Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Teamdynamik war in vielen Bereichen wirklich besonders. Der Austausch mit Kolleg:innen war unterstützend, offen und menschlich nah, das war ein wichtiger Halt im Arbeitsalltag. Auch die Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeiten und Remote-Arbeit war ein Plus. Inhaltlich relevante und sinnstiftende Themen.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Der Umgang mit Belastungen, Kritik oder Entwicklungsmöglichkeiten war aus meiner Sicht enttäuschend. Viele gut klingende Konzepte blieben symbolisch. Es wurde viel versprochen, wenig umgesetzt und dabei häufig mehr auf Außenwirkung als auf interne Realität geachtet. Intransparente Kommunikation und aus meiner Sicht, teilweise widersprüchliche oder unzuverlässige Aussagen. Fehlende Entwicklungsperspektiven und geringe Mitarbeiterbindung. krisenchat scheint auf den ersten Blick wie ein visionärer Arbeitgeber wirken. Die interne Realität sieht leider ziemlich anders aus und die Illusion von sozialen Unternehmen verfliegt leider schnell sobald man einen Einblick hinter die Kulissen gewinnt.
Verbesserungsvorschläge
Das Unternehmen sollte stärker zuhören. Rückmeldungen & Belastungsanzeichen nicht relativieren, sondern ernst nehmen. Nachhaltige Personalentwicklung statt kurzfristiger Besetzung sowie glaubwürdige Umsetzung von Werten wären entscheidende Schritte. Verbindliche & transparente Kommunikation, insbesondere bei Vertrags und Perspektivfragen. Klare Trennung zw. persönlicher Ebene & professioneller Zusammenarbeit. Ernsthafte Einbindung von Feedback & Wiederherstellung von Vertrauen. Stärkere Fokussierung auf interne Strukturen statt auf Außenwirkung.
Ich würde mir wünschen, dass wiederholt geäußerte Kritik verschiedener Mitarbeitende an einzelnen Führungspersonen/Führungsverhalten konsequent ernst genommen werden und nicht relativiert werden. Einzelne Führungspersonen werden aktiv geschützt.
Sinnvoll wäre es aus meiner Sicht auch Bewertungen auf dieser Plattform als ernst zunehmende Rückmeldung zu betrachten. Eine glaubwürdige Feedbackkultur würde voraussetzen, dass auch diese Stimmen reflektiert und in konkrete Verbesserung übersetzt werden und nicht nur nach außen hin ein Verständnis und ein Gesprächsangebot signalisiert wird, währenddessen intern diese Bewertungen nicht ernst genommen und belächelt werden.
Arbeitsatmosphäre
In meinem Team habe ich eine sehr unterstützende und wertschätzende Atmosphäre erlebt. Kolleg:innen standen einander sowohl fachlich als auch persönlich zur Seite. Leider wurde dieser kollegiale Zusammenhalt zunehmend unterbunden, was für mich den Eindruck weckte, dass ein zu enger Austausch nicht erwünscht war z.B aus Sorge, dass Unzufriedenheiten ausgetauscht werden.
Im Gesamtkontext war die Stimmung stark abhängig von der Hierarchieebene: Während auf Mitarbeitendenebene ein solidarisches Klima herrschte, wirkten Vorgesetzte oft unqualifiziert, oberflächlich, distanziert, unzugänglich und kaum eingebunden in die tatsächlichen Arbeitsrealitäten. Wertschätzung wurde selten spürbar, insbesondere dann nicht, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verließen.
Image
Das externe Image ist sehr stark und erzeugt hohe Erwartungen. Innen entsprach das Erlebte diesem Bild nur bedingt. Es gab viele interne Widersprüche: große Versprechen, wenig gelebte Praxis. Diversität, Feedbackkultur, flache Hierarchien oder Mitbestimmung wurden stark repräsentiert, wirkten aber häufig oberflächlich oder symbolisch. Zudem wurde als Reaktion auf kritische Bewertungen auf kununu bewusst zur Erstellung positiver Bewertungen aufgerufen, was ich als unprofessionell und unseriös empfinde.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten waren formal sehr flexibel und Remote-Arbeit war gut möglich. Dennoch war es aufgrund der hohen emotionalen Identifikation mit der Organisation und der impliziten Leistungserwartung oft schwierig, klare Grenzen zu ziehen. Überstunden waren offiziell nicht gern gesehen, aber in der Praxis kaum vermeidbar.
