Gut am Arbeitgeber finde ich
Nette Kollegen, Sprungbrett für die Karriere, vernünftiges erstes Gehalt mit Luft nach oben.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
1. Feedback von unten wird offiziel gewünscht, dann aber nicht beachtet. Mehr Schein als Sein.
2. Corona wurde anfangs überhaupt nicht ernst genommen, es wurde mehrfach versucht, dass die Mitarbeiter wieder fleißig ihre Termine machen, komme was wolle.
3. Abfertigung bei Kündigung wie am Fließband. Keine Wertschätzung für die Millionen an Umsatz, die man für die Firma eingebracht hat.
4. Starre Hierarchien, steife Kultur, eine Atmosphäre im HQ von Angst und Schrecken. Bloß nichts falsches sagen und immer fleißig erscheinen.
5. In meiner Zeit wurden erst die kostenlosen Säfte abgeschafft, dann die kostenlose Cola. Obwohl das Unternehmen über 50% Profit macht.
6. Es gibt kein Home-Office in Pandemiefreien Zeiten.
7. Viele fleißigen Mitarbeiter werden durch das intransparente Beförderungssystem vergrault und viele gehen daher zur Konkurrenz.
Verbesserungsvorschläge
1. Professionellere Trainings und separate theoretische wie praktische Prüfungen für alle Teamleiter-Anwärter. Ist diese bestanden, folgt eine Probezeit als Teamleiter im Team.
2. Feedback-Kultur wirklich leben. Nicht nur von oben nach unten, sondern in beiden Richtungen.
3. Office-Rotation abschaffen und mehr regionale Büros eröffnen.
4. Vertriebsstrategie dem Markt anpassen. "Türklinken-Mentalität" und das schnelle Geld ist Old-School. Langfristige Partnerschaften müssen her. Rahmenverträge bilden. Key Accounts ausbauen.
5. Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden durch langfristig interessante Aufgaben.
6. Gehaltssystem dem Markt anpassen.
7. Flexible Arbeitszeit einführen (Gleitzeit)
Arbeitsatmosphäre
Im Vertrieb herrscht von Anfang an hoher Druck. Es wird einem erzählt: "Jeder kann in seinem Arbeitstempo arbeiten, wie er will" - Das ist aber Quatsch! Jeder hat seine vorgegebenen KPIs zu erfüllen, sonst gibt es Anrufe, E-Mails und Druck von oben.
Im Innendienst müssen auch alle KPIs erfüllt werden, sonst gibt es Ärger vom japanischen Management.
Image
Viele Firmen sind genervt von Keyence, jedes Jahr gab es für meine Produktgruppe einen neuen Ansprechpartner in meinem Gebiet. Kein Wunder also, dass viele genervt sind, obendrein von den vielen "proaktiven" Anrufen.
Die Produkte wiederum haben oftmals schon einen sehr guten Ruf, auch wenn hier noch viel verbessert werden könnte, wenn man mal auf die Mitarbeiter hören würde.
Mein Fazit: Produkte: Sehr gutes Image / Vertrieb: Teils sehr zufriedene Kunden, teils komplett genervte Kunden bis hin zu "verbrannter Erde".
Work-Life-Balance
In den ersten 6 Wochen Training soll man quer durchs Land reisen, damit man Joint Visits bei Kollegen machen kann. Dafür muss man teilweise hunderte Kilometer hinfahren, wohlgemerkt nach getaner Arbeit, denn Reisezeit ist keine Arbeitszeit. Teilweise muss man sogar schon Sonntag losfahren, was zwar die Ausnahme ist, kommt aber vor! Und manchmal muss man dafür sogar irgendwohin fliegen. In Zeiten des Klimawandels sehr fragwürdig. D.h. Da es keine Gleitzeit gibt, wird nach der 40h Woche noch die ganze Reisezeit anfallen.
Das erste halbe Jahr ist dann nicht viel besser Dank Schulungen in der Zentrale, Joint Visits quer durch Deutschland und der typischen Keyence Office Rotation.
