Champions League im Kopf, Bundesliga-Mittelfeld in der Realität, solide, sicher, aber mit viel Luft nach oben
Gut am Arbeitgeber finde ich
Arbeitsplatzsicherheit
Definitiv eine der großen Stärken der Mainova. Wer einen sicheren Arbeitgeber sucht, ist hier ziemlich gut aufgehoben.
Nach einer gewissen Betriebszugehörigkeit fühlt man sich teilweise ohnehin nahezu unkündbar. Das sorgt auf der einen Seite für eine enorme Sicherheit und ist gerade in unsicheren Zeiten viel wert.
Auf der anderen Seite merkt man diese Sicherheit bei manchen Kollegen und Führungskräften vielleicht auch ein kleines bisschen zu deutlich. Sagen wir es so: Die Angst, morgen plötzlich den LinkedIn-Status auf „Open to Work“ stellen zu müssen, prägt den Arbeitsalltag eher weniger.
Wer Sicherheit und langfristige Planbarkeit sucht: definitiv ein Pluspunkt.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Manchmal würde etwas mehr realistische Selbsteinschätzung guttun. Bei einigen Führungskräften hat man das Gefühl, man spiele Champions League und müsse nur noch Real Madrid im Finale schlagen.
Wenn wir beim Fußball bleiben: Mainova ist für mich eher der FC Augsburg. Solide, seit Jahren dabei, grundsätzlich stabil und wird wahrscheinlich auch nächste Saison wieder mitspielen. Mal schnuppert man an den europäischen Plätzen, mal schaut man etwas nervöser Richtung Abstiegszone, aber meistens landet man irgendwo im Mittelfeld.
Und das ist überhaupt nichts Schlechtes. Im Gegenteil, ein stabiler Bundesligist kann ein ziemlich guter Arbeitgeber sein. Man sollte nur nicht jeden Montag in der Kabine so auftreten, als hätte man am Wochenende gerade die Champions League gewonnen.
Vielleicht würde genau diese Portion Selbstreflexion auch einigen Führungskräften guttun. Weniger Champions-League-Pressekonferenz, mehr Blick auf die tatsächliche Tabelle.
Verbesserungsvorschläge
Verbesserungsvorschläge
Veraltete Strukturen abschaffen und an einigen Stellen einmal ordentlich aufräumen. Aber bitte mit Augenmaß. Nicht jede moderne Organisationsidee muss ausprobiert werden, nur weil sie bei Spotify in irgendeiner Präsentation gut aussah. Wir sind am Ende immer noch bei einem kommunalen Energieversorger und nicht bei einem Tech-Startup im Silicon Valley.
Definitiv weniger Führungskräfte und dafür mehr Verantwortung dort, wo die eigentliche Arbeit passiert. Manchmal hat man das Gefühl, es gibt für jedes Problem erstmal einen neuen Führungskreis, bevor jemand das Problem lösen darf.
Vor allem sollte Mainova attraktiver für die junge Generation werden. Gute Leute reinzubekommen ist das eine. Ihnen eine echte Perspektive zu geben, damit sie nach ein paar Jahren nicht wieder gehen, das andere. Klare Karrierepfade, Entwicklungsmöglichkeiten und mehr Chancen, Verantwortung zu übernehmen, würden hier schon viel bringen.
Und bitte etwas Bewegung beim Thema Gehalt. Der Tarif hat viele Vorteile und gibt Sicherheit, aber dieses starre „Du bist jetzt hier eingruppiert und dann schauen wir in ein paar Jahren nochmal“ passt einfach nicht mehr für jede Position. Gerade bei gefragten Fachkräften sollte es Möglichkeiten geben, Leistung, Erfahrung und Marktwert individueller zu berücksichtigen und Gehälter auch wirklich zu verhandeln.
Kurz gesagt: Weniger Hierarchie, weniger Buzzword-Bingo, mehr Perspektive und etwas mehr Mut zur Veränderung. Aber bitte nicht gleich wieder Spotify kopieren.
Arbeitsatmosphäre
Kollegen & Arbeitsatmosphäre
Die Kollegen waren definitiv eines der Highlights. Viele coole Leute dabei und die Arbeitsatmosphäre habe ich eigentlich immer als angenehm empfunden. Aber wie überall gilt: Es steht und fällt mit der Abteilung. Mainova ist groß genug, dass man wahrscheinlich vom entspannten Traumteam bis zum persönlichen Endgegner alles finden kann.