Überbelastung wurde aus meiner Sicht nicht strukturell aufgefangen, sondern häufig individualisiert und auf die persönliche Ebene zurückgeworfen etwa mit der Aufforderung, man solle reflektieren, wie man besser damit umgehen könne.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Nach außen wurde ein starkes Image als sozialverantwortliches und diverses Unternehmen gepflegt. Mein persönlicher Eindruck war jedoch, dass viele dieser Werte nicht im Arbeitsalltag gelebt wurden. Kritik, Belastungen oder Rückfragen wurden bagatellisiert oder nicht ernst genommen. Entscheidungen wirkten oft impulsiv und wenig nachhaltig, mit einem klaren Fokus auf Image statt Substanz. Grundsätzlich erhalten Mitarbeitende nur befristete Verträge, während das gesamte Management unbefristet angestellt ist. Dies wird mit „Projektfinanzierung“ gerechtfertigt, um die Befristungen zu legitimieren, was systematisch Druck und Unsicherheit erzeugt und den Eindruck von Ungleichbehandlung verstärkt.
Karriere/Weiterbildung
Karriere/Weiterbildung waren in meinem Fall kaum gegeben. Zwar fanden punktuelle Gespräche über persönliche Entwicklung statt, jedoch blieb deren Umsetzung aus oder verlief im Sande. Supervisionen und Fortbildungen, die bereits im Bewerbungsprozess aktiv beworben wurden, standen später plötzlich zur Diskussion.
Wer Interesse an internen Stellenausschreibungen zeigte, bekam teils vermittelt, nicht qualifiziert genug zu sein, was eher entmutigend als unterstützend wirkte. Statt Entwicklung zu fördern, wurden Perspektiven eher blockiert. In Gesprächen wurde teilweise sogar direkt oder indirekt angeregt, sich lieber extern umzusehen. Diese Haltungen signalisierten, dass langfristige Bindung oder individuelle Entwicklung wenig Priorität hatten, außer, sie dienten unmittelbar den Zielen des Unternehmens. Statt Entwicklung und Verantwortung gab es eher Rückschritte. Qualifiziertes Personal wurde durch neue, vermeintlich belastbarere Mitarbeitende ersetzt, anstatt es zu fördern und zu halten.
Kollegenzusammenhalt
Der Zusammenhalt unter Kolleg:innen war einer der größten Pluspunkte. Neue Mitarbeitende wurden offen aufgenommen, man unterstützte sich gegenseitig in stressigen Phasen und bemühte sich aktiv, entstandene Lücken durch Fluktuation gemeinsam zu kompensieren sowie Belastungen gemeinsam zu tragen. Diese gute Atmosphäre im Team war oft ein wesentlicher Grund, warum viele trotz schwieriger Rahmenbedingungen länger blieben. Leider wurde das kollegiale Potenzial von Führungsebene wenig unterstützt oder gewürdigt.
Gleichzeitig habe ich erlebt, dass teaminterne Dynamiken und persönliche Loyalitäten einen starken Einfluss hatten und sich persönliche Konflikte spürbar auf die Arbeitssituation auswirken. Eine professionelle Abgrenzung zwischen persönlicher Ebene und Zusammenarbeit habe ich dabei bei Vorgesetzten vermisst. Mein Eindruck war, dass bestehende Sympathien/Präferenzen auf Führungsebene einzelner Personen stark sichtbar waren und diese Dynamiken zusätzlich verstärkt haben.
Vorgesetztenverhalten
ich habe das Führungsverhalten als wenig präsent, wenig qualifiziert, wenig transparent und nur begrenzt, unterstützend erlebt. Vorgesetzte waren teils wochenlang nicht präsent oder schienen kaum zu wissen, woran Mitarbeitende konkret arbeiteten.
Rückmeldungen, Kritik oder Konflikte wurden oft nicht professionell, sondern ausweichend oder sogar abwehrend behandelt. Entscheidung waren häufig nicht nachvollziehbar und wurden ohne ausreichende Einbindung getroffen.
