Junges Unternehmen mit Entwicklungspotenzial, aber professionellen Nachholbedarf
Gut am Arbeitgeber finde ich
Das Unternehmen zeigt sich sehr flexibel in Bezug auf Home Office. In verschiedenen Situationen, wie bei einem Handwerkerbesuch oder einer leichten Erkältung, wurde es problemlos ermöglicht, von zu Hause aus zu arbeiten. Diese Flexibilität empfand ich als positiv, da sie es ermöglichte, Arbeit und private Angelegenheiten gut miteinander zu vereinbaren.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Leider erhielt ich während meiner Feedbackgespräche keine klaren Hinweise darauf, warum meine Anstellung nicht über die Probezeit hinaus fortgeführt wurde. Diese fehlende Transparenz empfand ich als enttäuschend, da mir keine konkreten Gründe mitgeteilt wurden, um mich weiter zu verbessern oder an den Erwartungen zu arbeiten und lediglich gesagt wurde, dass die mich nicht in der Branche sehen.
Des Weiteren habe ich den Eindruck, dass die zuvor veröffentlichten positiven Kununu-Bewertungen möglicherweise von denen selbst verfasst wurden, um ein verzerrtes Bild zu vermitteln und ehrliche Bewertungen wie meine zu verschleiern.
Verbesserungsvorschläge
Schon in der Stellenausschreibung sowie im Bewerbungsverfahren wurden verschiedene Benefits wie das Deutschlandticket, Workation und individuell wählbare Zusatzleistungen angekündigt. Leider wurden diese Versprechen während meiner gesamten Probezeit nicht umgesetzt. Auch als ich vermehrt nach dem Deutschlandticket fragte, damit ich mit der Bahn zur Arbeit kommen kann, gab es keine konkrete Umsetzung. Ich hoffe, dass das Unternehmen in Zukunft seinen Mitarbeitenden die versprochenen Benefits auch tatsächlich bietet, um die Erwartungen und das Vertrauen der Mitarbeitenden zu erfüllen.
Arbeitsatmosphäre
Die allgemeine Stimmung im Team war freundlich und kollegial. Besonders unter den Projektleitungen gab es einen offenen und angenehmen Austausch, sei es morgens im Büro oder während der Mittagspause. Sobald das Führungsteam anwesend war, veränderte sich die Atmosphäre jedoch spürbar – Gespräche verstummten, und es wurde sehr still. Diese Ruhe wirkte auf mich oft eher angespannt als konzentriert und hat das sonst entspannte Miteinander ein Stück weit eingeschränkt.
Work-Life-Balance
Die Arbeitszeiten waren fair geregelt, und es wurde ermöglicht, die vertraglich vereinbarten 40 Stunden einzuhalten, ohne regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Das empfand ich als positiv im Hinblick auf die Work-Life-Balance.
Kritisch sehe ich den Umgang mit der Urlaubsplanung: Trotz mehrfacher Hinweise in Feedbackgesprächen über einen Zeitraum von mehreren Monaten wurde mein Urlaub im Zeiterfassungssystem nicht hinterlegt. Dadurch war ich gezwungen, meine Urlaubstage manuell zu dokumentieren und selbst zu prüfen, ob meine geplante Auszeit – insbesondere der Sommerurlaub – im Rahmen meines Urlaubsanspruchs lag. Das war besonders herausfordernd, da eine frühzeitige Urlaubsplanung erwartet wurde, ohne dass eine verlässliche Übersicht zur Verfügung stand.
Kollegenzusammenhalt
Unter den Projektleitungen sowie mit den externen Kolleg*innen herrschte eine sehr angenehme und kollegiale Stimmung, in der ich mich durchweg wohlgefühlt habe.
Vorgesetztenverhalten
Im Bewerbungsprozess wurde die Möglichkeit von Workation als ein attraktiver Bestandteil der Unternehmenskultur betont – zum Beispiel eine gemeinsame Reise ins Warme im Frühjahr, etwa nach Zypern. Ich empfand diese Aussicht als motivierend.
