Bester Bäcker Deutschlands – aber Führung ist eben kein Handwerk
Gut am Arbeitgeber finde ich
Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, hier etwas Positives zu nennen. Die Erfahrungen, die ich während meiner Beschäftigung gemacht habe, haben mein Bild vom Arbeitgeber leider nicht verbessert. Zwischen Außenauftritt und Arbeitsalltag liegen aus meiner Sicht Welten. Vielleicht wäre es sinnvoll, weniger Energie in die Selbstdarstellung zu investieren und stattdessen dafür zu sorgen, dass die eigenen Mitarbeiter einen Grund haben, positiv über das Unternehmen zu sprechen. Denn die glaubwürdigste Werbung machen immer noch zufriedene Beschäftigte – und die entstehen nicht durch schöne Worte, sondern durch faire Behandlung, Wertschätzung und Taten.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die handwerkliche Leistung und eine Auszeichnung als bester Bäcker Deutschlands möchte ich gar nicht kleinreden. Das ist eine Sache, auf die man stolz sein kann. Aber einen Betrieb erfolgreich zu führen und Menschen vernünftig zu führen, sind zwei völlig unterschiedliche Disziplinen.
Ein Titel macht noch lange keine gute Führungskraft. Wer Verantwortung für einen Betrieb und dessen Mitarbeiter übernimmt, sollte neben fachlichem Können auch soziale Kompetenz, Selbstreflexion, Kommunikationsfähigkeit und ein gewisses Maß an Menschlichkeit mitbringen. Genau diese Eigenschaften habe ich in meiner persönlichen Erfahrung leider zu oft vermisst.
Führung bedeutet nicht, dass Mitarbeiter aus Angst funktionieren, Kritik lieber für sich behalten und bei Krankheit um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Führung bedeutet, Probleme anzuhören, Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn die Kritik unbequem ist. Wer bei jeder kritischen Rückmeldung nur das Problem im Mitarbeiter sieht, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, ob nicht auch das eigene Führungsverhalten Teil des Problems ist.
Auch Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit sollten etwas wert sein. Frische Ideen und neue Perspektiven sind gut, aber sie ersetzen weder Lebenserfahrung noch die Fähigkeit, andere ernst zu nehmen. Man muss nicht alles wissen und schon gar nicht immer recht haben. Man sollte allerdings bereit sein, dazuzulernen und Menschen mit Respekt zu begegnen, die den Betrieb aus dem Arbeitsalltag kennen.
Es ist schon bemerkenswert, wie weit handwerkliche Auszeichnungen und gelebte Führungskultur auseinanderliegen können. Denn Brot kann man nach Rezept backen – Vertrauen, Motivation und Loyalität entstehen nicht auf Knopfdruck. Und wer sich als bester Bäcker Deutschlands feiern lassen kann, sollte vielleicht auch den Anspruch haben, ein Arbeitgeber zu sein, bei dem Menschen gerne arbeiten und langfristig bleiben möchten.
Ein Pokal im Regal ist ein schöner Erfolg. Eine Belegschaft, die dem eigenen Chef vertraut und sich wertgeschätzt fühlt, wäre allerdings auch eine Auszeichnung wert.
Verbesserungsvorschläge
Mein Verbesserungsvorschlag wäre, dass die Geschäftsführung vielleicht einmal damit anfängt, den eigenen Betrieb aus Sicht der Mitarbeiter zu betrachten, statt sich ausschließlich auf Zahlen, Vorgaben und ein schönes Firmenimage zu konzentrieren.
Ein Unternehmen besteht nicht nur aus Filialen, Umsätzen und Dienstplänen, sondern vor allem aus Menschen. Wer dauerhaft mit Personalmangel, Überstunden, fehlenden Pausen, hoher Arbeitsbelastung und ständigem Druck arbeitet, verliert irgendwann Motivation und Vertrauen. Wenn dann noch die Angst dazukommt, bei Krankheit oder einer kritischen Meinung den Arbeitsplatz zu verlieren, sollte man sich vielleicht nicht fragen, warum Mitarbeiter gehen, sondern warum sie überhaupt noch bleiben.
Auch bei der Kommunikation wäre weniger Einbahnstraße und mehr echtes Zuhören angebracht. Kritik ist nicht automatisch Illoyalität, und Mitarbeiter, die auf Probleme hinweisen, wollen nicht zwangsläufig Unruhe stiften. Oft kennen gerade diejenigen, die täglich im Betrieb arbeiten, die Schwachstellen am besten. Man müsste ihnen nur einmal ernsthaft zuhören, anstatt Probleme auszusitzen oder unter den Teppich zu kehren.
