Respektlos
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich habe 2023 in diesem Hotel meine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen. Bereits vor Ausbildungsbeginn hatte ich dort ein Praktikum gemacht. In meinem damaligen Gespräch mit der Chefin sagte sie zu mir: „Ich glaube zwar nicht, dass du das schaffen wirst, aber wir versuchen es.“ Ich war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt. Dieser Satz ist mir leider über die gesamten drei Jahre im Kopf geblieben.
Nach drei Jahren habe ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Die Reaktion darauf war lediglich ein „Toll“ mit einem ironischen Gesichtsausdruck. In den gesamten drei Jahren habe ich vielleicht drei Sätze mit der Chefin gewechselt – und diese waren ausschließlich negativ. Selbst ein einfaches „Hallo“ kam von ihr selten, wenn ich beispielsweise alleine an der Rezeption gearbeitet habe. Ein normales, respektvolles Gespräch war scheinbar nur möglich, wenn man im Büro gearbeitet hat.
Als ich ihr später erzählt habe, dass ich nach meiner Ausbildung in einem anderen Hotel im Service weiterarbeiten werde, fragte sie mich nur mit einem ironischen Gesichtsausdruck: „Da hast du Lust zu?“ Ich war ehrlich gesagt ziemlich geschockt über diese Frage. Nach drei Jahren Ausbildung und erfolgreich bestandener Prüfung hätte ich mir eher Anerkennung oder zumindest ein paar positive Worte gewünscht. Stattdessen hatte ich erneut das Gefühl, dass meine Entscheidung und meine Arbeit nicht ernst genommen werden.
Leider hatte ich nicht den Eindruck, dass es nur mir so ging. Auch Kollegen haben sich immer wieder über das Arbeitsklima und den Umgang untereinander beschwert. Eine Kollegin wurde meiner Wahrnehmung nach regelrecht aus dem Team gedrängt. Sie hat mehrfach versucht, ihre Probleme und Sorgen anzusprechen, fühlte sich damit aber nicht ernst genommen und hat letztendlich gekündigt.
Generell war das Arbeitsklima für mich sehr unangenehm. Es fühlte sich nicht wie ein Team an. Teilweise wurde hinter dem Rücken über Kollegen geredet und Mitarbeiter wurden als „inkompetent“ bezeichnet. Gerade als Auszubildende hatte man dadurch irgendwann Angst, Fragen zu stellen. Wenn man nach zwei Wochen an der Rezeption noch nicht alles perfekt konnte, hatte man schnell das Gefühl, inkompetent zu sein – obwohl genau dafür eine Ausbildung da ist: um zu lernen.
Auch bei anderen Kollegen habe ich Situationen erlebt, die ich sehr problematisch fand. Ein Kollege wurde beispielsweise fast ausschließlich im Housekeeping eingesetzt, weil hinter seinem Rücken gesagt wurde, dass ihn keine andere Abteilung haben wolle, da er angeblich nichts könne. Solche Aussagen finde ich gerade gegenüber Auszubildenden und jungen Mitarbeitern absolut unangebracht.
Auch nach meiner Ausbildung hatte ich noch eine Situation, die mir gezeigt hat, wie dort mit ehemaligen Mitarbeitern umgegangen wird. Als ich mich in einem anderen Haus beworben habe, wurde dort offenbar bei meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb angerufen. Nach meiner Wahrnehmung wurde davon abgeraten, mich einzustellen. Im Nachhinein war das für mich allerdings kein Verlust.
Denn heute arbeite ich in einem anderen Hotel und habe den direkten Vergleich. Dort erlebe ich, wie ein respektvoller Umgang tatsächlich aussehen kann: Die Kollegen halten zusammen, man begrüßt sich, man kann Fragen stellen, ohne Angst haben zu müssen, als inkompetent dargestellt zu werden, und die Führungskräfte sind ansprechbar und helfen einem gerne.
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass nicht die Hotellerie oder der Beruf das Problem war, sondern für mich ganz klar das Arbeitsklima und der Umgang mit den Mitarbeitern in diesem Betrieb.
Mein Fazit: Ich bin froh, meine Ausbildung dort abgeschlossen zu haben, würde diesen Betrieb aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen aber nicht als Ausbildungs- oder Arbeitsplatz empfehlen.
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