Im weiteren Verlauf stellte sich jedoch heraus, dass solche Reisen aus Kostengründen nicht mehr realistisch seien. Stattdessen wurden Alternativen wie eine Woche im Norden Deutschlands oder in Nachbarländern diskutiert, was für mich grundsätzlich ebenfalls in Ordnung gewesen wäre. Allerdings wurde diese Option dann stark eingeschränkt – etwa auf eine Sommerwoche, da nur dann gutes Wetter in den Ländern gegeben ist. Später wurde ein Kompromiss angedeutet: ein kürzerer Trip im Herbst in ein wärmeres Land übers Wochenende.
Vor diesem Hintergrund wirkte es auf mich irritierend, als ich erfuhr, dass die Geschäftsführung im Frühjahr dennoch gemeinsam von Zypern aus arbeitete. Das stand für mich im Kontrast zu der zuvor kommunizierten Haltung gegenüber dem Team und hinterließ einen widersprüchlichen Eindruck.
Arbeitsbedingungen
Zum damaligen Zeitpunkt gehörten wir zwei Projektleiter zu den ersten festangestellten Mitarbeitenden. Insgesamt arbeiteten fünf Personen im Büro: Der Vertrieb nutzte einen Raum allein, während wir zwei Projektleiter gemeinsam mit der Geschäftsführung in einem zweiten, kleinen Raum saßen.
Für Meetings wurde meist der Vertriebsraum genutzt, was häufig mit Störungen durch parallele Telefonate verbunden war. Auch im gemeinsamen Raum war konzentriertes Arbeiten gelegentlich schwierig, wenn laut gesprochen oder Darts gespielt wurde. Die räumlichen Gegebenheiten wirkten sich daher teils negativ auf die Arbeitsruhe aus.
Die Mittagspausen empfand ich oft als wenig gemeinschaftlich. Obwohl es im Gebäude eine Kantine gab, wurde diese nicht aktiv genutzt – aufgrund zusätzlicher Kosten. Die Geschäftsführung nahm ihre Mittagspause in der Regel allein am Schreibtisch ein. Ich selbst habe, wenn möglich, gerne mit einem Kollegen im Besprechungsraum gegessen, um etwas Austausch zu haben. War dieser Raum durch ein Meeting belegt, blieb als einzige Option, allein am eigenen Platz zu essen.
Kommunikation
Zu Beginn hatte ich den Eindruck, dass die Kommunikation in einem jungen Unternehmen offen und locker sein würde. Tatsächlich waren alle Kolleg*innen im Team freundlich und hilfsbereit, besonders während des Onboardings. In der Probezeit wurde angekündigt, dass es monatliche Feedbackgespräche geben würde, um den individuellen Lernfortschritt zu begleiten.
Diese Gespräche fanden auch statt und verliefen insgesamt konstruktiv. Es wurde mehrfach betont, dass Quereinsteiger willkommen seien und es etwa sechs Monate dauere, bis man sich in die Themen eingearbeitet habe – und rund ein Jahr, bis man wirklich sicher in seiner Rolle sei. Ich erhielt in den Gesprächen positives Feedback zu meiner Selbstreflexion und meinem Potenzial im Projektmanagement. Man sprach mir sogar zu, dass ich perspektivisch größere Projektverantwortung übernehmen könnte als der einzige andere, der vor mir begonnen hatten.
Trotz dieser positiven Rückmeldungen wurde ich überraschend zwei Wochen vor Ende der Probezeit mit der Begründung, die sehen mich nicht in der Branche, entlassen. Diese Entscheidung kam für mich unerwartet und ließ sich für mich nicht mit dem bisherigen Feedback in Einklang bringen.
Gleichberechtigung
Das Gehalt war im Projektteam einheitlich geregelt, unabhängig vom Geschlecht – das habe ich als positives Zeichen für Gleichbehandlung wahrgenommen.
Gleichzeitig hatte ich im Arbeitsalltag als einzige weibliche Angestellte wiederholt das Gefühl, dass es im Umgang der Geschäftsführung mit mir gewisse Spannungen oder Unsicherheiten gab. Dieses Gefühl entstand weniger durch konkrete Aussagen, sondern eher durch subtile Verhaltensweisen, die sich schwer greifen lassen, für mich aber spürbar waren.
Rückblickend hat sich dieser Eindruck für mich verstärkt, als ich kurz vor Ende meiner Probezeit entlassen wurde und kurz vorher ein männlicher Kollege auf meine Position folgte. Auch wenn solche Personalentscheidungen viele Gründe haben können, hat es für mich ein gewisses Ungleichgewicht im Erleben abgerundet.