Hohe Fluktuation ist niemals ein Zufall
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Seit der Übernahme durch die aktuelle Geschäftsführung ist die Fluktuation massiv gestiegen, zahlreiche Kunden haben die Zusammenarbeit ebenfalls beendet. Die daraus resultierende wirtschaftliche Schieflage führte dazu, dass zum Jahresende mehrere Mitarbeitende entlassen wurden.Wirtschaftliche Fehlentscheidungen sind nicht das Kernproblem - fehlendes Verantwortungsbewusstsein sowie der Umgang mit den Mitarbeitenden hingegen sehr wohl.
Verbesserungsvorschläge
Nachhaltige Unternehmensführung setzt geschultes Führungspersonal, insbesondere in den Bereichen Empathie und emotionale Kompetenz, sowie eine handlungsfähige HR voraus. Hinweise auf Fehlverhalten von Führungskräften sollten ernst genommen und nachvollziehbar bearbeitet werden. Ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitenden ist dabei grundlegend, da mangelnde Wertschätzung und ein belastendes Arbeitsklima Motivation, Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Ergebnisse beeinträchtigen können.Da ein Arbeitsplatz für viele Menschen sowohl finanziell als auch emotional von zentraler Bedeutung ist, kommt Führungskräften hierbei eine besondere Verantwortung zu.Wünschenswert wäre eine Arbeitswelt, in der Führungspositionen von geschulten, empathischen und verantwortungsbewussten Personen ausgefüllt werden, die das Wohl der Mitarbeitenden über persönliche Interessen stellen und Führung nicht als Machtausübung, sondern als Verpflichtung verstehen.
Image
Das Verhalten der neuen Geschäftsführung hat das Unternehmensimage spürbar beeinträchtigt. Sowohl ehemalige als auch aktuell beschäftigte Mitarbeitende tragen ihre Erfahrungen nach außen, und die hohe Fluktuation ist für Kunden und externe Beobachter längst sichtbar. Insgesamt wirkt das aktuelle Führungsverhalten imageschädigend.
Work-Life-Balance
Mitarbeitende werden inzwischen wieder verpflichtend von Montag bis Mittwoch ins Büro bestellt. Gleichzeitig fehlt eine regelkonforme Arbeitszeiterfassung; zeitweise erfolgte Anwesenheitskontrolle über manuelle Strichlisten durch die PR-Leitung und Linemanager. Dieses Verständnis von Präsenzkultur steht im Widerspruch zu modernen Arbeitsmodellen. Mangelnde Flexibilität und erhöhte Kontrolle wirken sich spürbar auf Motivation und Zufriedenheit aus, insbesondere bei jüngeren Mitarbeitenden, für die zeitgemäße Work-Life-Balance ein zentrales Kriterium ist.
Kollegenzusammenhalt
Früher war der Kollegenzusammenhalt sehr gut: Unterstützend und freundschaftlich. Seit der Übernahme durch das neue Management hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert. Mitarbeitende kümmern sich zunehmend nur noch um sich selbst, opportunistisches Verhalten von von Einzelnen wird belohnt, Zivilcourage oder offener Widerspruch sind kaum noch zu beobachten. Vor allem Kollegen, die bereits länger dabei sind, einen neuen Titel erhalten haben und sich eigentlich für andere Kollegen einsetzen könnten, halten sich zurück und schauen weg. Remote arbeitende Kolleg:innen sind von dieser Entwicklung eigentlich gar nicht betroffen und halten sich entsprechend im Arbeitsalltag stärker zurück. Die hohe Fluktuation ist natürlich ebenfalls eine große Belastung für das Team.
Vorgesetztenverhalten
Nach der Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen wurde ein neuer Geschäftsführer eingesetzt, der im Arbeitsalltag kaum Beziehung zu seinen Mitarbeitenden aufbaut. Abweichende Meinungen werden wiederholt pauschal als „Flurfunk“ oder „negative Stimmungsmache“ eingeordnet, anstatt inhaltlich aufgegriffen zu werden. Eine erkennbare Selbstreflexion oder Auseinandersetzung mit dem eigenen Führungsverhalten findet nicht statt.Besonders problematisch ist das Verhalten der PR-Leitung. Der Führungsstil ist stark von Micromanagement geprägt, fachliche Entscheidungen werden häufig emotional statt sachlich getroffen. Zudem zeigt sich ein wiederkehrendes Muster unverhältnismäßiger Kontrolle und Kritik gegenüber hierarchisch unterstellten Mitarbeitenden. In der internen Kommunikation fehlt es spürbar an professioneller Distanz und Führungsreife; Kolleginnen werden in informellen Gesprächen abgewertet und ihre Arbeit relativiert. Das Kommunikationsniveau erinnert dabei eher an Schulhof-Dynamiken als an professionelle Unternehmensführung und trägt nachhaltig zu einem Klima von Unsicherheit, Misstrauen und emotionaler Belastung bei.
Arbeitsbedingungen
Über Jahre arbeitete das Team in einer umfunktionierten Altbauwohnung, die weder räumlich noch hygienisch für die Anzahl der Mitarbeitenden ausreichte; Platzmangel und ungetrennte, überlastete Toiletten bestimmten den Alltag. Sogar das Gewerbeaufsichtsamt wies auf bestehende Mängel hin.Im Januar zog das Unternehmen trotz der vorangegangen Kündigungen in ein Großraumbüro um, das äußerlich moderner wirkt, in dem jedoch keine Klimaanlage installiert ist und sich die Räume im Sommer stark aufheizen werden.
Kommunikation
Insgesamt bleibt die Kommunikation der Geschäftsführung mit dem Team auf ein Minimum beschränkt. Es fehlt an Klarheit, Transparenz und Bewusstsein für die Wirkung der eigenen Worte, wodurch weder Vertrauen noch Sicherheit im Arbeitsalltag entstehen. Hier ist keine Selbstreflexion des eigenen Kommunikationsstiles vorhanden, kein Gefühl für Stimmungen innerhalb des Teams und eine irritierende Abwesenheit jeglichen Gespürs für richtige Zeitpunkte und Worte.