Mehr Schein als Sein
Gut am Arbeitgeber finde ich
Positiv hervorzuheben sind das Gehalt, die Sozialleistungen sowie einzelne Benefits wie BKK, Parkplatz und Kantine. Diese Rahmenbedingungen waren insgesamt attraktiv.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Schlecht am Arbeitgeber fand ich vor allem die stark politischen Machtverhältnisse, die aus meiner Sicht dazu führten, dass Entscheidungen nicht immer sachlich oder fair, sondern häufig interessengeleitet getroffen wurden. Hinzu kamen ein ausgeprägter Top-down-Führungsstil, eine faktisch erwartete 40- bis 45-Stunden-Woche trotz 35-Stunden-Vertrag und Führungskräfte, die ihrer Rolle fachlich und menschlich nicht immer gewachsen wirkten.
Verbesserungsvorschläge
Weniger politische Machtspiele, mehr transparente Entscheidungen. Führung sollte stärker an Kompetenz, Fairness und Kommunikationsfähigkeit ausgerichtet sein statt an internen Loyalitäten. Zudem wäre es wichtig, vertraglich vereinbarte Arbeitszeiten tatsächlich zu respektieren, Weiterbildung ernsthaft zu fördern und eine Kultur zu schaffen, in der professionelle Zusammenarbeit wichtiger ist als informelle Lagerbildung.
Arbeitsatmosphäre
In meiner Abteilung herrschte ein stark belastendes Arbeitsumfeld, geprägt von hohem Druck, Perfektionsansprüchen und wenig Wertschätzung. Auffällig war zudem, dass Teilzeitkräfte (Mütter) bei Urlaubs- und Brückentagsregelungen aus meiner Sicht systematisch bevorzugt wurden. Als junge Frau in Vollzeit hatte ich den Eindruck, in dieser Kultur vor allem funktionieren zu müssen, statt fair unterstützt zu werden.
Image
Nach außen wirkt das Unternehmen modern, strukturiert und mitarbeiterorientiert. Im Inneren habe ich jedoch teils eine deutlich andere Realität erlebt. Für mich bestand hier eine spürbare Diskrepanz zwischen Außenwirkung und interner Kultur.
Work-Life-Balance
Die Work-Life-Balance existierte auf dem Papier, in der Praxis jedoch nur eingeschränkt. Offiziell galt eine 35-Stunden-Woche, tatsächlich wurde jedoch häufig deutlich mehr erwartet und indirekt auch eingefordert. Selbst wenn man während der Arbeitszeit einen Arzttermin wahrnehmen musste, wurde dies schnell negativ ausgelegt oder kritisch kommentiert. Wer zuverlässig seine vertragliche Arbeitszeit einhielt, wurde zudem als wenig motiviert oder nicht ausreichend committed wahrgenommen. Eine gesunde Abgrenzung wurde aus meiner Sicht nicht gefördert.
Karriere/Weiterbildung
Weiterbildung wurde aus meiner Sicht nicht ausreichend gefördert. Es fehlte entweder an Budget, an Priorisierung oder an echter Unterstützung, sodass Entwicklungsmöglichkeiten nur sehr eingeschränkt vorhanden waren. Wer sich fachlich weiterentwickeln wollte, erhielt dafür wenig Rückenwind.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt sowie die Sozialleistungen waren aus meiner Sicht fair und insgesamt ein klarer Pluspunkt. Gerade Zusatzleistungen und Benefits waren attraktiv und gehören zu den wenigen Bereichen, die ich ausdrücklich positiv hervorheben würde.
Kollegenzusammenhalt
Auch der Zusammenhalt war stark von der jeweiligen Abteilung abhängig. Es gab zwar Team-Events, diese wirkten jedoch eher wie Pflichtveranstaltungen als wie ernst gemeinte Angebote zur Förderung des Miteinanders. Der Eindruck von Gruppenzwang überwog für mich deutlich gegenüber echtem Teamgeist.
Umgang mit älteren Kollegen
Der Umgang mit älteren Kolleginnen und Kollegen wirkte insgesamt respektvoller als in anderen Bereichen. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass auch hier viel von der jeweiligen Abteilung und den persönlichen Beziehungen abhing.
Vorgesetztenverhalten
Das Führungsverhalten habe ich als stark von persönlichen Präferenzen und interner Politik geprägt erlebt. Fachliche und soziale Führungskompetenz schienen nicht immer ausschlaggebend dafür zu sein, wer Verantwortung erhielt. Empathie, Fairness und Klarheit im Umgang mit Mitarbeitenden kamen aus meiner Sicht zu kurz. Wer nicht ins gewünschte Bild passte, musste damit rechnen, spürbar benachteiligt oder subtil abgewertet zu werden. Führung wirkte de demnach eher politisch als kompetenzbasiert.
Arbeitsbedingungen
Wer hier nicht mehr als 40 Stunden arbeitet, trotz 35 Stunden Vertrag, der wird indirekt als faul abgestempelt, nicht engagiert und derjenige würde nur Dienst nach Vorschrift arbeiten.
Kommunikation
Die Kommunikation war aus meiner Sicht stark abteilungsabhängig, insgesamt jedoch wenig professionell. Statt einer sachlichen, respektvollen Zusammenarbeit wurde informeller Flurfunk und Lästern teilweise stillschweigend toleriert. Wer sich daran nicht beteiligte, lief Gefahr, sozial ausgegrenzt oder schief angesehen zu werden. Für ein professionelles Arbeitsumfeld ist das aus meiner Sicht inakzeptabel.
Gleichberechtigung
Aus meiner Sicht wurde Gleichbehandlung nicht durchgängig gelebt. Wie Mitarbeitende wahrgenommen und behandelt wurden, hing teilweise stärker von internen Dynamiken, Sympathien und Abteilungsstrukturen ab als von objektiven Kriterien. Das hinterließ bei mir nicht den Eindruck eines konsequent fairen Arbeitsumfelds.
Interessante Aufgaben
Die Aufgaben waren nur eingeschränkt interessant, da das Arbeitsumfeld vieles überschattet hat. Selbst potenziell spannende Tätigkeiten verlieren an Wert, wenn der Rahmen von Druck, Ungleichbehandlung und wenig professioneller Führung geprägt ist.