Was die Arbeitsbelastung angeht: Burnout-Gefahr bestand bei mir eher nicht. Eine wirkliche Vollauslastung habe ich persönlich selten erlebt. Es gab natürlich Phasen, in denen mehr los war, aber dauerhaft am Limit arbeiten musste ich definitiv nicht. Wie es in anderen Bereichen aussieht, kann ich natürlich nicht beurteilen.
Vorgesetztenverhalten
Wo fängt man hier an?
Manchmal hatte man das Gefühl, einige Führungskräfte wären morgens versehentlich bei Mainova statt bei McKinsey oder den Big Four abgebogen. Ein bisschen mehr Bodenhaftung würde hier an der einen oder anderen Stelle sicherlich guttun. Am Ende arbeitet man immer noch bei einem kommunal geprägten Energieversorger in Frankfurt und nicht an der nächsten weltweiten Mega-Fusion.
Fachliches Know-how und Führungsverantwortung gehen leider auch nicht immer Hand
Gehalt/Benefits
Gehalt & Benefits
Gehalt würde ich insgesamt als okay bis gut bezeichnen. Ich war lange im Tarifkosmos unterwegs und da spielt Mainova definitiv ordentlich mit.
Das Problem ist eher: Wir sind halt in Frankfurt. Was auf dem Papier erstmal ziemlich gut aussieht, relativiert sich spätestens bei der Wohnungssuche ein wenig.
Bei individuellen Gehaltserhöhungen wird es dann leider schwieriger. Das System ist ziemlich starr und für meinen Geschmack teilweise sehr intransparent. Wer wissen möchte, warum Person A dort steht, Person B hier und was man selbst konkret tun muss, um den nächsten Schritt zu machen, braucht manchmal etwas Detektivarbeit.
Die Benefits sind dafür ganz cool. Jobticket und Stromdeputat nimmt man natürlich gerne mit.
Wellpass gibt es leider nicht, dafür ein eigenes Firmenfitnessstudio. Wer nach acht Stunden Arbeit seine Kollegen noch nicht genug gesehen hat und gerne auch beim Bankdrücken über die Arbeit sprechen möchte: viel Spaß.
Karriere & Weiterbildung
Hier sehe ich deutlich Luft nach oben.
Interne Schulungen gibt es wirklich reichlich und gerade die Agile Coaches geben sich meiner Erfahrung nach sehr viel Mühe. Das sollte man auch positiv erwähnen.
Arbeitsbedingungen
Arbeitsbedingungen & Ausstattung
Puh, schwierig.
Die Lenovo-Laptops sind teilweise lauter als so mancher Ryanair-Flieger beim Start. Dazu gibt’s ein iPhone, das technisch gefühlt noch aus der Steinzeit stammt. Privat nutzen darf man beides nicht und die Geräte sind so stark eingeschränkt, dass man manchmal schon froh ist, wenn man ohne Freigabe den Taschenrechner öffnen darf.
Fairerweise muss man aber auch sagen: Mainova gehört zur kritischen Infrastruktur. Dass IT-Sicherheit hier deutlich wichtiger ist als „installier dir einfach mal schnell irgendwas“, ist absolut nachvollziehbar.
Trotzdem wäre ein bisschen modernere Hardware sicherlich kein Angriff auf die Versorgungssicherheit Frankfurts.
Gleichberechtigung
Gleichberechtigung & Umgang mit älteren Kollegen
Diskriminierung habe ich persönlich nie erlebt. Der Umgang miteinander war aus meiner Sicht unabhängig von Alter, Herkunft oder sonstigen Themen immer völlig normal und respektvoll.
Und ganz ehrlich: Um die älteren, alteingesessenen Stadtwerker muss man sich sowieso keine Sorgen machen. Wer seit gefühlt 30 Jahren dabei ist, jeden Prozess schon dreimal kommen und gehen gesehen hat und genau weiß, wo im Keller noch irgendein Ordner von 1998 liegt, lässt sich so schnell von niemandem aus der Ruhe bringen.
Da kann auch die neue Führungskraft mit drei Workshops, fünf PowerPoints und einer neuen Vision kommen. Der Stadtwerker schaut sich das erstmal in Ruhe an.
Und sollte es arbeitsrechtlich doch einmal ungemütlich werden, freut sich im Zweifel wenigstens die Rechtsschutzversicherung über etwas Beschäftigung.