Teamleitung Property Management (WEG-Verwaltung)
Gut am Arbeitgeber finde ich
Sehr modern, sehr transparent und sehr menschlich. In diesen Kategorien wirklich ausnahmslos super.
Schlecht am Arbeitgeber finde ich
Die unternehmerische Ausrichtung ist für mich nicht nachvollziehbar bzw. vertretbar, weil man immens wächst und jede Menge Geld ins Marketing steckt, aber die Qualität der tatsächlichen Verwaltung größtenteils katastrophal ist.
Verbesserungsvorschläge
Weniger den Fokus auf das rasante Wachstum legen und sich mehr darum bemühen, dass die internen Prozesse passen und die Mitarbeiter/innen wissen, was sie tun - denn das habe ich nicht oft feststellen können, was zu sehr viel Frust auf meiner Seite geführt hat, weil man das Gefühl hatte, mit kompletten Neulingen zu arbeiten und wirklich alles erklären zu müssen.
Arbeitsatmosphäre
Das gesamte Team ist große Klasse, was sich natürlich positiv auf die Arbeitsatmosphäre auswirkt. Das Thema "Vertrauen" ist aber schon ein negativer Faktor. Es wird vieles kontrolliert - z.B. sehr viele gemeinsame Video Calls bei denen Bildschirmpflicht gegeben ist (vermutlich um zu prüfen, dass auch jeder im Home Office arbeitet - vollkommen außer Acht gelassen, dass Gruppentermine mit 15-20 Leuten nicht effizient sind und für viele einen sensorischen overload darstellen) oder das unverzügliche Nachtelefonieren von Kund/innen, wenn diese eine schlechte Bewertung auf Google / Trustpilot abgegeben haben. Insgesamt daher eher durchschnittlich.
Kommunikation
Die Kommunikation zwischen den Schnittstellen im Unternehmen war unterdurchschnittlich und teilweise non-existent, was im Gesamtpaket dazu führte, dass es sehr chaotisch und eher unprofessionell zuging. Die gesamte Buchhaltung hatte z.B. die Vorgabe nicht mit den externen Kunden zu interagieren, dies wurde dann ungelernten Kräften aus dem Kundencenter überlassen, was nicht unbedingt zu einer hohen Qualität in der Bearbeitung von Tickets geführt hat. Auch fehlten größtenteils klare Abgrenzungen bei der Zuständigkeit der einzelnen Abteilungen, was zu viel unnötigem "hin-und-her" geführt hat. Intern redet man zwar viel und offen miteinander, aber eben nicht effizient. Und auf der externen Ebene.. davon will ich gar nicht erst anfangen.
Kollegenzusammenhalt
Menschlich war alles absolute Spitze und man hat sich wirklich - ohne Wenn und Aber - unterstützt und gesehen gefühlt. Letzten Endes war es auch der einzige Grund, der mich zum Überdenken meiner Entscheidung gebracht hat. Zum Zeitpunkt meines Austritts hatte die Firma gut 100 Mitarbeiter/innen und es waren nur eine Handvoll an Menschen dabei, mit denen ich eher weniger gut klargekommen bin - aber das gibt es bekanntlich immer.
Work-Life-Balance
Zwar kann man flexibel im Home Office arbeiten. Das hilft nur wenig, wenn es trotzdem verpönt ist, nach acht vollen Arbeitsstunden den Dienst zu beenden. Ich hatte ausnahmslos jeden einzelnen Tag mindestens eine, wenn nicht sogar mehrere Überstunden und habe schon nach wenigen Wochen damit angefangen aus Scham meine Überstunden nicht 1:1 anzugeben, sondern diese immer künstlich zu reduzieren. Das hat System, da schon im Arbeitsvertrag standardmäßig 20h/Monat als abgegolten gelten. Auch die Überstunden-Frequenz in meinem ganzen Team war absonderlich hoch. Ich hatte nicht mehr Gefühl einem Job, sondern einer Lebensaufgabe nachzugehen.