Manche Mitarbeiter finden Mittel und Wege um die Arbeitszeit einhalten zu können, die meisten machen aber deutlich mehr. Darauf ist Keyence ja auch "stolz", wie sie hier in den Antworten schreiben.
Versteht mich nicht falsch, manchen Mitarbeitern gefällt das sogar, dass sie unter der Woche oft weg sind von der eigenen Famile oder es als Single genießen, ständig in einer anderen Stadt aufzuwachen, in Hotels zu übernachten und evtl. sogar zu fliegen.
Karriere/Weiterbildung
Ab einer gewissen Stufe gibt es für die "nicht-Teamleiter", also den "Experts", keine Weiterbildungen mehr. Für Teamleiter gibt es ein paar ganz kurze Teamführungs-Seminare. Man soll schließlich lieber rausfahren statt zusammen sich weiterzubilden. Witzig ist, dass jede Weiterbildung gegenrechnet wird, wieviel Umsatz man in der Arbeitszeit hätte machen können. Ist natürlich eine Milchmädchenrechnung und blendet den Zweck der Weiterbildungen aus, aber das wird tatsächlich von Managern so kommuniziert!
Was gar nicht geht, ist das Schulungen teilweise erst abends stattfinden. D.h. nachdem man vorher gearbeitet hat soll man sich dann noch in die Weiterbildung reinsetzen. JA, Ich hatte eine Schulung von 15 bis XX Uhr abends, sollte aber davor wie Gewohnt ab 8 Uhr arbeiten. Am nächsten Tag ging die Schulung um 8 Uhr weiter, nachdem sie ja bis XX Uhr ging. AUCH WENN KEYENCE DAS GERNE GELÖSCHT HÄTTE!!! Wie viel Sinn macht denn eine Weiterbildung, bei der die Leute erschöpft halb einschlafen? Und die gesetzliche Ruhephase wurde XXXX eingehalten. Zudem arbeitete ich an diesem Tag von 8 Uhr bis XX Uhr, somit XXXXX den gesetzlichen XX Stunden. Muss ich dazu mehr sagen?
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist auf dem Papier an sich gut, mit der Arbeitszeit gegengerechnet nur noch okay. Ein gutes Gehalt gibt es bei vielen Wettbewerbern auch. Dass der Bonus nach oben gedeckelt ist, macht im Vertrieb überhaupt keinen Sinn. Hierfür gibt es irgendeine fadenscheinige Begründung, dient aber nur die Lohnkosten niedrig zu halten. Die hohe Marge kommt nicht irgendwoher.
Andere schreiben hier ja auch, dass sie das Bonussystem nach Jahren noch nicht verstanden haben. Mir ging es auch so.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nicht existent, auch wenn Keyence hier auf Kununu in den Antworten hier etwas anderes propagieren will. Achso klar, es wurde mal ein Beamer gekauft damit weniger Papier gedruckt wird. Das reißt es natürlich raus.
Aber unnötige Flüge und Autofahrten abschaffen wollen sie nicht. Ganz zu schweige mal über die Produktionsbedingungen ihrer Produkt zu reden. Wer hierzu nachfragt, wird vom Management schief angeschaut. Daher fragt man lieber gar nicht erst nach.
Kollegenzusammenhalt
Das ist bei Keyence wirklich der schönste Aspekt. Viele Mitarbeiter liegen auf einer Wellenlänge. Im Büro kommt man mit 90% der Leute wirklich sehr gut klar.
Durch die Office Rotation geht man im Hotel sporteln oder meistens etwas Essen / Trinken, ab und an gibt es im besten Fall noch dasBudget Dinner bei Zielerreichung. Teilweise verbindet auch das "Leid" von unrealistischen KPI Zielen oder unpopulären Entscheidungen des Managements. Leider gibt es dann oft verblendete Chefs, mit denen man ab ASM / APSM-Level plötzich nicht mehr ehrlich reden kann, weil sie nur noch die Meinung des Arbeitgebers vertreten.
