Vom Technologieführer zum kennzahlengetriebenen Konzern – Technologie, Kundennutzen und die Mitarbeiter leiden -> Schade
Gut am Arbeitgeber finde ich
Es gibt weiterhin viele sehr gute, engagierte und fachlich starke Mitarbeitende. In vielen Bereichen ist noch viel technisches Know-how vorhanden. Die Produkte und Technologien haben grundsätzlich großes Potenzial, und die Historie des Unternehmens ist beeindruckend.
Auch der Kollegenzusammenhalt ist in vielen Teams noch stark – vermutlich gerade deshalb, weil viele Mitarbeitende trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen.
Ebenso sind nach wie vor die Produkte und ihre Bedeutung gut. Viele Lösungen von Knorr-Bremse – gerade auch ältere, bewährte Technologien – machen jeden Tag Straßen und Schienen sicherer und schützen Menschenleben. Dahinter stehen echte Ingenieurskunst, Qualität und viele engagierte Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen. Genau diese Substanz ist aus meiner Sicht die eigentliche Stärke des Unternehmens.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht am Arbeitgeber finde ich die zunehmende Lücke zwischen Anspruch und Realität.
Nach außen werden Werte wie technologische Exzellenz, Verantwortung, Kundennähe, Innovation und Wertschätzung betont. Im Alltag entsteht jedoch immer stärker der Eindruck, dass vor allem kurzfristige Kennzahlen, Kostenprogramme, Profitabilität und interne Machtlogik zählen. Technik, Kunden und Mitarbeitende geraten dabei zunehmend in den Hintergrund.
Viele Entscheidungen wirken nicht mehr langfristig unternehmerisch, sondern zahlengetrieben und von PowerPoint-, KPI- und Beraterlogik geprägt. Es entsteht der Eindruck, dass externe Consultants teilweise mehr Einfluss auf die Richtung haben als eigene technische Kompetenz, operative Erfahrung und Kundennähe im Unternehmen.
Externe Beratung kann sinnvoll sein. Kritisch wird es aber, wenn sie echte Führung ersetzt. Von hochbezahlten Führungskräften würde ich erwarten, dass sie selbst klare Orientierung geben, Verantwortung übernehmen und das Unternehmen aus eigener Substanz heraus führen.
Besonders schade ist das, weil Knorr-Bremse weiterhin viele sehr gute Mitarbeitende, starke Technologien und enormes Potenzial hat. Genau diese Substanz müsste gestärkt werden – statt sie durch Druck, Floskeln und reine Kennzahlensteuerung zu überdecken.
Verbesserungsvorschläge
Weniger Managementfloskeln und mehr echte Führung.
Weniger kurzfristige KPI-Logik und mehr langfristige technische Strategie.
Weniger reine Kosten- und Profitbetrachtung und mehr Fokus auf Kunden, Produktqualität, Innovation und Mitarbeitende.
Mehr ehrliche Kommunikation statt glattgebügelter Botschaften.
Mehr Vertrauen in Fachkompetenz vor Ort.
Mehr Respekt für Erfahrung, technische Tiefe und operative Realität.
Und vor allem: Die ursprünglichen Knorr-Bremse-Werte wieder ernsthaft leben – technologische Exzellenz, Leidenschaft, Zuverlässigkeit, Verantwortung und langfristiges Unternehmertum!
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre leidet zunehmend unter Druck, Unsicherheit und dem Gefühl, dass wirtschaftliche Kennzahlen wichtiger sind als Menschen, Technik und Kunden. Viele Mitarbeitende leisten viel, haben aber nicht immer den Eindruck, dass diese Leistung angemessen gesehen oder wertgeschätzt wird.
Image
Das Image lebt aus meiner Sicht noch stark von der Historie des Unternehmens: technologische Exzellenz, Qualität, Sicherheit und starke Produkte. Diese Substanz wurde über viele Jahre aufgebaut und trägt den Namen Knorr-Bremse bis heute.
Gleichzeitig entsteht zunehmend der Eindruck, dass Kernkompetenzen und Kernmärkte zugunsten kurzfristiger Aktienkurs- und Renditeziele vernachlässigt werden. Gerade in neuen Marktbereichen wirkt die strategische Ausrichtung nicht immer überzeugend oder aus der eigenen technischen Stärke heraus entwickelt.
Aus meiner Sicht werden sich die aktuellen Entscheidungen in den nächsten Jahren negativ auf das Image auswirken, wenn kein echter Wandel im Handeln erfolgt. Ein guter Ruf aus der Vergangenheit trägt nicht unbegrenzt.
Work-Life-Balance
Abhängig vom Bereich und von der Führungskraft. Grundsätzlich gibt es moderne Arbeitsmodelle, aber der zunehmende Druck und die Unsicherheit wirken sich negativ auf die tatsächliche Balance aus.
Karriere/Weiterbildung
Karriere und Weiterbildung empfinde ich als klar verbesserungswürdig. Der Eindruck entsteht, dass nicht immer fachliche Substanz, Leistung und kritisches Denken entscheidend sind, sondern häufig Anpassungsfähigkeit, politische Geschmeidigkeit und die Fähigkeit, Erwartungen nach oben möglichst konfliktfrei zu bedienen.