Vorgesetztenverhalten
Menschlich waren alle Vorgesetzten toll, dennoch habe ich einige Entscheidungen nicht nachvollziehen können. Mehr als einmal wurde in meinen Zuständigkeitsbereich eingegriffen und "über meinen Kopf hinweg" entschieden. Dazu bestand noch jede Menge Luft nach oben in der Kommunikation auf Management-Ebene - hier hatte ich ein paar Mal das Gefühl als Letzter instruiert worden zu sein und dann nur durch Zufall von wissenswerten Dingen erfahren zu haben.
Interessante Aufgaben
Dadurch, dass sich die Firma noch sehr im "Start-Up"-Segment befindet, gibt es sehr viele, teils äußerst spontane Dinge, die erledigt werden müssen und damit wohl auch als interessant bezeichnet werden können. Da ich generell sehr gerne Probleme löse, war das ein positiver Punkt während meiner Betriebszugehörigkeit.
Gleichberechtigung
Die Transparenz ist immens hoch, jeder verdient auf der selben Ebene das Identische und jeder kann alles einsehen. Das ist spitze! Allerdings ist auch viel "Gleichmacherei" dabei, man versucht schon im Bewerbungsprozess einen sehr homogenen Mitarbeiter/innen-Bestand herbeizuführen, was dazu führt, dass bei kleinsten Abweichungen im Charakter, Verhalten oder der Herangehensweise gleich Probleme heraufbeschwört werden.
Umgang mit älteren Kollegen
Die Firma ist vom Altersdurchschnitt sehr jung. Man bemüht sich aber nach und nach auch ältere Kolleg/innen anzustellen und einzubinden, was ich sehr gut finde. Allerdings könnte man diesbezüglich auch mehr darauf achten, die weniger technik-affinen Mitarbeiter/innen ausreichend zu instruieren und vielleicht auch das ein oder andere Tool zu benutzen, das allgemeinverträglicher ist. Ich hatte damit keine Probleme, weiß aber, dass es einigen unnötig viele Schwierigkeiten bereitet hat, mit sehr hippen und jugendlichen Apps umzugehen für die tagtägliche Kommunikation.
Arbeitsbedingungen
Grundsätzlich sind die Arbeitsbedingungen spitze. Ich persönlich bin nur irritiert, warum eine so moderne Firma auf relativ schlechte Mobiltelefone zurückgreift (ich habe notgedrungen nach zwei Wochen mein Privathandy benutzt) und warum man mit einem Mac statt mit einem Windows-Rechner arbeitet. Wären wir Designer, hätte ich es verstanden, aber alles andere war unnötig umständlich. Daher der eine Punkt Abzug.
Umwelt-/Sozialbewusstsein
Man ist schon sehr darauf erpicht, nachhaltig zu arbeiten und auch zu reisen. Für mich persönlich war letzterer Punkt zwar eher negativ, weil ich auf mein Auto angewiesen war und die horrenden Benzinkosten selbst tragen musste, aber ganzheitlich betrachtet macht die Firma hier viel richtig.
Gehalt/Benefits
Das Gehalt ist überdurchschnittlich, wird aber durch die vielen Überstunden schnell relativiert. Insgesamt habe ich gleich viel verdient wie bei meinem vorangegangenen Arbeitgeber, nur dieses Mal mit gehörig viel Teamverantwortung mehr und dem dreifachen workload. Insofern drei Sterne mit zwei zugedrückten Augen.
Image
Das Image der Firma ist sehr gut und bei der medialen Präsenz macht man hier vieles richtig. Die Crux daran ist, dass man dieses Image natürlich auch bewusst herbeiführt. Es wird aktiv gegen negative Bewertungen auf Review-Portalen vorgegangen, teilweise auch mit Löschung von 1-Sterne-Bewertungen. Die Marketing-Maschinerie funktioniert blendend, bildet aber die Qualität des Unternehmens in keiner Weise ab.
Karriere/Weiterbildung
Hierzu kann ich kaum etwas beitragen, da meine Zeit bei Matera nicht lang genug war. Interne Schulungen wurden keine angeboten, dafür hat man aber durchaus die Möglichkeit "sich hochzuarbeiten".