Umgang mit älteren Kollegen
Ich glaube nicht, dass Keyence ältere Kollegen schlechter behandeln würde als jüngere Kollegen. Die Frage die man sich aber stellen muss lautet: Warum gibt es nur so wenige ältere Kollegen? (Ja, es gibt ein paar vereinzelte ältere Kollegen, aber wirklich nicht viele).
Vorgesetztenverhalten
Update: Keyence lässt Textpassagen juristisch angreifen, wenn es ihnen nicht passt. Hier also OHNE die Textpassage.
Im Vertrieb steigt derjenige auf, der ein guter Verkäufer ist. Insofern sind die Teamleiter usw. gute Verkäufer (gewesen). Ob sie sich jedoch menschlich dafür eignen, muss jeder selber beurteilen. Ich darf mein Urteil hier ja nicht mehr posten. Fakt ist aber: Sie geben hauptsächlich die Befehle von oben nach unten weiter. Ein No-Go in der japanisch geprägten Firmenkultur ist es aber die Stimmung von unten nach oben weiterzugeben, denn dann würden sich die Führungskräfte ja selber schlecht dastehen lassen. Ist in dieser Kutur aber sowieso unerwünscht. Daher gibt es viele Chefs, die zwar hervorragende Verkäufer waren oder sind, denen Harmonie im Team aber nicht wichtig ist und daher die KPI Ziele durchprügeln, komme was wolle.
Arbeitsbedingungen
Es gibt Produkte, da muss man fast 40kg aus dem Kofferraum hieven. Und oft genug hilft einem kein Kunde dabei. Man will ja aber die KPIs schaffen, also schleppt man es dann alleine.
In vielen Büros gibt es nicht mal genug Parkplätze für die eigenen Mitarbeiter.
Keyence will hier nachbessern, sagen sie. Getan hat sich seit Jahren aber nichts.
Die "ergonomischen Stühle und Tische" in den Büros sind minderwertig.
Kommunikation
Wichtige Entscheidungen werden 5 vor 12 mitgeteilt oder manchmal sogar erst nachträglich. In Zeiten von Corona 2020 hat sich das oberste Management viel zu selten gezeigt, ca. alle 2-3 Monate gab es mal eine E-Mail. Ein Echtes Corona Konzept gab es erst Ende Juli, nachdem im Juni 2020 zwischenzeitig "back to normal" proklamiert wurde. Meines erachtens völlig fahrlässig.
Gleichberechtigung
Es gibt ein paar wenige Frauen, die haben denke ich die gleichen Chancen. Man muss fairerweise sagen, dass der Job wohl für viele (nicht alle!) Frauen einfach nichts ist. Nicht jede Frau hat Lut darauf, in einem männlich geprägten Umfeld zu arbeiten, also sowohl bei Keyence sind sie massiv in der Minderheit, als auch bei den Kunden in der Industrie. Zudem sind manche Produkte bis zu 30-40kg schwer, die man aus dem Kofferraum oft genug auch alleine heben muss. Aber liebe Leser*innen, die bereits erfolgreichen Frauen bei Keyence zeigen, dass wenn man darauf Lust hat, sehr wohl erfolgreich sein kann und mindestens zur ASM / SAPSM aufsteigen kann. In einer höheren Management Position gab es aber noch nie eine Frau bisher. Jede Frau die wissen will warum, kann ja mal japanische Firmenkultur googlen und schauen, wieviele Frauen es dort in die Vorstände geschafft haben ;-)
Interessante Aufgaben
Direktvertrieb im B2B-Bereich kann richtig viel Spaß machen. Mir persönlich wurde es irgendwann zu monoton und stumpf, weil es halt trotzdem immer das Gleiche ist. Irgendwann kennt man in seinem Gebiet alle Firmen. Klar, immer mal wieder entdeckt man etwas neues, einen neuen Ansprechpartner, eine neue Anwendung, eine neue kleine Firma. Am großen Ganzen ändert sich aber nichts. Das ist vermutlich auch einer der größten Punkte, warum erfahrene Kollegen und Kolleginnen dann die Firma wechseln.