Versprechungen zu Lohnerhöhungen, besseren Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten sollten außerdem irgendwann umgesetzt werden. Große Worte motivieren vielleicht für einen kurzen Moment – dauerhaft zählen allerdings Taten. Wenn man trotz Ausbildung und Verantwortung teilweise beim Mindestlohn bleibt und sich über 20 oder 30 Cent mehr freuen soll, während zusätzliche Aufgaben selbstverständlich übernommen werden, darf man sich über fehlende Wertschätzung nicht wundern.
Und vielleicht sollte man bei der Besetzung von Führungspositionen nicht nur darauf achten, wer die besten Zahlen präsentieren kann, sondern auch darauf, wer Menschen führen, Konflikte lösen und Verantwortung übernehmen kann. Fachwissen und frische Ideen sind gut – Erfahrung, soziale Kompetenz und die Bereitschaft, von anderen zu lernen, sind allerdings ebenfalls keine schlechten Eigenschaften. Ein bisschen weniger Selbstüberschätzung und ein bisschen mehr Bodenständigkeit könnten hier durchaus helfen.
Mein Rat: weniger Hochglanz nach außen, weniger leere Versprechen und weniger Angstkultur im Inneren. Dafür faire Bezahlung, verlässliche Dienstplanung, eingehaltene Pausen, realistische Personalbesetzung, offene Kommunikation und ein respektvoller Umgang mit den Beschäftigten.
Denn Mitarbeiter sind keine austauschbaren Figuren, die man nach Belieben ersetzt, sobald sie unbequem werden. Wer ständig Menschen verliert und die verbleibenden immer weiter belastet, sollte vielleicht nicht nur die Mitarbeiter hinterfragen, sondern auch das eigene Führungsverständnis.
Ein gutes Unternehmen erkennt man nicht daran, wie perfekt es sich nach außen präsentiert, sondern daran, wie es mit den Menschen umgeht, die es jeden Tag am Laufen halten.
Arbeitsatmosphäre
Angst statt Wertschätzung – das scheint hier das Führungsprinzip zu sein. Bloß nicht krank werden, keine eigene Meinung haben und am besten unsichtbar bleiben. Wer nicht ins Bild passt, scheint schnell ersetzbar zu sein. Kündigungen gehören offenbar zum modernen Personalmanagement. Mitarbeiterbindung geht anders.
Image
Der Außenauftritt scheint bestens gepflegt zu sein – schließlich soll das Image stimmen. Nach außen präsentiert man sich als modernes Unternehmen, doch hinter den Kulissen sieht die Realität aus meiner persönlichen Erfahrung deutlich weniger glänzend aus. Große Versprechen, wenig spürbare Veränderungen und Probleme, die lieber unter den Teppich gekehrt werden, statt sie nachhaltig anzugehen. Ein gutes Image lässt sich eben leichter aufpolieren als eine Unternehmenskultur. Schade nur, dass die Mitarbeiter den Unterschied zwischen Werbung und Wirklichkeit täglich erleben. Hochglanz nach außen, Baustelle nach innen.
Work-Life-Balance
Zwischen Personalmangel, ständigem Druck und der Angst, krank zu werden, bleibt die Balance wohl auf der Strecke. Privatleben ist schön – solange es den Dienstplan nicht stört!
Karriere/Weiterbildung
Klingt toll in der Theorie! In der Praxis wartet man offenbar eher auf versprochene Verbesserungen, die genauso wenig eintreten wie echte Entwicklungsmöglichkeiten. Wer vorankommen möchte, sollte sich wohl lieber selbst darum kümmern. Aber keine Sorge: Neue Aufgaben und mehr Verantwortung gibt es reichlich – nur leider nicht unbedingt mehr Gehalt oder echte Aufstiegschancen. Karriereleiter? Eher Hamsterrad mit wechselnden Aufgaben.