Flache Hierarchien wurden zwar kommuniziert, in der Realität erlebte ich aber klare Machtgefälle, in denen Widerspruch unerwünscht war. In Konfliktsituation hatte ich den Eindruck, dass keine neutrale Moderation stattfand. Stattdessen wirken persönliche Präferenzen und Loyalitäten einflussreich.
Wertschätzung seitens Vorgesetzten/Leitung blieb am Ende häufig aus. Teilweise wird man nicht mal von seinem Senior verabschiedet oder hatte ein ausreichendes Abschlussgespräch mit seinem Team-Lead wenn man das Unternehmen verlässt.
Arbeitsbedingungen
Die technische Ausstattung und das Arbeiten im Homeoffice funktionierten gut und ermöglichten viel Flexibilität. Infrastrukturell gab es wenig zu beanstanden.
Die eigentlichen Arbeitsbedingungen waren jedoch stark geprägt von hoher Fluktuation, personellen Engpässen und fehlender Einarbeitung, wodurch sich für verbleibende Mitarbeitende häufig dauerhafte Mehrbelastungen ergaben. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Mitarbeitende stark beansprucht, "verschleißt" und wenig langfristig gebunden werden.
Kommunikation
Die interne Kommunikation habe ich als intransparent, selektiv & stark hierarchieabhängig erlebt. Meetings zum Austausch wurden zunehmend verkürzt, kontrolliert oder abgeschafft. Offiziell wurde eine offene Feedbackkultur betont, praktisch war Kritik aber nicht erwünscht oder führte zu Konsequenzen. Anonyme Feedbacktools wirkten wie Imagepflege & wurden später ohne Ersatz eingestellt. Rückmeldungen verpufften oft, besonders zu strukturellen/emotionalen Themen. Auch bei wichtigen Entscheidungen (Verträge/Perspektiven/Zuständigkeiten) blieb die Kommunikation durch Leads vage/widersprüchlich, wurde hinausgezögert oder zurückgehalten. Entscheidungen erfolgten oft ohne Einbindung/Vorankündigung. Weiterbeschäftigungen wurden wiederholt in Aussicht gestellt, obwohl keine gesicherten Grundlagen bestanden. Für einzelne Stellen wurden Finanzierungen kaum noch verfolgt/eingeholt, ohne dies zu kommunizieren.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt war untertariflich, wurde aber transparent kommuniziert. Aus meiner Sicht dennoch nicht angemessen im Verhältnis zur Verantwortung und Belastung. Es gab klare Gehaltsstufen, die unabhängig von Qualifikation oder Verantwortung galten. Leider fehlte jede Form von Entwicklung, weder durch Erfahrungsjahre noch durch übernommene Aufgaben. Auch immaterielle Anerkennung oder ein Ausgleich durch Wertschätzung wurden nicht spürbar.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung wurde in meiner Wahrnehmung nicht konsequent umgesetzt. ich hatte den Eindruck, dass Loyalität und persönliche Nähe zu Führungsperson teilweise mehr Einfluss hatten als fachlich Aspekte.
Besonders bedauerlich war mein Eindruck, dass Diversity im Unternehmen eher ein strategisches Aushängeschild war. Zwar wurde Vielfalt nach außen stark betont, tatsächlich schienen qualifizierte Personen mit marginalisierten Hintergründen häufiger ausgegrenzt, nicht in ihrer Kompetenz gesehen oder nicht gehalten zu werden.
Interessante Aufgaben
Die thematischen Schwerpunkte und Visionen des Unternehmens waren grundsätzlich spannend und gesellschaftlich relevant. Auch die Aufgabenbereiche wirkten zunächst vielseitig und boten Raum für Eigenverantwortung. Im Verlauf hatte ich jedoch den Eindruck, dass Aufgaben teilweise ohne klare Zielsetzung vergeben wurden und ins Leere liefen. Ressourcen wurden dadurch aus meiner Sicht nicht effizient genutzt (z.B. Erstellung von Listen/Konzepten, die später keine Berücksichtigung fanden). Das wirkte auf mich wenig strukturiert und nicht nachhaltig.