1 Bewertung von Bewerbern kununu Prüfprozess
kununu Prüfprozess
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Dies war nun schon mein zweites Vorstellungsgespräch beim Kreisjugendring. Das erste war eine reine Unverschämtheit und an Unprofessionalität nicht zu überbieten. Immerhin interessierte sich der Geschäftsführer für meine Kritik, es gab sogar ein persönliches Treffen - respektabel!
Leider war die zweite Bewerbung nur sehr bedingt besser. Denn das Gespräch war mit einer mündlichen pädagogischen Staatsexamensprüfung vergleichbar. Mit den Fragen tat ich mir sichtlich schwer, manche konnte ich nicht sinnvoll beantworten. Irgendwann sind wir dann darauf gekommen, dass ich mich mehr oder weniger auf die falsche Stelle beworben hatte. Das Problem war allerdings die Stellenbeschreibung. Denn als ausgebildete Gymnasiallehrkraft ging ich davon aus, dass "Sozialpädagoge oder vergleichbar" eine für mich passende Stelle wäre, zumal ich im OGS-Bereich schon Erfahrungen gesammelt hatte. Zudem habe ich ja zwei pädagogisch-psychologische Staatsexamen. Im Gespräch wurde ich dann allerdings mit konkreten Szenarien konfrontiert, die entweder wirklich nur ein ausgebildeter Sozialpädagoge lösen kann ("Schüler kommen zu Ihnen und erzählen, dass Junge X zuhause Ohrfeigen bekommt: 'Du musst aber versprechen, das nicht weiterzuerzählen!' Wie gehen Sie vor? Liegt hier ein Paragraf-8a-Verfahren vor?"). Oder es waren generell seltsame und unsinnige Fragen: "2030: Wie werden Sie bis dahin den Kreisjugendring verändert haben?" Seit wann hätten einfache Mitarbeiter zentralen Einfluss auf so eine große Organisation wie den Kreisjugendring? Was soll das? Oder: "Die OGS der ausgeschriebenen Stelle befindet sich erst im Aufbau. Wie würden Sie dabei vorgehen?" – Auch hier wieder: Was soll diese Frage? Wird jetzt von mir ein konkretes, fertiges Konzept verlangt? Für eine OGS, deren Gebäude ich noch nicht einmal gesehen habe!? Realistischerweise werde ich eine Nachmittagsbetreuung nicht alleine aufbauen, auch wenn der KJR wohl eher dezentral arbeitet, ohne klassische Hierarchien (was ich aber natürlich auch nicht wusste – woher auch?).
Ich verstehe nicht, warum mir als Lehrer solche Fragen gestellt werden, auf die mich weder mein Studium noch mein Referendariat noch meine bisherigen praktischen Erfahrungen vorbereitet haben. Meine Gesprächspartner sind doch Sozialarbeiter, die vermutlich regelmäßig mit Lehrkräften zusammenarbeiten. Es müsste ihnen doch klar sein, dass in der Ausbildung hier – leider – erhebliche Unterschiede vorliegen!?
Meine Gesprächspartner/innen wirkten zwar bemüht, aber eine wirklich gute und herzliche Stimmung kam zu keinem Zeitpunkt auf (sie war eher kühl und distanziert). Derartige Fragen (wie oben geschildert) hatte ich nicht erwartet und dementsprechend war ich sichtlich irritiert. Ich hatte außerdem das Gefühl, dass bestimmte Antworten erwartet wurden; auf meine Ansätze und Perspektiven ließ man sich nicht ein. Letztlich wurde mir empfohlen, mich auf eine Geringfügig-Beschäftigten-Stelle zu bewerben, für die weniger hohe Anforderungen gelten würden (von denen es aber fast keine gab). Ich verstehe nicht, warum der KJR nicht schon längst eine Art dritte Kategorie eingeführt hat: Stellen für pädagogisch ausgebildetes Personal, die aber keine Sozialpädagogen sind. Zudem kann man das Entscheidende nur in der Praxis herausfinden: Ob man mit Kindern und Jugendlichen umgehen kann oder nicht, hat wenig bis gar nichts mit der Ausbildung zu tun. Zu einer Hospitation kam es dieses Mal aber gar nicht mehr. Immerhin versprach mir der Geschäftsführer, diese Dinge bei den Bereichsleitungen anzusprechen; ein Wort des Bedauerns für meine wieder negativen Erfahrungen hätte ich mir allerdings schon gewünscht.
Sehr schade, dass ich beim KJR auch wieder nur die Extreme kennenlernen durfte: entweder völliges Chaos oder Ansprüche, die kaum jemand sinnvoll erfüllen kann...