Überforderung statt Förderung
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schwierige und ungleiche Karrierechancen, hoher Druck und Hektik, fehlende oder verspätete interne Kommunikation sowie eine spürbare Spaltung zwischen Management und Mitarbeiterschaft auf Vertrauens- und Kommunikationsebene.
Verbesserungsvorschläge
HR und Management sollten mehr Zeit für Mitarbeitende, deren Wünsche und Probleme einräumen. Strukturen für Karriere- und Entwicklungswege sollten transparenter und leistungsbasiert gestaltet werden. Kommunikation und Prozessmanagement könnten beim Change-Management deutlich verbessert werden, ebenso klare Zeitpläne für Einstieg, Entwicklung und Offboarding.
Arbeitsatmosphäre
Ich habe in meiner Zeit im Unternehmen eine fortschreitende Spaltung zwischen Management und den Mitarbeitenden erlebt. Gerade im letzten Jahr sind Druck und damit einhergehend Frust stark gestiegen, da die meisten leer werdende Stellen nicht nachbesetzt werden. Einige Trainees und Junioren mussten infolgedessen mehrere Kundenprojekte allein stemmen, ohne dafür Anerkennung oder Ausgleich zu erhalten. Darunter leidet auch die soziale Komponente sehr, in den Büros selbst, aber auch Work-Events wurden seltener besucht, sodass man manche auch wieder absagen musste. Die breite Führungsriege war für mich persönlich kaum ansprechbar, auch wenn sie oft nur wenige Meter weiter im Büro sitzt. Aus meiner Sicht gab es hier wenig Interesse an den täglichen Herausforderungen der Teams oder eine Wertschätzung der “unter der aktuellen Situation” erbrachten Leistungen. Das positive äußere Image schien wichtiger, während interne Herausforderungen selten gemeinsam besprochen wurden. Innerhalb der Teams wurde versucht, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam die nie endende To-Do Liste abzuarbeiten.
Image
Nach außen wird das Image kräftig mit Erfolgen gestärkt, nach innen werden diese unter Hektik und Druck kaum wahrgenommen. Beim Einstieg fand ich auch die internationale Aufstellung spannend, von der ist im Arbeitsalltag nichts zu spüren. Veränderungen im internationalen Management haben dies zusätzlich verstärkt.
Work-Life-Balance
Auch wenn es eigentlich flexible Arbeitszeiten gibt - es ist immer noch eine Agentur. Meine Erfahrung war: Am besten von 8 bis 19 Uhr verfügbar sein, die Arbeitszeit bis auf die Viertelstunde genau online eintragen und Überstunden möglichst selten in Freizeitausgleich umwandeln. Früher zu gehen ist meiner Erfahrung nach selten möglich, da man es am besten im Vorhinein mit allen Teams abstimmen muss (auch wenn man statt 18 Uhr nur mal um 17.30 Uhr gehen will) und der Workload über den Tag hinweg doch überhandnimmt, sodass ich meist länger blieb als früher zu gehen.
Karriere/Weiterbildung
Persönliche Entwicklung und Weiterbildung werden kaum aktiv gefördert. Zu Fachmessen wurden meines Empfindens immer nur die gleichen unter der Hand geschickt, ohne dass man wusste, dass man vielleicht dort auch hätte hingehen können. Klare Entwicklungspläne und regelmäßige Performance-Reviews gab es in meiner Zeit nur sporadisch, wodurch die Karriereperspektive für jüngere Mitarbeitende eingeschränkt bleibt. Wer selbst unermüdliche Initiative zeigt, kann sich vielleicht weiterentwickeln, ist aber dennoch stark auf das Engagement und den Einfluss der direkten Führungskraft angewiesen.
Gehalt/Benefits
Das Einstiegsgehalt ist zwar branchenüblich (trotzdem niedrig für ein Leben in der Großstadt), danach sind Gehaltsentwicklungen und –range innerhalb von Levels wenig transparent. Beförderungen erfolgten selten, intransparent und oft abhängig davon, ob man mit den richtigen Personen gut steht. Auch Inflationsausgleich oder mögliche Bonuszahlungen wurden nicht angeboten/kommuniziert, finanzielle Perspektiven waren für mich dahingehend sehr begrenzt.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Sozialbewusstsein und Eigenverantwortung werden gefordert, jedoch oft ohne Rücksicht auf individuelle Kapazitäten. Eigene Grenzen zu setzen habe ich als schwierig wahrgenommen.
