Ein Appell zur Veränderung
Gut am Arbeitgeber finde ich
Die Kantine ist preislich fair – gerade mittags eine willkommene Entlastung.
Das Sommerfest und die Weihnachtsfeier sind jedes Jahr schön organisiert und zeigen, dass das Unternehmen durchaus Wert auf gemeinsame Erlebnisse legt. Auch die Parkplatzsituation ist – im Gegensatz zu vielen anderen Firmen – absolut entspannt, selbst bei voller Anwesenheit. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass sich Gehälter und Tariferhöhungen an den Vorgaben der IG Metall orientieren – das schafft Transparenz und Fairness im Vergleich zum Markt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Ich arbeite nun seit einigen Jahren bei Leuze Electronic und habe in dieser Zeit viele positive Aspekte des Unternehmens erlebt – jedoch gibt es immer mehr Entwicklungen, die mich und viele meiner Kollegen enttäuschen und frustrieren. Ich möchte hier die wichtigsten Punkte ansprechen, die das Unternehmen dringend in Angriff nehmen sollte.
Homeoffice-Regelungen und Arbeitsplatzflexibilität:
Zu Beginn meiner Anstellung wurden klare Homeoffice-Regelungen festgelegt, die für mich und viele meiner Kollegen ein wesentlicher Teil der Arbeitszufriedenheit waren. Jedoch wurde vor kurzem in sogenannten „Coffee Talks“ klargestellt, dass Homeoffice nur noch in Ausnahmefällen möglich sei und der primäre Arbeitsort in Owen sein soll. Die Entscheidung, die Heimarbeit massiv zu reduzieren, wurde ohne Rücksicht auf die Argumente der Mitarbeiter getroffen. Dies sorgt für viel Unmut und senkt die allgemeine Motivation und Zufriedenheit.
Mitarbeiterstruktur und Unternehmenskultur:
Es gab kürzlich eine Reihe von Entlassungen, vor allem jüngere, talentierte Mitarbeitende wurden gekündigt, während viele ältere, weniger motivierte Kollegen geblieben sind. Dies führt zu einer stagnierenden Unternehmenskultur, in der das Potenzial für Innovation und Weiterentwicklung nicht genutzt wird. Statt einer Kultur des offenen Dialogs und der Zusammenarbeit, dominieren zunehmend Hierarchien und der Fokus auf Anwesenheit, nicht auf Ergebnissen.
Arbeitsumfeld und Büros:
Die Großraumbüros sind laut und wenig ansprechend gestaltet. Das ständige Meckern und die Unzufriedenheit vieler Mitarbeitenden tragen nicht zu einer produktiven Arbeitsatmosphäre bei. Besonders auffällig ist, dass sich viele Kollegen gestört fühlen, Besprechungsräume sind ständig belegt und lange Meetings müssen am Arbeitsplatz gemacht werden. Meetings werden teilweise digital abgehalten, obwohl alle Teilnehmer im Gebäude sind --> Beweist wieder, dass mobiles Arbeiten bei Leuze funktioniert.
Der allgemeine Unmut über das Arbeitsumfeld wirkt sich negativ auf die Arbeitsmotivation und die Zufriedenheit aus.
Arbeitsweg und Work-Life-Balance:
Viele Mitarbeitende haben lange Arbeitswege, und die Straßen nach Owen sind ständig überlastet. Dies führt zu noch mehr Stau und Belastung – insbesondere bei der Forderung, regelmäßig ins Büro zu fahren. Es ist kaum nachvollziehbar, warum die Führungsebene an diesem antiquierten Modell festhält und nicht stärker auf flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortlösungen setzt. Die Work-Life-Balance leidet deutlich.
Neue Mitarbeitende haben bei der Wahl des Arbeitgebers auch die Wegstrecke im Verhältnis zu den (damalig gültigen) Anwensenheitstagen gesetzt. Dies nachträglich und so kurzfristig zu ändern ist gegenüber diesen Kollegen unfair.
Zukunftsfähigkeit und digitale Transformation:
Das Unternehmen zeigt sich wenig zukunftsorientiert, besonders im Hinblick auf die digitale Transformation. Die Nutzung von KI und anderen digitalen Tools wird gewünscht, ohne dass die notwendige Schulung und Weiterbildung der Mitarbeitenden in diesem Bereich angeboten wird. Eine gesetzlich vorgeschriebene Schulung zum Thema KI hat noch nicht stattgefunden, was ein weiteres Beispiel dafür ist, wie unvorbereitet das Unternehmen auf die Herausforderungen der Zukunft ist.
Verbesserungsvorschläge
Leuze Electronic hat grundsätzlich das Potenzial, ein moderner und zukunftsorientierter Arbeitgeber zu sein. Doch anstatt mit der Zeit zu gehen und die Chancen der hybriden Arbeitswelt zu nutzen, setzt das Unternehmen auf Rückschritt und Kontrolle. Während andere Unternehmen auf flexible Modelle wie Workation, Remote Leadership, Flexible Workspaces, Walk & Talk-Meetings oder asynchrone Zusammenarbeit setzen, wird hier weiterhin die Präsenz im Großraumbüro glorifiziert – als sei das Jahr 1999.
Es fehlt an Vertrauen, an echter Mitarbeiterorientierung und an Mut zur Veränderung. Wer heute noch glaubt, durch Pflichtanwesenheit und Parkplatzkontrollen Innovationskraft zu fördern, der wird auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft mit dem Standort Owen keine Talente mehr gewinnen – geschweige denn halten. Hybride Führung bedeutet nicht, Mitarbeitende zu verwalten, sondern sie individuell zu begleiten, klare Ziele zu definieren und moderne Tools sinnvoll einzusetzen. Genau hier bleibt Leuze deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Liebe Geschäftsführung: Wer Ergebnisse will, muss loslassen können. Wer Vertrauen schenkt, bekommt Engagement zurück. Und wer modernes Arbeiten versteht, braucht keine Coffee Talks zur Durchsetzung unpopulärer Entscheidungen.