Wer überzeugende PowerPoint-Folien liefert, sich gut verkauft und Führungsebenen nach dem Mund redet, scheint oft bessere Chancen zu haben als Menschen, die fachlich tief arbeiten, unbequeme Fragen stellen oder echte Probleme offen ansprechen.
Echte Weiterbildung ist zudem durch Sparprogramme deutlich eingeschränkt. Gerade ein Technologieunternehmen müsste konsequent in die Entwicklung seiner Mitarbeitenden investieren – fachlich, methodisch und menschlich. Aktuell ist davon aus meiner Sicht zu wenig spürbar.
Gehalt/Benefits
Gehalt und Sozialleistungen sind im Branchenvergleich und auch mit Blick auf die globale Wirtschaftslage nach wie vor überdurchschnittlich gut. Das ist ein klarer Pluspunkt und einer der Gründe, warum Knorr-Bremse als Arbeitgeber weiterhin attraktiv sein kann.
Gleichzeitig entsteht zunehmend der Eindruck, dass diese Stärke durch Sparprogramme wie „Project Balance“ unter Druck gerät. Wenn Sozialleistungen, Sicherheit und faire Rahmenbedingungen schrittweise reduziert oder infrage gestellt werden, verliert das Unternehmen einen wichtigen Teil seiner Arbeitgeberattraktivität.
Kurz gesagt: Aktuell noch gut bis sehr gut – aber aus meiner Sicht erkennbar bedroht durch zunehmende Sparlogik.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Das Umwelt- und Sozialbewusstsein wirkt aus meiner Sicht zu stark auf Außendarstellung und Hochglanzkommunikation ausgerichtet. Eine Global-Care-Organisation, Broschüren und einzelne Aktionen reichen nicht aus, wenn echte gesellschaftliche Wirkung im direkten Umfeld zu wenig spürbar ist.
Gerade in Deutschland und Europa gäbe es viele gesellschaftliche Brennpunkte, in denen ein Unternehmen dieser Größe einen echten positiven Unterschied machen könnte – für Mitarbeitende, Familien und Menschen vor Ort.
Ich würde mir weniger Imagepflege und mehr konkrete, standortnahe Verantwortung wünschen.
Kollegenzusammenhalt
Der Kollegenzusammenhalt ist in vielen Bereichen weiterhin gut. Das ist eine der großen Stärken des Unternehmens. Viele Mitarbeitende helfen sich gegenseitig, übernehmen Verantwortung und versuchen, trotz schwieriger Rahmenbedingungen gute Arbeit zu leisten.
Umgang mit älteren Kollegen
Viele sehr erfahrene ältere Kollegen sind, oder werden leider zugunsten Personalkosteneinsparung und einer Optimierung des Aktienkurses in Altersteilzeit geschickt und abgefunden. Der entstandene Wissensverlust ist nicht zu ersetzen und schädigt das vorhandene Wissen und den Erfahrungsschatz nachhaltig und Dauerhaft.
Vorgesetztenverhalten
Sehr unterschiedlich. Es gibt gute Führungskräfte, die sich kümmern und versuchen, Orientierung zu geben. Insgesamt wirkt Führung aber zunehmend kennzahlengetrieben, distanziert und wenig menschlich. Zu oft entsteht der Eindruck, dass Druck nach unten weitergegeben wird, statt echte Führung zu übernehmen.
Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich solide und entsprechen in vielen Bereichen einem ordentlichen industriellen Standard. Ausstattung, Arbeitsumfeld und moderne Arbeitsmodelle sind teilweise vorhanden.
Trotzdem werden die Arbeitsbedingungen durch zunehmenden Druck, wechselnde Prioritäten, Unsicherheit und starke Kennzahlenorientierung belastet. Gute Rahmenbedingungen auf dem Papier ersetzen keine klare Führung, verlässliche Orientierung und echte Wertschätzung im Alltag.
Kommunikation
Kommunikation findet statt, aber häufig zu stark in Form von Managementbotschaften, Präsentationen und allgemeinen Aussagen. Was fehlt, ist aus meiner Sicht echte, klare und glaubwürdige Kommunikation auf Augenhöhe. Gerade in schwierigen Zeiten braucht es weniger Floskeln und mehr Offenheit.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wird kommunikativ betont, ist im Alltag aber nur begrenzt spürbar. Wer sich anpasst, nach oben nicht widerspricht und die gewünschte Meinung vertritt, scheint bessere Chancen zu haben als Menschen, die offen Probleme ansprechen oder kritisch denken. Das ist keine echte Chancengleichheit, sondern Konformitätsdruck. Eine starke Organisation müsste unterschiedliche Perspektiven zulassen – nicht nur stromlinienförmiges Verhalten belohnen.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben können sehr interessant sein, insbesondere im technischen Umfeld. Genau deshalb ist es schade, wenn technische Tiefe, Kundenorientierung und Innovationskraft durch kurzfristige Ergebnislogik ausgebremst werden.


