich für mich möglich wäre. Man hat dies einfach von mir erwartet, mich ungefragt für massig Überstunden eingeteilt und ich hatte dies hinzunehmen.
Als ich innerhalb von 3 Wochen 2 wichtige Termine hatte, habe ich diese über einen Monat im Voraus angegeben und gebeten, dass ich an diesen Tagen (wenn überhaupt) nur früh oder spät arbeiten könnte. Darauf wurde ich prompt von einer Abteilungsleitung getadelt, ich könne nicht immer so viele Extra-Wünsche erfragen, das sei so nicht möglich. Was ist denn das für eine Work-
Gehalt/Benefits
Das Gehalt wird nach Tarif festgelegt. Durch meine vielen Vorerfahrungen im Einzelhandel habe ich daher sehr viel mehr als "nur" Mindestlohn verdient. Am Anfang klang das noch nach top Konditionen für die Arbeit im Einzelhandel. Rückblickend muss ich nun aber sagen: lieber hätte ich nur Mindestlohn oder knapp darüber verdient als zu derartigen Arbeitsbedingungen einen höheren Lohn. Eine derartige Arbeitskultur geprägt von Druck und Furcht würde ich nicht mal für das hundertfache meines Lohns nochmal ertragen wollen.
Kollegenzusammenhalt
Die Kollegialität unter den Angestellten war hoch und meine Kolleg:innen waren immer herzlich, respektvoll, nett und hilfsbereit. Auch die Stellvertretungen der Führungskräfte waren stets freundlich und es herrschte ein angenehmer Umgang untereinander. Als ich anfing haben Kolleg:innen mir immer das Gefühl vermittelt, ich könnte mich mit allen Fragen oder Anliegen an sie wenden. Wirklich herzensliebe Menschen, die definitiv alle einen wertschätzenderen Umgang von oben verdienen.
Vorgesetztenverhalten
Ich hatte bei den Führungskräften oft das Gefühl gehabt, dass diese chronisch gestresst und gereizt waren und dies auch an den Angestellten rauslassen und diese als Ventil benutzen. Selbstregulierung ist bei diesen Vorgesetzten meiner Meinung nach nicht vorhanden und es war mir manchmal ein Rätsel, wie diese Vorgesetzten und Abteilungsleitenden überhaupt zu diesen Führungspositionen gekommen sind, angesicht der fehlenden zwischenmenschlichen Skills. Dass das mal passiert ist ja in Ordnung und menschlich. Aber dass diese Problematiken als akzeptabler Dauerzustand hingenommen werden, ist für mich ein Unding.
Ganz besonders erschreckend: Eine Führungskraft fordert aktiv Mitarbeitende auf, bestehendes Jugendschutzgesetz zu brechen. Er gibt per Telefon durch, sein minderjähriges Kind käme demnächst mit Alkohol und man solle ihm dies bitte verkaufen. Das Kind würde dies immerhin im Auftrag der Führungskraft kaufen und man solle deswegen eine Ausnahme machen. Wenn man diese Vorgehensweise (berechtigterweise!!!) anzweifelt und sich weigert, Gesetze zum Jugendschutz zu brechen, wirkt die Führungskraft nur genervt und gibt durch "Ne das ist schon okay" und man solle sich nicht so anstellen.
Arbeitsbedingungen
Waren zugegebenermaßen in Ordnung. Technisch gesehen alles wie überall im Einzelhandel. Nichts überdurchschnittlich oder überwaltigend aber definitiv in Ordnung. Man bekommt seine Arbeit erledigt.
Kommunikation
Es besteht kommunikationsmäßig eine "Cliquenkultur". Als neues Mitglied im Team fühlt man sich ausgeschlossen, wenn man nach Monaten erfährt, dass es externe Whatsapp-Chatgruppen gibt, in denen aktuelle, arbeitsrelevante Informationen geteilt werden, auch von Führungskräften. Die dort geteilten Infos werden aber nirgendswo "offline" geteilt. Wird man von besagten Führungskräften in diese Gruppen aktiv aufgenommen um eine ordentliche Informationskultur zu garantieren? Nein. Wird dennoch erwartet, dass man diese selektiv verbreiteten Informationen parat hat und bei der Arbeit anwenden kann? Ja.


