Setzen Sechs! Sehr toxische Arbeitsatmosphäre
Arbeitsatmosphäre
Die Arbeitsatmosphäre ist äußerst toxisch und wirkt sich demotivierend auf nahezu alle Mitarbeiter aus. Kürzlich äußerte sich ein ehemaliger Kollege, der immer noch hier arbeitet, mit den Worten: “Hier hat niemand mehr Lust zu arbeiten.” Es herrscht ständig ein künstlicher Druck auf die Mitarbeiter, insbesondere während der Saison, als ob der bereits intensive Geschäftsdruck nicht ausreichen würde. Man fühlt sich als unfähig oder faul, da einem ständig gesagt wird, was zu tun ist – und das auf eine abgehobene und arrogante Art und Weise, als hätte man selbst keine Ahnung. Selbst wenn bei einer Bestellung etwas nicht funktioniert, muss man sich im Büro rechtfertigen, obwohl dies absolut nicht unter der eigenen Kontrolle liegt – zum Beispiel, wenn der Lieferant etwas falsch liefert.
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Die Firma hatte schlechte Presse, wegen Korruptionsvorwürfen. Der Spiegel berichtete sogar darüber. Das sollte eigentlich eine Genossenschaft sein, bei der die Produzenten Mitglieder sind, und ihre Produkte hier auf Kommission verkaufen sollen. Die Firma kauft aber seit Jahren Ware zu, um sie gewinnbringender, als es die Kommission erlaubt, weiter zu verkaufen, und macht so den eigenen Mitgliedern Konkurrenz im eigenen Haus. Das schadet den Mitgliedern, denn eigentlich sollten nur Waren zugekauft werden, die über die Mitglieder Produzenten nicht zu bekommen sind, daran wird sich aber nicht gehalten und dem Geschäft der eigenen Mitglieder geschadet. Das führte dazu, das schon einige große und alte Lieferanten ihre Mitgliedschaft gekündigt haben. Außerdem funktioniert der Zukauf sowieso nicht, denn es werden seit Beginn die selben Fehler gemacht, jedes Jahr. Wird immer zu viel bestellt und daher zu viel vernichtet. Daraus wird nichts gelernt. In jeder anderen Firma, würde man bei so einer Geschaftspraktik längst rausfliegen, als verantwortlicher. Nicht aber bei Landgard. Da fliegen die kleinen Fliegen raus...
Work-Life-Balance
In der Saison gehört man praktisch der Firma. Jahrzehntelang wurde die Arbeitszeit auf illegale Weise festgelegt. Manche Mitarbeiter mussten bis zu 14 Tage am Stück arbeiten. Dies wurde durch gefälschte Stechzeiten vertuscht – samstags war die Stechuhr immer “defekt”. Die Arbeitszeiten wurden manuell auf andere Tage verteilt. Dabei wurde potenzieller Versicherungsbetrug in Kauf genommen: Wenn sich ein Mitarbeiter auf der Arbeit verletzte, ohne die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten, müsste er selbst die Behandlungskosten tragen, wenn das bekannt würde. Dieser Missstand wurde erst gestoppt, nachdem der Betriebsrat davon Kenntnis erhielt – nach Jahrzehnten des Schweigens. Auch die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn am nächsten Tag wurde oft nicht beachtet. Heutzutage (2022) ist die Situation insgesamt besser: Die Öffnungszeiten während der Saison sind nicht mehr so lang, da festgestellt wurde, dass der Umsatz auch bei kürzeren Öffnungszeiten gleich bleibt. Außerhalb der Saison gibt es nicht viel zu tun, und daher sollten die Überstunden, die während der Saison angesammelt wurden, abgebaut werden.
Kollegenzusammenhalt
Das kommt darauf an. Manchmal ist es in Ordnung, aber oft wird es durch die insgesamt toxische Arbeitsatmosphäre überschattet. Dadurch entstehen hin und wieder Reibereien, die wahrscheinlich sonst nicht stattfinden würden.
Umgang mit älteren Kollegen
Wird man älter und körperlich nicht mehr so fit, wird man angehalten das Unternehmen zu verlassen, es sei denn man hat ein Bürojob. Hier baut auch die "Human Resources", ("Menschliche" Ressourcen, das passt zum Unternehmen) Abteilung aus der Zentrale, Druck auf. Er wird versucht durch Abfindungsangebote ältere Mitarbeiter loszuwerden, oder in Frührente zu schicken, oder diejenige, die körperliche Beschwerden haben. Diese ergeben sich bei der oft anstrengenden Arbeit hier zwangsläufig, nach Jahren im Unternehmen. Gehen die Mitarbeiter darauf nicht ein, wird hier besonderer Druck aufgebaut.
Vorgesetztenverhalten
Die Kommunikation von Vorgesetzten zu Untergebenen ist geprägt von äußerst arrogantem Auftreten. Als Mitarbeiter fühlt man sich oft, als hätte man keine Ahnung, wie die Arbeit zu verrichten ist. Man wird regelrecht zur unmündigen Person degradiert. Dieses Gefühl trifft auf alle Mitarbeiter zu, unabhängig davon, ob es sich um einen Einkäufer oder einen Lagerleiter handelt. Die Art und Weise, wie die “Kommunikation” stattfindet, ist entwürdigend und extrem. Oft werden utopische Erwartungen gestellt. Die meisten Mitarbeiter halten still, aber diejenigen, die das nicht tun, riskieren mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Job.
Arbeitsbedingungen
Kalt, warm, feucht, den ganzen Tag auf den Beinen (Außer Einkäufer und bei Bürotätigkeiten), kein "Spaß für die ganze Familie", mit Sicherheit.
Dazu muss man Regelmäßig körperlich harte Arbeit verrichten, wie CC Container stapeln. Auch Schmutzige Arbeit ist an Tagesordnung, wie Kompost entsorgen. Kollegen mit kaputten Knien oder Rücken werden angehalten die Firma zu verlassen. Es gibt kein Kassenpersonal im klassischen Sinne. In der Saison fehlt überall Personal. Da an der Kasse kein Personal vorhanden ist, das die Ware scannt, müssen das andere Mitarbeiter übernehmen, die dann von ihrer eigentlichen Arbeit abgezogen werden. Das nimmt so überhand, dass eigentliche Arbeit liegen bleibt und absolutes Chaos herrscht. Wareneingangskontrollen morgens um 4 Uhr, auch hier werden ständig Mitarbeiter eingeplant, morgens ab 4 oder 5 Uhr in der Warenannahme Ware zu kontrollieren oder Leergut zu zählen. Dann wird erwartet, trotzdem normal Feierabend zu machen oder sogar später. Heißt, zum Teil 10-12 Stunden Schichten oder mehr. Überstunden ohne Ende in der Saison. Urlaubssperren über fast ein halbes Jahr, insgesamt. Wer in der Saison krank wird, darf sich anschließend Befragungen aussetzen.
Gleichberechtigung
Bei mir haben sich Kolleginnen regelmäßig darüber beschwert, dass sie sich benachteiligt fühlen und sich ein wenig in die 50er Jahre zurückversetzt vorkommen. Wenn nicht viel Arbeit zu verrichten ist, werden die Frauen zum Putzen und zum Entfernen von Spinnweben geschickt.

