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Gute Kolleg:innen – massive Defizite in Führung und Organisation

2,8
Nicht empfohlen
Angestellte/r oder Arbeiter/inHat zum Zeitpunkt der Bewertung im Bereich Marketing / Produktmanagement in Frankfurt am Main gearbeitet.

Gut am Arbeitgeber finde ich

Meine direkten Kolleg:innen und die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Standorten. Ich habe dort viele engagierte und hilfsbereite Menschen kennengelernt.

Schlecht am Arbeitgeber finde ich

Die fehlende Verbindlichkeit und Struktur in Führung und Organisation. Es gab mehrere Personen in der Geschäftsführung, die teilweise unterschiedliche Prioritäten und Vorstellungen hatten. Eine klare Zuständigkeit dafür, wer bei widersprüchlichen Anforderungen final entscheidet, war für mich nicht erkennbar. Dadurch konnte bereits abgestimmte Arbeit von einer anderen Person erneut infrage gestellt oder neu aufgerollt werden.

Gleichzeitig wurde von den Mitarbeitenden Eigenständigkeit und Verantwortung erwartet, während für viele Aufgaben notwendige Entscheidungen, Freigaben, Informationen oder Zugänge ausschließlich bei der Geschäftsführung lagen. Rückfragen und Entscheidungsvorlagen blieben teilweise über längere Zeit unbeantwortet – auch nach mehrmaligem Nachfragen. Gleichzeitig wurde regelmäßig sehr konkret nach dem aktuellen Arbeitsstand bzw. danach gefragt, was am jeweiligen Tag oder Vortag gearbeitet wurde.

Viele Projekte scheiterten deshalb nicht an der operativen Umsetzung, sondern an den anschließenden Entscheidungs- und Feedbackprozessen.

Ein Beispiel war das E-Mail-Marketing: Eine bereits erstellte Marketing-Mail wurde über zahlreiche Schleifen immer wieder angepasst. Feedback wurde dabei häufig nicht gesammelt gegeben, sondern einzelne Änderungswünsche kamen nacheinander per WhatsApp. Nach der jeweiligen Überarbeitung und erneuten Einreichung blieb eine Rückmeldung teilweise wieder aus, sodass aktiv nachgefragt werden musste, ob weitere Änderungen notwendig sind oder die Version freigegeben ist. Als die Mail schließlich inhaltlich weitgehend abgestimmt war, fehlten wiederum die Empfängerlisten sowie eine finale Entscheidung bzw. Umsetzung des vorgesehenen Angebots. Trotz zahlreicher Überarbeitungen und erheblicher Vorarbeit wurde die Mail während meiner gesamten Beschäftigungszeit nicht versendet.

Dieses Muster habe ich auch bei anderen Themen erlebt: Probleme wurden erkannt, Lösungen besprochen oder Dinge zugesagt – anschließend fehlte jedoch häufig die verbindliche Weiterführung. Das betraf sowohl Projekte als auch interne Verbesserungen und teilweise sogar notwendige Arbeitsmittel.

Auch die interne Kommunikation empfand ich als problematisch. Ein Großteil lief über WhatsApp, teilweise mit kurzfristigen Aufgaben und wenig Kontext. Gleichzeitig wurden Nachrichten mit offenen Fragen oder benötigten Entscheidungen teilweise nicht beantwortet. Vereinzelt wurde ich außerdem außerhalb meiner Arbeitszeiten von Mitgliedern der Geschäftsführung auf meinem privaten Mobiltelefon angerufen.

Konkrete Versuche, die Zusammenarbeit strukturierter zu gestalten, führten leider nicht zu einer nachhaltigen Veränderung. Auf meinen Vorschlag wurde ClickUp eingeführt und bezahlt, um Aufgaben, Zuständigkeiten und Projektstände transparent abzubilden. Obwohl wir unsere Aufgaben dort pflegten, wurde das Tool von der Geschäftsführung in der Praxis nicht genutzt. Die Informationen mussten deshalb zusätzlich wieder über WhatsApp kommuniziert werden und das System wurde schließlich aufgegeben.

Auch einen festen wöchentlichen Abstimmungstermin habe ich vorgeschlagen, um offene Entscheidungen und Prioritäten gebündelt klären zu können. Dieser wurde zunächst zugesagt, aber nicht dauerhaft umgesetzt. Ein von mir organisiertes Feedbackgespräch wurde verschoben und anschließend nicht nachgeholt.

Besonders schwierig empfand ich außerdem den Umgang mit Verbesserungsvorschlägen und kritischen Nachfragen. Statt diese als normalen Bestandteil einer Zusammenarbeit zu betrachten, entstand bei mir zunehmend der Eindruck, dass Nachfragen oder abweichende Einschätzungen schnell persönlich aufgefasst werden konnten. Gerade in stressigen Situationen habe ich die Kommunikation der Führungsebene teilweise als impulsiv und wenig lösungsorientiert erlebt.