Gehalt/Benefits
Eine abgeschlossene Ausbildung zu haben, ist offenbar kein Garant für eine angemessene Bezahlung – teilweise gibt’s Mindestlohn und das war’s. Lohnerhöhungen werden großzügig angekündigt, nur leider scheinen sie auf dem Weg zur Umsetzung regelmäßig verloren zu gehen. Und wenn dann doch etwas passiert, darf man sich über 20 bis 30 Cent mehr freuen. Die Versprechungen sind groß, die Ergebnisse eher überschaubar. Aber hey, immerhin gab es ein Gespräch darüber!
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Bei Nachhaltigkeit ist offenbar noch Luft nach oben. Während überall von Umweltbewusstsein gesprochen wird, landen täglich Lebensmittel im Müll, die noch genießbar wären. Nachhaltigkeit klingt eben gut auf dem Papier – bei der konsequenten Umsetzung wird’s dann schwieriger. Schade um die Lebensmittel und die Ressourcen, die darin stecken.
Kollegenzusammenhalt
Zusammenhalt? Gibt’s natürlich – solange alle stillhalten und keiner aneckt. Bei einem Klima aus Angst und Konkurrenz wird aus Kollegen schnell jeder zum Einzelkämpfer. Teamgeist lässt sich eben nicht per Dienstplan verordnen.
Umgang mit älteren Kollegen
Beim Umgang mit älteren Kollegen gibt es noch ordentlich Luft nach oben. Erfahrung und langjährige Betriebszugehörigkeit sollten eigentlich geschätzt werden. Stattdessen fragt man sich manchmal, welchen Stellenwert Mitarbeiter überhaupt haben, wenn sie nicht mehr ins aktuelle Personalkonzept passen. Wertschätzung kennt schließlich kein Alter – auch wenn das offenbar nicht überall angekommen ist.
Vorgesetztenverhalten
Führung durch Angst statt durch Respekt – das scheint hier das Motto zu sein. Wer krank wird, muss offenbar um seinen Arbeitsplatz bangen. Wer Kritik äußert oder eine eigene Meinung hat, sollte sich gut überlegen, ob er das wirklich tut. Wertschätzung, Verständnis und konstruktive Gespräche? Fehlanzeige.
Statt Probleme anzugehen, scheint es einfacher zu sein, Mitarbeiter auszutauschen. Kündigungen wirken dabei fast wie ein ganz normales Führungsinstrument. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit Ursachenforschung, fairer Kommunikation und einem respektvollen Umgang?
Mitarbeiter sind keine austauschbaren Figuren auf einem Schachbrett. Wer Loyalität, Einsatz und Motivation erwartet, sollte diese Werte selbst vorleben. Druck erzeugt vielleicht kurzfristig Gehorsam – aber ganz sicher keine gute Führung. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Führungsverständnis.
Arbeitsbedingungen
Überstunden gehören offenbar zum guten Ton, Pausen dagegen eher zur freiwilligen Freizeitgestaltung. Bei Personalmangel wird eben durchgezogen, schließlich muss der Laden laufen. Dass Menschen keine Maschinen sind und auch mal eine Pause brauchen, scheint im täglichen Betrieb gerne vergessen zu werden. Dazu Hitze, hoher Arbeitsdruck und immer mehr Aufgaben für immer weniger Mitarbeiter. Aber hey: Hauptsache, die Zahlen stimmen! Die Gesundheit und Belastbarkeit der Mitarbeiter sind schließlich keine unendliche Ressource.
Kommunikation
Kommunikation? Eher Einbahnstraße. Entscheidungen werden getroffen, Fragen und Kritik sind offenbar unerwünscht. Transparenz und offene Gespräche sucht man vergeblich – dafür erfährt man schnell, wenn man nicht ins Konzept passt.
Gleichberechtigung
5 Sterne – hier wird offenbar niemand benachteiligt. Schließlich kann man nicht gleich alle Mitarbeiter auf einmal vergraulen, irgendjemand muss die Arbeit am Ende ja noch erledigen. Gleichberechtigung scheint also zu funktionieren – beim Weggang darf offenbar jeder mitmachen.
Interessante Aufgaben
Absolut! Man lernt hier vor allem, wie man die Arbeit mehrerer Personen gleichzeitig erledigt. Bei der Personalpolitik, nach der offenbar regelmäßig Mitarbeiter gehen müssen, darf man schließlich kreativ werden und die Aufgaben gleich mit übernehmen. Wer braucht schon vernünftige Personalplanung, wenn die verbliebenen Mitarbeiter einfach noch mehr leisten können? Abwechslung ist garantiert – nur leider nicht unbedingt freiwillig.