Führung, Macht und Kontrolle
Arbeitsatmosphäre
Der Träger arbeitet stark mit der Schürung von Ängsten. Mitarbeitende werden teilweise bewusst öffentlich kritisiert, gar niedergemacht oder im Gegensatz dazu besonders positiv hervorgehoben. Dadurch wird demonstriert, wer am längeren Hebel sitzt und zugleich ein Konkurrenzverhalten unter den Mitarbeitenden gefördert.
Ein Vertrauensverhältnis kann nicht aufgebaut werden, da Mitarbeitende überwiegend kontrolliert werden (ausgebildete Fachkräfte müssen beispielsweise ihre Emails an Jugendämter und Vormünder absegnen lassen, auch in dringenden Fällen).
Anforderungen sind teilweise widersprüchlich, daher kann die Arbeit nicht gerecht erledigt werden. Diesbezügliche Kritik sorgt für ein Gefühl der Unsicherheit und behindert eine angemessene Weiterentwicklung.
Image
Um das Außenbild zu wahren, werden Fehler vertuscht und die Realität anders dargestellt. Das Image bei den Mitarbeitenden ist zunehmend negativ.
Work-Life-Balance
Grundsätzlich liegt es an jeder Person selbst, wie sie ihre Freizeit gestaltet. Eine tatsächliche Erholung ist jedoch nur bei ausreichendem Schlaf und guter Gesundheit möglich. Dennoch kommt es regelmäßig vor, dass bis spät in die Nacht gearbeitet wird. Wird dies angesprochen, etwa um Überstunden geltend zu machen, wird häufig auf das eigene Zeitmanagement verwiesen. Arbeitszeiten bis 0 Uhr gelten dabei offenbar durch Nachtzuschläge zwischen 4 und 6 Uhr als abgegolten.
Maßnahmen zur grundsätzlichen Reduzierung der Arbeitsüberlastung bleiben aus. Stattdessen wird vorausgesetzt, dass Mitarbeitende bis in die Nacht arbeiten und bereits ab 6 Uhr wieder zur Verfügung stehen. Bei teilweise nur vier Stunden Schlaf während eines 24-Stunden-Dienstes ist es wenig verwunderlich, dass das Privatleben zu kurz kommt.
Zudem wird wiederholt betont, dass Mitarbeitende auch an ihren freien Tagen kurzfristig Dienste übernehmen und innerhalb weniger Stunden in der Einrichtung sein müssen. Dies scheint aus Sicht der Leitung auch ohne Vergütung einer Rufbereitschaft zu gelten. Die wiederholte Betonung erzeugt den Eindruck, dass es sich negativ auswirken könnte, wenn man nicht einspringt.
Karriere/Weiterbildung
Durch externe Weiterbildungen, die vom Arbeitgeber finanziert werden, bindet man sich für bestimmte Zeit an ihn. Die internen Fortbildungen enthalten teilweise falsche Informationen oder Aussagen werden kontextlos eingebaut, wodurch gefährliches Halbwissen verbreitet wird.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist vergleichsweise relativ gut. Gleichzeitig sind es insbesondere die vielen ausgezahlten Überstunden, die das Gehalt anheben.
Kollegenzusammenhalt
Eine gute Menschenkenntnis ist von Vorteil.
Vorgesetztenverhalten
Akute Krankheitsfälle oder sogar Todesfälle im privaten Umfeld werden von der Fachbereichsleitung offenbar nicht als ausreichender Grund anerkannt, einen Dienst vorzeitig zu verlassen. Eine solche Haltung und entsprechende Aussagen tragen zu einem von Angst geprägten Arbeitsklima bei.
Von den Mitarbeitenden wird erwartet, private Belastungen und negative Emotionen im Arbeitsalltag vollständig zurückzuhalten, da die Kinder dafür keine Verantwortung tragen. Gleichzeitig reagieren Geschäftsführung und Fachbereichsleitung auf Kritik jedoch häufig selbst emotional und unangemessen. Die Geschäftsführung vermittelt dabei teilweise den Eindruck eines „Wie du mir, so ich dir“-Verhaltens, während die Fachbereichsleitung laut, respektlos und vulgär reagiert. Mitarbeitende werden offenbar gelegentlich als Ventil für schlechte Stimmung genutzt, im Nachgang wird dieses Verhalten durch die Geschäftsführung geschützt.
Kommunikation
Die Kommunikation funktioniert auf keiner Ebene zufriedenstellend. Innerhalb der Teams wird Kritik häufig an die Teamleitungen weitergegeben, anstatt den direkten Austausch mit den betreffenden Kolleg*innen zu suchen. Auch in Mitarbeiter- und/oder Personalgesprächen bleibt auf Nachfrage oft unklar, von wem bestimmte Kritikpunkte ursprünglich stammen. Die Teamleitung verweist auf die Fachbereichsleitung oder Geschäftsführung, während diese wiederum auf die Teamleitung verweist.
Kritik wird teilweise erst Wochen später geäußert, sodass eine angemessene Reflexion kaum noch möglich ist, da die jeweilige Situation nicht zeitnah aufgearbeitet wurde. Zudem wird nur selten aktiv nach der eigenen Meinung gefragt. Informationen, die an Führungskräfte herangetragen wurden, werden häufig als feststehende Wahrheit dargestellt und nicht weiter diskutiert.
Die Äußerung einer eigenen Meinung scheint teilweise unerwünscht zu sein. Das Hinterfragen von Vorgängen wird als persönliche Kritik oder sogar als Übergriffigkeit bewertet. Obwohl der sogenannte „Buschfunk“ offiziell nicht gewünscht ist, wird er dennoch genutzt, um direkte Mitteilungen und Gespräche zu vermeiden.
Interessante Aufgaben
Die individuellen Fälle, Interaktion mit den verschiedenen Schnittstellen, Elternarbeit, Hausarbeit und Freizeitgestaltung spiegeln den abwechslungsreichen Alltag wieder. Trotz Struktur ist jeder Tag anders.
Aufgrund des zum Teil selbst verursachten Personalmangels, stapeln sich die Aufgaben, sodass das Abarbeiten regelmäßig zu einem Marathon bis in die Nacht ausartet.