Kollegenzusammenhalt
Innerhalb der Teams wird sich größtenteils unterstützt und es gibt einen starken Zusammenhalt. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Bereichen Motivationslosigkeit, die sich auf die Stimmung im Team auswirkt. Ein beitragender Faktor ist hier sicherlich, dass meist keine zwei Personen aus dem gleichen Team am gleichen Standort sitzen, wodurch viel Kommunikation und Hilfestellung über Teams erfolgen muss, anstatt einfach mal über die Schulter zu schauen.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Anzahl erfahrener Kolleg:innen ist stark zurückgegangen, obwohl ihre Expertise für die Teams wertvoll wäre, gerade angesichts des großen Pools an jungen, eher unerfahrenen Mitarbeitenden.
Vorgesetztenverhalten
Erfahrungen mit Vorgesetzten waren sehr unterschiedlich. Breite Schulungsangebote oder einheitliche Standards nahm ich nicht wahr, sodass Führungskräfte stark individuell handelten. Dies führte häufig zu Mikromanagement, unklarer Perspektive und eingeschränkter Entwicklungsmöglichkeit. Zudem fühlte ich mich in den Riegen über der eigenen Führungskraft nicht gesehen und es gibt keinen Raum für die eigenen Ziele und Wünsche. Einige wenige Vorgesetzte zeigten echtes Interesse an der Entwicklung ihrer Teammitglieder, die meisten anderen boten jedoch kaum Unterstützung.
Arbeitsbedingungen
Büros sind je nach Standort unterschiedlich ausgestattet. Manche haben höhenverstellbare Schreibtische für alle und Telefonkabinen für Meetings, Düsseldorf hat beides nicht. Daher ist es oft unruhig und die Konzentration leidet. Auch gibt es neue und ältere Laptopmodelle, bessere und schlechtere Kopfhörer. Zudem gibt es eine Clean-Desk-Policy, wodurch persönliche Unterlagen und Gegenstände meistens wie Müll irgendwo rumliegen und das Büro dadurch einen eher ungepflegten Eindruck macht.
Kommunikation
Die Kommunikation hat sich im letzten Jahr etwas verbessert, ist jedoch weiterhin unstrukturiert. Newsletter und größere Meetings finden unregelmäßig statt, und wichtige Informationen werden oft nur verzögert oder unvollständig weitergegeben. Flurfunk, der durch die Teams und Standorte tröpfelt, ist meistens schneller. Persönliche Gespräche mit der Führungsebene zur Klärung offener Themen fanden kaum statt, stattdessen blieb Kommunikation auf ein Minimum beschränkt. Sachliche Rückmeldungen und Fragen konnten zwar geäußert werden, wurden aber selten aktiv aufgegriffen und in größerem Rahmen besprochen.
Gleichberechtigung
Diversity und Gleichberechtigung werden nach außen betont, im Arbeitsalltag ist dies jedoch weniger spürbar. Das Unternehmen besteht zwar zum größten Teil aus weiblichen Kolleginnen, allerdings waren männliche Kollegen (auch im Management) für mich präsenter und wurden auch eher gepusht.
Interessante Aufgaben
Die Aufgabenvielfalt und die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung hingen stark vom Team und dem Teamlead ab. Als Trainee wurde schnell von mir erwartet, Aufgaben fix und möglichst perfekt zu erledigen, Feedback gab es meist nur in Form des Änderungsmodus in Word. Neue Aufgaben und Projekte wurden oft nur übertragen, wenn andere Teammitglieder ausfielen. Ansonsten heißt das Credo - never change a running system. Auch auf persönliche Interessen oder die Möglichkeit an Pitchteilnahmen wurde meines Empfindens nach keine Rücksicht genommen. Durch die immer gleichen Aufgaben kam meine persönliche Entwicklung schnell ins Stocken.