Insgesamt entstand für mich dadurch ein erheblicher organisatorischer Bottleneck: Viel Zeit floss in Nachfragen, Warten auf Entscheidungen, erneute Abstimmungen und Überarbeitungsschleifen, obwohl diese Zeit eigentlich für die inhaltliche Arbeit hätte genutzt werden können. Am effizientesten liefen entsprechend die Projekte, bei denen ich eigenständig arbeiten konnte und nicht regelmäßig auf Entscheidungen der Geschäftsführung angewiesen war.

Verbesserungsvorschläge

Die Führungs- und Entscheidungsstrukturen sollten aus meiner Sicht klarer definiert werden. Mitarbeitende brauchen eindeutige Ansprechpartner, nachvollziehbare Prioritäten und Klarheit darüber, wer bei unterschiedlichen Einschätzungen innerhalb der Geschäftsführung die finale Entscheidung trifft. Ebenso sollte klar geregelt sein, welche Entscheidungen Mitarbeitende eigenständig treffen dürfen. Wer Eigeninitiative und Verantwortung erwartet, muss dafür auch den entsprechenden Handlungsspielraum schaffen.

Aufgaben sollten mit einem klaren Ziel, den notwendigen Informationen, einer Priorität und den erforderlichen Zugängen übergeben werden. Gerade bei Projekten würde gebündeltes und zeitnahes Feedback viele unnötige Überarbeitungsschleifen vermeiden. Wenn mehrere Personen Feedback geben möchten, sollte dieses möglichst gesammelt werden, bevor Mitarbeitende die nächste Version erstellen.

Ebenso wichtig wären verbindliche Entscheidungs- und Rückmeldewege. Wenn Mitarbeitende eine Freigabe, Information oder Entscheidung benötigen, sollte klar sein, von wem und innerhalb welchen Zeitraums diese erfolgt. Offene Punkte sollten nicht über Wochen durch wiederholtes Nachfragen verfolgt werden müssen.

Für die operative Zusammenarbeit würde ich dringend empfehlen, ein zentrales Projektmanagement-System konsequent zu nutzen – und zwar auch auf Führungsebene. Dort sollten Aufgaben, Zuständigkeiten, Deadlines, Entscheidungen und aktuelle Projektstände nachvollziehbar dokumentiert werden. Das würde gleichzeitig Transparenz darüber schaffen, woran Mitarbeitende arbeiten, ohne dass Arbeitsstände immer wieder einzeln über WhatsApp abgefragt werden müssen. WhatsApp sollte aus meiner Sicht ergänzende Kommunikation sein und nicht das zentrale System für Aufgaben- und Projektmanagement.

Zusätzlich halte ich feste, kurze Abstimmungstermine für sinnvoll. Ein regelmäßiger Weekly könnte genutzt werden, um offene Entscheidungen zu treffen, Prioritäten für die kommende Woche festzulegen und Blockaden frühzeitig aufzulösen. Ergänzend sollten regelmäßige Mitarbeiter- und Feedbackgespräche stattfinden, in denen nicht nur die Leistung der Mitarbeitenden, sondern auch Zusammenarbeit, Prozesse und Führungsverhalten reflektiert werden können.

Verbesserungsvorschläge und kritische Nachfragen sollten dabei als normaler Bestandteil professioneller Zusammenarbeit verstanden werden. Eine gute Feedbackkultur funktioniert aus meiner Sicht in beide Richtungen. Mitarbeitende sollten Probleme oder ineffiziente Prozesse ansprechen können, ohne den Eindruck zu bekommen, damit automatisch die Führung persönlich infrage zu stellen.

Auch bei zugesagten Maßnahmen sollte mehr Verbindlichkeit entstehen. Wenn Arbeitsmittel, organisatorische Veränderungen oder andere Lösungen zugesagt werden, sollte anschließend klar sein, wer für die Umsetzung verantwortlich ist und bis wann diese erfolgt.

Insgesamt hätte ich mir weniger spontane Einzelsteuerung und dafür mehr verlässliche Strukturen gewünscht. Führung sollte aus meiner Sicht nicht nur Aufgaben verteilen und Ergebnisse einfordern, sondern vor allem Orientierung schaffen, Entscheidungen treffen, bottleneck beseitigen und Mitarbeitenden die Voraussetzungen geben, ihre Arbeit effizient und eigenständig erledigen zu können.

Arbeitsatmosphäre

Die Zusammenarbeit mit meinen direkten Kolleg:innen und den einzelnen Standorten habe ich als sehr angenehm erlebt. Die Atmosphäre innerhalb des Teams war gut. Belastend waren für mich vor allem die fehlende Struktur, häufige Warteschleifen und die teilweise sehr kurzfristige Kommunikation durch die Führungsebene.

Work-Life-Balance

Meine vereinbarte Teilzeit und die grundsätzliche Möglichkeit zum Homeoffice fand ich positiv. Gleichzeitig wurden Tagesplanungen und Termine teilweise sehr kurzfristig verändert. Außerdem erfolgten vereinzelt Anrufe der Geschäftsführung außerhalb meiner Arbeitszeit auf meinem privaten Handy.

Karriere/Weiterbildung

Eine klare Entwicklungsperspektive oder strukturierte Förderung habe ich während meiner Beschäftigung nicht erlebt. Auch meine eigene Rolle und deren zukünftige Ausrichtung waren für mich trotz mehrfacher Nachfrage nicht eindeutig definiert.

Kollegenzusammenhalt

Mit meinen direkten Kolleg:innen und den Mitarbeitenden an den verschiedenen Standorten habe ich sehr gerne zusammengearbeitet. Der Austausch untereinander war unkompliziert, hilfsbereit und für mich einer der positivsten Aspekte meiner Beschäftigung.

Vorgesetztenverhalten

Für mich der größte Kritikpunkt. Mehrere Personen aus der Geschäftsführung erteilten gleichzeitig Aufgaben und setzten teilweise unterschiedliche Prioritäten. Eine klare Hierarchie bzw. eine Person, die bei widersprüchlichen Anforderungen final entscheidet, war für mich nicht erkennbar.

Bereits abgestimmte Arbeiten konnten dadurch von einer anderen Person erneut grundsätzlich infrage gestellt werden. Gleichzeitig hatte ich bei vielen Themen keine eigene Entscheidungsbefugnis und war auf Rückmeldungen der Geschäftsführung angewiesen, die teilweise lange ausblieben.

Gerade unter Stress habe ich die Kommunikation teilweise als impulsiv und wenig lösungsorientiert erlebt. Verbesserungsvorschläge oder kritische Nachfragen wurden nach meinem Eindruck zudem schnell als Kritik an der Führung verstanden.

Regelmäßige Feedbackgespräche gab es nicht. Ein von mir organisierter Feedbacktermin wurde verschoben und anschließend nicht nachgeholt. Auch mein Vorschlag für einen festen wöchentlichen Abstimmungstermin mit der Führungsebene wurde zunächst zugesagt, anschließend aber nicht umgesetzt.

Arbeitsbedingungen

Die technische Ausstattung war für meine Tätigkeit teilweise unzureichend. Mein Diensthandy war so eingeschränkt nutzbar, dass Telefonate nur noch sinnvoll über Lautsprecher möglich waren. Ein Ersatzgerät wurde zugesagt, trotz mehrfacher Nachfrage aber bis zu meinem Ausscheiden nicht bereitgestellt.

Da ich überwiegend digital mit unter anderem Excel, Design, Website und Marketing arbeitete, wurde mir außerdem ein zusätzlicher Bildschirm zugesagt. Auch diesem bin ich mehrfach hinterhergelaufen, ohne ihn während meiner Beschäftigung zu erhalten.

Kommunikation

Ein Großteil der operativen Kommunikation lief über WhatsApp. Aufgaben wurden teilweise kurzfristig und ohne vollständiges Briefing, klare Priorität oder notwendige Informationen weitergegeben. Rückfragen, Entscheidungsvorlagen und Freigaben blieben dagegen teilweise über längere Zeit unbeantwortet.

Auch außerhalb meiner Arbeitszeiten wurde ich teilweise von Mitgliedern der Geschäftsführung auf meinem privaten Mobiltelefon angerufen.

Besonders schwierig fand ich, dass gleichzeitig regelmäßig sehr konkret nachgefragt wurde, was am jeweiligen Tag oder Vortag gearbeitet wurde. Ich bot mehrfach eine transparente Dokumentation an. Auf meinen Vorschlag wurde schließlich ClickUp eingeführt und bezahlt. Wir pflegten unsere Aufgaben dort ein, die Geschäftsführung nutzte das Tool in der Praxis jedoch nicht, sodass die Informationen zusätzlich wieder per WhatsApp weitergegeben werden mussten.

Gehalt/Benefits

Die Vergütung empfand ich für meine Teilzeitstelle grundsätzlich als gut. Bei Benefits bzw. der darüber hinausgehenden Ausstattung habe ich persönlich wenig wahrgenommen.

Interessante Aufgaben

Meine eigentlichen Aufgaben waren abwechslungsreich und spannend. Gerade Marketing, Projektarbeit und die Zusammenarbeit mit externen Ansprechpartnern und den verschiedenen Standorten haben mir grundsätzlich viel Freude gemacht.

Am besten funktionierten für mich Projekte, bei denen ich eigenständig arbeiten und Entscheidungen innerhalb meines Aufgabenbereichs selbst treffen konnte.


Umgang mit älteren Kollegen

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Anonym · Sieh, ob’s deinen Kolleg:innen auch so geht.